Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Jahresarchiv
Gesperrt
kristina
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von kristina » 27.06.2014, 08:49

Hallo alle zusammen!

Ich bräuchte dringend mal ein paar Erfahrungsberichte, da ich persönlich niemanden kenne, der sich in einer ähnlichen Position befand/befindet. Die Frage richtet sich an Juristen und vielleicht auch an ähnlich betroffene Lehramtler, welche erst eine Diss schreiben/geschrieben haben und dann ins Referendariat gehen. Die Situation ist folgende:

Ich habe vor zwei Jahren meines ersten juristisches Staatsexamen gemacht und promoviere seit nunmehr circa eineinhalb Jahren und hoffe, bis Dezember eine erste Endfassung produziert zu haben, welche ich dann an meinen Doktorvater schicke, um im Anschluss noch einmal ein bis zwei Monate die Struktur zu überprüfen, evtl ein bisschen was zu kürzen/schöner zu formulieren usw. Da an dem Ort, an dem ich ins Referendariat gehen möchte, sehr lange Wartezeiten herrschen, möchte ich mich hier frühzeitig bewerben - möglich ist dies immer maximal 9 Monate vorher.

Nun meine Frage: seid ihr ins Referendariat gegangen, nachdem ihr die Diss in ihrer zumindest vorläufigen Endfassung (die ich dann wohl so im Januar, Februar nächsten Jahres fertig hätte) eurem Doktorvater gegeben habt? Oder erst nachdem ihr dessen Anmerkungen hattet, diese eingearbeitet und die Diss dann endgültig eingereicht habt? Oder gar erst nach der Verteidigung? Ich rechne damit, dass ich ewig auf die Anmerkungen meines Doktorvaters warten werde, weshalb ich gerne nach Fertigstellung der für mich bestmöglichen Fassung ins Referendariat gehen würde (also dann so im März). Allerdings bin ich mir unsicher, ob ich es zeitlich neben dem Referendariat schaffe, 1. noch einmal in die Diss einzusteigen wenn dann die Anmerkungen vom Doktorvater und später evtl vom Zweitgutachter kommen und 2. die Verteidigung vorzubereiten.

Ich bin da wirklich sehr unsicher und würde mich sehr über ein paar Berichte zu euren Erfahrungen oder aber auch eigenen Planungen (wenn ihr selbst noch in einem ähnlichen Stadium seid wie ich) freuen!!

Danke schon einmal im Voraus!

Anzeige:

Merowinger
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von Merowinger » 27.06.2014, 14:27

Moin kristina!

Ich habe es auch so gemacht: 1. Examen, ca. 2,5 Jahre Diss. (bis Abgabe), dann Ref. (bin aktuell in der 3. Station).
Meine Arbeit habe ich letztes Jahr im April abgegeben und im September das Ref. begonnen. Ich hätte sicherlich auch im Juni starten können. Aufgrund der Zeitspanne seit dem 1. StEx habe ich mir aber nochmal drei Monte Wiederholungszeit gegönnt. Im Nachhinein würde ich sagen, dass dies nicht zwingend notwendig war, aber sicher den Start erleichtert hat.

Folglich habe ich während der ersten Station (die Gutachten kamen in der letzten August-Woche) die Disputation vorbereitet. Das hat mir ehrlich gesagt gereicht hinsichtlich der Arbeitsbelastung. Denn der neue Stoff ist nicht wenig und "nebenbei" noch an der Diss. arbeiten ist ganz schön anstrengend.
Meine Endarbeiten (also Anmerkungen einarbeiten, Schlussrecherche, Abschlusskorrektur etc.) hätte ich nicht nebenbei machen wollen. Für mich war diese Zeit (Endarbeiten) die ätzendste an der ganzen Diss.-Zeit, da man gefühlt fertig ist und dann nur noch Fleißarbeiten verrichten muss. Dafür habe ich alles in allem ca. 3 Monate gebraucht, wobei ich extrem penibel vorgegangen bin. Unterschätzen sollte man diese Arbeiten aber nicht.

Lange Rede, kurzer Sinn:
ich musste im Ref. nur noch die Dispu vorbereiten. Das hat mir gereicht und ich würde es wieder so machen. Auf den letzten Metern hat man genug Nerven gelassen, um sich damit noch "so nebenbei" zu stressen.

Viel Erfolg weiterhin!

kristina
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von kristina » 29.06.2014, 12:22

Merowinger: vielen Dank für deinen Post, der hat schon einmal ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht!! Ich werde mal schauen, ob ich mit meinem Doktorvater eine Absprache hinsichtlich der Dauer zwischen Abgabe der Endfassung und seiner Rückmeldung mit seinen Anmerkungen treffen kann, dann würde ich die Zeitspanne noch abwarten und es so machen wie du, sprich nur noch die Vorbereitung der Dispu in die Zeit der Referendariats mit hineinnehmen. Sollte eine solche Absprache nicht möglich sein bzw. er 6 oder 9 Monate dafür veranschlagen, werde ich wohl in den sauren Apfel beißen...ich hätte keine Lust ewig herumzuhocken und nichts zu tun zu haben.

