Schlechtes Gutachten

Lucy
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Schlechtes Gutachten

Beitrag von Lucy » 18.02.2015, 17:26

Meine Note ist zwar magna cum laude, aber meine DM hat mir ein Gutachten geschrieben, mit dem ich mich niemals irgendwo sinnvoll bewerben kann, weder bei einer Stiftung o.ä. für einen Druckkostenzuschuss noch bei einem renommierten Verlag für die Veröffentlichung noch bei einem potentiellen Arbeitgeber...
Auf 7 Seiten schreibt sie nur 15 Zeilen darüber, was in meiner Arbeit gut ist. Der Rest ist zum einen Teil völlig allgemein und wertneutral, eine Darstellung der Forschungslage und Quellensituation aus ihrer Sicht (die Funktion dieser Darstellung an dieser Stelle leuchtet mir nicht ein :roll: ). Zum großen Teil aber lässt sie kein gutes Haar an der Arbeit, stellt sie als reine Fleißarbeit dar, der Leser habe "keinen völlig befriedigenden Eindruck"... Dann moniert sie Einzelheiten, die angeblich nicht stimmen – die ich aber definitiv belegen kann! Sie verlangt, dass ich das Fazit neu schreiben soll, ganz anders aufgebaut... Auf der siebten Seite ist man erstaunt, dass als Note magna cum laude vorgeschlagen wird.
Wie soll ich bloß mit so einem Gutachten umgehen? Ich bin grad ziemlich verzweifelt. :cry: :cry: :cry:

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Poppy
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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Poppy » 18.02.2015, 20:15

Erstmal tief Luft holen!

Musst du wirklich bei Verlag und Stiftung die Gutachten einreichen, oder reicht nicht die Promotionsbescheinigung, die du nach der Verteidigung bekommst? Die Note reicht denen doch sicher aus? Wenn ich mich richtig erinnere, werden nicht mal überall die Gutachten an den/die Anwärter/in ausgegeben. Bei mir stand glaube ich dabei, dass sie nur zur Vorbereitung auf die Disputation dienen und ich sie niemandem sonst geben darf.

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von epikur » 18.02.2015, 23:52

Hallo Lucy!

Es gab mal einen dick(felligen) Bundeskanzler, der den Spruch prägte:
"Wichtig ist, was hinten ´rauskommt" :shock:

Entscheidend ist die Note - und nicht das Genörgle im Gutachten!!! Zumal man in der ersten Aufregung auch manches in den "falschen Hals" bekommen kann, was soo negativ gar nicht gemeint ist. Sonst hätte Dir Deine DM GARANTIERT kein "magna" gegeben!

Nach den Gutachten kräht i.d.R. kaum ein Hahn, nur bei super- renommierten Verlagen muss man sie m.W. vorlegen, bei Arbeitgebern ist es absolut nicht üblich. Und für solche absoluten Top- Verlage sowie hochdotierte Wissenschaftspreise bräuchtest Du ohnehin ein "Summa"....
Ich kenne viele Unis (wie z.B. auch meine), die die Gutachten überhaupt nicht ´rausrücken!

Deshalb: Freue Dich über das "Magna cum laude" :blume: :dr) :blume: :dr)

Alles Andere solltest Du erstmal sacken lassen. Man ist im Stress des Endspurts grundsätzlich in einem Ausnahmemodus, in dem einem die Dinge viel dramatischer erscheinen, als sie letztlich sind.

Viel wichtiger ist die Frage, ob das Zweitgutachten schon vorliegt. Wenn das ebenfalls (mindestens) ein magna sein sollte und Du Dich bei der Verteidigung nicht allzu doof anstellst, wäre das ein Super Ergebnis :)

Du solltest Dich also über diesen schönen Teilerfolg freuen und die kritischen Kommentare nicht überbewerten!

Herzlichen Glückwunsch von

epikur

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von histosowi » 19.02.2015, 05:54

Liebe Lucy,

auch von mir erst mal: "Nicht verzweifeln"! :blume:

Wie die anderen schon geschrieben haben, interessiert viele Verlage nur die Note, nicht die Gutachten. Du kannst auch den Selbstverlag oder die Online-Veröffentlichung in Betracht ziehen. Kommt ein bischen drauf an, ob du deine Zukunft in der Wissenschaft siehst.

Wenn nein, ist eh alles in Butter, da kein externer Arbeitgeber je deine Gutachten zu Gesicht bekommen wird. Im Wissenschaftszirkus selbst kann man sich auch mit einem "magna" sehr gut auf Postdoc-Stellen bewerben. Da kommt es auch drauf an, welche Kontakte du geknüpft und wie viel du schon publiziert hast.

Hat deine DM deine Dissertation nicht vor der Einreichung gesehen? Und hast du intern oder extern promoviert?

Und vor allem noch: Glückwunsch zu deinem "magna"! /:dr)

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Lucy » 19.02.2015, 08:45

Herzlichen Dank an alle, die mich trösten! Ich habe beide Gutachten erst nach der Verteidigung als Kopie vom Dekanat bekommen. Das Zweitgutachten ist übrigens sehr korrekt. Meine DM hat nicht nur die Arbeit mehrmals in Teilen vor der Einreichung gesehen, korrigiert und mir Hinweise gegeben, sie hat mich auch sonst sehr gut betreut (mich Vorträge halten lassen, zum Kongress geschickt...). Deshalb bin ich ja so schockiert!!!! Und doch, leider wollen alle Verlage, die ich bisher gefragt habe, die Gutachten sehen....

