Mehrere Angebote - welcher Verlag?

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Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von blubbmoep » 02.06.2015, 12:47

Liebe Mitpromovierende,

ich glaube es selber noch nicht so ganz, aber ich habe das ganze Prozedere inklusive Rigorosum und Disputation inzwischen hinter mich gebracht :D jetzt überlege ich, in welchem Verlag ich meine Diss gerne unterbringen möchte. Sie ist aus dem Bereich Kommunikations- und Medienwissenschaft (Schwerpunkt Film). Ich habe mehrere Verlage angeschrieben und - wie ich denke - ganz annehmbare Angebote bekommen, kann mich jetzt aber nicht so recht entscheiden. Vielleicht könnt ihr mir helfen? :)

Die beiden attraktivsten Angebote stammen vom VS Verlag und von Nomos. Bei VS müsste ich (außer den Exemplaren für den privaten Gebrauch) nichts bezahlen und die Arbeit würde trotzdem in ganz normalem Layout usw. erscheinen - online und als Buch. Nomos will rund 2.800€ Druckkostenzuschuss, hat aber wohl das etwas höhere Ansehen. Hier würde die Arbeit außerdem in einer guten Reihe erscheinen, bei VS nicht.
Ich bleibe nicht in der Wissenschaft, habe sowieso extern promoviert und würde mich freuen, mir das Geld sparen zu können. Andererseits bin ich unschlüssig, ob VS so super ist... Wobei ich mir vorstellen könnte, dass die Verbreitung der Diss hier stärker wäre.
Was meint ihr?

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Eva
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Eva » 02.06.2015, 14:46

Du musst entscheiden, was dir wichtiger ist - die Eitelkeit, im "besseren" Verlag (Renommee der Reihe u.ä.) zu veröffentlichen, oder das Geld. Wenn du eh nicht in der Wissenschaft bleiben willst und die Alternative zu Nomos kein dubioser Klitschenverlag ist, der jeglichen Text ungeprüft zwischen Buchdeckel presst, sondern - was ja der Fall ist - ein ordentlicher Verlag, würde ich persönlich die kostenlose Lösung wählen. Aber wie gesagt, das ist eine Prioritätenfrage, und die musst du selbst setzen.

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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von DoneXY » 02.06.2015, 17:52

Ich bin bis eben davon ausgegangen, dass der Nomos Verlag nur unter Juristen ein gewissens Renomee hat. Das er auch deutlich renommierter sein soll als der VS Verlag, hätte ich auch nicht erwartet.

Meine Diss ist im VS Verlag erschienen und ich habe den Eindruck, dass dieser Verlag vergleichsweise engagiert bei der Bewerbung ist. Auch ging es recht flott mit dem Druck.

ein Arbeit aus dem Bereich Kommunikations- und Medienwissenschaft würde ich bei Nomos nur veröffentlichen, wenn die Arbeit einen jurist. Schwerpunkt hat.

Johannes Rux
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Johannes Rux » 08.06.2015, 11:59

Hallo da draussen,

zuallererst möchte ich blubbmoep ganz herzlich gratulieren! Und dann muss ich mich auch gleich outen, dass ich bei einem der beiden genannten Verlage tätig bin. Wenn das jemanden hier stört, tut mir das leid. Aber vielleicht helfen ja die folgenden Informationen nicht nur blubbmoep bei der Entscheidung:

1. Wer nur promoviert, um seinen Namen um zwei Buchstaben zu verlängern, wird immer daran interessiert sein, wie die Publikationspflicht am günstigsten erfüllt werden kann. Ein wissenschaftlicher Fachverlag ist da die falsche Adresse. Es gibt zahlreiche Anbieter, die hier in die Bresche springen. Die meisten Arbeiten, die in diese Kategorie fallen, werden aber umgekehrt auch für echte Wissenschaftsverlage uninteressant sein, da diese in der Regel auf eine Bewertung mit mindestens magna cum laude bestehen und Ausnahmen allenfalls in engen Grenzen zulassen.

