Industriepromotion: Tipps zum Einstieg gesucht

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Planck77
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Industriepromotion: Tipps zum Einstieg gesucht

Beitrag von Planck77 » 27.07.2015, 16:11

Moin zusammen,

ich bin sehr in an einer Industriepromotion interessiert. Allerdings gibt es da noch ein Paar Dinge, die es zu klären gilt bevor ich das in Angriff nehmen kann.
1. Meine Uni vergibt leider nicht den Dr. Titel den ich gerne hätte. Den von mir angestrebten Dr.-ing müsste ich also in Kooperation mit einer anderen Universität erarbeiten. Es ist bekannterweise auch so schon schwer genug einen Dr. Vater zu finden, wenn man extern promovieren möchte. Gibt es hier vielleicht einen leidensgenossen, der mir über sein Vorgehen ein wenig berichten kann?

2. Wann sollte ich mich denn darum bemühen eine Stelle zu bekommen? Genauer gesagt habe ich noch ein wenig Zeit, weil ich meine Masterarbeit noch nicht abgegeben habe. Allerdings will ich mich an die Formalia zur Promotion früh genug ran machen. Nach meinem Abschluss möchte ich nicht unnötig Zeit verstreichen lassen und im allerbesten Fall einen reibungslosen Übergang in die Welt als postdoc machen.

3. In welcher Unternehmensgröße ist es "besser" zu promovieren? Ich könnte mir vorstellen, dass in Großunternehmen (VW;BMW.....) die Abläufe viel besser geregelt sind, weil dementsprechende Ressourcen vorhanden sind. Auf der anderen Seite kann ich mir denken, dass der Leistungsdruck dementsprechend hoch sein wird und die Zeit darunter leiden wird.
In kleineren Unternehmen (Mittelständler) kann ich mir denken, dass die Abläufe manchmal ungeregelt sein werden, dafür allerdings der Druck nicht so hoch und die Möglichkeit in eine gute Position nach der Promotion zu kommen besser sind.

4. Die Bezahlung habe ich nach meiner Recherche auf ca. 2000-2400€ Brutto geschätzt. Das heißt es blieben so im Schnitt 1300-1500€ übirg? Kommt das hin?

Vielen Dank schonmal für die Antworten

flip
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Re: Industriepromotion

Beitrag von flip » 27.07.2015, 16:36

Du hast eine, meiner Meinung nach, vollkommen falsche Vorstellung vom Promotionsprozess.

Du musst ein Unternehmen finden, welches dir eine bestimme Thematik erlaubt zu bearbeiten. Im Optimalfall auch eine eigene Idee. Das eigentlich wichtigste der Promotion (Thema) - fehlt in deinem Beitrag.
Du musst einen Prof finden, der das ganze betreut. Wenn du die Uni wechselst, ergibt es keinen Sinn, an deiner aktuellen Uni zu bleiben. Das heißt, du musst in Kontakt mit anderen Professoren und gleichzeitig auch Unternehmen treten. Da es sich hierbei um eine sehr individuelle Situation handelt, helfen dir die Erfahrungen andere nicht. Das gilt allein schon für die Anstellung beim Unternehmen. Einige, größere Unternehmen schreiben Stellen aus, erwarten dafür aber einen bestehenden Kontakt zur Uni. Der Prof auf der anderen Seite erwartet ein Thema, der er dich selbst ja nicht beschäftigen kann. Du musst also Prof und Unternehmen zusammenbringen. An der Zusammenführung der beiden Seiten kann das Ganze direkt scheitern.

Die Formalia der Promotion oder der Zeitablauf, den du irgenwie für wichtig erachtest, ist vollkommen überflüssig, denn das Ganze determiniert sich allein an dem oben beschriebenen Prozess. Das heißt, wenn du mit der Masterarbeit schon fertig bist, stellt sich mir dir Frage, warum du noch nicht angefangen bist.

Planck77
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Re: Industriepromotion

Beitrag von Planck77 » 27.07.2015, 16:53

Okay, das schwierige in meinem fall ist leider, dass ich ,wie bereits erwähnt, gezwungen bin an einer anderen Uni einen Prof zu suchen. In deinem Fall wird es nicht so sein (wenn ich das richtig herausgehört habe)
Die Themenfindung sei erstmal dahin gestellt.

