Anfangen mit 35 nach Babypause?

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rotesregal
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Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von rotesregal » 14.07.2012, 17:12

Hallo liebe Forumsleser,

mich würde interessieren, ob hier Leute in ähnlicher Situation den Einstieg in die Diss gewagt haben und auch, wie andere die Sache einschätzen.
Kurz zu mir: ich bin 35, habe vor sechs Jahren eine Geisteswissenschaft sehr gut abgeschlossen und dann drei Jahre in einem eher organisationslastigen Job gearbeitet. Ich hätte nach der Uni gern promoviert und wurde auch dazu ermutigt, hatte aber Geldsorgen und nicht den Nerv, diese noch länger auszuhalten. Nach drei Jahren wurde ich erst krank (burn out) und dann schwanger. Mein Kind ist nun ein Jahr alt und ich bin allmählich wieder auf dem Damm. Ich vermisse das inhaltliche Arbeiten, das Lesen, Forschen und Schreiben. Ich mache mir aber auch keine Illusionen über meine Berufsaussichten. Die sind jetzt nicht rosig, und mit Dr. werden sie nicht viel besser sein. Ich verspreche mir aber von der Sache, wieder an die Themen dranzukommen, die mich wirklich interessieren, und daraus auch wieder Energie und Mut für neue Kontakte und Projekte zu ziehen. Das ist mir nämlich in meinem Job, in dem ich mich immer fehl am Platz gefühlt habe, am Schluss ganz abhanden gekommen.
Soll ich's trotz der suboptimalen Umstände wagen, oder ist das nur dumm und verantwortungslos? Ich muss ja finanziell auch an mein Kind denken, mein Mann verdient nämlich auch nicht toll, ich müsste auf jeden Fall irgendwie nebenbei Geld verdienen (Stipendium ist in meinem Alter wohl nicht mehr drin, denke ich).
Ich würde mich sehr freuen, einfach ein paar Reaktionen zu bekommen.
Beste Grüße und Danke!

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Amalia
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von Amalia » 14.07.2012, 19:22

Geld verdienen, ein Kleinkind und eine Promotion. Ich persönlich würde mir das nicht zumuten. Zwei von diesen drei Projekten würden meine Tage mehr als ausreichend füllen.
Als persönliche Motivation zur Diss nennst du: „an die Themen dranzukommen, die mich wirklich interessieren, und daraus auch wieder Energie und Mut für neue Kontakte und Projekte zu ziehen.“
Ich frage mich ob eine Diss da tatsächlich das geeignete Mittel ist. Zu forschen macht viel Freude, aber trotzdem ist für die allermeisten eine Diss auch mit langen Durststrecken verbunden, die mit sehr viel Frust verbunden sind. In Deiner Situation scheint mir das aber nicht wünschenswert. Gibt es alternative Wege, um Dein (Lebens-)Ziel zu erreichen?

Alles Gute!
A.

rotesregal
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von rotesregal » 14.07.2012, 20:06

Es gibt sicher auch andere Möglichkeiten. Ich gucke halt gerade alles an und will nicht zu früh "aussortieren", weil ich in gewisser Hinsicht von vorn anfange.
Danke für deine Einschätzung und viele Grüße!

ysse
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von ysse » 14.07.2012, 20:42

Hallo rotesregal,

also, was das Alter und ein Stioendium angehen: ich bin selber Ende 30 und habe ein Stipendium bekommen. Ich denke, das ist als eine Möglichkeit durchaus mit zu denken, viele Stiftungen denken Berufserfahrung und Kind durchaus mit in Bezug auf das Alter.

Was die vielfältige Belastung angeht ist auch das meiner Meinung nach relativ. Ich erlebe die Diss nach dem Beruf als sehr anregend und voller Freude, sicherlich auch mit Durststrecken, aber nicht als belastend.

Mit besten Grüßen,
ysse

mastermind
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von mastermind » 14.07.2012, 21:01

Ich wäre an deiner Stelle aus mehreren Gründen vorsichtig.
Wenn du schon einmal mit Burn-Out Probleme hattest, ist eine Diss vielleicht nicht ideal. Die meisten Leute die ich kenne, brachte die Diss zumindest phasenweise an den Rand der Belastbarkeit (und einige auch deutlich darüber hinaus). Dann noch die Gesamtsituation, insbesondere dass du Geld verdienen musst. In den Geisteswissenschaften ist es noch einmal deutlich schwieriger an entsprechende Uni-Jobs und Stipendien zu kommen. Und wenn du jetzt ein paar Jahre aus dem Job warst und eine Promotion draufsattelst, dann dürfte das für viele Bewerbungsverfahren eine Killer-Kombination sein.

rotesregal
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von rotesregal » 15.07.2012, 13:28

Hallo,

danke euch für das feedback. Das trifft sich alles auch mit meinen Gedanken. Masterminds Bedenken hinsichtlich der Arbeitsbelastung sind auch sehr richtig, allerdings sehe ich das auch ein bißchen wie ysse: Mein alter Job war insbesondere so aufreibend, weil er neben der vielen Arbeit auch so unbefriedigend war. Ich habe früher im Studium und vorher auch meistens ziemlich viel gearbeitet, auch mehrere Sachen parallel gemacht, aber wenn es das war, was ich wollte, hatte ich auch die Energie dafür (was jetzt nicht heißen soll, dass das immer so sein muss bzw. dass es 1:1 auf die jetzige Situation übertragbar wäre).
Die Info mit dem Stipendium ist zumindest insofern ermutigend, als es nicht ganz ausgeschlossen zu sein scheint.
Also, vielen Dank noch mal und Grüße!

