Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

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ein-biologe
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Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von ein-biologe » 29.11.2011, 13:22

Hallo liebe Mitpromovierende,

ich bin Mikrobiologe und arbeite jetzt seit 13 Monaten auf einer Doktorandenstelle. Vor ca. 1 Monat habe ich mich, wegen nicht mehr (trotz Nachtschichten) bewältigbarer Arbeit, Deadlines die ich nicht einhalten kann, z.B. Internen Vorträgen die ich halten sollte etc., einfach für 2 Wochen krankschreiben lassen. Mir ist bewusst dass es sehr vielen, wenn nicht allen Doktoranden früher oder später so ergeht und jeder für sich seine Situation hinterfragt.
Einerseits habe ich hier wirklich viel arbeit und auch nur eine mäßige Betreuung, aber ich realisiere langsam dass es überall so ist und nach dem was man im Forum so liest, anderen Leuten noch bedeutend schlechter ergeht.
Fakt ist, dass ein mindestens ebenso wichtiger Grund für das Voranschreiten oder eben nicht Voranschreiten der eigenen Arbeit die persönliche Neigung und Eignung ist, ich hinterfrage meine mittlerweile immer öfter. Ich habe das Gefühl dass meinen Kollegen die tägliche Laborarbeit bedeutend leichter von der Hand geht, sie sich einfacher motivieren und organisieren können. Ich dachte immer dass ich ein hohes Interesse an der Wissenschaft habe, diesen Weg das Studium hindurch nie wirklich hinterfragt (und aus eigener Dummheit/Faulheit keine Praktika in der Wirtschaft gemacht) aber in letzter Zeit stinkt mir die tägliche Arbeit einfach nur noch. All die repetetiven, stupiden Handgriffe, dazu mit hohem Misserfolgsaussichten und das ganze über Monate hinweg. Ich glaube langsam ich bin einfach nicht fokussiert genug, an Intelligenz und Interesse mangelt es mir (hoffentlich) nicht, aber ich glaube nicht die nächsten 2-4 Jahre an einem Projekt arbeiten zu können welches für aussenstehende nur eine Ansammlung von Trivialitäten und uninteressanten Details ist.
Kurzum, ich habe vor Kurzem begonnen mich nach Stellen in der Wirtschaft umzusehen. In der Vergangenheit hat mir die Arbeit mit Kollegen (Methoden diskutieren, Studenten Betreuen etc.) immer am meisten spass gemacht, ich könnte mir techn. Support vorstellen. Am liebsten würde ich wissenschaftliche Redaktionsarbeit machen, aber ich glaube das 1. der Zug für mich abgefahren ist (28 Jahre ohne Journalistische prakt. Erfahrung) und 2. dies ebenso schlecht bezahlt ist wie Wissenschaft.
Zu guter letzt einige konkrete Fragen (am besten an Leute mit Erfahrung in einem Molekularb. Labor):
Wie ergeht es euch; ist es normal dass einen die praktische Arbeit anwidert? Muss man sich da einfach durchbeissen, weil es alle anderen auch tun? Wenn man Probleme hat sich über lange Zeiträume selbst zu motivieren, sich eine Arbeit wünscht bei der man abends "sieht" was man geschafft hat, ist es dann Zeit der Wissenschaft den Rücken zu kehren?

Ich hoffe mein überlanges Geschwafel hat nicht allzu viele mitForisten vertrieben.
Danke fürs lesen und antworten!

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bbb
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von bbb » 29.11.2011, 15:49

Lieber ein-biologe,

das klingt schwierig bei Dir!

Ich bin aus einem anderen Fachbereich (Ingenieur), kann also nicht direkt mitreden, aber ich habe auch eine experimentelle Arbeit gemacht, mit (sehr sehr) vielen Experimenten, Messungen, Auswertungen, etc., kann also vielleicht ein bisschen nachvollziehen, wie es Dir geht.
(Viel Arbeit, mäßige Betreuung, totale Erschöpfung, etc. kenne ich auch und in den >8 Jahren seit Beginn meiner Diss habe ich sehr viele Sinnkrisen gehabt.)

