Promotion schwanger beginnen?

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Lilalilli
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Promotion schwanger beginnen?

Beitrag von Lilalilli » 17.09.2015, 11:15

Hallo ihr Lieben,

Ich bin gerade mit meiner Masterthesis fertig geworden und habe mich bereits im Juli auf ein Stipendium für eine Promotion beworben. Ich hatte jetzt schon mehrfach Kontakt zu meinem Doktorvater und er ist super nett und locker. Seit letzter Woche steht fest: Ich würde das Stipendium bekommen... Da meinem Doktorvater aber (anscheinend) relativ viele Forschungsgelder genehmigt wurden, hat er mir nun gesagt, dass er mir gerne eine Anstellung geben würde, den Stipendienplatz würde dann jemand anderes bekommen, da dieser sonst verfällt.
Seit letzter Woche steht außerdem noch fest: Ich bin schwanger! Das ganze ungeplant und natürlich zum denkbar dümmsten Zeitpunkt.
Für mich steht fest, dass ich das Kind bekommen werde.
Ich werde nächste Woche zu meinem Doktorvater gehen und ihm von der Schwangerschaft erzählen. Ich vermute mal, dass er aus allen Wolken fallen wird und die Anstellung kann ich vermutlich komplett vergessen (denn da müssten sie mir ja im Mutterschutzgeld zahlen), oder was meint ihr?

Hat jemand Erfahrung damit schwanger eine Promotion zu beginnen? Promotion wäre übrigens im Bereich Veterinärmedizin/Agrarwissenschaften.
Ich muss ehrlich zugeben, ich habe ganz schön Bammel es meinem Prof zu "gestehen".

Liebe Grüße
Lilli

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itsme
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von itsme » 17.09.2015, 12:12

Das allerwichtigste zuerst: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! :blume: :blume: :blume: :blume:
Lilalilli hat geschrieben: Ich muss ehrlich zugeben, ich habe ganz schön Bammel es meinem Prof zu "gestehen".
Deswegen: Tu' es nicht. Nimm' die Stelle, geh' in Mutterschutz und Elternzeit*, freu' dich an deinem Kind und daran, dass du eine Stelle hast, auf die du zurückkommen kannst. Das ist dein Recht und auch die Wissenschaft als Arbeitgeber hat die moralische Verpflichtung eine werdende Mutter nicht zu benachteiligen. Dein moralisches Bauchgrummeln (Was passiert mit dem Projekt, müssen dann nicht die Kollegen einspringen, ist das nicht unfair ggü. dem DV) kann ich verstehen - es ist aber unberechtigt. Es handelt es sich um einen Arbeitsplatz, den du aufgrund deiner Qualifikationen verdient hast. Dein Arbeitgeber ist am Ende ein Bundesland - und der ÖD beansprucht zwar gerne Sonderrechte für sich, die sind aber nicht immer gerechtfertigt. Du kannst über Angebote nachdenken, die du machen kannst, um die Stimmung für die Zeit nach deiner Wiederkehr positiv zu beeinflussen, z.B. eine Elternzeitregelung, bei der du in der Elternzeit Teilzeit arbeitest. Die Möglichkeit von der Arbeitsplatzzusage zurück zu treten, solltest du ihnen aber nicht geben.

Wg. Mutterschutzgeld: Sie würden es überleben. Ist aber eine Kassenleistung, folglich zahlt nicht die Uni, sondern deine Krankenkasse. Der Arbeitgeber zahlt in der Regel einen Zuschuss zum Ausgleich des Lohnverlusts - da könnte es vllt. fraglich sein, weil z.B. Lohnfortzahlung im Krankheitsfall auch erst nach einem Monat Beschäftigung gezahlt wird. In der Elternzeit zahlen sie dir nix und können eine Elternzeitvertretung beschäftigen - zu deutsch: sie werden es überleben. Und wie sie es organisieren, ist nicht dein Problem.

Anderer Punkt: Probezeit. Wenn du angestellt wirst und danach deine Schwangerschaft bekannt machst, ist auch keine Probezeitkündigung mehr möglich. Sie können aber die restlichen Monate der Probezeit nach der Elternzeit "anhängen". Theoretisch wäre damit eine Kündigung ohne Angabe von Gründen am ersten Tag nach deiner Rückkehr in den Job möglich.

