Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf-Verlag

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Andrea
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Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf-Verlag

Beitrag von Andrea » 28.08.2008, 10:59

Hallo in die Runde,
hat jemand von euch Erfahrung mit dem Tectum Verlag Marburg, der Andere Verlag?

Danke
Andrea

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Nika
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Nika » 21.09.2008, 19:15

Hallo Andrea,

falls es für dich noch von Interesse ist:
Ich kann dir das Urteil einer Dozentin (in der Verlagsbranche tätig) wiedergeben, dass sie uns vor ein paar Jahren (in Marburg, daher überhaupt die Erwähnung des Tectum Verlags) im Seminar präsentierte. Sinngemäß solle man diesen Verlag eher meiden, da dieser so gut wie nichts von der üblichen Verlagsarbeit übernimmt. Ich meine mich zu erinnern, sie hatte Punkte erwähnt wie keine redaktionelle (nicht einmal Korrektur) Überarbeitung, kein funktionales Layout etc., d.h. du zahlst verhältnismäßig viel und musst letztendlich alles selber machen. Die einzige Leistung, die du erhältst ist die ISBN, damit dein Werk eben veröffentlicht ist.
Aber wie gesagt, dass ist nur eine wiedergegebene Meinung; über eigene Erfahrung mit dem Verlag verfüge ich nicht.

Gruß,
Nika

Verlagsmitarbeiter
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Verlagsmitarbeiter » 06.11.2008, 10:13

Ich bin selbst Mitarbeiter im Tectum Verlag und kann dieses Posting hier nicht so stehen lassen. Dissertationen erreichen in der Regel nur eine sehr geringe Zahl von verkauften Exemplaren. Sie werden in der Regel bei keinem Verlag noch einmal Korrektur gelesen, denn die Kosten dafür sind deutlich höher als die Druckkosten einer Diss. Wo sie doch Korrektur gelesen werden, hat der Autor deshalb im Vorfeld einen deutlich höheren Druckzuschuss zu zahlen, d.h. der Autor zahlt dies als Dienstleistung. Ein Korrektur lesen sollte übrigens erfolgen, bevor(!) die Arbeit an der Uni eingereicht wird.
Natürlich gibt es bei uns (nicht bei allen Verlagen) die Möglichkeit eines Korrektur lesens und einer Neuformatierung. Von den Autoren wird dies aber nur selten genutzt. Vor allem aber auf die Neuformatierung legen wir gesteigerten Wert, damit das Buch auch optisch gut aussieht. Wir verwenden hier einen großen Teil unserer Arbeitszeit dazu, ein vernünftiges Layout des Innenteils und des Covers herzustellen. Es stimmt also gerade bei uns nicht, dass man alles selber machen muss.
Es stimmt auch nicht, dass man bei uns nur eine ISBN erhält. Dies ist ja Standard und keine eigentliche Leistung. Wir machen (in Rücksprache mit den Autoren) individuelle Cover und Coverwerbetexte und haben auch eine eigene Werbeabteilung. Dies ist bei Dissertationen nicht die Regel(!), da sich Dissertationen nur schwer bewerben lassen, weshalb sicher die meisten Verlage, die Dissen veröffentlichen, das behaupte ich jetzt hier mal so, dies ganz sein lassen. Sehen sie sich die Unterlagen der Verlage einmal daraufhin an, ob sie Rückschluss auf deren Werbung zulassen, ob sie Neuerscheinungskataloge und Sachgebietskataloge haben, über eine Werbeabteilung verfügen, die Bibliotheken und Buchhandlungen regelmäßig über neue Bücher informiert, ob sie in der Lage sind, Plakate, Flyer, Postkarten oder Lesezeichen herzustellen und ob sie Rezensionsexemplare versenden (selbst dies tun viele Verlage nicht). Im Vergleich wird man deutliche Unterschiede feststellen.
Und es ist auch falsch, dass man bei uns „verhältnismäßig viel“ bezahlen muss. Ganz im Gegenteil liegen wir mit unseren Druckzuschüssen deutlich im unteren Bereich. Man sollte so etwas besser nicht behaupten, wenn man sich nur aufs Hörensagen beruft.
Grundsätzlich gebe ich Doktoranden aber den Hinweis, dass bei der Veröffentlichung ihrer Dissertation der Druckzuschuss keine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen sollte. Viel wichtiger ist, dass das Buch in einem richtigen Verlag (kein PrintOnDemand-Verlag) herauskommen sollte. Und es soll möglichst gut gemacht sein, am besten als Hardcover. Denn dieses Buch wird bei Bewerbungen oder Stellenwechseln eine Art Visitenkarte sein. Man sollte nicht versuchen, auf Schnäppchenjagd beim Druckzuschuss zu gehen, sondern lieber sicherstellen, dass man auch in 20 oder 30 Jahren noch Freude an der Veröffentlichung hat.
Ein Tipp an alle, die es interessiert: Achten Sie darauf, dass Ihr Buch keinen zu hohen Ladenpreis hat, der Verlag also keine Hochpreispolitik fährt, wie dies leider immer mehr üblich zu werden scheint. Und lassen Sie sich nicht mit einem vermeintlichen hohen Autorenhonorar ködern (noch dazu in Verbindung mit einem hohen Ladenpreis, der Käufer ja abschreckt). Doktorarbeiten haben leider nur wenig Käufer, Ausnahmen gibt es nur gelegentlich. Machen Sie sich von dem Gedanken frei, dass sie mit einer Dissertation Geld verdienen könnten und misstrauen Sie denen, die Ihnen dies suggerieren. Der Nutzen des Buches für Sie liegt gerade nicht im kurzfristigen finanziellen Bereich, sondern ist viel nachhaltiger anzusetzen.
Auf alle Fälle: Holen sie sich viele Angebote ein und vergleichen Sie diese genau.