2. Diese Beschränkung ist notwendig, weil die Aufgabe eines Wissenschaftsverlages keineswegs darin besteht, Bücher herzustellen (das kann jeder Copyshop). Vielmehr geht es darum, wissenschaftliche Erkenntnisse möglichst zielgenau dort zu verbreiten, wo diese Erkenntnisse gebraucht werden. Damit erfüllen sie aber nicht nur eine wichtige Aufgabe im Wissenschaftssystem, sondern sie bieten Autorinnen und Autoren einen wichtigen Service: Wer (oft über mehrere Jahre lang) mit hohem Aufwand eine wissenschaftliche Studie erstellt, die zu neuen Erkenntnisse führt und daher zu Recht von den Gutachtern mit überdurchschnittlichen Noten bewertet wurde, wird sich wohl kaum damit zufrieden geben, dass diese Studie dann im Regal oder in einer der dunklen Ecken des Internet verstaubt. Vielmehr wird es immer darum gehen, dass die Arbeit tatsächlich wahrgenommen, gelesen und zitiert wird - und zwar auch dann, wenn die Autorin oder der Autor keine wissenschaftliche Karriere im engeren Sinne anstrebt.

3. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Arbeit diese Aufmerksamkeit erfährt, hängt aber wiederum maßgeblich vom Verlag ab, in dem die Arbeit veröffentlicht wird: Wenn die potentiellen Leser wissen, dass in einem Verlag nur solche Arbeiten erscheinen, die bestimmte Qualifikationsanforderungen erfüllt (und deren Qualität zusätzlich vom Verlag selbst sowie von den Herausgeber/inn/en der jeweiligen Schriftrenreihe geprüft wurde), werden sie dieser Arbeit mit großer Wahrscheinlichkeit mehr Aufmerksamkeit widmen. Dies gilt erst Recht, wenn der Verlag die Aufmerksamkeit durch ein differenziertes Angebot fachspezifischer Schriftenreihen weiter strukturiert. Ein ernstzunehmender Wissenschaftsverlag wird daher die Autoren in den Mittelpunkt stellen - und zwar nicht nur in dieser Funktion, sondern auch als Leser. Er wird auf höchstmögliche Sichtbarkeit der einzelnen Arbeit abzielen und die eigenen Internet-Angebote daher auf die Durchsuchbarkeit für Suchmaschinen anlegen.

4. Diese Leistungen von Wissenschaftsverlagen lassen sich nicht mit den Vertriebserlösen alleine finanzieren: Hauptabnehmer von Dissertationen, Habilitationen und anderen wissenschaftlichen Monographien sowie von Sammelbänden sind wissenschaftliche Bibliotheken - wobei dazu auch große Bibliotheken in Unternehmen, bei Verbänden etc. zählen. In den letzten beiden Jahrzehnten lässt sich aber eine klare Tendenz erkennen, dass diese Institutionen anders als es früher üblich war, nur noch jeweils ein Exemplar eines Werkes anschaffen: Hat eine Institutsbibliothek eine Arbeit gekauft, wird diese daher in der Regel weder von der Fakultätsbibliothek noch von der Universitätsbibliothek beschafft werden. Was das für die Absatzzahlen bedeutet, kann sich jeder für sein Fachgebiet selbst ausrechnen... Alle Maßnahmen, die die Verlage zur Kostenreduzierung ergriffen haben (bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Qualitätsanspruchs) haben allenfalls ausgereicht, um diese Entwicklung auszugleichen. Die aufwendige Werbung für jedes einzelne Werk, die gute Wissenschaftsverlage im Interesse Ihrer Autorinnen und Autoren betreiben, bedarf daher einer Subventionierung durch Zuschüsse.