Laplace
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von Laplace » 15.07.2012, 13:42

Schwer zu sagen. Erstmal möchte ich mich den anderen Schreibern anschliessen: Für eine Diss braucht es viel Frustrationstoleranz und streckenweise gute Nerven. Wenn man hier im Forum fleissig mitliest, gibt es immer wieder ziemliche Horrorgeschichten, woran eine Diss ohne Verschulden oder auch nur Einflussmöglichkeiten des Doktoranden grandios scheitern kann. Mit Kind und Nebenjob macht es das nicht unbedingt einfacher.

Auf der anderen Seite kann es natürlich auch eine grandiose Sache sein, die für dich die Risiken wieder ausgleichen. Wenn es etwas ist, auf das du dich Einlassen möchtest, kann es natürlich einen Versuch wert sein. An deiner Stelle würde ich mir aber vorher überlegen, was für dich die optimalen Rahmenbedigungen wären, und wie weit du bereit bist, davon abzuweichen. Optimal wäre sicherlich gute Unterstzüng mit deinem Kind (Krippe? Großeltern?), ein Stipendium, eine spanndes Thema für die Diss, eine gute Betreuung und natürlich die Unterstützung durch deinen Mann. Alles brauchst du bestimmt nicht, und auch nicht alles zu 100%, aber einiges davon sollte schon da sein.

Nach meiner ganz persönlichen Erfahrung ist die Arbeitsbelastung beim promovieren gar nicht das schimmste. Da hab ich in meinem Umfeld vielleicht auh Glück gehabt. Viel schrecklicher ist mitunter der Erfolgsdruck, unter den man sich selber setzten kann - besonders in Zeiten, wenn es mit der Diss gerade mal stockt und man vor irgendwelchen ungelösten und unlösbar erscheinenen Problem steht.

barbara
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von barbara » 15.07.2012, 15:33

Laplace hat geschrieben:Viel schrecklicher ist mitunter der Erfolgsdruck, unter den man sich selber setzten kann - besonders in Zeiten, wenn es mit der Diss gerade mal stockt und man vor irgendwelchen ungelösten und unlösbar erscheinenen Problem steht.
Ich gebe Laplace überhaupt recht, aber auf diesen Aspekt will ich besonders eingehen. Denn es funktioniert auch umgekehrt: Wenn der Erfolgsdruck an anderer Stelle (Beruf, Familie, was auch immer) steckt, besteht die Möglichkeit, sich bei der (durchaus harten) Arbeit an einer Diss auch zu erholen. Ich lasse gerade schwer den Kopf hängen wegen meinem beruflichen Hauptprojekt, welches in arger Schieflage steckt. Hätte ich nur dieses Projekt, wäre mein Selbstvertrauen wohl gerade total zerstört. Da aber die Diss (nebenberuflich, freiwillig, ohne echten Erfolgsdruck) sehr langsam, aber gut läuft, hält mich das über Wasser.

Damit das so klappt, scheinen mir aber ein paar Bedingungen erfüllt sein zu müssen:

-- innerliche und finanzielle Unabhängigkeit vom DV
-- eigenes Thema mit Gestaltungsspielraum
-- gesicherte Finanzierung
-- kein externer Erfolgsdruck (Partner, Eltern, Vorgesetzte)
-- trotzdem Selbstdiziplin vorhanden

Chrispy
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von Chrispy » 15.07.2012, 15:46

Also bezüglich Alter kannst du dich zumindest bei der Hans Böckler Stiftung bewerben, da wäre die Altersgrenze bei 40..

Weisst du ich würde es zumindest versuchen, du kannst dich ja zeitgleich trotzdem nach einem Job umsehen und dich trotzdem für ein Stipendium bewerben,
ich prmoviere auch und mein Sohn wird im Oktober 2 und ich habe auch ein Stipendium, ich finde es eine super Kombination, da mal ja doch sehr flexibel ist und wenn das Kind mal krank ist oder so, dann viel besser nacharbeiten kann als im regulären Job und mit Krippe und Unterstützung sollte es auch machbar sein..
eine Promotion ist auch nicht anstregender als ein regulärer Job..

aimster
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Re: Anfangen mit 35 nach Babypause?

Beitrag von aimster » 16.07.2012, 00:38

eine dis sollte immer eine perspektive bieten.
wer von der intellektuellen begabung her exzellent ist, kann sich durch eine dis für eine spätere tätigkeit an der uni/ in der forschung empfehlen und im idealfall sogar professor werden.
wer nicht ganz so gut ist sollte meiner meinung eine außeruniversitäre berufliche komponente bei der dis haben, also industriepromotion, teilzeitjob+dis. wer nicht gut genug für die wissenschaft ist (oder nicht in die wissenschaft will) und trotzdem vollzeit promovieren will, der sollte meiner meinung nach wenigstens jung sein und unmittelbar von der uni kommen. dann ist das am arbeitsmarkt noch vermittelbar, wenn man mit 27-30 jahren als promovierter akademiker einsteigt.

aber wo soll die dis bei dir hinführen? der weg ist das ziel oder was? welche perspektive schwebt dir vor?
mit 35 bist du nicht mehr jung, wenn du jetzt noch mal jahrelang promovierst demonstrierst du dem arbeitsmarkt, dass du keinen praxisbezug wünscht/hast.

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