chris0
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von chris0 » 06.11.2008, 16:10

hört sich ja alles schön und gut an, das Problem ist (denke ich) bei den meisten der Preis für die genannten Leistungen: Je nach Seitenzahl (bei mir werden es über 500 sein), Lektorat + Hardcover liegt man doch schon bei über 7.000 Euro. So eine Summe müssen Studenten dann erst einmal stemmen und wer will schon ein Darlehen für den Druck seiner Diss aufnehmen? Fall die mir bekannten Zahlen nicht stimmen sollten, bitte ich um Korrektor, bzw. @Verlagsmitarbeiter was kostet es bei euch?

Verlagsmitarbeiter
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Verlagsmitarbeiter » 07.11.2008, 23:16

Bei den meisten Verlagen und auch bei uns sind die Zuschüsse deutlich niedriger. Aber natürlich kann ich hier keine Zahlen nennen, das wäre nicht im Sinne des Forums.
Aber allgemein: 7000 Euro erscheinen mir als deutlich zu hoch, selbst bei einer Hardcoverarbeit mit 500 Seiten (wenn es nicht eine wirklich außergewöhnliche Prachtausgabe werden soll, was ich aber bei einer juristischen Diss, anders als z.B. in Kunstgeschichte, nicht annehme). Bei einem solchen Preis handelt es sich meiner Meinung nach nicht mehr um einen Druckkostenzuschuss, vielmehr versucht der Verlag offenbar auf dem Wege eines Zuschusses Einnahmen aus der Veröffentlichung einer Dissertation zu ziehen, die mit dem Verkauf einer Dissertation nicht erzielt werden können, weil die Themen oft zu speziell sind. Die Herstellungskosten sind auf alle Fälle niedriger. Bekannte Verlage tun dies auch, um die Latte für einen Doktoranden nicht zu niedrig zu legen (man hätte natürlich lieber Professoren als Autoren). Aber auch sehr spezielle Arbeiten von Professoren erscheinen so in oft sehr guten Verlagen, was mich als Student schon immer gewundert hat. Wer soll die kaufen, habe ich mich gefragt. Heute weiss ich: man kauft sich ein. Aber Professoren und Verlage wissen um diese Praxis, und so ist es auch nicht anrüchig. Für die Veröffentlichung einer Dissertation würde ich soviel Geld aber nicht ausgeben.
Doch selbst ein hoher Druckkostenzuschuss wäre auf Dauer völlig vernachlässigenswert. Denn das eigene Buch steht noch Jahrzehnte im Regal und wir werden es auf alle Fälle an unsere Kinder vererben (deren Existenz vorausgesetzt). Man hat sich dies nur noch nicht klargemacht. Auch in Bibliotheken werden unsere Bücher uns überleben. Was sind dagegen 500 Euro mehr oder weniger? Die gibt man doch in 2-3 Wochen aus, ohne das was zurückbleibt. Wer kein Geld für sein eigenes Buch hat, der gehe dafür im Steinbruch malochen! Oder kräftesparender: er leihe es sich! Eltern und Verwandte sind meiner Erfahrung nach immer gerne bereit das eigene Buch zu sponsern. Man kann sie auch im Buch als Sponsoren erwähnen. Also nicht über Gebühr für eine Veröffentlichung bezahlen, aber auch nicht auf Schnäppchenjagd gehen. Doch leider muss ich gestehen, dass ich mich bei meiner eigenen Diss selbst nicht an meinen heutigen Rat gehalten habe. „Man soll von den Fehlern der anderen lernen; Das Leben ist so kurz, man kann unmöglich alle Fehler selber machen.“ (Theo Lingen)