5. Wie kann ein durchaus renommierter Verlag auf solche Zuschüsse verzichten? Das wird deutlich, wenn man sich das Geschäftsmodell dahinter ansieht: Großverlage setzen heute fast ausschließlich auf Online-Angebote. Das Buch - und zwar sowohl als Format (also als gedrucktes Werk) als auch als Einheit - spielt keine Rolle und ist nur als "content" wertvoll, mit dem die eigene Datenbank befüllt wird. Da Großverlage in der Regel in bestimmten Bereichen eine solche Marktmacht haben, dass Bibliotheken gezwungen sind, die Angebote zu erwerben (das gilt vor allem für die so genannten STM-Verlage - Science, Technology, Medicine), können Sie Riesenpakete schnüren, in denen sie den Bibliotheken auch andere Inhalte mitverkaufen. Die Bibliotheken haben schlicht keine Wahl und müssen insbesondere die teilweise absurd hohen Preisvorstellungen akzeptieren. Damit hat der Verlag alles erreicht, was ihn interessiert - was mit dem einzelnen Werk passiert, kann ihm schlicht egal sein.

6. Was hat das für die verlegerische Tätigkeit zur Folge? Großverlagen wird es immer auf Masse ankommen, da "das Biest gefüttert" und jedes Jahr ein möglichst noch größeres Paket geschnürt werden muss. Qualitätsstandards werden abgesenkt, Kosten um fast jeden Preis reduziert. Natürlich nimmt man die Autoren wahr, aber man ist ihnen im Grunde zu nichts verpflichtet. Neben den Bibliotheken richtet man sich als Verlag allenfalls an (potentielle) Herausgeber, die weiteren "Content" für die Pakete liefern sollen und bei denen man damit wirbt, dass fast alle Hochschulangehörigen in der Lage sein werden, die Inhalte "kostenfrei" zu nutzen (dass die Bibliotheken zuvor einen Großteil des Etats für das Paket aufwenden mussten, wird nicht erwähnt). Im Übrigen sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als potentielle Leser/innen hingegen nicht wirklich wichtig. Wenn bei denen Werbung gemacht wird, dann vor allem für das Paket und die Möglichkeiten, die Datenmengen zu durchsuchen, nicht aber für das einzelne Werk, das vielleicht interessant sein könnte. Damit dieses Modell funktioniert, muss die eigene Datenbank möglichst gut abgeschottet werden - und das kann man sich auch leisten, weil man niemandem versprochen hat, das einzelne Werk möglichst weit zu verbreiten.

7. Wer sich unter diesen Voraussetzungen zwischen den Angeboten verschiedener Verlage zu entscheiden hat, sollte folgende Dinge wägen:
- wie wichtig ist es mir, als Autor ernst genommen zu werden?
- wie wichtig ist es mir, dass meine Arbeit im Fokus steht - und nicht ein großes Paket?

Dass der "echte" Wissenschaftsverlag hier bei nüchterner Betrachtung die Nase vorn haben wird, liegt auf der Hand. Damit bleibt am Schluss die Frage, ob einem das so viel Geld wert ist - aber: Ist das denn so viel? Schließlich hat man zuvor lange Zeit mit der Arbeit verbracht und enorm viel investiert. Warum sollte man nun auf der Zielgeraden knausern? Natürlich kann und muss man nachfragen, was der Verlag konkret tut:
- Gibt es für jedes Buch einen Flyer?
- Wird für die jeweilige Reihe, das Themengebiet und das Gesamtprogramm des Verlages in eigenen Prospekten und Newslettern geworben? An wen gehen diese Prospekte?
- Bemüht sich der Verlag um Rezensionen? Stellt er Freiexemplare für Multiplikatoren zur Verfügung?
- Gibt es im Verlag (oder in anderen Verlagen, die zur selben Gruppe gehören) Zeitschriften, in denen Anzeigen für das Werk geschaltet werden können? Werden Anzeigen ggf. auch in Fremdzeitschriften geschaltet?
- Verlangt der Verlag einen Aufpreis für die Pflichtexemplare (einschließlich der für diese erforderlichen Sonderausstattung)?
- Unterstützt mich der Verlag bei der Einwerbung von Fördermitteln, wenn meine Arbeit besonders gut bewertet wurde?
- Ist der Verlag bei den einschlägigen Veranstaltungen präsent und sorgt er dafür, dass mein Buch dort ausgelegt wird?
- Achtet der Verlag auf eine hohe Herstellungsqualität? Übernimmt er den Satz - und zwar selbst und nicht durch Dienstleister im Ausland, die kein Deutsch verstehen?
- Ist der Verlag bereit, über Zahlungsfristen etc zu sprechen, wenn ich am Anfang meiner Karriere stehe und erst einmal noch nicht so richtig flüssig bin?