Und: Befristung. Wenn du befristet auf eine etatisierte Stelle (also nicht auf eine Stelle, die wegen eines Projekts befristet ist) oder eine DFG-Stelle eingestellt wirst, besteht die Möglichkeit, dass die Elternzeit hinten an die Befristung angehängt wird. Die Logik ist einfach: Die Stellen werden mit der Begründung, dass es sich um Qualifikationsstellen handelt, befristet - wenn die Qualifikation wegen einer Elternzeit unterbrochen wird, bleibt der Befristungsgrund ja erhalten.

*Nachtrag: Es kann natürlich Sinn machen, sich mal mit dem Vater des Kindes über die Verteilung der Elternzeit zu unterhalten - das ist aber eine Frage der Prioritäten und eine ganz andere Baustelle.

Amalia
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von Amalia » 17.09.2015, 14:07

Auch von mir erstmal herzlichen Glückwunsch!!! :blume: :blume: :blume: :blume:

Eine Info: Wenn die Stelle innerhalb eines Drittmittelprojektes ist, ist es gut möglich, dass Dein DV eine Mutterschutz und Elternzeitvertretung vom Drittmittelgeber finanziert bekommt, die nicht zu Lasten Deiner Vertragslaufzeit ist (und gesetzlich nicht darf --> Wisszeitvertragsgesetz). Kenn ich so von der DFG. Damit profitiert letztlich auch der DV von Deiner Schwangerschaft, da er länger einen WiMi hat!!!

Klären würde ich noch folgendes: Musst Du Laborarbeit machen? Darfst kannst Du das während der Schwangerschaft / Stillzeit?

Stipendium vs. Stelle: Grundsätzlich ist eine Stelle zu bevorzugen, wg. der Sozialgoodies. Allerdings hat man (sollte man) als Stipendiat mehr Freiheiten haben, was die Organisation der eigenen Arbeit (Arbeitsplatz / Anwesenheitspflicht) angeht. Das kann sehr hilfreich sein, wenn man ein Kleinkind versorgen muss. Bevor Du Dich aus diesen Gründen für das Stipendium entscheidest, solltest Du aber klären, wie das mit Elternzeit und Elterngeld bei Deinem Stipendiengeber ist. Das offizielle Elterngeld bekommst Du als Stipendiat nicht (bzw. nur die ca. 300€ Mindestsatz). Allerdings gewähren viele Stipendiengeber ein zusätzliches Jahr, wenn man ein Kind hat, beispielsweise 3+1, statt nur 2+1. Das kann finanziell interessanter sein als das Elterngeld (wenn man die fehlenden Sozialleistungen außeracht lässt.)

Alles Gute!
A.

Lilalilli
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von Lilalilli » 17.09.2015, 14:35

Ihr Lieben,

vielen Dank für eure Antworten und Glückwünsche!

Wegen dem Vorschlag dem DV nichts zu sagen: ich würde ja vermutlich erst zum 1. Dezember oder sogar erst zum 1. Januar beginnen, da sieht man dann definitiv schon etwas... Ich muss zwar zugeben, ich habe auch schon darüber nachgedacht einfach gar nichts zu sagen und abzuwarten bis ich den Vertrag habe, aber das ist mir glaube ich zu riskant. Am Ende komme ich zum unterschreiben und dann sieht man das schon. Und wie du schon sagst, wegen Probezeit usw. wäre es vielleicht auch geschickter von Anfang an mit offenen Karten zu spielen, da ist mir einfach wohler dabei.

Die Sache mit den Mitteln ist ein bisschen schwierig: Die Promotion wäre nämlich in Italien, der Professor ist allerdings sowohl in Italien an der Uni, als auch in Deutschland an einer Uni beschäftigt... Ich habe wirklich keinen blassen Schimmer, um welche Fördergelder es sich handelt.
Das Stipendium wäre jedenfalls von der italienischen Uni, ich habe mir den Vertrag schon durchgelesen, man bekommt bei einer Schwangerschaft ein Jahr länger Zeit aber kein Mutterschaftsgeld oder ähnliches. Elterngeld und Kindergeld könnte ich vermutlich von Deutschland beziehen, da ich mich ja mit Stipendium noch in der Ausbildung befände und dadurch auch noch in Deutschland versichert bin....