Torben Ehlers
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Torben Ehlers » 14.10.2009, 15:31

Ich kann nur die Wiedergabe des Verlagsmitarbeiters von Tectum teilen! Ich bringe gerade selbst meine Diplomarbeit (über die Zapatisten in Mexiko, Reihe Sozialwissenschaften Band 24) beim Tectum-Verlag heraus. Angebote von anderen Verlagen lagen zahlreich vor. Tectum hatte die besten Konditionen, die Zusammenarbeit ist hervorragend, und ein paar Cent pro Seite für das Lay-Out sind SEHR günstig (ich habe auch schon mit anderen Verlagen zusammengearbeitet und veröffentlicht, kann daher gute Vergleiche ziehen). Ich empfehle sogar diesen Verlag bei Publikationen! Entschuldigung, aber wer in seiner wissenschaftlichen Arbeit nicht selbst die Rechtschreibung beherrscht, hatte wohl im Vorfeld seiner Ausbildung zu wenig geübt. Ich empfinde es als nicht positiv, wenn die Arbeit - die ich verfasse - von grammatikalischen Fehlern durchzogen ist. Das ist nicht Aufgabe eines Verlages. Tectums Lay-Out-/ Textualisierungsgestaltung sind mehr als zufrieden stellend. Der Verlag stellt darüber hinaus eine dringend notwendige Schnittstelle zwischen Absolvierung wissenschaftlicher Arbeiten wie Diplom, Dissertation, etc und dem wünschenswerten Folgemodus einer adäquaten, seriösen Veröffentlichung dar. Hörensagen weiter zu geben ist ohne eigenen Erfahrungshorizont ein schädigendes, ergo gefährliches Unterfangen. Wenn dies auch etwas Eigeninitiative erfordert, so sollte ein (auch angehender) Akademiker mehr Energie aufwenden, als sich auf die Aussagen anderer - ohne eigene Recherche oder Erfahrung - zu verlassen. Nochmals: Ich habe viele Angebote bekommen, von den bekanntesten und größten Verlagen Deutschlands. Doch sowohl das finanzielle Angebot, die Ernsthaftigkeit der Verlagsphilosophie, die Zusammenarbeit mit dem Verlag als auch die eigene Gestaltungskapazität bis zum Endprodukt kann ich beim Tectum-Verlag als Vorbildlich für andere Verlage empfehlen. Da hatte wohl jemand zu sehr an den Lippen irgendeines Lehrkörpers religiöse Dogmen übernommen...

Gonzo
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Gonzo » 14.10.2009, 19:35

Ui, ein neu angemeldeter Benutzer, das macht skeptisch.

Gonzo
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von Gonzo » 15.10.2009, 10:40

Vielen Dank auch für die persönliche Nachricht, lieber neuer Benutzer. Ich bleibe allerdings (sicher nicht als einziger schmunzelnder Leser Ihrer Verteidigungsrede) bei meiner Einschätzung.

HKPRO
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf

Beitrag von HKPRO » 15.10.2009, 11:27

Also ich kann, aus gesteigerter Erfahrung, nur ...on demand Verlag empfehlen.
Zumal sich manche auch auf wissenschaftliche Bereich spezialisiert haben.

Die sind deutlich günstiger und erfüllen alle Voraussetzungen.
Nur viel, viel günstiger.

Und: Eine oder zwei super aussehende Hard-Cover-Ausgaben für das eigene Archiv oder zum zeigen machen die auch für kleines Geld.

Frl.Schröder
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Re: Tectum Verlag, Der andere Verlag, Fwpf-Verlag

Beitrag von Frl.Schröder » 01.12.2010, 21:34

Ich krame mal den alten Faden wieder raus.

Hat noch jemand seit dem letzten Eintrag Erfahrungen mit Tectum gemacht? Wie renommiert ist dieser Verlag v.a. in Hinsicht auf die Sozialwissenschaften?

Und was ist on demand Verlag? Die drucken nur, wenn jemand bestellt? Kommt das seriös rüber?

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