TreueSchreiberin
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von TreueSchreiberin » 08.08.2014, 12:07

Hallo Kristina,
ich weiß nicht, ob dir mein Feedback noch hilft, aber ich stand bis vor kurzem vor einer ähnlichen Frage. Ich habe nach dem ersten Staatsexamen auch 1,5 Jahre an meiner Doktorarbeit geschrieben bzw. am Lehrstuhl gearbeitet und bin jetzt im April ins Referendariat gegangen. Allerdings bin ich gerade noch dabei das letzte Kapital meiner Arbeit fertigzustellen. Es ist zeitlich manchmal nicht einfach, aber für mich war es das beste, da ich Anfang diesen Jahres mit der Doktorarbeit überhaupt nicht weitergekommen bin und auch fast aufhören wollte. Ich hatte einfach zu große Angst am Ende doch abzubrechen und dann mehr als 1,5 Jahre dafür "vergeudet" zu haben. Aus diesem Grund war für mich der Einstieg in das Referendariat die einzig richtige Entscheidung. Mir persönlich wäre sonst der Druck bezüglich der Doktorarbeit zu groß geworden.
Zu Beginn des Referendariats im April hatte ich die Arbeit aber erstmal auf Eis gelegt um einen Grundstock für die Klausuren in der AG aufzubauen. Nun haben wir im August kaum Termine bei Gericht und ich werde die Arbeit fertigstellen. Mein Doktorvater hat mir angeboten ihm einfach mal eine Rohfassung abzugeben, ohne vorher noch einmal die Fußnoten oder ähnliches durchgesehen zu haben. Da er mit der Korrektur meist sehr lange braucht, erspare ich mir somit auch ein unnötiges Warten und kann mich weiter voll auf das Referendariat konzentrieren. Die endgültige Überarbeitung (Rechtschreibung, Fußnoten) werde ich dann erst nach den schriftlichen Prüfungen vornehmen. Da mein Thema nicht von besonderer Aktualität ist, wird das kein Problem sein.
Ich hoffe mal dass alles klappt und wünsche dir, dass du eine für dich zufriedenstellende Lösung gefunden hast oder noch finden wirst!
Weiterhin viel Erfolg!

Maxi
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von Maxi » 10.09.2014, 23:44

Hallo Kristina,

ich habe nur Dein Ausgangsposting kurz überflogen und nicht die weiteren Antworten gelesen - daher sorry, falls ich hier jemanden nur unnötig wiederhole.

Ich habe erst nach dem 2. StEx promoviert und würde es definitiv wieder tun.
Folgende Gründe waren für mich entscheidend, nahtlos die beiden Examen hintereinander anzuschließen und dann erst die Diss anzugehen:
- Lernstoff ist noch einigermaßen präsent (materielles Recht ist auch im 2. StEx sehr wichtig)
- Man ist noch mit den Leuten der etwa gleichen Altersgruppe zusammen und kann ggf. bisherige Lern-AGs weiterführen
- Eine Diss kann sich ungewollt unendlich verzögern, z.B. wenn neue Veröffentlichungen erscheinen, die man dann ggf. berücksichtigen/einarbeiten muss oder wenn man irgendwann mit dem Thema Probleme bekommt und "hängt"
- Nach dem 2. StEx muss man, wenn man promoviert, nicht zwingend gleich den passenden Job finden. Man hat Zeit, sich jobmäßig umzuschauen, weil man mit einer Diss keine Lücke im CV hat, und kann quasi "warten" bis man einen wirklich interessanten, passenden Job findet und so eine längere Bewerbungsphase überbrücken
- In einer Diss können auch prozessuale Probleme eine Rolle spielen (je nach Thema natürlich). Die Kenntnisse dazu eignet man sich so richtig erst im Ref an
- Nach dem 2. StEx weiß man tendenziell eher, in welche berufliche Richtung man gehen will, und kann das Dissthema entsprechend auswählen, um sich in einem interessanten Bereich zusätzlich zu qualifizieren

Nur so als kleiner Gedanke.

Aber wie Du auch immer die Promotionsphase timst: Ganz viel Erfolg bei der Diss! :blume:
Liebe Grüße
Maxi

NordJuristin
Beiträge: 1597
Registriert: 23.06.2011, 14:01
Status: am Ball
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von NordJuristin » 11.09.2014, 10:41

Maxi hat geschrieben:Hallo Kristina,

ich habe nur Dein Ausgangsposting kurz überflogen und nicht die weiteren Antworten gelesen - daher sorry, falls ich hier jemanden nur unnötig wiederhole.
Das sind interessante Gedanken, helfen Kristina aber nicht weiter, weil sie ausdrücklich um Erfahrungen gebeten hat zum Thema Promovieren VOR Eintritt in das Referendariat.

