Schlechtes Gutachten

epikur
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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von epikur » 20.02.2015, 14:20

Liebe Lucy,

noch ein Nachtrag:

Auch in meinen "magna"- Gutachten (die ich nur inoffiziell "gesteckt" bekommen habe, eigentlich hätte ich sie gar nicht bekommen dürfen) stehen so einige Dinge, die nicht schmeichelhaft sind - und z.T. auch nicht zutreffen! Auch ich habe erstmal ganz schön "schlucken" müssen, zumal man bei der Note ja überwiegend Lob erwartet... :?

Genau so, wie die Vergabe der Bestnote offenbar seltener geworden ist, scheint es auch zunehmend üblich zu werden, sich, selbst in Gutachten mit positivem Gesamtergebnis, im Detail sehr kritisch mit der jeweiligen Arbeit auseinanderzusetzen.
Der Doktorgrad ist nun mal der höchste akademische Grad, da liegt die Messlatte naturgemäß sehr hoch. Insbesondere jedoch nach den Geschichten mit Guttenberg & Co., weht an deutschen (und auch österreichischen) Universitäten nach meinen Beobachtungen diesbezüglich ein schärferer Wind!
Viele Hochschullehrer scheinen auf diese Weise jeden Hauch eines Verdachtes von sich weisen zu wollen, ihren Doktoranden irgendetwas zu "schenken"...

Einerseits kann ich das nachvollziehen, andererseits kann man das auch übertreiben!
Jedenfalls finde ich es höchst ungerecht, dass auch und gerade die ehrlichsten, redlichsten, fleißigsten und besten Doktoranden auf diese Weise die Suppe auslöffeln dürfen, die einige wenige Idioten uns eingebrockt haben :twisted:

Ein schönes Wochenende wünscht

epikur

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Lucy
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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Lucy » 21.02.2015, 11:49

epikur hat geschrieben: Viele Hochschullehrer scheinen auf diese Weise jeden Hauch eines Verdachtes von sich weisen zu wollen, ihren Doktoranden irgendetwas zu "schenken"...
Diesen Aspekt hatte ich noch gar nicht bedacht! Jetzt hoffe ich nur, dass die Verleger das auch so wahrnehmen! Meine Schwägerin (Fachanwältin für Arbeitsrecht) sieht es mit den Augen eines Arbeitgebers, und da ist es ein "Todesurteil". Sie hat mir übrigens geraten, Widerspruch einzulegen. Aber das will ich auf keinen Fall.

epikur
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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von epikur » 21.02.2015, 13:02

Hallo Lucy,

lass Dich bloß nicht durch Deine Schwägerin verrückt machen!!!
Es gibt grundsätzliche Unterschiede zwischen Arbeitszeugnissen und Promotionsgutachten!
In Arbeitszeugnissen darf, aus arbeitsrechtlichen Gründen, keine offene Kritik geübt werden. Diese versteckt sich deshalb hinter wohlklingenden Formulierungen :wink:
In Promotionsgutachten ist es hingegen, wie gesagt, offenbar zunehmend üblich, ziemlich heftig "vom Leder zu ziehen".

Natürlich legst Du KEINEN Widerspruch gegen ein "Magna cum Laude"- Gutachten ein - das wäre Wahnsinn :evil:

Allerdings solltest Du, wenn Du Dich so unverstanden fühlst, evtl. noch mal das vertrauliche Gespräch mit Deiner DM suchen. Ich bin sicher, sie hat das gar nicht so negativ gemeint....

Schönes Wochenende

epikur

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von itsme » 21.02.2015, 13:50

Lucy hat geschrieben: Diesen Aspekt hatte ich noch gar nicht bedacht! Jetzt hoffe ich nur, dass die Verleger das auch so wahrnehmen! Meine Schwägerin (Fachanwältin für Arbeitsrecht) sieht es mit den Augen eines Arbeitgebers, und da ist es ein "Todesurteil". Sie hat mir übrigens geraten, Widerspruch einzulegen. Aber das will ich auf keinen Fall.
:shock: Das finde ich ein bisschen radikal (selbst dann noch, wenn ich abziehe, dass Anwälte bedingt durch ihre Ausbildung dazu tendieren den Rechtsweg als alleinige Lösung für fast alles zu betrachten). Denn es handelt sich ja wie epikur schon gesagt hat nicht um ein Arbeitszeugnis und auch nicht um einen wissenschaftlichen Letter of Recommendation wie er im anglosächsichen Raum verbreitet ist. Da ist dann manchmal schon nervtötend, dass deutsche Professoren anderes als ihre englischen oder amerikanischen Gegenstücke nicht die "Recommendation" in der Vordergrund stellen, sondern einen ehrlichen und kritischen Eindruck vermitteln wollen. Und wenn ich deine DM wäre, würde mir ein Widerspruch sehr, sehr übel aufstoßen, besonders da du selbst gesagt hast, dass die Betreuung gut war. Und ohne jetzt gleich die Latte auf ein Minimum abzusenken: Ich finde sieben Seiten sind für ein Gutachten auch nicht schlecht, sondern zeigen, dass sie sich wirklich mit der Arbeit befasst hat. Ich kenne Leute, die sich jahrelang an Lehrstühlen abgerackert haben und am Ende mit einer halben Seite abgespeist wurden.

