Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschickt?

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kal-el
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Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschickt?

Beitrag von kal-el » 07.08.2015, 00:38

Hallo,
ich hatte im Winter meine DM gefunden bzw. ich habe gewechselt.
Den Aufbau der Empirie und die erste Erhebungswelle hatte ich dato schon.

Wir haben uns über das Frühjahr hinweg fachlich etwas beschnuppert und im März kam sie auf die Idee, aus meiner Diss ein Forschungsprojekt über Drittmittel zu machen.

Nun sollte ich den Antrag schreiben haben aber gemerkt, dass meine Literaturrecherche dafür noch nicht ausreicht.
Meine Diss-Idee war aus der beruflichen Praxis geboren worden; ich hatte "nur" die Diss im Kopf, kein Projekt. Nun geht die DM davon aus, dass das Thema soviel hergibt, dass man ein Projekt daraus machen kann. Nur: je mehr ich mich in das Thema einlese, desto mehr merke ich, dass es schon richtig gut erforscht worden ist. Okay, meine Herangehensweise ist eine andere und die Auswertung wird es auch sein, aber reicht das?
Mache mir die ganze Zeit Gedanken, dass meine DV iwie von anderen Voraussetzungen ausgegangen ist, nun sämtliche Kontakte für Gelder spielen läßt und am Schluss sagen alle Stellen:
booooah, der Bart ist lang... das hatten wir doch schon 1910....

Nun meine Frage:
gibt es so etwas wirklich?
Ist ein Thema bzw. eine Fragestellung iwann zu Ende beforscht?
Oder reichen Varianzen für eine Neuauflage? Ich weiß, dass die praktische Umsetzung was wirklich NEUES sein wird, zumindest, wenn ich das mitreden darf... aber die Forschung...?

Ist klar, was ich meine`? :?

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Milton
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von Milton » 07.08.2015, 09:25

Ich glaube so richtig "zu Ende geforscht" sind die wenigsten Fragestellungen. Die Frage ist aber natürlich schon, wie viel dein Thema letztlich noch hergibt, glaube ich. Ich nehme an, das Gespräch mit deiner DM hast du bereits gesucht und deine Zweifel offen angesprochen?

itsme
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von itsme » 07.08.2015, 09:30

Ich hab' mal einen Jura-Prof berichten hören, dass bei ihm alle Doktoranden, die gleichen Phasen durchlaufen: "Ich finde kein Thema"-Panik --> "Dazu gibt es keine Literatur"-Panik --> "Dazu gibt es zu viel Literatur"-Panik --> "Ich werd' nie fertig werden"-Panik --> "Ich hab' was Wichtiges übersehen"-Panik --> Panik, Panik, Panik.

Aus der Ferne ist kaum zu beurteilen, ob deine Verunsicherung in dieser Frage einen wahren Kern hat. Das hängt stark von der Disziplin (Natur- oder Geistes- und Sozialwissenschaften) und natürlich vom Thema ab. In einigen Disziplinen (v.a. in den Naturwissenschaften) ist der Erkenntnisfortschritt eher linear, so dass die Erkenntnisse aufeinander aufbauen. Da kann es schon passieren, dass man auf ein vollkommen beforschtes, bereits "abgearbeitetes" Gebiet trifft - wobei in der Überprüfung bereits vorhandener Ergebnisse ja auch ein gewisser Wert liegt. In den Sozialwissenschaften hängt viel mehr von der Kombination von Hypothese und Methode ab. Da kann es auch sein, dass sich einfach durch eine andere Methode auch andere Ergebnisse einstellen - und das ist dann eben auch ein Ergebnis.

Lange Rede, kurzer Sinn: Rede mit deiner DM darüber, das gehört zur inhaltlichen Auseinandersetzung dazu. Noch ist nichts geschehen und ihr könnt dem Projekt noch einen anderen Zuschnitt geben. Du kannst deine Bedenken darlegen, denn bei dir liegt nur die Verantwortung für das Gelingen deiner Diss. Die Verantwortung für das Projekt liegt bei ihr und du bist in dem Fall eher der "ausführende Experte".

Doc-Wolfi
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von Doc-Wolfi » 07.08.2015, 09:57

Eben! Es ist Aufgabe der Doktormutter, zu beurteilen, ob da noch was geht. Und wenn schon viel vorliegt, dann gibt es immer noch etwas zu tun. Notfalls überprüft man eben, ob die Forschungsergebnisse aus 1910 heute noch gelten.
Wolfi

kal-el
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von kal-el » 07.08.2015, 11:39

Danke für Eure Einschätzungen;
ich freue mich über Perspektiven, ernsthaft!

Also sie meint, es wäre meine Aufgabe, die Literatur im Griff zu haben;
ich soll nun noch mal Literaturrecherche betreiben unter einem anderen Gesichtspunkt, eine Kurzfassung dieser Recherche kommt dann in den Antrag.
Es ist eine Arbeit in den Sozialwissenschaften.

