Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

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kal-el
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Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von kal-el » 25.09.2015, 17:15

Hallo,

mein DV möchte aus meiner Diss ein Drittmittelprojekt machen, ich habe nun über Wochen hinweg den Antrag geschrieben;
Im Rahmen dessen habe ich umfangreiche Literaturrecherche betrieben, daraus soll ich nun gleich auch das passende Kapitel für die Diss-Schrift schreiben.
Nun intensiviere ich meine Suche natürlich noch mal und tatsächlich kommt immer wieder was zum Vorschein,
was nun für den Antrag irrelevant (da zu speziell), aber für die Diss-Schrift schon von Bedeutung ist.

Nur:
es wird immer mehr.

Dummerweise ist mein Suchraster sehr breit gefasst, da es indirekt eine Kritik an der bisherigen Forschungslandschaft sein soll...
wobei das wahrscheinlich nahezu alle Diss-Schriften sind :)
Wann ist genug?
Wann mache ich die Kiste zu ?
Ich habe mir schon überlegt, die Publikationen nach Kategorien zu unterteilen und dann pro Kategorie noch einmal zu differenzieren,
also beispielsweise

"Betrachtung Thema X mit quantitativen Methoden" (so schreibe ich das dann nicht :) )
und mich dann auf Publikationen ab Jahr X zu beschränken...
aber dann fällt bestimmt was Wichtiges durch....
also eher nach Bedeutung?
Oder nach thematischer Sättigung (was bei einer Sowi-Arbeit sehr schwer ist- irgendjemand findet immer noch ein Steinchen....)?

Ich komme auf deutlich über 150 relevante Publikationen, die alle zu erwähnen ist dann doch wirklich viel!!

Wie habt Ihr das gemacht?

Danke!!

lg
superman

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Traudel
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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von Traudel » 25.09.2015, 17:36

Also mein Literaturverzeichnis umfasst ca. 1.000 Publikationen...Bitte nicht nachmachen!!! :lol: Hat Jahre meines Lebens gekostet... :oops:
Aber 150 finde ich nicht kritisch. Bevor Du Dich aber in der Recherche verlierst bzw. verrennst, solltest Du Rücksprache mit Deinem DV halten und entweder
a) Dir im Vorfeld eine begründete Eingrenzung der Literaturrecherche überlegen und absegnen lassen oder
b) mit ihm gemeinsam engere Suchkriterien definieren oder
c) um Unterstützung bitten, einen kurzen, aber gezielten Fragenkatalog (5-6 Fragen oder pro Kapitel...) zu entwerfen, die Dich sowohl bei der Auswahl als auch der Auswertung der Literatur leiten und eben nicht abdriften lassen.

Viel Erfolg!! Auch für den Antrag :blume:

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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von Papierturm » 25.09.2015, 18:22

Ich muss ja gestehen, der theoretische Teil war mir ein Graus. Literaturrecherche ebenso. Mein doch recht auf die wichtigsten Aspekte beschränkte theoretische Teil samt zugrundeliegende Literatur wurde dann doch auch recht lakonisch in den Gutachten zur Kenntnis genommen. Dabei hatte ich "nur" ca. 250 Werke im Literaturverzeichnis in einer empirischen Arbeit zu einem sehr eng umfassten und nur sehr begrenzt erforschten Gebiet.

Von dem Hintergrund glaube ich nicht, dass 150 Arbeiten kritisch werden dürften. Eher im Gegenteil. :stressed:

Ist allerdings wohl sehr vom Fach abhängig. Habe auch von Fächern gehört, in denen 150 viel sind. Und es spielt noch ne Rolle, welche Art die Arbeit ist. Eine empirische Arbeit mit 150 Quellen ist was anderes als eine Meta-Analyse mit 150 Quellen. Hm.

Lange Rede fehlender Sinn, 150 scheinen mir jetzt nicht so kritisch zu sein.