Zwei Dinge:

1) Wenn Du denkst, dass Deine Kollegen besser für die Diss geeignet oder erfolgreicher sind als Du, dann liegt das eventuell einfach nur daran, dass Du eine einseitige Sichtweise hast.
Die meisten Doktoranden (zumindest die, die nicht mit einer überübergroßen Portion Selbstüberschätzung gesegnet sind,) sind mit ihrer eigenen Arbeit nicht zufrieden und denken, dass es beim "Nachbarn" alles viel besser klappt, viel spannender und innovativer ist, etc.
Das mag in Einzelfällen stimmen, aber sicher nicht immer, denn der "Nachbar" kämpft meist auch mit Problemen oder mit sich selbst.

-> da würde ich nicht viel drauf geben!

2) Wenn Du denkst, dass es Dir selbst keinen Spaß macht, was Du da täglich machst, dann ist das in meinen Augen tatsächlich ein Warnsignal, und Du musst Dir im Klaren drüber werden, was Du wirklich willst und wie Du dorthin kommst.

Wenn Dir die Arbeit mit Kollegen so viel Spaß (ge)macht (hat): kannst Du Deine Arbeit nicht so ausrichten, dass Du mehr mit freundlichen und kooperativen Kollegen zu tun hast?

Viele Grüße

BBB

Manyra
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von Manyra » 29.11.2011, 15:57

Hi ein-biologe,

ich kann dich nur zu gut verstehen. Mir geht es genau so wie dir.
Momentan beiße ich mich auch mehr recht als schlecht durch und fragen mich, ob das überhaupt zielführend ist, was ich so mache.
Der Drang nach einem Routine-Job ist auch bei mir so weit, dass ich nicht nur Stellenanzeigen lese sondern auch darauf reagiere. Da es bisher nur Absagen gab, beiße ich weiter in den sauren Apfel der Promotion.

Vielleicht liegt es am Grund für die Promotion. Ich hatte eigentlich viel Freude bei der Ausarbeitung meiner Diplomarbeit und wollte das Thema weiter vertiefen. Daher stand die Promotion nicht weiter in Frage.
Nach fast 3 Jahren habe ich jegliche Freude an meiner Arbeit verloren.
Momentan zweifle ich auch an meiner Eignung für eine leitende Position in einem Labor, daher zweifle ich auch an der Notwendigkeit meine Promotion zu beenden.

Meine Antwort ist bestimmt nicht hilfreich, aber sie soll zeigen, dass du nicht alleine bist.

Gruß Manyra
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von barbara » 29.11.2011, 21:19

Methoden diskutieren, Studenten Betreuen etc....

Begreifst Du grundlegene, neuartige Dinge sehr schnell? Hast Du einen scharfen analytischen Verstand? Bist gerne beratend und mit Kunden - naja nicht gerade Studenten . zugange?

Denk mal über Patentanwalt nach. Das ist nichts furchtbar juristisches - gehört natürlich auch dazu, aber vor allem musst Du blitzschnell begreifen und beurteilen, was jemand anderes erfunden hat, recherchieren, ob das wirklich neu ist (also anderer Leute Ideen am oberen Ende der Entwicklung rasch erfassen). Aber Du musst nie stupide Versuche machen und sinnlose Daten auswerten.

Andere Möglichkeit ist Innovationsberater etc....

Beide Berufsbilder setzen aber tatsächlich sehr viel Geistesgegenwart, Gedankenschnelle und Begriffsvermögen voraus. Ich habe logischerweise beides nicht ausprobiert (ich promoviere ja auch ;-)) aber ich kenne ein paar entsprechende Leute und bin begeistert.

