Kritik an Bewertung kumulativer Diss durch den Doktorvater anbringen: Wie?

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Kritik an Bewertung kumulativer Diss durch den Doktorvater anbringen: Wie?

Beitrag von Dr2016 » 12.01.2016, 09:36

war: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Hallo zusammen,

ich habe nach knapp 4 Jahren meine Diss im FB BWL inoffiziell eingereicht (gängig bei uns am Lehrstuhl, dass vor der offiziellen Abgabe an der Uni der Chef nochmal drüber schaut). Ich bin der erste Doktorand, der kumulativ promoviert. Mindestvoraussetzung laut Prüfungsordnung: 3 Beiträge plus Einleitung.

Abgegeben habe ich 10 Beiträge (2xB, 1xenglisches C, zwei Workingpaper eingereicht bei englischem B bzw. C und Rest ist "Futter) plus eine "Einleitung" von über 60 Seiten und über 200 Quellen (nur die Einleitung!!!).

Da naturgemäß der Umfang einer kumulativen Diss geringer außfällt als eine Monographie, habe ich schätzungsweiße "nur" 300 Seiten abgegeben. Den Großteil habe ich in Kooautorenschaft geschrieben. Nun wird mir vorgehalten, ich hätte zu wenig Eigenleistung erbracht. Zwar habe ich aus der Sicht meines Erstgutachters die Diss bestanden, aber eben mit der schlechtesten Note. Ich wollte mir die Möglichkeit offen halten, in der Forschung zu bleiben. Disskussion lässt mein Chef nicht zu. Was soll ich tun? Ich hoffe, ihr habt einen Rat für mich :roll:
Zuletzt geändert von Sebastian am 13.01.2016, 22:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Dr2016
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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von Dr2016 » 12.01.2016, 09:59

Leider habe ich zu schnell aus Absenden gedrückt:

Fakt ist, ich werde mit einer Diss mit 25 Beiträgen aus dem Nachbarlehrstuhl verglichen. Dagegen stinke ich natürlich ordentlich ab! Ich hatte bislang immer ein gutes Verhältnis zu meinem Doktorvater. Da ich dieses Jahr (trotz Ankündigung) nicht montags, sondern donnerstags erst am Lehrstuhl erschienen bin, wurde mir dies auch mehrfach vorgeworfen (die übrigen Jahre war ich immer pünktlich!!!). Ich bin der Meinung, bei der Bewertung spielt sehr viel Subjektivität mit rein, er hat uU. Angst davor, eine neue Form der Doktorarbeit zu bewerten, die er vorher nicht bewertet hat und stapelt jetzt eher tief mit der Note.

Fakt ist: viele Gutachter haben vor meinem Chef meine (Teil)Leistungen bewertet. Und das anscheinend positiv! Sonst hätte ich nicht so viele Veröffentlichungen in (aus meiner Sicht) guten Journals. Dass Veröffentlichungen aufgrund von Übersetzungen, Reviews etc. Zeit kosten, wird nicht berücksichtigt. Da meine Kollegen zum Teil Interesse an meiner Thematik gefunden haben, habe ich nicht alleine, sondern im Kollektiv geschrieben. Die Ursprungsthematik ist mir zuzuordnen! Ich habe auch am meisten Eigenleistung für mich beansprucht.

Mein Chef ist nicht der Mensch, der Disskussionen zulässt. Würde ich mich beschweren, verschließe ich mir uU. Möglichkeiten zu besseren Noten. Verbesserungspotential besteht leider nicht, da wie gesagt beinahe alles veröffentlicht ist. Und die drei Punkte in der Einleitung rechtfertigen keinen Notensprung von 2 Einheiten. Vielleicht ist das psychologische Kriegsführung? Vielleicht ändert er das Gutachten doch nochmal? Insbesondere wenn die Promotionskommission sich so zusammensetzt, wie er will? Alles Spekulationen...mein Kopf ist einfach viel zu voll...

walliworld
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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von walliworld » 12.01.2016, 10:11

Eine Frage brennt mir gerade auf den Lippen. Aus welchem Grund hattest Du bei den meisten Artikel "nur" eine Kooautorenschaft? Weiter unten sagst Du es ist Dein Thema und Du hast andere mitschrieben lassen? In diesem Fall müsstest Du doch der Erstautor sein, damit auch öffentlich gezeigt wird, das es dein Thema ist, oder?