Das Problem ist halt auch, dass ich ehrlich gesagt etwas überfordret bin;
auf der einen Seite die Diss.Schrift, auf der anderen Seite im Moment die komplette Verantwortung für die Drittmittel...
beispielsweise sollte ich unter meinem Namen eine mail an einen potentiellen Geldgeber schicken und sie wollte dann im Gruß genannt werde um der Sache Gewicht zu verleihen.
Nun hatte ich noch mal jemanden angefragt, allerdings nicht um Geld, sondern hinsichtlich möglicher Stellen, die an einer Forschung interessiert wären.
Dummerweise habe ich ihren Namen dann auch runter gesetzt, analog zur email - und gestern hat sie das gesehen und ist ziemlich ausgetickt...
mein Fehler,
okay, aber zusätztlich mit dem Drittmittelantrag, der nicht vorwärts geht, weil ich die Literatur nicht passend beherrsche (wobei mein ENTWURF seit Wochen bei ihr im Rechner ist und sie nicht drauf geguckt hat), war das letzte Woche echt ein gelungenes Gespräch ..... :(

Und nun eben die Sache, ob die Literaturrecherche nicht "falsch" ist, ich meine, ich weiß, das ist eigentlich Unsinn, ich unterrichte seit fast 8 Jahren an der Uni die Laber-Fächer, ich weiß, dass es immer neue Nuancen gibt....
aber hier geht es um viel Geld und nicht nur um LPs.....

Sorry für´s Zutexten....
lg kal

flip
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von flip » 07.08.2015, 14:53

Du arbeitest seit acht Jahren an der Uni und bist nicht in der Literatur?!

Sorry, aber dein Problem ist wohl eher, dass du dich zu schnell wegduckst, in Verbindung mit einer zu niedrigen Bewertung deiner eigenen akademischen Leistungen. Das ist eine gefährliche Kombination, denn sie führt dazu, dass du dich in ein Abhängigkeitsverhältnis begibst, dass sich nur noch negativ für deine Zukunft auswirkt.

1. Drittmittelanträge schreiben und einreichen ist Sache des Professors. Als Doktorand arbeitet man mit. Die Projekte, weche wir einreichen, dürfen auch nur explizit von Professoren oder Post-Docs
2. Wenn deine Chefin sauer wird, weil du dich wegen Stellenfinanzierungen umschaust, würde ich ganz schnell hellhörig werden und sie direkt verlassen. Um es mal knallhart zu sagen. Sie scheint ja nun die Ganze Zeit die Arbeit auf dich abzuladen und nicht wirklich an einer Betreuung interessiert zu sein. Wer weiß, was sie mit den Mitteln vor hat und wie dann die Betreuung in den nächsten Jahren vonstattengehen soll.

Ich hoffe, du erkennst das.

kal-el
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von kal-el » 07.08.2015, 21:26

Es geht um einen speziellen Bereich der Literatur;
Aufgabe an mich war im Frühling eine allgemeine Sichtung, diese hat schon einige Ordner ergeben. Nun sollte ich aus dem Stand einen bestimmten Bereich bewerten, dies war mir nicht zuverlässig möglich.
Das mit dem Ducken stimmt bestimmt;
die DV ist für mich ganz neu, wir kannten uns vorher nicht und mein eigener Chef hat mich zwischendrin auch mal gerne umsonst arbeiten lassen.... long story,
die was mit zweitem Bildungsweg und dem Gefühl, unwürdig zu sein etc.. zu tun hat.

itsme
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Re: Thema zu gut beforscht- Doktormutter auf Holzweg geschic

Beitrag von itsme » 07.08.2015, 22:03

kal-el hat geschrieben: Das mit dem Ducken stimmt bestimmt;
die DV ist für mich ganz neu, wir kannten uns vorher nicht und mein eigener Chef hat mich zwischendrin auch mal gerne umsonst arbeiten lassen.... long story,
die was mit zweitem Bildungsweg und dem Gefühl, unwürdig zu sein etc.. zu tun hat.
:blume: Ich hab alles auf dem direkten Weg gemacht und erfülle inklusive des Abschluss mit Auszeichnung (fast) alle Kriterien, die einen auf eine wissenschaftliche Karriere vorbereiten "sollen" - und fühle mich auch "unwürdig". Das gehört dazu. Die Entscheidung, der beruflichen Entwicklung mit einem Hochschulstudium noch mal eine neue Richtung zu geben, ist ein Aktivposten in deiner Bilanz, kein Punkt, der gegen dich spricht. Denn was zeigt Motivation deutlicher, als der Verzicht auf Gehalt? Deswegen: Nicht ducken! Red' noch mal mit deiner DM und achte darauf, wie du dich und deine Ergebnisse "verkaufst". Du bist derjenige, der stundenlang am Rechner gesessen hat und Literatur gesichtet hast - niemand kann so gut wissen wie Du, ob es in dem Gebiet noch eine Forschungslücke gibt, oder nicht. Leg' der Dame das dar, dann hast du getan, was du konntest - und was sie dann daraus macht, bleibt ihr überlassen.

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