Ach alles so chaotisch :roll:

Euch trotzdem ganz lieben Dank für die Denkanstöße und Tipps!

itsme
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von itsme » 17.09.2015, 15:06

Lilalilli hat geschrieben: Wegen dem Vorschlag dem DV nichts zu sagen: ich würde ja vermutlich erst zum 1. Dezember oder sogar erst zum 1. Januar beginnen, da sieht man dann definitiv schon etwas... Ich muss zwar zugeben, ich habe auch schon darüber nachgedacht einfach gar nichts zu sagen und abzuwarten bis ich den Vertrag habe, aber das ist mir glaube ich zu riskant. Am Ende komme ich zum unterschreiben und dann sieht man das schon.
Dann lächelst du das beseelte Lächeln einer Schwangeren, streichelst versonnen über deinen Bauch - und unterschreibst. :wink:

Du darfst deine Schwangerschaft tatsächlich verschweigen, der Arbeitgeber darf dagegen nicht mal nachfragen. Du kannst im 9. Monat reinrollen - und die dürfen dir höchstens ein Kompliment für deine hübsche Umstandsmode aussprechen. Im Moment ist noch nichts in die Wege geleitet worden, da würde es dem DV leicht fallen, die Arbeitsplatzzusage wieder fallen zu lassen. Wenn aber erstmal alle Verträge unterschriftsreif vorliegen, greift (wahrscheinlich) das AGG und die Mitarbeiter der Uni-Verwaltung wissen ganz genau, dass sie - sofern du z.B. klagewillig wärst - in Teufels Küche kommen können. Da ist es für die wirklich leichter, dir krampfhaft in's Gesicht zu gucken und dich einzustellen.

Guck' mal hier: http://www.frag-einen-anwalt.de/Schwang ... 84488.html

Da hat eine Rechtsanwältin die einzige Ausnahme benannt, warum dir ein Strick aus dem "Verschweigen" der Schwangerschaft gedreht werden könnte: Wenn es sich um ein befristetes Arbeitsverhältnis und du wegen eines (drohenden) Beschäftigungsverbots das Arbeitsverhältnis gar nicht erst wahrnehmen könntest, dann dürfte sich der Arbeitgeber getäuscht fühlen. Ansonsten kommt der einfach nur einer sozialen Verpflichtung nach.

Davon abgesehen hat Amalia mit ihrem Argument, dass ein Stipendium mit einem Kleinkind vielleicht besser zu vereinbaren ist, sicher Recht (das hängt aber auch vom einzelnen DV ab). Ein anderes Argument für das Stipendium könnte das Einkommen deines Partners sein: Wenn der gut verdient, dann ergibt die Kombination Einkommen und Stipendium einen beachtlichen Steuervorteil (sofern verheiratet). Zudem hast du - wenn du nicht während des Studiums sozialversicherungspflichtig gearbeitet hast - auch bei einer Stelle keinen Elterngeld-Anspruch, der über den Mindestsatz hinausgeht (das tut sich nix).

Das Tückische bei einem Stipendium ist aber, dass sich daraus gar keine Rechte ergeben. Mutterschutz (und damit meine ich die Frage, ob überhaupt Mutterschutz gewährt wird!), Elternzeit (bei einer Stelle bis zu drei Jahre!) und Aufschläge für Kinder liegen im Ermessen des Stipendiengebers. Wenn du in der Schwangerschaft ein Beschäftigungsverbot bekommst, dann hat das auf die Dauer, in der das Stipendium gezahlt wird, keine Auswirkung - das kann die ganze Zeitplanung über den Haufen werfen. Du erwirbst keine ALG-1-Ansprüche, keine Ansprüche ggü. der Rentenversicherung, keine Ansprüche in der betrieblichen Vorsorge und musst dich selbst krankenversichern. Ein Stipendium wird in der Regel nicht für die Einstufung im öffentlichen Dienst berücksichtigt, d.h. wenn du nach dem Stipendium auf einer Stelle angestellt wirst, fällst du > 100,- €/Monat zurück (und das für fast zehn Jahre). Eine weitere, recht haklige Sache könnte sogar der Krippen- oder Kindergartenplatz werden: Bei Knappheit könnte es sein, dass Frauen mit Erwerbstätigkeit bevorzugt werden.