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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von Dr2016 » 12.01.2016, 10:15

walliworld hat geschrieben:Eine Frage brennt mir gerade auf den Lippen. Aus welchem Grund hattest Du bei den meisten Artikel "nur" eine Kooautorenschaft? Weiter unten sagst Du es ist Dein Thema und Du hast andere mitschrieben lassen? In diesem Fall müsstest Du doch der Erstautor sein, damit auch öffentlich gezeigt wird, das es dein Thema ist, oder?
Mit Erstautor meinst du die Reihenfolge? Ich stehe immer an erster Stelle, musste laut Promotionsordnung allerdings einen Grad der Eigenleistung angeben. Da noch andere Personen sich diese Leistung auf ihre Diss anrechnen lassen wollen, habe ich hier plausibele Werte genommen.
Eine Person ist schon habilitiert. Den Kollegen habe ich mit drauf genommen, um eine "Signalwirkung" zu setzen, damit die Gutachter der Beiträge milde gestimmt sind. Wir haben am Lehrstuhl mittlerweile beinahe alle die gleiche Themenrichtung...aber ich war der erste!!!!!!!

flip
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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von flip » 12.01.2016, 13:19

Was sind denn die 25 "Beiträge"? Wohl kaum Journal-Publikationen?

Suche dir anderen Promotionsordnungen, wo die Leistung ebenfalls enthalten ist und sage ihn, dass weit darüber liegst.
Ansonsten scheint dein Chef ja nun wenig Erfahrungen mit so etwas zu haben, wenn er die Arbeit eines Aufsatzes Seitenzahlmäßig in mit einer Monographie gleichsetzen will.

Wenn dein Chef uneinsichtig ist, und nicht mit sich diskutierten lässt, was hast du also zu verlieren, wenn du dich nicht beschwerst?

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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von Dr2016 » 12.01.2016, 14:01

flip hat geschrieben:Was sind denn die 25 "Beiträge"? Wohl kaum Journal-Publikationen?
Doch! Tatsächlich sind dies überwiegend Journalbeiträge. Einige wenige sind Konferenzbeiträge bzw. Sammelbandbeiträge. Allerdings sind - grob überschlagen - ca.7-9 der Journalbeiträge auch nicht gerankt.
flip hat geschrieben:Suche dir anderen Promotionsordnungen, wo die Leistung ebenfalls enthalten ist und sage ihn, dass weit darüber liegst.
Ansonsten scheint dein Chef ja nun wenig Erfahrungen mit so etwas zu haben, wenn er die Arbeit eines Aufsatzes Seitenzahlmäßig in mit einer Monographie gleichsetzen will.

Wenn dein Chef uneinsichtig ist, und nicht mit sich diskutierten lässt, was hast du also zu verlieren, wenn du dich nicht beschwerst?
Sicherlich bringt mich nichtstun und absitzen nicht weiter. Aber verprellen will ich meinen Doktorvater auch nicht. Ich sitze zwischen den Stühlen zwischen: 1. aushalten und auf ein besseres Prädikat hoffen und 2. Dampf machen und ihm meine Leistung vergegenwärtigen mit der Gefahr einer schlechteren bzw. gleichbleibenden Note.

Dennoch danke für den Tip! Vielleicht hilft mir eine andere Promotionsordnung bei der Diskussion um die Note.

itsme
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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von itsme » 12.01.2016, 19:34

