Qualitativ forschen: Fallstudie?

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Marie89
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Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von Marie89 » 10.09.2014, 16:55

Hallo an Alle,

Kennt sich jemand mit Fallstudien aus? Ich hätte nämlich ein paar Fragen diesbezüglich. Gern auch per PN

Ich freue mich auf eure Antworten.

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DoneXY
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Re: Hilfe: Qualitativ forschen (Fallstudie)

Beitrag von DoneXY » 10.09.2014, 18:10

Ich denke, Du solltest Dein Problem etwas detaillierter schildern.

Marie89
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von Marie89 » 10.09.2014, 20:55

Hallo Done,

nach der Theorie habe ich ein Modell entwickelt. Nun folgt die qualitative Studie, wobei ich auf mein Modell referiere. Hierbei soll ich eine Fallstudie erarbeiten. Diese kann man in unterschiedlichsten Formen durchführen. In meinem Fall passt die explanatorische Fallstudie: Ich greife auf mein Modell zurück, führe Interviews, es folgt eine qualitative Inhaltsanalyse mit Ziel, ob und wie die Ausführungen meines Modells von der Empirie bestätigt (oder nicht bestätigt) werden.

Wenn ich diese Interviews in unterschiedlichen Industrien durchführe (allerdings mit den selben Fragen), ist das dann immer noch ein Einzelfall (single case) oder bereits ein multipler Fall (multiple case)?

adb
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von adb » 11.09.2014, 08:20

HI,
ich würde zu Muliple Case tendieren. Schaue doch aber mal in das Buch von Yin.

DoneXY
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von DoneXY » 11.09.2014, 10:03

Marie89 hat geschrieben:Wenn ich diese Interviews in unterschiedlichen Industrien durchführe (allerdings mit den selben Fragen), ist das dann immer noch ein Einzelfall (single case) oder bereits ein multipler Fall (multiple case)?
Das davon abhängig, was in Deiner Untersuchung der/ein Fall ist.

Wenn es Dir darum geht, wie verschiedene Industrien laut ihrer Repräsentanten (unterschiedlich) mit einem gegebenen Phänomen umgehen, dann hast Du verschiedene Fälle. Die Interviews kontrastrieren (Industrie A macht dieses und B macht jenes) einander.

Rückt dagegen das Phänomen in den Untersuchungsfokus und die Interviews ergänzen einander, dann hast Du einen Fall.

Es hängt daher davon ab, wie Du die empirischen Daten nach und während der Auswertung gruppierst, um die Ergebnisse darzustellen.

Marie89
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von Marie89 » 12.09.2014, 17:38

Hallo Done und adb,

Yin schreibt hierzu: The logic underlying the use of multiple-case studies is the same. Each case must be carefully selected so that it either (a) predicts similar results (a literal replication) or (b) predicts contrasting results but for anticipatable reasons (a theoretical replication).

@Don
Deine Aussage wäre ja (b) gewesen, während mein Fall und die Aussage von adb (a) entspricht.

Jetzt bin ich verwirrter :-)

DoneXY
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von DoneXY » 12.09.2014, 18:05

Marie89 hat geschrieben:Hallo Done und adb,

Yin schreibt hierzu: The logic underlying the use of multiple-case studies is the same. Each case must be carefully selected so that it either (a) predicts similar results (a literal replication) or (b) predicts contrasting results but for anticipatable reasons (a theoretical replication).

@Don
Deine Aussage wäre ja (b) gewesen, während mein Fall und die Aussage von adb (a) entspricht.
Jetzt verwirrst Du mich gleich mit. Nein, ich glaube, Yin und ich schrieben von verschieden Aspekten. Yin schreibt offenbar darüber, wie die einzelnen Fällen zu gruppieren sind. Ich davon, dass Vertreter verschiedener Industrien nicht unbedingt jeweils verschiedene Fälle sein müssen.

Bsp: 20 Interviews mit je 2 Repräsentanten 10 unterschiedlicher Branchen ("Industrien"). Man könnte diese Interviews nach Branchen gruppieren und so 10 Fälle bilden. Sie könnten aber auch ganz anders gruppiert werden: Unternehmensgröße, Konsum- und Industriegüter, Rechtsform etc. Oder sie könnten als ein Fall, die Industrie, behandelt werden. Welche Gruppierung sinnvoll ist, ergibt sich aus Fragestellung und Empirie.