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Koenigsportal » 21.02.2015, 14:22

In Gutachten wollen Profs auch gerne noch ihren eigenen Senf dazu geben. Das wirkt dann kritisch, ist aber eigentlich nur profilneurotisch. (Das Gutachten dient auch der Promotionskommission als Basis, denn die lesen die Arbeit nicht unbedingt alle, d.h. bei mir hat sie außer DV und Zweitgutachter keiner gelesen.)
Ich habe fest gestellt, dass ich meine Gutachten mit der Zeit nur halb so kritisch finde, wie gleich nach der Prüfung. Außerdem scheint mir, dass ein DV so etwas eher "'runterreißt" und dem natürlich nicht ganz so viel Aufmerksamkeit widmet, wie wir der Diss. Für ihn hat das eben nicht dieselbe Wichtigkeit wie für den Doktoranden. In meinem Gutachten liest es sich über ca. eine Seite auch so, als wären zahlreiche Mängel gegeben, die ich selbst - da ich die Thematik ja kenne - schon während des Lesens banal fand. Nach den langen Ausführungen heißt es dann auch, dass das nur Marginalien sind. :roll: Ich habe das Gutachten immer und immer wieder gelesen, um herauszufinden, was ich denn bitte zu verbessern hätte, weil ich immer wieder hörte, dass Diss.en nachgearbeitet werden müssen und ich den Eindruck hatte, dass die Arbeit kritisch bewertet wurde. Letztlich lief es immer auf die paar banalen Sachen hinaus, die nicht mal explizit geändert werden mussten. Also, vielleicht legst Du es erstmal zur Seite oder liest es einfach mit viel Wohlwollen für Deine DM.
Glückwunsch natürlich auch noch /:dr) :prost:
Zuletzt geändert von Koenigsportal am 22.02.2015, 13:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von myfunnyvalentine » 22.02.2015, 13:16

Koenigsportal hat geschrieben:In Gutachten wollen Profs auch gerne noch ihren eigenen Senf dazu geben. Das wirkt dann kritisch, ist aber eigentlich nur profilneurotisch. (Das Gutachten dient auch der Promotionskommission als Basis, denn die lesen die Arbeit nicht unbedingt alle, d.h. bei mir hat sie außer DV und Zweitgutachter keiner gelesen.)
Ja! Gerne in einer der beiden folgenden Varianten.

a (gemäßigt): Schönes Buch. Aber warum haben Sie es nicht anders geschrieben?
b (profilneurotisch): Schönes Buch. Aber warum haben Sie es nicht so geschrieben, wie ich das getan hätte?

:stressed:

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von praktikum » 29.04.2016, 23:50

Entwurf gepostet, sorry.
Zuletzt geändert von praktikum am 29.04.2016, 23:55, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von praktikum » 29.04.2016, 23:54

Leider ist Dein Fall wieder ein Beispiel dafür, wie DM und DM ihren Studenten mal eben unnötig eine verpassen. Meist aus banalen Gründen wie schlechte Tagesstimmung.
praktikum hat geschrieben:
Lucy hat geschrieben: Diesen Aspekt hatte ich noch gar nicht bedacht! Jetzt hoffe ich nur, dass die Verleger das auch so wahrnehmen! Meine Schwägerin (Fachanwältin für Arbeitsrecht) sieht es mit den Augen eines Arbeitgebers, und da ist es ein "Todesurteil". Sie hat mir übrigens geraten, Widerspruch einzulegen. Aber das will ich auf keinen Fall.
Geht es hier um ein Arbeitszeugnis oder um das Gutachten zur Doktorarbeit?
Gegen das Arbeitszeugnis kannst Du bis zu einem gewissen Grad vorgehen -> Arbeitsrecht. Beim Arbeitszeugnis kann man notfalls immer noch vor Gericht gehen und die Mindestnote bzw. Formulierung einklagen, sofern der Arbeitgeber keine handfesten Gegenbeweise hat. Urteil und gut ist.

Die juristischen Möglichkeiten bei einem Gutachten sind dagegen begrenzt. Natürlich kann man Widerspruch einlegen, aber das sollte schon ein Ziel haben.

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