Und natürlich kommt es auch darauf an, ob der Verlag im jeweiligen Fachbereich als einer der führenden Fachverlage anerkannt ist (allein das bringt ja viel Aufmerksamkeit).

Ich hoffe, dass der einen oder dem anderen hilft, zwischen einem scheinbar supergünstigen und einem wirklich guten Angebot zu unterscheiden.

Beste Grüße

Johannes Rux

P.S.: Nomos ist zwar in der Tat einer der führenden juristischen Fachverlage. Das sozial- und geisteswissenschaftliche Wissenschaftsprogramm ist aber fast ebenso groß und ebenfalls sehr renommiert. Das gilt nicht nur für die Politikwissenschaft (hier erscheinen unter anderem fast alle relevanten deutschsprachigen Zeitschriften bei Nomos), sondern eben auch für die Medien- und Kommunikationswissenschaft: Um die Zeitschriften M&K und SC|M gibt es hier ein hochgradig spannendes Buchprogramm: http://www.nomos-shop.de/leuchtturm.aspx?toc=155.





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Johannes Rux
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Johannes Rux » 08.06.2015, 14:44

@Carlo

Da habe ich wohl zu viel geschrieben: Ab Punkt 5 geht es um den Unterschied zwischen "echten" Wissenschaftsverlagen (wie z.B. Nomos) und "Großverlagen" (wie z.B. VS - Springer). Wenn man sich das Programm von VS/Springer genauer ansieht, stellt man z.B. schnell fest, dass
- jede Menge Magister- und Bachelorarbeiten ins Programm genommen werden,
- keineswegs nur Dissertationen veröffentlicht werden, die mindestens mit m.c.l. bewertet wurden (das hängt teilweise von den Reihen ab).
Diese Entwicklungen führen dazu, dass das Volumen wächst. Man kann sich fragen, ob und wie das mit dem Anspruch eines echten Wissenschaftsverlages übereinstimmt.

Beste Grüsse

DoneXY
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von DoneXY » 08.06.2015, 16:29

Johannes Rux hat geschrieben:Ab Punkt 5 geht es um den Unterschied zwischen "echten" Wissenschaftsverlagen (wie z.B. Nomos) und "Großverlagen" (wie z.B. VS - Springer).
Jetzt hast mir ja den VS-Verlag, in dem ich meine Diss veröffentlicht habe, ordentlich madig gemacht.

Doch vieles, was Du schreibst, entspricht überhaupt nicht meiner Erfahrung mit dem VS-Verlag. Ich kann natürlich keinen A/B-Vergleich mit einem zweiten Verlag machen, da keine identische Arbeit von mir in einem 2. Verlag erschien, dennoch war eine Onlinepräsenz meiner Arbeit erstaunlich schnell gegeben. Auch schien mir, dass überhaupt Werbung über den üblichen Verlagsprospekt hinaus gemacht wurde.

Allerdings gab es auch ganze Sparten des VS-Verlages über die mich gewundert habe, so dass ich einiges von, was Du schreibst, auch gut nachvollziehen kann.

Dass Nomos außerhalb des jurist. Bereiches ein renommierter Verlag sein soll: Wundert mich immer noch. Ich hatte kurz überlegt, ob ich meine Arbeit in der Sparte Wirtschaft veröffentlichen sollte, mich jedoch schnell davon verabschiedet.

(Meine Diss ist interdisziplinär, daher kamen Verlage mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten in Frage, die wiederum auch noch Interesse an einer tatsächlich interdisziplinärer Arbeit haben mussten. Meinem Lieblingsverlag war sie leider zu speziell.)