Im groben will ich nur wissen, wie es Anderen so ergeht.
Das heißt, wie lange dauerte es bei euch sowohl einen Prof. als auch ein Unternehmen zu finden. Welche herangehensweise ist geschickter? Erst einen Prof zu finden der einen in einem Forschungsvorhaben unterstützen würde, oder ein (evtl. vorgegebens Thema) eines Unternehmens bearbeiten zu wollen und dafür einen Prof. zu finden.

flip
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Re: Industriepromotion

Beitrag von flip » 27.07.2015, 20:56

In meinem Fall hat der Bewerbungsprozess für eine Stelle, auf der ich letztenendes gelandet bin ca. sechs Monate gedauert, war begleitet von diversen Vorstellungsgesprächen, Präsentationen und Vorbereitungen. Eine unternehmensfinanzierte Promotion ist letztenendes daran gescheitert, dass das Unternehmen bei der Thematik, die ich bearbeitet hätte, die Publikationspflicht nicht akzeptiert hätte. Ich vermute, an so etwas hast du bisher noch garnicht gedacht.

Ohne eine genauere Vorstellung von einem Thema ist dein Vorhaben nicht umzusetzen. Auch frage ich mich, wie du dir eine industriebasierte Promotion vorstellst, wenn der Professor dir ein Thema vorschlägt, welches du bearbeiten sollst. Das wird er übrigens nur dann tun, wenn du im Rahmen eines Drittmittelprojektes angestellt bist und das wird wiederum die Kooperation mit dem Unternehmen kappen.

Anders sieht es aus, wenn der Professor ein Drittmittelprojekt mit der freien Wirtschaft an Land gezogen hat. Das wirst du aber nur dann erfahren, wenn du dich an ihn wendest. Also, Augen auf und nach Möglichkeit an einer Idee feilen.

NeuroFuzzy
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Re: Industriepromotion

Beitrag von NeuroFuzzy » 28.07.2015, 13:34

Damit du noch eine zweite Meinung hast, gebe ich einfach mal meinen Senf dazu...

1. Ich bin selbst im Moment dabei einen Doktorvater zu finden, kann dir dazu also leider noch nicht allzu viele Tipps geben.

2. Mit Firmen oder Forschungsgruppen an Unis in Kontakt zu kommen, kann gar nicht zu früh passieren. Je früher du mit den zuständigen Leuten ins Gespräch kommst, umso flexibler bist du. Bei mir hat der Prozess an sich mit Vorstellungsgesprächen beim Unternehmen und so etwa vier Wochen gedauert (hab ein bisschen Druck gemacht weil ich für meine Masterarbeit in die USA gegangen bin), hat wegen dem Auslandsaufenthalt aber auch bereits ein knappes halbes Jahr vor Arbeitsantritt begonnen.
Also kurze Antwort: Jetzt

3. Ich bin in einem großen Unternehmen (wir sind knapp 300 Doktoranden) und halte das auch für sinnvoller als in einem kleinen. Viele große Firmen bieten spezielle Doktorandenprogramme und in diesem Kontext spannende Veranstaltungen, interne Kolloquien und tolle Möglichkeiten an, miteinander in Kontakt zu kommen und Forschungsfragen untereinander zu diskutieren. Zudem ist der Prozess an sich in der Firma ausgereift und so Fragen wie was man in Publikationen schreiben darf und was firmenintern ist werden nicht zum ersten Mal gestellt.

4. Kann auch ein kleines bisschen mehr sein. Aber ja, in dieser Größenordnung bewegt es sich auch meiner Erfahrung nach.

Chris
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Re: Industriepromotion

Beitrag von Chris » 29.07.2015, 07:24

Ich möchte noch anmerken, dass viele Großunternehmen schon Kontakt zu Unis haben, mit denen sie kooperieren. Das wäre etwas, was Du erst mal in Erfahrung bringen könntest. Was auch noch eine Überlegung sein könnte, wäre in einem StartUp zu promovieren. Dort ist man meist sehr viel dynamischer organisiert und viele freuen sich über die günstige Forschungs- / Arbeitskraft.

Doc-Wolfi
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Re: Industriepromotion: Tipps zum Einstieg gesucht

Beitrag von Doc-Wolfi » 02.08.2015, 16:01

Was hier auch zu beachten ist:
- Wenn man in einem anderen Fach promoviert als in dem, das man studiert hat, muss man oft nebenher noch den Master in diesem Fach nachholen.
- Nicht alle Profs sind begeistert von Industriepromoitionen, weil sie so ihre eigenen wissenschaftlichen Ideen nichz gut umsetzen können. Ich würde darum zuerst den Prof suchen und dann die Firma, nicht umgekehrt.
Viel Glück!
Wolfi

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