BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

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BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

Beitrag von RunningGirl » 14.06.2015, 11:34

Hallo zusammen,

mir ist vor einigen Tagen angeboten worden unterstützt von meinem Arbeitgeber zu promovieren.

Die Rahmenbedingungen wänren wie folgt:
2 Tage in der Woche Freistellung, verbleibende Arbeitszeit also ca. 23 h / Woche
Vertrag über 3 Jahre, 100 % Verdienst weiterhin trotz partieller Freistellung
Betreuer/Mentor im Unternehmen, ggf. sogar als DV/DM einer der PD im Unternehmen

Was mich momentan umtreibt:

Grundsätzlich reizt mich das wissenschaftliche und selbstständige Arbeiten, allerdings bin ich Mitte 20, habe schon zuvor berufsbegleitend studiert und möchte jetzt auch einfach mal mein Leben ein bisschen genießen, in den Urlaub fahren, ins Kino gehen, Freunde treffen....

Leider kenne ich in meinem Umfeld niemanden der promoviert hat - daher wende ich mich an euch: :?:
Hat jemand in einer ähnlichen Situation promoviert?
Sind die ca. 3 Jahre realistisch (wann der Vertrag beginn, wäre mir überlasen, könnt emich also erstmal nebenberuflich in das Thema einlesen/einarbeiten und es genauer eingrenzen, eine grobe Idee habe ich durchaus schon und die Datensammlung wäre mit meiner beruflichen Tätigkeit verbunden)?
Bleibt mir in einer solchen Situation auch noch die Zeit, einfach mal "die Seele baumeln" zu lassen und ein Privatleben zu führen oder begebe ich mich hiermit direkt auf den Weg zum Burn Out Ende 20?

Über Erfahrungen, Einschätzungen und ehrliche Meinungen wäre ich mehr als dankbar.

Vielen Dank vorab

Kamerelle
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Re: BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

Beitrag von Kamerelle » 14.06.2015, 14:41

Erfahrungen selbst habe ich keine, BWL ist jedoch immer gefragt und es scheint eine gute Stelle zu sein.

Traudel
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Re: BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

Beitrag von Traudel » 14.06.2015, 16:59

Liebe RunningGirl,

ja, dass es eine - objektiv betrachtet - tolle Stelle ist, liegt ja wohl auf der Hand... aber ich denke mal, Dein Beitrag zielt auf eine umfassendere Einschätzung Deiner Situation ab.
Sehr gern!
Also, ich selbst entstamme einem recht konservativen bzw. traditionellen geisteswissenschaftlichen Bereich. Hier sind Promotionen innerhalb von 3 Jahren sehr, sehr rar. Allerdings sind die eingereichten Werke durchaus auch mal doppelt so dick wie in der BWL - was im Übrigen in keiner Weise für oder gegen die Qualität der Schriften sprechen soll, sondern einfach objektiv so ist.
Wenn Du tatsächlich nur die zwei Tage die Woche an der Diss arbeiten würdest, wäre das m.E. niemals in 3 Jahren fertigzustellen. Gut ist also, dass Du auch Deine Arbeitszeit (z.B. zur Datenerhebung etc.) nutzen kannst. Aber bekommst Du Deinen Job, den Du vorher Vollzeit gemacht hast, wirklich in 23 h/Woche hin? Auch wenn man Deine Aufgaben natürlich reduzieren würde, aber stelle Dir diese Frage trotzdem mal ganz ehrlich. Solltest Du doch zweifeln, suche eine klare (schriftlich fixierte) Absprache mit Deinem Vorgesetzten und Kollegenteam.
Es mag sein, dass ich meine Promotionszeit als besonders - also überdurchschnittlich - belastend, stressig und (nervlich) fordernd erlebt habe - nimm mich also nicht als Maßstab. Aber dennoch stimmen mir sicher nicht wenige Forumsmitglieder zu, wenn ich behaupte, dass Du Deine Freizeit-, Urlaubs- und Freundetreffenpläne bei Annahme der Promotionsstelle erst mal (wieder) hintanstellen müsstest. Natürlich könntest Du Dir die Wochenenden (oder hin und wieder ein Wochenende) promotionsfrei halten. Aber unterschätze nicht den schlechtes-Gewissen-Stress und die psychische Belastung, eigentlich potenziell immer was für die Diss. tun zu müssen, um diesen ambitionierten 3-Jahresplan einzuhalten.
Es gibt mit Sicherheit Personen, die ihre Schreib-, Arbeits- und Freizeiten klar definieren können und dann tatsächlich am WE abschalten... Ich jedoch konnte das nie... mir geisterte die Diss immer, immer, immer im Kopf herum. Und da Du ja bereits durch Dein berufsbegleitendes Studium einen Einblick in das Nie-Abschalten-Können hattest und auch am WE ranmusstest und nicht unbedingt ausspannen konntest, wirst Du die beschriebenen Vorstellungen sicherlich nachvollziehen können.
Wenn Du nun also lieber Lebensgenießerin sein möchtest, dann lass es vielleicht besser mit dem Promovieren. Wenn Du aber doch Motivation und Durchhaltevermögen in Dir scharren hörst und mit dem Urlaub, Wochenendausspannen, Freundetreffen in den nächsten Jahren auch noch in einer abgespeckteren Version klarkommst, dann nimm das Angebot unbedingt an! Denn ja, es ist wirklich (auf der Grundlage Deiner Infos) fair, finanziell astrein und eine wahre Chance!

Bin gespannt, ob ich mit meiner Einschätzung bzw. Meinungsäußerung nun mit ordentlich Gegenwind rechnen muss :D Ich möchte nicht übertreiben, denn klar kann man sich auch als Promovend um Urlaub und Freunde kümmern - logo! ABER ich finde halt, man darf keinesfalls unterschätzen, dass sich gaaaaanz oft immer wieder im Hinterkopf meldet, dass man da ja noch so ne Doktorarbeit zu erledigen hätte :stressed:

Liebe Grüße
Traudel

RunningGirl
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Re: BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

Beitrag von RunningGirl » 14.06.2015, 19:50

Liebe Traudel,

zunächst: VIELEN DANK für deine sehr differenzierte Einschätzung.

Vielleicht zur Klarstellung: Wenn ich von Freizeit und Urlaub spreche, meine ich nicht, jeden Freitag und Samstag sämtliche Clubs in der Umgebung abzugrasen.
Ich meine damit mal ins Kino zu gehen, mich mit Freunden auf einen Kaffee/Cocktail zu verabreden und im Sommer mal zwei Woche irgendwo die Seele baumeln zu lassen. Zudem laufe ich ganz gerne, allerdings keine überlangen Strecken, sodass der Zeitaufwand überschaubar wäre.

Mit dem Job und der Zeit Zusage:
1) Formal würde ich einen entsprechenden Vertrag erhalten, der meine Arbeitszeitverkürzung regelt und da wir "stempeln" würde alles andere
2) Wir arbeiten überwiegend in Projekten und diese enden jetzt alle, in ein neues Projekt würde ich dann entsprechend so eingebunden, dass es mit dem Dissertationsthema passt, sodass eben die Arbeitszeit wirklich zumindest größere Synergien mit dem Diss.-Projekt aufwiese

An den zwei freien Tagen denke ich dann wäre in der Anfangsphase hauptsächlich die Ausarbeitung des Literature Reviews zu erledigen, später dann die Auswertung / Analyse HIer im Forum der Daten.

Würde mich sehr über weitere Anregungen oder sogar Erfahrungen würde ich mich freuen. Ich habe momentan einfach Angst, dass mich diese Bedenken evtl. bremsem oder dauerhaft wie ein Schatten über mir hängen und dann zur "self-fulfilling prophecy" werden... :| Hier im Forum habe ich in alten Threads eben oft die Worte "Einsiedlertum", "Isolation" etc. pp. gelesen - aber vielleicht sind da auch die Rahmenbedingungen anders gewesen, ich habe leider wie gesagt keine Erfahrungen und auch niemand promovierten im Bekanntenkreis der seine Einschätzung geben könnte.

RunningGirl
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Re: BWL Industriepromotion - Erfahrungen / Meinungen

Beitrag von RunningGirl » 15.07.2015, 23:37

Hallo zusammen,

Nach langem Hin und Her habe ich mal versucht für mich einen Plan aufzustellen für die Arbeit und Promotion und würde gerne mal eure Meinung hören
-Realistisch so durchzuhalten
-Möglich die Arbeit damit in 3-4 Jahren fertig zu stellen

Ich würde an zwei Tagen in der Woche jeweils noch nach der Arbeit etwas machen (wie in dualem Studium damals auch) - sagen wir jeweils ca 2-2,5h also insgesamt im Schnitt 4,5h
Am dritten Tag würde ich nur halb Arbeiten und dann am Nachmittag was für die Diss machen circa 3-3.5 Std da ich schon mittags Zuhause wäre
Dann hätte ich zwei Tage frei, da denke ich könnte man jeden Tag zwei Blöcke von 3-3.5 h also am Tag im Schnitt 6.5h einplanen.

Damit wäre ich unter der Woche bei 21 Stunden - in guten Wochen vielleicht etwas mehr

Für das WE würde ich dann nochmal ca 6-7h entweder an einem Tag oder verteilt über beide Tage veranschlagen damit wäre ich bei 27-28 Std Diss pro Tag.

Dazu evtl noch zusätzliche freie Tage durch einzelne Überstunden - so blieben auch noch freie Abende und Zeit am Wochenende für ein Privatleben.

Eine andere Möglichkeit wäre abwechselnd eine Woche 2 die nächste 3 Tage zu arbeiten - käme im Schnitt aber wohl auf das gleiche raus.

Würde mich über Meinungen und Einschätzungen zur Umsetzbarkeit freuen.

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