50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

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50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von ResterHall » 03.09.2014, 08:42

Hallo ihr lieben,

meine Masterarbeit wird in den nächsten Monaten abgeschlossen sein und aus diesem Grund schaue ich mich nach Promotionsmöglichkeiten um.

Ein paar Infos über meine Situation:
- Studium: Informatik (Bachelor, Master)
- Note Bachelor: 1,3
- Note Master: voraussichtlich 1,1 oder 1,2 (je nach Masterarbeit)
- Während des Studiums bereits 3 Publikationen
- Während des Studiums bereits Praxiserfahrung durch Institutsprojekte (als Hiwi)
- Englischkentnisse: fließend (9 Monate Cambridge während der Schulzeit)

In meiner Masterarbeit beschäftige ich mich mit einem Thema, in dem ich auch gerne promovieren würde (es ist hochaktuell und macht mir Spaß). Auch mein Betreuer ist von dem Thema sehr angetan und hat mir zunächst eine halbe Stelle angeboten.
Da ich allerdings gerne eine volle Stelle möchte (verheiratet, Kinderplanung), wurden mir zwei 50%-Stellen angeboten. Eine am Lehrstuhl (mit Lehrverpflichtung, die üblichen 2SWS) und ein internationales Projekt (20h/Woche).
Der Haken an der Sache ist, dass das Projekt thematisch so gut wie gar nichts mit meinem eigentlichen Promotionsthema zu tun hat.


Meine Fragen sind jetzt:
- Ist es zeitlich überhaupt realistisch machbar zu promovieren? 2.5 Tage arbeiten + mind. 1 Tag Lehre (Vorbereitung, Nachbereitung, Studentenbetreuung), bleiben max. 1.5 Tage die Woche zum Promovieren
- Wie läuft es üblich bei Drittmittelstellen ab - überschneiden sich da Projekt und Promotion thematisch, oder ist das eher selten?
- Ergeben 50% + 50% tatsächlich 100% oder muss ich da steuertechnisch irgendwas beachten?
- Wenn man eine "normale" volle Stelle annimmt, wie ist die Aufteilung bzgl. Promotion und Arbeiten (50% / 50%)? Oder heißt volle Stelle tatsächlich 40h/Woche arbeiten?
- Ich hätte auch die Möglichkeit ein Stipendium an der Graduiertenschule zu bekommen (1250€/Monat). Allerdings wurde mir dazu von mehreren Seiten abgeraten, da man sich selbst versichern müsste und am Ende nur knapp 1000€ übrig bleiben würden. Bei meiner 50%+50% wären es ja Netto 2287€ (TVL-Rechner). Allerdings hätte man natürlich 100% Zeit für die Promotion. Könnte ich eigentlich neben dem Stipendium noch arbeiten gehen?

Vielen Dank und beste Grüße,
Rester Hall

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algol
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von algol » 03.09.2014, 11:32

Finanziell ist eine Stelle natürlich immer besser. Aber inwieweit Du noch Zeit für die Diss hast, ist sehr fraglich.
In meinen Fachbereichen würde ich sagen, dass Du kaum Zeit für die Diss haben würdest.
Außer in Deiner Freizeit ...
Ich kenne aber auch Leute, denen man wirklich Zeit für die Diss gibt.
Hier hast Du mit dem Projekt aber eine Aufgabe, die ja auch erledigt werden will. Und ob 20h für das Projekt reichen, ist immer fraglich.

hmm.
Aber ein Stip ist finanziell nur eine Notlösung. Du hast dann zwar Zeit für die Diss.
Aber Du willst ja auch Geld verdienen. Das ist beim Promovieren oft schwierig ...

Renegade
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von Renegade » 03.09.2014, 20:48

Drittmittelstellen sind i.d.R. gänzlich auf das Promotionsprojekt ausgelegt - zumindest kenne ich das so aus den Naturwissenschaften.

Bei mir ist das auch so: Drittmittelprojekt = Promotionsprojekt

mantor
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von mantor » 03.09.2014, 23:22

Ich glaube, von außen ist das sehr schwer einzuschätzen. Ich komme zwar aus den Geisteswissenschaften, aber hier ist es so, dass an einem Institut manche Leute auf einer ganzen Stelle fast 90% ihrer Zeit in die Diss. investieren können, andere wiederum können nur am Wochenende an ihrer Diss. arbeiten. Das hängt davon ab, wie sehr die Lehrstuhlinhaber ihre Mitarbeiter 'ausbeuten' oder eben auch nicht. Vielleicht solltest Du Deinen potentiellen Doktorvater einfach mal darauf ansprechen – oder auch einen seiner Mitarbeiter mal auf einen Kaffee treffen.

Was die Sache mit dem Stipendium und dem Arbeiten angeht: Das ist hier schon oft diskutiert worden. Offiziell darf man bei vielen Stipendien nur ein paar Stunden pro Woche nebenher arbeiten, schließlich es ja Sinn eines Stipendiums, dass man sich NUR auf die Diss. konzentrieren kann. Näheres regeln übrigens die Statuten des jeweiligen Stipendiengebers.

DoneXY
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von DoneXY » 04.09.2014, 10:26

ResterHall hat geschrieben:- Wenn man eine "normale" volle Stelle annimmt, wie ist die Aufteilung bzgl. Promotion und Arbeiten (50% / 50%)? Oder heißt volle Stelle tatsächlich 40h/Woche arbeiten?
Eine "normale Promotionsstelle" ist meiner Erfahrung nach (Sozialwissenschaften) eine halbe Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter - oft in einem Forschungsprojekt. Halbe Stelle heißt, dass mindestens 20h/Woche für die Arbeit am Lehrstuhl und ggf. für das Projekt 'draufgehen'. Oft mehr. Promoviert wird in der 'Freizeit'. Das heißt es wird erwartet, dass einem die Anfertigung der Qualifikationsarbeit so wichtig ist, dass daran ebenfalls mindestens 20h/Woche gearbeitet wird.

=> Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter mit halber Stelle, der 40h/Woche arbeitet, dürfte in dem Bereich, den ich kennengelernt habe, die absolute Ausnahme sein. Gehe eher von 50h bis 60h die Woche aus. Ich nehme an, dass Wochenendarbeit für einen Großteil der Promovierenden in den SozWiss teil des Vergnügens ist. (Das gilt auch für die mir bekannten Professoren.)

Eine halbe Stelle in einem soz.wiss. Forschungsprojekt zu haben, doch gleichzeitig auf einem anderen Gebiet zu promovieren, halte ich für ein völlig unsinniges Vorhaben. Der folgende Rat ist nicht in Stein gemeißelt und es mag mir einleuchtende Ausnahmen geben, doch überwiegend wird richtig sein: Vergiss es.
Zuletzt geändert von DoneXY am 04.09.2014, 10:43, insgesamt 1-mal geändert.

marowe
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von marowe » 04.09.2014, 10:37

Renegade hat geschrieben:Drittmittelstellen sind i.d.R. gänzlich auf das Promotionsprojekt ausgelegt - zumindest kenne ich das so aus den Naturwissenschaften.

Bei mir ist das auch so: Drittmittelprojekt = Promotionsprojekt
Meine Promotion finanziert sich auch durch ein Drittmittelstipendium. Ich promoviere in den Naturwissenschaften und bin im Labor.

Bei mir ist es so, dass ich noch andere Dinge parallel machen soll: neue Mitarbeiter einarbeiten (teilweise Postdocs) oder irgendwelchen administrativen Kram, der mit der Forschung an sich nix zu tun hat (beispielsweise irgendwelche Ordner nach behördlichen Vorgaben anlegen). Inspektionen mitmachen und das alles mitvorbereiten. Auf Grund Personalmangel dürfen das die Drittmittelspipendiaten machen... Da geht teilweise so viel Zeit verloren, dass ich denke, ich hab eher eine Stelle und nicht ein Stipendium.

flip
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von flip » 04.09.2014, 11:32

Was ist denn ein "Drittmittelstipendium"?!

Die Bedingungen einer Promotion kann man nicht vorhersagen. Ganz einfach. Das unterscheidet sich ja schon von Lehrstuhl zu Lehrstuhl.
Aber auf ner vollen Stelle noch nebenbei zu arbeiten würde ich lieber nicht versuchen (wozu auch?).

Wenn du ambitioniert bist (soll das dein "Lebenslauf" ausdrücken?) dann wirst du eh bei einer 60+ Stunden Woche landen.

marowe
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von marowe » 05.09.2014, 10:15

Bei mir war dass so, dass ich mich nicht bei Stiftungen oder ähnlichem beworben habe, sondern das Geld direkt aus meinem Forschungsprojekt kommt und ich sogesehen von meinem Institut bezahlt werde.

ResterHall
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von ResterHall » 05.09.2014, 14:56

Vielen Dank für die zahlreichen Antworten.

Ich habe in der Zwischenzeit mit einigen Mitarbeitern am Institut und auch anderen Instituten gesprochen. Die Antworten waren teilweise zwiespältig.

Ich versuche mal die Gemeinsamkeiten vieler Aussagen zusammenzufassen:
-Die halbe Lehrstelle ist kaum beanspruchend, übers Jahr gesehen (durch Semesterferien) vielleicht 0.5 Tage / Woche
- Es ist relativ unüblich, neben der Promotion noch ein Projekt zu haben, das mit der Promotion nichts zu tun hat, bzw. es könnte passieren, dass du auf der Projektstelle promovierst.
- Die Promotion machst du ohnehin hauptsächlich in deiner Freizeit (am Wochenende), 50% Zeit für die Promotion ist der Normalfall und ausreichend.

Was einige glaube ich durcheinandergebracht haben: das Projekt wäre lediglich eine halbe Stelle, keine volle.

Nach den ganzen Informationen, würde ich die Möglichkeiten so einschätzen:
1) Halbe Lehrstelle + Halbe Projektstelle: ca 60% Arbeit, 40% Promotion, aber Praxiserfahrung, ca 2280€ (netto)
2) Halbe Lehrstelle: ca. 10% Arbeit, 90% Promotion, ca.1300€ (netto)
3) Stipendium: 100% Promotion, 1250€ (steuerfrei), bzw. weniger durch Versicherungen

Was würdet ihr machen?

Granat
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Re: 50% Drittmittel + 50% Lehre = wieviel Zeit?

Beitrag von Granat » 05.09.2014, 15:49

Ich finde die von dir angesetzten 10% (von 40 Stunden?) für den Lehrauftrag nach meiner Lehrerfahrung recht wenig - mit Vor- und Nachbereitung, Korrekturen etc. finde ich das schon für meinen Lehrauftrag knapp, obwohl es sich um eine Veranstaltung handelt, die insb. keine allzu aufwändige Vorbereitung erfordert.

Ich würde mich vermutlich an beidem versuchen, allerdings wird das Privatleben da wohl deutlich zu kurz kommen. Das scheint mir nicht ganz zu deiner (eurer) Planung der nächsten Jahre zu passen?

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