Johannes Rux
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Johannes Rux » 08.06.2015, 22:36

@DoneXY,
ok, ich bin sicher nicht objektiv. Und es ist keineswegs alles schlecht an Springer/VS - so wie umgekehrt Nomos auch nicht immer alles richtig macht (aber wir arbeiten dran ;-)). Auch ist zu beachten, dass sich die Lage in den letzten Jahren nochmals verändert hat und ich weiß ja nicht, wann Sie Ihre Arbeit veröffentlicht haben. Es hat aber nun einmal langfristig Auswirkungen, wenn ein Verlag Finanzinvestoren gehört, die in erster Linie an der Refinanzierung Ihrer Investitionen interessiert sind. Mir ging es aber darum, die Unterschiede deutlich zu machen, damit blubbmoep und andere vielleicht eine Ahnung bekommen, worauf man achten kann (oder sollte).

In Sachen Renommée kann man natürlich streiten. Wirtschaft ist bei Nomos sicher noch im Wachstum (allerdings sind wir etwa in der Öffentlichen Wirtschaft und der Sozialwirtschaft auch heute schon sehr gut mit dabei). Aber in der Medien- und Kommunikationswissenschaft müssen wir uns sicher nicht hinter VS verstecken. Da kann ich nur einen Blick in den Katalog empfehlen...

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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Eva » 09.06.2015, 10:00

Ich finde es grundsätzlich begrüßenswert, dass sich ein Vertreter eines wissenschaftlichen Verlags hier so ausführlich in die Diskussion einbringt. Dafür zunächst vielen Dank. :blume: Als jemand, die ihre eigene Dissertation bewusst nicht in einem wissenschaftlichen Verlag veröffentlicht hat, sondern sich mit voller Überzeugung für die Variante Online-PDF auf Hochschulserver + Buchversion als Book-on-Demand entschieden hat, habe ich Ihren Ausführungen allerdings doch einiges entgegenzusetzen.
Johannes Rux hat geschrieben: 1. Wer nur promoviert, um seinen Namen um zwei Buchstaben zu verlängern, wird immer daran interessiert sein, wie die Publikationspflicht am günstigsten erfüllt werden kann. Ein wissenschaftlicher Fachverlag ist da die falsche Adresse. Es gibt zahlreiche Anbieter, die hier in die Bresche springen. Die meisten Arbeiten, die in diese Kategorie fallen, werden aber umgekehrt auch für echte Wissenschaftsverlage uninteressant sein, da diese in der Regel auf eine Bewertung mit mindestens magna cum laude bestehen und Ausnahmen allenfalls in engen Grenzen zulassen.
An dieser Aussage missfällt mir die implizite (und leider weit verbreitete) Unterstellung im Umkehrschluss, dass, wer nicht im wissenschaftlichen Fachverlag publiziert, diese Option aufgrund der mangelnden Qualität seiner Arbeit gar nicht erst hatte. Dem ist nicht so! Man kann sich auch mit einer gut bewerteten Arbeit aus anderen Gründen als der mangelnden Wahl für andere Publikationsformen entscheiden. (Die ja beleibe nicht nur aus der Variante Dissertationsabdruckverlag bestehen.)
Davon abgesehen: Dieses Forum ist voll von Geschichten, aus denen die nicht-sachorientierte, subjektive Notenvergabe bei Dissertationen ersichtlich ist. Das ist zwar eigentlich allen klar, die Verlage klammern sich aber dennoch an die Note als einem vermeintlich klaren und objektiven Entscheidungs- und Qualitätskriterium pro/contra Annahme - wäre das für die Betroffenen nicht so ärgerlich, fände ich diese Naivität fast rührend.
Johannes Rux hat geschrieben: Wer (oft über mehrere Jahre lang) mit hohem Aufwand eine wissenschaftliche Studie erstellt, die zu neuen Erkenntnisse führt und daher zu Recht von den Gutachtern mit überdurchschnittlichen Noten bewertet wurde, wird sich wohl kaum damit zufrieden geben, dass diese Studie dann im Regal oder in einer der dunklen Ecken des Internet verstaubt. Vielmehr wird es immer darum gehen, dass die Arbeit tatsächlich wahrgenommen, gelesen und zitiert wird - und zwar auch dann, wenn die Autorin oder der Autor keine wissenschaftliche Karriere im engeren Sinne anstrebt.
Einverstanden! Aber:
Johannes Rux hat geschrieben:3. Die Wahrscheinlichkeit, dass die eigene Arbeit diese Aufmerksamkeit erfährt, hängt aber wiederum maßgeblich vom Verlag ab, in dem die Arbeit veröffentlicht wird.
Diese Folgerung aus dem oben Gesagten überzeugt mich nicht! Wie schon an anderer Stelle angeführt (viewtopic.php?f=1&t=5764&p=181603#p181603), habe ich die Erfahrung gemacht, dass man durchaus mit eigenen Mitteln (und sehr überschaubarem finanziellen Aufwand) dafür sorgen kann, dass die eigene Arbeit in der wissenschaftlichen Fachwelt wahrgenommen wird. Warum ich dafür einem Verlag mehrere tausend Euro bezahlen soll, erschließt sich mir nicht. Zumal auch wissenschaftliche Fachverlage, soweit mir bekannt, die einzige Dienstleistung, die einem in der Veröffentlichungsphase wirklich spürbare Arbeitserleichterung bringen würde, das Lektorat und Korrektorat (und oft auch den Satz), längst nicht mehr selbst übernehmen, sondern das an den Autor auslagern - trotz der hohen Kosten, die dieser als "Zuschuss" leisten muss! Das wäre für mich die einzig sinnvolle Begründung für diese Ausgabe gewesen.
Johannes Rux hat geschrieben:Damit bleibt am Schluss die Frage, ob einem das so viel Geld wert ist - aber: Ist das denn so viel? Schließlich hat man zuvor lange Zeit mit der Arbeit verbracht und enorm viel investiert. Warum sollte man nun auf der Zielgeraden knausern?
Ganz einfach: Weil man hier zum ersten Mal die Wahl hat, es anders zu machen und dem Projekt Dissertation nicht noch mehr Geld opfern muss, als man es bereits getan hat.