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von myfunnyvalentine » 19.02.2015, 09:02

Lucy hat geschrieben:Und doch, leider wollen alle Verlage, die ich bisher gefragt habe, die Gutachten sehen....
Ein Grund dafür wird sicherlich sein, dass die Gutachten eine Art Zuammenfassung der Arbeit sind. Und 2x sieben Seiten sind halt doch schneller gelesen als 2x >200 ;)

Du hast von beiden Magna bekommen, dass werden die beim Verlag auch sehen.

Keine Sorge – wird schon klappen!

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von itsme » 19.02.2015, 10:00

Lucy hat geschrieben: Zum großen Teil aber lässt sie kein gutes Haar an der Arbeit, stellt sie als reine Fleißarbeit dar, der Leser habe "keinen völlig befriedigenden Eindruck"... Dann moniert sie Einzelheiten, die angeblich nicht stimmen – die ich aber definitiv belegen kann! Sie verlangt, dass ich das Fazit neu schreiben soll, ganz anders aufgebaut... Auf der siebten Seite ist man erstaunt, dass als Note magna cum laude vorgeschlagen wird.
Wie soll ich bloß mit so einem Gutachten umgehen? Ich bin grad ziemlich verzweifelt. :cry: :cry: :cry:
:blume: Nicht verzweifeln und vor allem sich nicht die Freude am Magna dadurch verderben lassen! Wie hier schon gesagt wurde: Es ist die Note die zählt und wenn die Betreuerin von der Arbeit nicht überzeugt wäre, dann wär's kein Magna geworden. Das überraschend kritische Gutachten kann man vermutlich auch durch das Vorgehen bei der Erstellung erklären: Wahrscheinlich hat sie sich beim Lesen Notizen gemacht - und so sammeln sich eben die Sachen, die man kritisch anmerken möchte. Zudem fühlen sich Wissenschaftler oft verpflichtet eben nicht zu elegisch zu werden - es könnte ja immer noch die Arbeit mit Nobelpreispotential um die Ecke kommen, da möchte man Luft nach oben lassen. Wir haben mal eine Bewerbung bekommen, der genau so ein Gutachten wie deines (inhaltlich kritisch, dann aber Bewertung mit Magna) beigelegt war - und mein Chef fand' das sogar gut. Denn so hatte er den Eindruck, dass die Arbeit wirklich gelesen wurde und nicht einfach ein Gefälligkeitsgutachten rausgehauen wurde, mit dem man einen verdienten Mitarbeiter abspeisen möchte.

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Zwonk » 19.02.2015, 13:08

@Lucy: Was die Verlage betrifft, würde ich mich nicht irre machen lassen. Eins meiner Gutachten war auch sehr fragwürdig. Zumindest kann ein externer Leser daraus nur schwer einen Eindruck meiner Arbeit gewinnen, weil der Gutachter sich nur sehr am Rande mit der beschäftigt. Stattdessen lernt man viel drüber, was für stilistische Wendungen dem Gutachter gefallen bzw. nicht gefallen :roll: Mein Wunschverlag hat sich aber auch die Gutachten schicken lassen und hat die Diss dann genommen.

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Lucy » 19.02.2015, 13:30

Danke, ihr macht mir Hoffnung!

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Re: Schlechtes Gutachten

Beitrag von Traudel » 19.02.2015, 17:50

Liebe Lucy, liebe Mit-Foristen,
dann setze ich einfach noch eins drauf in Sachen "Hoffnung/Mut machen": Meine DM und der Zweitgutachter haben ebenfalls sehr ausführliche und kritische Gutachten verzapft (mit welchen ich übrigens nicht unbedingt einverstanden war und die ich nicht ganz mega gerechtfertigt fand... :? ). Ich war externe Doktorandin, und mir wurde dementsprechend eine weniger intensive Betreuung zuteil...(diplomatisch ausgedrückt). Da meine DM wusste, dass ich unbedingt bei einem Wissenschaftsverlag publizieren wollte, hat sie mir im Gutachten recht umfassende Änderungs- und Kürzungsauflagen zur Erlangung der Druckreife gemacht. Die (nebenberufliche) Überarbeitung hat mich etliche Monate gekostet - aber es hat sich gelohnt: Ich konnte in einem Verlag publizieren, der nur summa-Dissen annimmt; nee, und auch ich hatte wie Du kein summa. Aber halt eben die Druckreife (und damit den Beweis der erfüllten Auflagen des Gutachtens) meiner DM als Qualitätssiegel sozusagen.
Meine DM sagte mir aber immer: "Frau Traudel, Sie werden in der Community und im Berufsleben künftig an Ihrer Publikation und nicht an Ihrer Note gemessen!" Weiß nicht, ob das unbedingt stimmt (bei Juniorprofessuren mit Sicherheit nicht...), aber ich wurde noch nie nach meiner Note gefragt (ja, ich bin weiterhin im Wissenschaftszirkus beschäftigt).
Auch wenn die Aussicht auf umfangreiche Überarbeitungen alles andere als attraktiv ist: Du kannst auf diese Weise und mit dem Zuspruch Deiner Gutachter aber ganz bestimmt in Deinem Wunschverlag veröffentlichen. Augen zu und durch - es lohnt sich!

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