Dr. Natalie Struve
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von Dr. Natalie Struve » 30.11.2011, 11:44

bbb hat geschrieben:Wenn Du denkst, dass Deine Kollegen besser für die Diss geeignet oder erfolgreicher sind als Du, dann liegt das eventuell einfach nur daran, dass Du eine einseitige Sichtweise hast.
Die meisten Doktoranden (zumindest die, die nicht mit einer überübergroßen Portion Selbstüberschätzung gesegnet sind,) sind mit ihrer eigenen Arbeit nicht zufrieden und denken, dass es beim "Nachbarn" alles viel besser klappt, viel spannender und innovativer ist, etc.
Ob praktisch im Labor oder ganz anders tätig, das gilt meiner Erfahrung nach für fast alle Doktoranden, mit Ausnahmen allenfalls in homöopathischer Dosis! Und in aller Regel hilft schon ganz wesentlich, daß man sich genau das vor Augen führt: Wem bewußt ist, daß seine Probleme eben auf die Situation zurückzuführen sind und nicht auf mangelnde Kompetenz, der kommt viel besser klar. Genau deshalb ist dieses Forum ja so wichtig und hilfreich.

Wenn's irgend geht, red auch mal ehrlich mit Kollegen bzw. anderen Leuten in vergleichbarer Situation: Vielleicht mußt Du von ihnen selbst hören, daß ihnen auch längst nicht alles so leicht von der Hand geht, wie Du das zu glauben scheinst.

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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von Koenigsportal » 30.11.2011, 14:59

Hallo ein-biologe
ein-biologe hat geschrieben:Am liebsten würde ich wissenschaftliche Redaktionsarbeit machen, aber ich glaube das 1. der Zug für mich abgefahren ist (28 Jahre ohne Journalistische prakt. Erfahrung) und 2. dies ebenso schlecht bezahlt ist wie Wissenschaft.
1. Du bist dafür nicht zu alt.
2. stimmt wohl leider, ehrlich gesagt: Journalismus ist tendenziell noch schlechter bezahlt (wobei ich das reguläre E 13 Gehalt auch nicht als mies bezeichnen würde).

Wenn Du wirklich am liebsten redaktionell arbeiten willst: klemm Dich dahinter. Gerade im Bereich Wissenschaftsjourn. gibt es Bedarf, so weit ich sehe. Ein Praktikum sollte da problemlos möglich sein und dann läuft es über Volontariat oder freie Mitarbeit. Zu überlegen wäre auch, ob Du die Diss. frei weitermachst und eben selbst finanzierst durch solche Jobs.

Alles Gute fürs Entscheiden!
"Do what you can, with what you've got, where you are." (Th. Roosevelt)

thesis
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von thesis » 04.12.2011, 16:33

Ich arbeite zwar nicht in der Mikrobiologie, aber in verwandtem Bereich der Life Sciences und kann daher deine Probleme gut nachvollziehen. Genau wie bei dir kam bei mir eine Sinnkrise nach etwa einem Jahr. Die ersten Monate ist man noch hochmotiviert, hat kein Problem mit langen Arbeitszeiten, will sich und anderen was beweisen. Dann kommen die ersten Frustrationen, schier überwältigende Aufgaben und Probleme und außer einem netten Kommentar hier und da zu einer guten Präsentation oder einem brauchbaren Ergebnis bekommt man kaum etwas Greifbares zurück. Schließlich die Vorstellung, dass es alle anderen besser haben als man selbst.