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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von Green Goddess » 25.09.2015, 18:49

Konkretisierst du dein Problem, bitte? Die reine Zahl von 150 Literaturstellen/Publikationen scheint mir nicht sonderlich hoch bei der herausgelesenen Zielsetzung des Kapitels ( Stand der Forschung unterteilt nach Feldern und Methoden (???) ). Selbst in meinem Gebiet käme ich dabei leicht in den 3-stelligen Bereich, und Themengebiete in Mathe lassen sich ziemlich klar und einfach abgrenzen.

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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von flip » 25.09.2015, 20:34

Also, in unseren letzten Paper haben es es 50 Quellen geschafft. Von daher ist 150 für eine Diss im unteren Bereich.
Aber was sollen auch diese Zahlen im allgemeinen aussagen...
Eigentlich sollte man doch im Studium gemerkt haben, dass man so etwas nicht quantifiieren kann... ;)

kal-el hat geschrieben:Hallo,

Dummerweise ist mein Suchraster sehr breit gefasst, da es indirekt eine Kritik an der bisherigen Forschungslandschaft sein soll...
wobei das wahrscheinlich nahezu alle Diss-Schriften sind :)
Wann ist genug?
Gerade heraus: Ich würde direkt so ein Projekt ablehnen und tunlichst die Finger von solchen "breiten" Themen lassen. Das ist etwas, was man vielleicht im Rahmen einer Habilt tut oder als gestandener Prof nach 20 Jahren, aber als Doktorand?! Das klingt vielleicht am Anfang erst einmal cool. Aber die Gefahr ist ziemlich groß, dass du dich in irgendeinem Teilbereich verzettelst.

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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von kal-el » 26.09.2015, 11:41

.....stimmt, zu ungenau.
Also die Benennung von 150 Quellen in der Biblio ist kein Thema, mir geht es um die Benennung (und damit auch kurzes Aufgreifen) im Fließtext: "Forschungsstand."

Das ist eben auch die Vorgabe vom DV; er behauptet, dass man ohne Mühe (!) den kompletten (!) Forschungsstand darstellen kann, jegliche Einschränkungsversuche meinerseits waren erfolglos. Ich muss Literatur von 1920 und 2010 genauso kennen wie alle Spielarten methodischer Darstellungen.

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Re: Wann ist die Literaturrecherche vorbei?

Beitrag von Traudel » 26.09.2015, 16:54

Crazy... dann richte Deinem DV mal aus, dass eine wesentliche Technik bzw. ein Qualitätskriterium des wissenschaftlichen Arbeitens darin besteht, ein Themenfeld entsprechend dem vorgegebenen Rahmen einzugrenzen und damit fundiert und fokussiert bearbeitbar zu machen.

Allerdings: So wirklich ferndiagnostisch als falsch oder unpassend verurteilen kann/möchte ich das Vorhaben bzw. die Ansprüche Deines DV nun auch nicht, weil ich weder Dein Fachgebiet, das Diss-Thema noch die Aufgabenstellung oder Zielsetzung Deiner Arbeit kenne.

Um ehrlich zu sein, für meine Arbeit recherchierte und verwertete ich schon auch sämtliche Literatur zu einem recht üppigen Thema von ca. 1880 bis 2012. Jeweilige methodische Ansätze habe ich freilich eingebunden... aber meine Arbeit war nicht empirisch ausgerichtet. Daher hinkt der Vergleich vermutlich.

Ich würde an Deiner Stelle noch einmal das Gespräch mit Deinem DV suchen. Aber im Vorfeld würde ich genau reflektieren und dokumentieren: Wo kann ich wiss. begründet einen Schwerpunkt legen? Welche Aspekte/Eingrenzungsmöglichkeiten interessieren mich am meisten und lassen sich nach meiner ersten Literatursichtung voraussichtlich gut aufarbeiten und verwerten? Oder/Und wo bestehen eben Forschungslücken, zu deren Füllen in beitragen kann? Welche konkreten Argumente sprechen dafür?
Lege ihm dar, dass die Erfüllung seiner wenig konkretisierten Ansprüche die Gefahr einer oberflächlichen Abhandlung mit sich bringt etc.

Viel, viel Glück! Und fahnde nach einem Fokus, der Dich langfristig interessiert! Motivation ist die halbe Miete :blume: bzw. :dr)

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