Marie89
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von Marie89 » 12.09.2014, 18:53

Hallo Done,

so langsam erschließt sich das für mich.

Yin schreibt abschließend dazu:
In short, me rationale for multiple-case designs derives directly from your understanding of literal and tl1eoretical replications. The simplest multiple-case design would be the selection of two or more cases that are believed to be literal replications, such as a set of cases with exemplary outcomes in relation to some evaluation question, such as "how and why a particular intervention has been implemented smoothly." Selecting such cases requires prior knowledge of the outcomes, with the multiple-case inquiry focusing on how and why the exemplary outcomes might have occurred and hoping for literal (or direct) replications of these conditions from case to case.
DoneXY hat geschrieben:Wenn es Dir darum geht, wie verschiedene Industrien laut ihrer Repräsentanten (unterschiedlich) mit einem gegebenen Phänomen umgehen, dann hast Du verschiedene Fälle. Die Interviews kontrastrieren (Industrie A macht dieses und B macht jenes) einander.

Rückt dagegen das Phänomen in den Untersuchungsfokus und die Interviews ergänzen einander, dann hast Du einen Fall.
Yin schreibt dazu: If, in contrast, the survey data are pooled across schools, a replication design is no longer being used. In fact, the study has now become an embedded, single-case study, in which all nine schools and their students have now become part of some larger, main unit of analysis that might not have been specified at the outset.

Durch literal replications erhoffe ich mir doch aber, dass bei den getesteten Industrien (multiple-case design) mehr oder weniger das selbe raus kommt.

Marie89
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von Marie89 » 16.09.2014, 11:26

DoneXY hat geschrieben:Bsp: 20 Interviews mit je 2 Repräsentanten 10 unterschiedlicher Branchen ("Industrien"). Man könnte diese Interviews nach Branchen gruppieren und so 10 Fälle bilden. Sie könnten aber auch ganz anders gruppiert werden: Unternehmensgröße, Konsum- und Industriegüter, Rechtsform etc. Oder sie könnten als ein Fall, die Industrie, behandelt werden. Welche Gruppierung sinnvoll ist, ergibt sich aus Fragestellung und Empirie.
Hallo DoneXY,

in meiner Fallstudie möchte gehe ich auf einen neuen und wachsenden Markt eingehen. Mein Modell mit seinem Kriterienkatalog lässt sich gut auf diesen neuen Markt anwenden, daher ist es auch mein "unit of analysis / case selection" Mehrere Industrien möchten in diesen Markt einsteigen. 2 der insgesamt 4 Unternehmen die ich Interviewen werde sind direkte Wettbewerber und nicht weit weg von dem neuen Markt, während es für die anderen beiden relativ Neuland ist.

Demnach könnte ich auch die Fälle wie folgt aufteilen: Fall 1: Unternehmen bereits im Markt tätig (2 Unternehmen in meinem Fall, beide in der selben Industrie tätig); Fall 2: Neue Wettbewerber die in den Markt eindringen möchten (2 Unternehmen in meinem Fall, beide aber in völlig anderen Industrien bisher).

Ist das laut deiner Aussage so machbar?


Meine Bedenken: Yin schreibt, dass bei multiple-cases und der dazugehörigen cross-case Analyse sehr viel zeit drauf geht und das man solch etwas in Forschungsgruppen etc. absolviert. Ein einzelner kann nur einen single-case oder einen two-case stemmen. Ist dass denn wirklich soooooo viel mehr Aufwand, wenn ich nun zum Schluss die 4 Unternehmen als einzelne Fallstudien betrachte und eine cross-case Analyse durchführe? Da ich mit den jeweiligen Experten der Unternehmen spreche, komme ich auf lediglich 3-4 Interviewpartner pro Unternehmen (mehr sind gar nicht vorhanden). Mein Bauchgefühl sagt mir, dass das Ganze - auch wenn es ein multiple-case ist - überschaubar sein dürfte.

Was sagst du?

VG Marie89

adb
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Re: Qualitativ forschen: Fallstudie?

Beitrag von adb » 16.09.2014, 19:42

für mich wären das immernoch 4 separate Fälle, die ggf. fallspezifisch oder fallübergreifend ausgewertet werden.

Viele Grüße & Erfolg

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