Wie bindend ist das Exposé?

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Re: Wie bindend ist das Exposé?

Beitrag von 360McTwist » 23.11.2014, 23:24

Stipendien abschaffen fände ich auch fatal, das ist doch die beste Finanzierungsmöglichkeit, insb. in Deutschland, wo soviele den Doktor machen, aber dann in die Wirtschaft wechseln. Die können mit jahrelanger Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter danach nicht soviel anfangen, und es verlängert die Promotion nur noch, im Vergleich zu einem Stipendium. Außerdem ist das Stipendium die einzige Möglichkeit, wirklich direkt für das Schreiben der Diss bezahlt zu werden, denn viele Mitarbeiter müssen die ja quasi in der Freizeit schreiben.

Überdenken könnte man wohl das Exposé im Vergabeprozess. Es könnte z.B. kurze Stipenden von einem halben Jahr für das Verfassen verbindlicher (!) Forschungsvorhaben geben. Danach ist die Entscheidung über Stipendienhöhe und -länge für Doktorand, Prof und Stiftung deutlich besser zu bewerten.

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mantor
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Re: Wie bindend ist das Exposé?

Beitrag von mantor » 24.11.2014, 00:33

Die meisten Leute schreiben zumindest in meinem Fach bereits ein halbes Jahr (wenn nicht länger am Exposé), insofern frage ich mich, wozu das Kurzstipendium sein soll.

Außerdem wäre es interessant zu wissen, was für ein Verständnis von "Verbindlichkeit" Du hast? Heißt es, der Doktorand setzt sich hin und sagt: Ich möchte "C" beweisen, dazu verfolge ich Theorie A, mache Methode B und schon ist das Ergebnis, C, da. Er arbeitet also strikt auf ein Ergebnis hin, dass er, da er ja verbindlich bist, auch unbedingt erreichen will. Dann aber ist sein Blick so auf C konzentriert (man könnte auch sagen: beschränkt), dass er alle Varianten, die auch noch möglich wären, schlicht ignoriert – und gerade die wirklich spannenden Sachen sind meistens die, die abseits der eingetretenen Wege liegen. Und vielleicht erreicht man "C" ja auch gar nicht auf dem Wege, wie man ursprünglich gedacht hat? Muss man dann abbrechen und das Geld zurückerstatten?

In Deinem ersten Posting hast Du genau das Gegenteil beschrieben – ich verstehe gar nicht, woher auf einem diese 'dogmatische' Wendung kommt, schließlich gibt es doch auch bei einer kumulativen Diss. ein übergeordnetes "Thema", eine Fragestellung, die die einzelnen Paper zu einem Projekt zusammenbringt, oder? Wenn diese Fragestellung eben nur auf etwas verschlungenen Wegen zu beantworten ist, dann dokumentieren die Paper das eben.

Und falls Du die Varianz im Exposé fassen möchtest, dann weise doch darauf hin, dass Du die Methodik im Laufe der Arbeit an die Ergebnisse Deiner Forschung anpassen und Dein Theoriemodell entsprechend modifizieren wirst (auch wenn das eigentlich nur den Normalfall des wissenschaftlichen Arbeitens beschreibt). Alle Stiftungen, die ich kenne, haben eher ein solch 'prozessartiges' Verständnis und legen auf die Flexibilität der Stipendiatinnen und Stipendiaten großen Wert, auch weil die allermeisten ja zum ersten Mal eine Dissertation schreiben … ;)

flip
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Re: Wie bindend ist das Exposé?

Beitrag von flip » 24.11.2014, 12:59

360McTwist hat geschrieben:Stipendien abschaffen fände ich auch fatal, das ist doch die beste Finanzierungsmöglichkeit, insb. in Deutschland, wo soviele den Doktor machen, aber dann in die Wirtschaft wechseln.
Eben. Stipendien streichen, oder sie nur denjenigen zur Verfügung stellen, die auf einer halben Stelle sitzen. Und ja - dafür in Kauf nehmen, dass die Zahl der Promovenden sinkt.

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