Ganz brutal gesagt würde ich das Stipendium nur jemandem empfehlen, der eben noch keine Kinder hat und ganz bewusst plant, die nächsten Jahre in eine Ausbildungsinvestition zu stecken. Dann kann es eine sinnvolle Möglichkeit sein, sich eine Zeit lang ganz auf die eigene Arbeit konzentrieren zu können.

bbb
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von bbb » 17.09.2015, 23:41

Hallo Lilli,

auch von mir herzlichen Glückwunsch!
:blume:

Ich kann auch nur betonen: Absolute pro-aktive Ehrlichkeit (aus dem Gedanken heraus, dass das aus moralischen Gründen nötig ist) kann leider zu großen Nachteilen für Dich führen. Daher solltest Du von Deinem Recht, es nicht zu sagen, besser Gebrauch machen.

Liebe Grüße

BBB

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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von algol » 18.09.2015, 12:19

Auch wenn viele (aus durchaus guten Gründen) dazu raten, die Geschichte eher nicht zu erzählen: Ich möchte da eine Lanze für Kooperation brechen. Wenn der DV wirklich so nett ist und Ihr ein gutes Verhältnis habt, kann das Zurückhalten dieser Info die Beziehung belasten. Denn auch der DV muss planen. Und da kann es hilfreich sein, gemeinsam zu besprechen, wie eine gute Lösung aussehen kann (habe ich selbst an der Uni so erlebt). Es gibt genügend Profs, bei denen wäre das keine gute Idee, leider nicht.
Aber wie wollt Ihr in eine Zusammenarbeit einsteigen? Gleich mit einer gewissen Konfrontation?

elbu
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von elbu » 18.09.2015, 14:16

@Lillli: auch von mir herzlichen Glückwunsch!

Ich habe bei meiner Arbeit erst nach 3 Monaten bescheid gesagt, dass ich schwanger bin. Meinem Chef, und meinen Kolleg_innen. Und meinem Doktorvater übrigens auch. Das Personaldezernat hat es erst später erfahren, als meine Vertragsverlängerung unterschrieben war. Ich habe es aber auch im Freundes- und erweiterten Familienkreis erst nach 3 Monaten erzählt; früher wussten es nur meine direkte Familie und enge Freund_innen. Das ist total üblich. Es ist also zwischen jetzt und dem etwaigen Vertragsbeginn noch ein Moment Zeit. Du weißt es selbst erst seit einer Woche. Du musst nichts übers Knie brechen und kannst einen Mittelweg wählen zwischen konfrontativem Verschweigen und sofort-erzählen. Denk mal darüber nach, was für Dich wichtig ist – ich vermute, Lebensunterhalt und ein gutes Verhältnis zum Doktorvater fallen beide in diese Kategorie – und wie Du evtl. das alles bekommen kannst. Du hast Rechte und das aus einem guten Grund.

bbb
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von bbb » 19.09.2015, 09:08

elbu hat geschrieben:Du musst nichts übers Knie brechen und kannst einen Mittelweg wählen zwischen konfrontativem Verschweigen und sofort-erzählen. Denk mal darüber nach, was für Dich wichtig ist – ich vermute, Lebensunterhalt und ein gutes Verhältnis zum Doktorvater fallen beide in diese Kategorie – und wie Du evtl. das alles bekommen kannst. Du hast Rechte und das aus einem guten Grund.
:blume:

ich gebe @algol und @elbu durchaus Recht:
Kooperation und Entgegenkommen ist wichtig und wenn der DV wirklich so nett ist, dann könnte es das Verhältnis belasten.
Ein Mittelweg ist dann vermutlich besser.

Wir hatten bei unseren Kindern auch selbst in der Familie in den ersten Monaten nichts erzählt.

itsme
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Re: Promotion schwanger beginnen??

Beitrag von itsme » 19.09.2015, 10:54

Aaaaalso:

1.) Es sofort erzählen:
- Best Case: DV zieht Anstellungszusage nicht zurück und trägt Lösung, bei der Job und Kleinkind vereinbart werden können mit.
- Worst Case: DV zieht Anstellungszusage und Stipendienzusage zurück.
- Realistisches Outcome: DV zieht Anstellungszusage zurück, gewährt aber Stipendium. (Sicher?)

2.) Es erst nach Vertragsunterzeichnung erzählen:
- Best Case: DV hat Verständnis und trägt Lösung, bei der Job und Kleinkind vereinbart werden können mit.
- Worst Case: DV fühlt sich hintergangen und nutzt die Gelegenheit der Probezeitkündigung nach der Elternzeit.
- Realistisches Outcome: DV fühlt sich hintergangen, es können im Gespräch aber für beide Seiten gute Lösungen gefunden werden (z.B. kurze Elternzeit, Home Office, ...)

