Diss im Ausland anfertigen

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Diss im Ausland anfertigen

Beitrag von Bonbu » 22.11.2014, 16:18

Hallo zusammen.

Ich schreibe gerade meine MA-Arbeit im Fach Japanologie und möchte nach meinen Abschluss gerne eine Promotion anschließen.
Ich hab während meines Studiums 2 Jahre in Japan verbracht und würde in Zukunft gerne meinen Lebensmittelpunkt dorthin verschieben. Aus persönlichen Gründen möchte ich auch direkt nach meinem Abschluss wieder nach Japan zurückkehren. Deswegen suche ich gerade nach einem guten Weg, das mit einer Promotion zu verbinden.

Am naheliegensten wäre natürlich eine Promotion an einer japanischen Uni. Ich hätte auch schon einen japanischen Professor, der mich betreuen würde, wenn ich die Aufnahmeprüfung der Uni bestehe. Allerdings hat er, und auch einige andere ausländische Bekannte von mir, die in Japan forschen, mich darauf hingewiesen, dass ein Doktortitel, der einem von einer japanischen Uni verliehen wurde, zwar international meist anerkannt wird, aber im Vergleich zu amerikanischen oder deutschen Unis kein besonders hohes Ansehen genießt. Ich solle mir also auch überlegen, ob es nicht besser wäre die Diss an einer deutschen Uni einzureichen.

Eine Alternative wäre also eine externe Promotion an einer deutschen Uni, was in den Kulturwissenschaften ohnehin die Regel ist. Auch in diesem Fall würde ich jedoch die Diss in Japan schreiben wollen, weil ich zum einen ohnehin für mein geplantes Thema längere Zeit in Japan verbringen müsste, und zum anderen wie schon gesagt aus persönlichen Gründen mittelfristig dorthin ziehen möchte.

Voraussetzung dafür wäre natürlich ein 1) Doktorvater, der bereit wäre die Betreuung zu großen Teilen per Mail, Skype, etc. zu erledigen, 2) einen Nebenjob, z.B. als Sprachlehrer, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, 3) die Möglichkeit als research student an einer japanischen Uni aufgenommen zu werden, um wissenschaftliche Netzwerke zu erweitern und die universitäre Ausstattung nutzen zu können, 4) ein gültiges Arbeits- oder Studentenvisum, wofür ich durch den Job oder den Status als research student berechtigt sein müsste. Das erste Jahr könnte ich ein Working Holiday Visum nutzen.
Es gibt natürlich Stipendien für Forschungsaufenthalte, die sind aber meist zeitlich auf höchstens ein Jahr beschränkt.

Ich wollte an dieser Stelle gerne mal hier nachfragen, ob jemand Erfahrung damit gemacht hat als externer Doktorand seine Diss im Ausland zu schreiben und was die Schwierigkeiten dabei waren, bzw. worauf man besonders achten sollte.

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Penguin
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Re: Diss im Ausland anfertigen

Beitrag von Penguin » 22.11.2014, 23:42

Hi Bonbu,

Wenn Du bald moeglichst wieder nach Japan zurueck gehen moechtest (und auch laengerfristig dort bleiben moechtest), dann wuerde ich Dir empfehlen, Deine Dissertation dort an einer japanischen Universitaet anzufertigen. Ich wuerde mir an Deiner Stelle nicht so viele Gedanken ueber den Ruf der Uni machen. Falls Du nach der Diss ausserhalb der Uni arbeiten moechtest, dann koennte die Prestige der jeweiligen Uni vielleicht relevant sein. Da Du Dich aber in Japan aufhalten moechtest, koennte ein japanischer Abschluss letztendlich wertvoller sein. Falls Du in der Wissenschaft bleiben moechtest, spielt die Uni keine so wichtige Rolle. Und ich wuerde die Aussage amerikanische und deutsche Unis sind hoeher angesehen nicht unterschreiben. Es kommt drauf an! Es gibt offizielle Rankings, und die Uni in Tokyo hat international einen sehr guten Ruf. Siehe auch hier:
http://www.timeshighereducation.co.uk/w ... ld-ranking

Zur Betreuung aus Deutschland:
1) Mit Glueck zu finden
2) English Muttersprachler werden bevorzugt. Und davon gibt es viele.
3) Kann klappen wenn Du sehr gut japanisch sprichst. Wenn es allerdings noch ein wenig happert, dann wuerden sie den Job bestimmt an jemanden vergeben, mit dem sie keine Probleme in der Kommunikation haben.
4) Studentvisum bekommst Du nur, falls Du dort eingeschrieben bist. Arbeitsvisum bekommt man nur, wenn man eine Stelle angeboten bekommen hat. Mal eben nach Japan fliegen und nach einen Job suchen wird schwierig, aber wenn Du das Working Holiday machen kannst, solltes es gehen.

Viel Erfolg!
Penguin

Bonbu
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Re: Diss im Ausland anfertigen

Beitrag von Bonbu » 23.11.2014, 00:50

Hallo Penguin,

vielen Dank für deine Antwort. Die Uni, die für eine Promotion in Japan in Frage kommen würde, ist für meinen Fachbereich sehr gut, hat aber anders als die Uni Tokyo oder die Uni Kyoto oder eine der guten Privaten, wie die Waseda, keinen hohen Bekanntheitsgrad und keine hohe Platzierung in einem der einschlägigen Rankings. Ein Bekannter von mir ist jetzt Dozent an einer Uni in Osaka und hat an der Uni Kyoto promoviert, später aber nochmal an seiner vorherigen Uni in Neuseeland, eben weil ein japanischer Doktortitel anscheinend international nicht so viel wert ist. Andererseits kenne ich auch jemanden, der an der Tohoku in Sendai promoviert hat und jetzt glaube ich research fellow in Heidelberg ist. Aber du hast wohl Recht, dass der Ruf der Uni nicht immer so relevant ist. Ich möchte später schon wissenschaftlich arbeiten, strebe aber keine Uni-Karriere, mit dem Ziel Professor zu werden, an. Da ist vielleicht der Ruf der Uni tatsächlich weniger wichtig als die Kontakte.
Allerdings gäbe es auch noch das Problem der Finanzierung. Wegen den hohen Studiengebühren in Japan wäre es wohl schwierig für mich das Ganze ohne Monbugakusho-Stipendium zu finanzieren. Außerdem wurde mir auch von meinem Professor in Deutschland gesagt, dass man wohl ziemlich auf Japan beschränkt wäre. Ich würde mir also die Option erschweren in Zukunft auch mal im außerjapanischen Ausland zu arbeiten.
Du siehst, ich bin mir noch ziemlich unsicher welcher Weg der bessere für mich ist, weshalb ich gehofft hatte hier vielleicht einige, nicht unbedingt japanspezifische, Erfahrungen zu hören, von Leuten, die z.B. ihre Diss geschrieben haben, während sie in den USA einem Nebenjob nachgingen.

Ansonsten:
1) Wünsch mir Glück :)
2) Das stimmt. Ich habe aber einige deutsche Freunde, die in der Richtung was gefunden haben und es gibt noch ein paar andere Jobmöglichkeiten für mich.
3) Sprachkenntnisse sind kein Problem
4) Die Schwierigkeiten mit einem Visum sind mir bekannt, weshalb mir dieser Teil auch am meisten Sorgen bereitet, aber ich hoffe da findet sich eine passende Lösung für mich.

Nochmal vielen Dank für die Antwort!
Bonbu

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