Aber so ist es nicht. Andere Berufe sind nicht unbedingt besser, nur anders. Überstunden sind in akademischen Berufen generell üblich und im technischen Support ärgert man sich vielleicht mit wütenden Kunden herum oder solchen, die um jede Cent feilschen. Zudem kannst du diese Berufe auch noch nach dem Ende deiner Promotion ergreifen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass viele der Probleme während einer Promotion hausgemacht sind oder einfach auf schlechtem Zeitmanagement und zu viel Ehrgeiz beruhen. Nur wenige Doktoranden werden von ihren Doktorvätern/müttern gezwungen, Nächte und Wochenenden mit Arbeit zu verbringen oder jeden Tag 10 Stunden anwesend zu sein. Oft macht man sich die Probleme selbst, weil man nicht nein sagen kann und sich immer mit den Workaholics unter den Kollegen vergleicht. Meistens halten die einen auch für fleißiger als man sich selbst. Es ist keine Schande, auch einmal klar zu sagen, dass man im Moment keine Zeit hat, wenn einem mal wieder zusätzliche Arbeit aufgedrückt werden soll. Man muss auch nicht zwei Wochen Arbeit in eine Präsentation vor der eigenen Laborgruppe investieren. Und vor allem sollte man sich nicht ständig mit anderen vergleichen, denn fast immer haben die dafür ganz andere Probleme.
Krankschreibung, wenn es nicht mehr geht, ist natürlich ein Weg. Ich bin mehr dafür, ehrlich zu bleiben, anstatt nach der "Genesung" weiter den schönen Schein aufrecht zu erhalten. Aber das musst du selbst wissen.

Spätestens wenn dann nach zwei und mehr Jahren das Ziel langsam in greifbare Nähe rückt, ist an Aufgeben nicht mehr zu denken :D

Finslan
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von Finslan » 05.12.2011, 18:37

Hallo,
als Nicht-Biologe/ Naturwissenschaftler kann ich zu Deinem konkreten Problem nicht viel beisteuern, auch wenn ich die Altersproblematik zumindest kenne.

Falls Du aber tatsächlich Wissenschaftsjournalismus in Betracht ziehst, könntest Du es ja erst mal mit einem Praktikum versuchen, um festzustellen, ob das wirklich was sein könnte. Zum einen in Hinblick auf die Arbeit an sich, zum anderen zum Kontakte knüpfen und Infos sammeln, wie es denn hinsichtlich Verdienst etc. so aussieht.

Ich weiß nicht, woher Du kommst, aber in Frankfurt a.M. ist in Kürze bei einer Chemiezeitschrift eine Praktikumsstelle (Dauer zw. 6-12 Wochen, Kenntnisse in Chemie, Biochemie, Chemieingenieurwesen oder Lebensmittelchemie) zu besetzen. Falls das für Dich in Betracht kommen sollte, kann ich Dir die Anzeige mit genaueren Infos schicken. Ansonsten gibt es sicher ähnliche Anzeigen auch bei speziellen Bio-Zeitschriften oder allgemeineren Wissenschaftsmagazinen wie Spektrum etc.

Was die Finanzen angeht: Als Naturwissenschaftler verdient man doch eigentlich recht gut-soweit ich das aus meiner Familie weiß. Selbst wenn es dann in diesem Bereich etwas „schlechter bezahlt“ ist, ist man da meistens im Verhältnis zu vielen anderen Akademikerberufen noch ziemlich gut bedient :) . Und wenn man die Möglichkeit hat, einen Job machen zu können, der einem viel Spaß macht, dann muss man eben überlegen, ob einem die Freude am Job die finanziellen Einbußen wert sind, oder ob man lieber mehr verdienen will, aber vielleicht nicht so viel Begeisterung für die Arbeit empfindet. Bei der Entscheidung kann Dir aber letztlich keiner helfen.

Viel Erfolg jedenfalls, wohin die Reise dann auch gehen mag :blume:

dix
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von dix » 07.12.2011, 20:23

Hi ein_biologe,

tu Dir den Gefallen und bleib dabei! Sprich mit anderen Doktoranden über deren Arbeit, dann stellst Du fest, denen geht es genauso. Mach Pausen, find ein Hobby, sprich mit dem Psychologische Dienst an der Uni, dafür sind die da. Die helfen Dir auch einzuschätzen, ob Dich die Stelle oder Du Dich selbst so fertig macht.