Dr2016 hat geschrieben: Sicherlich bringt mich nichtstun und absitzen nicht weiter. Aber verprellen will ich meinen Doktorvater auch nicht. Ich sitze zwischen den Stühlen zwischen: 1. aushalten und auf ein besseres Prädikat hoffen und 2. Dampf machen und ihm meine Leistung vergegenwärtigen mit der Gefahr einer schlechteren bzw. gleichbleibenden Note.
Warum gleich so konfrontativ? Deine Zielrichtung ist doch eigentlich klar: Du möchtest eine faire Bewertung. Das ist nichts Ehrenrühriges, das sofort zum eskalierenden Konflikt führen muss. Nach deiner Darstellung hast du eine gute Leistung erbracht, die auch anerkannt wurde (Akzeptanz durch die Journals). Vielleicht kannst du das Gespräch vorbereiten und bewusst darauf achten, Vorwürfe zu vermeiden (wie z.B. den Vorwurf der subjektiven Bewertung) und stattdessen deine Leistung in den Mittelpunkt stellen. Du kannst aufzeigen, wie lange der Prozess für die einzelnen Publikationen gedauert hat (weswegen 25 (!) eigentlich schon rechnerisch nicht möglich sind --> Lichtenthaler-Alert, denn da muss jemand exessives salami-slicing betrieben haben). Du kannst auch bibliographische Kennzahlen benutzen und so deine Leistung in Relation zu anderen Doktoranden setzen. Die Koautorenschaft kannst du auch positiv verpacken: Du hast Teamfähigkeit bewiesen und gute Wissenschaft ist nun mal kooperativ. Schließlich gibt es ja auch noch den Zweitgutachter: Hast du den schon angesprochen? Du kannst ggf. in der Disputation die Note noch verbessern. Und selbst wenn alle Stricke reißen und dein DV sich nicht umstimmen lässt: Für einen Verbleib in der Forschung ist die Publikationsliste viel wichtiger als die Note. D.h. du hast den Grundstein für eine weitere Laufbahn schon gelegt, die Note ist nur noch Draufgabe.

Alles Gute! :blume:

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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von Dr2016 » 13.01.2016, 11:55

itsme hat geschrieben:
Dr2016 hat geschrieben: D.h. du hast den Grundstein für eine weitere Laufbahn schon gelegt, die Note ist nur noch Draufgabe.
Da gebe ich dir recht. Allerdings einen Dissertationspreis kann ich mir damit trotzdem abschmincken, da die meist auf summa/magna beschränkt sind. Und ggf. wird bei der Habil auch die Kombination von Veröffentlichungen und Note betrachtet. Ganz unwichtig finde ich die Note nicht!
Ich versuche ein ruhiges Gespräch mit meinem Chef zu suchen. Wenn er Diskussion zulässt, zeige ich ihm vorsichtig meinen Standpunkt auf. Wenn nicht, muss ich auf eine bessere Endnote einfach hoffen...

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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von histosowi » 13.01.2016, 18:56

itsme hat geschrieben:Für einen Verbleib in der Forschung ist die Publikationsliste viel wichtiger als die Note. D.h. du hast den Grundstein für eine weitere Laufbahn schon gelegt, die Note ist nur noch Draufgabe.
Das kann ich leider nicht bestätigen. Ein dauerhafter Verbleib in der Wissenschaft läuft über Habilitation oder Juniorprofessur. Für beide Wege sind überdurchschnittliche Promotionsleistungen Voraussetzung, also mindestens magna, eher summa.

Eine Hoffnung bleibt für Dr2016 aber noch: das der Zweitgutachter die Diss Bombe findet und überdurchschnittlich gut wertet. Dann kann es (evtl. mit super Drittgutachten) und sehr guter Dispu immer noch ein Magna oder besser werden. Also, noch nicht die Flinte ins Korn werfen! :blume:

Ich drücke dir die Daumen!

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Re: Hilfe: Mein Doktorvater bewertet subjektiv

Beitrag von flip » 13.01.2016, 20:10

Und das kann ich wiederum nicht bestätigen!
Ich gehe sogar noch weiter und behaupte, dass du dich in der BWL (und VWL sowieso) ohne Promotionsurkunde bewerben könntest. Deine Leistung ist mehr oder weniger objektiv durch das Ranking der Journals einsehbar. Da schaut keiner mehr auf die Note der Diss. Schon garnicht auf die Gutachten der Profs.

Die würde höchstens für Verwunderung sorgen, was sich dann vermutlich sehr schnell legen wird, wenn man die Publikationsleistung des Betreuers sieht. Die in diesem Fall wohl nicht existent ist, wenn der Prof den Zeitaufwand bzw. die Qualität eines Artikels nicht einschätzen kann.

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