3.) Es erst nach einiger Zeit, aber vor Vertragsunterzeichnung, erzählen:
- Best Case: DV hat Verständnis und trägt Lösung, bei der Job und Kleinkind vereinbart werden können, mit.
- Worst Case: DV fühlt sich hintergangen und zieht die Anstellungs- und Stipendienzusage zurück.
- Realistisches Outcome: s.o.?

In einer idealen Welt würden alle Betroffenen rational handeln und der DV hätte Verständnis für das Bedürfnis die eigene existenzielle Grundlage abzusichern und würde auch ein Verschweigen nicht sanktionieren. Allerdings leben wir ja leider nicht in einer idealen Welt und ich persönlich würde die negativen Konsequenzen bei einem Verschweigen (belastete Arbeitsatmosphäre, Gefahr der Probezeitkündingung) als weniger gravierend erachten, als die negativen Konsequenzen bei frühzeitiger Offenlegung (eine echte existenzielle Bedrohung, die schon für Alleinstehende ohne Kinder schwer zu bewältigen ist). Allerdings: Die negativen Konsequenzen treten eigentlich selten so ein, weil es ja auch im schlechtesten Fall immer noch Handlungsmöglichkeiten gibt (z.B. erst Elternzeit und dann Bewerbung auf ein anderes Stipendium/eine andere Stelle).

Wie elbu schon ganz richtig gesagt hat, ist das eine Frage der eigenen Prioritäten, über die man sich vielleicht auch erstmal bewusst werden muss. Gibt es vielleicht die Möglichkeit, frühere oder aktuelle Mitarbeiter des DV mal zu fragen, wie er zur Familiengründung steht? Es kann ja auch sein, dass er das tatsächlich aktiv fördert (hab' ich auch schon erlebt: Professoren, die bei Konferenzen etc. wirklich stolz erzählen, wie viele Mitarbeiter in ihrer Abteilung sich berufliche und private Wünsche parallel erfüllen können, weil das ja nicht zuletzt ein wichtiges Argument in der Konkurrenz um qualifizierten Nachwuchs werden kann) - dann ist Offenlegen wahrscheinlich die beste Strategie. Wenn er aber in der Vergangenheit die Familiengründung während der Promotion als eher negativ gesehen hat, weil er einen Tunnelblick im Hinblick auf das jeweils aktuelle Projekt entwickelt hat, dann kann die Offenlegung zu einer existenziellen Bedrohung führen - und genau das, nämlich, dass Kinder zu beruflichen Nachteilen und in Existenznöte führen können, besonders für die Mütter, soll die Anti-Diskriminierungsgesetzgebung ja verhindern.

Aber, @Lilalilli, bevor du gefrustet bist und damit haderst, dass der/die Lütte zum vermeintlich schlechtesten Zeitpunkt kommt: Den richtigen Zeitpunkt gibt es nicht und der Spross will nun mal jetzt kommen. Im schlimmsten Fall leben wir ja in einem Land mit akzeptabler sozialer Absicherung - und da hat man als jemand, der direkt nach dem Studium kurzzeitig darauf angewiesen ist, einen unschlagbaren Vorteil, gegenüber jemandem, der nach einer längeren Berufstätigkeit "zurückfällt": Geringe Fixkosten für die Lebenshaltung. Und es gibt eine ganze Menge, was für ein (das erste) Kind vor der Promotion spricht: Es gibt vielem eine Richtung und ein Ziel. Eltern arbeiten häufig effektiver, weil der Tag strukturierter ist. Wenn es ein paar Jahre Zähne zusammenbeißen mit einem knappen Stipendium sein muss, ist das einfacher mit einem Kind zu Hause, weil man dann jeden Tag sehen kann, wofür man es macht. Die Kinderbetreuungsangebote an den Unis sind in der Regel flexibler als "draußen", die Arbeitszeiten auch. Ein Kleinkind empfindet - anders als ein Teenager - eine finanzielle Durststrecke der Eltern nicht als so belastend, deswegen besser jetzt, als vor der Berufung. Es gibt vermutlich mehr Frauen, die bereuen, dass sie zu lange gewartet haben, als Frauen, die bereut haben, dass sie das erste Kind eben vor dem Berufseinstieg bekommen haben.

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