Wenn Du jetzt abbrichst, solltest Du eine sehr genaue Vorstellung haben, was Du machen willst. Mit 'vielleicht so was mit Wissenschaftsournalismus' kommst Du nicht weit. Gerade in diesen Branchen gibt es viele motivierte Leute, die für noch weniger Geld noch idiotischere Jobs machen.
Das mit der Sinnkrise finde ich normal, und daß man sich auf die grünere Seite des geregelten Arbeitsleben wünscht, finde ich auch normal. Da ist es aber leider nicht grüner und gerade hier in D legen viele Leute Wert auf einen klassischen Lebenslauf, der zeigt, daß Du schon mit 8 wusstest, daß Du Biologe werden wolltest.

Als gescheiterte Existenz mein Rat an Dich: finde erst heraus, was Dir Spaß macht und verlass dann die Uni, die Chance ist gut, daß Du mit der Promotion fertig bist, bis Du's weißt

dix

Taavi
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Re: Sinnkrise Promotion/Wissenschaft

Beitrag von Taavi » 08.12.2011, 18:10

Lieber ein-biologe,

keine Promotion ist es Wert sich psychisch oder körperlich dafür kaputt zu machen. Und kein Zug ist wirklich jemals abgefahren, glaube mir. Ich kenne Menschen, die nach dem Abschluss ihres Studiums gemerkt haben, dass sie in ihrem gewählten Berufsfeld nicht glücklich sind und dann eine Ausbildung gemacht haben und nun die glücklichsten, weil erfüllten, Menschen sind. Umgekehrt genauso. Ich denke man muss zwischen zwei Dingen unterscheiden: Ist man unzufrieden, weil man sich selber zu sehr stresst, weil man zu perfektionistisch ist aber die - ich nenne es jetzt mal geistigen Vorraussetzungen - mitbringt oder überfordert einen die Situation, weil man keine Perspektive mehr sieht und auf seiner Stelle ausgebeutet wird. Wenn ersteres der Fall ist: das kann man lernen. Ich war ein solcher Kandidat, bis mein Körper mir deutlich einen vor den Bug gegeben hat und seitdem ruht die Promotion notgedrungen. Glaub mir, ich würde alles dafür geben, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte. Wenn ich abends an der UB vorbeigehe und die arbeitenden Leute vor ihren Laptops sehe oder in der Mensa höre, wie sich die Studenten in der Schlange vor mir darüber beschweren, weil sie so viel arbeiten müssen denke ich immer: "Wie dankbar wäre ich dafür, wieder arbeiten zu können, wieder am Schreibtisch sitzen zu dürfen und das Privileg zu haben, promovieren zu dürfen!" Erst jetzt, wo ich all das körperlich nicht mehr leisten kann, weiss ich, was ich eigentlich hatte. Jaja, die alte Leier (-: Aber so ist es. Jetzt kommt mir all der Stress, den ich mir früher gemacht habe so unbedeutend vor und ich wünschte, ich hätte schon viel früher Wege gefunden, mit Belastung umzugehen. Was ich damit sagen will: Finde heraus, ob dir deine Doktorarbeit nicht eigentlich doch Spaß machen würde, wenn du einen Weg finden könntest, dich selbst zu entlasten und Maximalforderungen einzustellen. Das kann ich nur allen hier im Forum raten. Eure Gesundheit gibt euch niemand zurück und die kann man sich auch mit seiner Promotionsurkunde nicht zurückkaufen.

Wenn du aber merkst, du hast null Interesse mehr an dem was du tust und glaubst einschätzen zu können, dass all die Mühen zu nichts führen, dann brich es ab. Auch hier wieder: Verschwende deine Zeit nicht mit etwas, das dir keine Freude bringt. Man weiss nie, wann es einen vielleicht mal schlechter geht und dann bereut man es, wenn man so viel Zeit mit Dingen verschwenden hat, die einen nichts geben.

Meistens sagt dir dein Gefühl ganz deutlich, was du möchtest, man muss sich nur trauen, ihm zuzuhören.
Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute für deine Entscheidung!

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