Kristina, es kommt auf sehr viele Umstände an, wie du deinen Eintritt ins Ref timen willst. Wie sehr willst du dich reinhängen in den ersten Stationen? Wie lange braucht dein DV um deine Arbeit durchzuschauen? Musst du vor Endabgabe voraussichtlich noch viel machen? Veraltet deine Arbeit, wenn es lange dauert, Überarbeitungen einzupflegen? Magst du gerne wechselne Aufgaben? Hakst du gerne erst eine Sache ab, bevor du die nächste machst?

Ich kenne einige Negativbeispiele, bei denen der Eintritt in das Referendariat vor Abgabe einer Rohfassung bzw. Endfassung dazu geführt hat, dass sie 5 Jahre nach Beginn der Promotion immer noch nicht eingereicht haben. Ich bin ein solches Negativbeispiel. *hüstel* Es ist von DV zu DV bzw. DM zu DM aber unterschiedlich sinnvoll, früher oder später abzugeben. Ich kenne Leute, die mussten 1-2 Jahre warten bis der DV das OK für das eigentliche Einreichen gegeben hat. Ich kenne aber auch Leute, die 2-3 Jahre aufs Gutachten warten mussten. Das kannst nur du beurteilen, wie lang welche Zeiträume tatsächlich dauern werden.

In einer idealen Welt würde ich dir raten, die Diss vor Eintritt ins Ref zumindest in einer Rohfassung fertig zu haben und sie während des Refs nur noch zu überarbeiten. Ansonsten gibt es im Ref noch die Möglichkeit (das weiß ich allerdings nicht von allen Bundesländern) unbezahlten Sonderurlaub zu nehmen. Ich kenne einige, die die Diss in Rohfassung abgegeben haben, die erste Station gemacht haben während die Arbeit beim DV lag und dann im Sonderurlaub die Diss endgültig fertig gemacht
und dann offiziell eingereicht haben. Eine andere Möglichkeit wäre, die Diss im ersten Jahr des Ref quasi nebenbei fertig zu machen, einzureichen und nach dem schriftlichen Examen zu verteidigen und nach der mündlichen Prüfung die Überarbeitung für den Verlag zu machen.

Und was den Eintritt ins Ref selbst angeht: Jura ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht. Da würde ich mir schon mal keine Sorgen machen. :blume:
Be like the squirrel, girl!

speedy05
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von speedy05 » 15.09.2014, 09:56

Hi, der Zeitaufwand im Ref hält sich - vor allem im ersten Jahr in Grenzen, die AG-Klausuren sind nicht wirklich wichtig. Ich habe im Ref. z.B. 20h/Woche nebenbei gearbeitet und es ging nicht zu Lasten des Refs. Von daher wird es kein Problem sein, die Diss nebenher fertig zu stellen.

Merowinger
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von Merowinger » 15.09.2014, 21:09

Das halte ich für eine sehr gewagte These.

Zum einen kommt es immer auf den Ausbilder an. Den kann man sich in den ersten beiden Stationen zudem so gut wie nie aussuchen.
In der StA-Station hat mich mein Ausbilder richtig rangenommen. Da habe ich es nichtmal geschafft, den AG-Stoff nachzubereiten (das ging übrigens mehreren so...). Auch in der ersten Station gab es in unserer Gruppe ein oder zwei Referendare, die mit Akten zugeschüttet wurden.
In der dritten Station habe ich - weil sie sehr interessant war - quasi Vollzeit gearbeitet.
Lediglich in der ersten Station hätte ich ein bis zwei Tage pro Woche für die Diss. gehabt. Das hätte aber nicht gereicht, um fertig zu werden.

Nur so als Abschluss: alle, die ich kenne, die "nebenbei" im Ref. an der Diss. arbeiten wollten, haben es im Ergebnis bleiben lassen. Einem Studienkollegen wurde das auch direkt in der Einführungswoche so gesagt: DIss. und Ref. parallel bedeutet, dass man eines von beiden direkt vor die Wand fährt.

Bara
Beiträge: 399
Registriert: 25.08.2012, 20:37
Status: Dr. jur. Bara
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Eure Erfahrungen: Erst Diss, dann Referendariat

Beitrag von Bara » 15.09.2014, 21:31

In meiner AG haben zwei Kollegen in der 2. Station verteidigt. Offiziell (nach Vorkorrektur) eingereicht hatten beide vor Beginn des Ref. Ein anderer Kollege hat die Arbeit im Ref vollendet, hatte aber auch jedes Kapitel bereits mit dem DV erörtert und musste nur noch klare Vorgaben einarbeiten. Ich selbst habe erst nach dem Ref angefangen und war froh, mich voll auf's 2. Examen konzentrieren zu können.

Fazit: Ich plädiere angesichts deiner Situation für "verbindlich einreichen, dann erst Ref starten".

Gesperrt
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag