Schon im Ingenieurberuf: Jetzt noch promovieren?

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Re: Kann ich es riskieren noch zu promovieren?

Beitrag von NewName » 26.11.2014, 21:42

garrett85 hat geschrieben:Ich habe Thief 1-3 + Thief2x (Shadows of the Metal Age) durchgespielt. Das neue Thief würde ich auch noch gerne spielen, aber im Moment fehlt mir die richtige Hardwareausstattung.

cool. Ich spiels gerade auf der Xbox 360. Ist nicht so schlimm wie befürchtet und macht durchaus Spaß, aber trotzdem kein vergleich.

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barbara
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Re: Schon im Ingenieurberuf: Jetzt noch promovieren?

Beitrag von barbara » 26.11.2014, 22:21

Hi Garrett,

Ich bin nun weder Personaler noch in einem Großkonzern, aber ich habe schon relativ viele Bewerbungen auf dem Tisch gehabt und einige Leute eingestellt für meine kleine Entwicklungsabteilung eines kleinen Mittelständlers. Techniker, Ingenieure, einen Dr. Wir haben einen Techniker der unserem Dr - der sehr,sehr gut ist - durchaus das Wasser reichen kann. Mir ist der formale Abschluss egal.

Als unser Unternehmen noch rein handwerklich geprägt war, war ein "Dr" eher hinderlich. Die galten als abgehobene Theoretiker - und wenn Du Dich auf einem typischen "Wirtschafts-förderungs-dingsbums-Tagungs-Kongress" umschaust, dann sind dort genau die Krawatten-Doktoren zu finden, die einen Handwerker darin bestärken. Den fleissigen Forscher im Labor oder am Rechner bekommt dieser nicht zu sehen. Die Sprachbarriere tut das übrige.

In einem größeren Unternehmen mit akademisch gebildeten Mitarbeitern sollte das kein Problem sein. Wenn dort die Mehrzahl der Führungskräfte einen Dr. hat, heisst das allerdings in keiner Weise, dass der vorausgesetzt wird: Gute Leute steigen auf UND gute Leute haben oft einen Dr. Sie steigen aber auf, weil sie gut sind - nicht wg. des Dr. Aber schaden tut er sicher nicht!

Die fehlende Praxis wiegt schwerer. Dazu kommt, dass eine Führungskraft kein Spezialwissen braucht. Ich lerne gerade neben meinem nebenberuflichen herumdoktorn noch BWL nach, damit ich unserem unmöglichen Controller, der meine Entwicklungsabteilung auf dem Kieker hat, Paroli bieten kann. Nebenbei hab ich natürlich auch die Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit meiner Projekte (da reichen aber die 4 Grundrechenarten....) Wichtiger sind Menschenkenntnis, dann Menschenkenntnis, dann - hatte ich das schon geschrieben? - Menschenkenntnis. Berufs - und Führungserfahrung. Flexibilität und Entscheidungsfreudigkeit - auch bei unklarer Datenlage. Charisma. Nicht unbedingt vertiefte Kennntnisse in theoretischer Festkörperphysik...
Ich mache die Promotion um Chancen auf eine FH-Karriere oder auf eine Führungsposition in einem größeren Unternehmen zu haben.
DAS macht mich mißtrauisch! Denn das sind zwei ziemlich verschiedene Dinge, und ob die Motivation für eine Diss dadurch aufgebracht wird, bezweifle ich stark!

FH-Professur: Lehren und forschen, Umgang mit jungen Leuten und Wissenschaftlern. Gehalt deutlich gedeckelt.
Führungsposition Großkonzern: Führen, entscheiden, strategisch (je nach Aufgabe technisch oder wirtschaftlich -meistens beides-) denken aber NICHTS selber tun. Gehalt nach oben offen.

Auf jeden Fall macht Promovieren Stress und Spaß. Persönlich ist das auf alle Fälle ein Gewinn.

garrett85
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Re: Schon im Ingenieurberuf: Jetzt noch promovieren?

Beitrag von garrett85 » 27.11.2014, 13:09

Hi barbara,

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.
barbara hat geschrieben: Gute Leute steigen auf UND gute Leute haben oft einen Dr. Sie steigen aber auf, weil sie gut sind - nicht wg. des Dr. Aber schaden tut er sicher nicht!
Ich denke, dass ich gut bin, in dem was ich tue. Insofern kann ich sicherlich durchs Fachliche überzeugen. Mich würde es halt ärgern, wenn ich irgendwann gerne eine Stelle hätte, für die ich fachlich und persönlich geeignet bin, aber dafür ohne wenn und aber die 2 Buchstaben notwendig wären.
barbara hat geschrieben:
Ich mache die Promotion um Chancen auf eine FH-Karriere oder auf eine Führungsposition in einem größeren Unternehmen zu haben.
DAS macht mich mißtrauisch! Denn das sind zwei ziemlich verschiedene Dinge, und ob die Motivation für eine Diss dadurch aufgebracht wird, bezweifle ich stark!
Vielleicht habe ich mich etwas unglücklich ausgedrückt. Neben meinem Wunsch, sich intensiv mit einem Thema auseinander zu setzen, sehe ich die Notwendigkeit des Dr.-Titels, wenn ich mich im Laufe der nächsten Jahre für einen der beiden oben genannten Wege entscheiden sollte. Insofern hast du aber eigentlich mit deinem Misstrauen schon recht, da, wenn man das Zitat losgelöst sieht, damit mein Promotionswunsch als reiner Mittel zum Zweck verkommt. Und dies sieht sicherlich nicht so gut aus.

Im Moment bin ich im Grunde auch damit zufrieden in der Industrie an spannenden Themen zu arbeiten und meine berufliche Reputation weiter aufzubauen. Im Hinterkopf schwebt halt die Befürchtung irgendwann nicht den Schlüssel zur passenden Türe zu haben. Alternativ habe ich noch an eine Industriepromotion gedacht.

Viele Grüße

garrett85

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Re: Schon im Ingenieurberuf: Jetzt noch promovieren?

Beitrag von algol » 28.11.2014, 19:54

garrett85 hat geschrieben:
barbara hat geschrieben: Gute Leute steigen auf UND gute Leute haben oft einen Dr. Sie steigen aber auf, weil sie gut sind - nicht wg. des Dr. Aber schaden tut er sicher nicht!
Ich denke, dass ich gut bin, in dem was ich tue. Insofern kann ich sicherlich durchs Fachliche überzeugen. Mich würde es halt ärgern, wenn ich irgendwann gerne eine Stelle hätte, für die ich fachlich und persönlich geeignet bin, aber dafür ohne wenn und aber die 2 Buchstaben notwendig wären.
Ich teile den Optimismus von Barbara nicht. Die Selektionskriterien fürs Aufsteigen sind leider weiter. Gutsein ist sicher hilfreich, aber reicht oft nicht allein bzw. ist manchmal nicht mal nötig. Leider.
Man muss beim Aufsteigen vermutlich auch Unternehmensgröße und Branche berücksichtigen.
Ein Unternehmen mit 600 Mitarbeitern und 10 Akademikern, ein Unternehmen mit vorwiegend Akademikern, ein großes Unternehmen ...

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Re: Schon im Ingenieurberuf: Jetzt noch promovieren?

Beitrag von garrett85 » 30.11.2014, 19:08

algol hat geschrieben:Ich teile den Optimismus von Barbara nicht. Die Selektionskriterien fürs Aufsteigen sind leider weiter. Gutsein ist sicher hilfreich, aber reicht oft nicht allein bzw. ist manchmal nicht mal nötig. Leider.
Was meinst du mit die "Selektionskriterien [...] sind [...] weiter"?
Falls für eine bestimmte Stelle die Leistung nicht vorrangig bewertet wird, es ist aber doch wahrscheinlich, dass auch ein Doktortitel hier keine Aufstiegsgarantie ist, oder? Dann zählen vermutlich auch so etwas wie:
  • - wie genehm man dem jeweiligen Entscheider ist
    - ist man in der Vergangenheit zuviel angeeckt oder hat man einmal zu oft seine ehrliche Meinung gesagt?
    - gibt es andere, "verdientere" Kollegen, die besseres Vitamin B nach oben haben?
Was ich sagen will: Je weniger rationale/objektive Gründe bei einer Stellenbesetzung herangezogen werden, desto mehr zählen irrationale/subjektive/politische Gründe, die unter Umständen durch einen Doktortitel auch nicht zu kompensieren sind.

Was meint ihr?

garrett85

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