Johannes Rux
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von Johannes Rux » 09.06.2015, 16:33

@Eva

Danke für die Blume. Die Entscheidung zwischen SelfPublishing/PoD und der Veröffentlichung in einem Wissenschaftsverlag ist aber noch einmal eine ganz andere Nummer: Natürlich ist es nicht so, dass keine/r, die/der sich gegen die Veröffentlichung in einem Fachverlag entscheidet, das nur deshalb tut, weil ihr oder ihm keine andere Wahl bliebe. Das hatte ich nicht gesagt und würde es auch nicht unterstützen. Meine Aussage bezog sich auf Doktorandinnen, die nur um des Titels wegen promovieren und daher den Aufwand minimieren. Da kommt (wie ich aus der Erfahrung als Hochschullehrer weiss), nicht oft was Gutes raus.

Es ist natürlich vollkommen ehrbar, seine hervorragende Arbeit "nur" in ein Repositorium oder "irgendwo im Internet" einzustellen (wenn die Promotionsordnung das erlaubt), sie nur als Print-on-Demand-Ausgabe (PoD) anzubieten oder in "irgendeiner Klitsche" (und sei es der Copyshop an der Ecke) drucken zu lassen - und sich dann die Mühe zu machen, selbst für die Verbreitung des Werkes zu sorgen. Sie haben gut beschrieben, wie das geht. Bei dieser Variante verzichtet man vermutlich auf Rezensionen in den einschlägigen Fachzeitschriften und auch die führenden Tages- und Wochenzeitschriften werden nur in seltenen Ausnahmefällen auf solche Werke hinweisen. Aber das lässt sich möglicherweise durch eine gut gemachte Werbekampagne in eigener Sache ausgleichen. ABER: Haben Sie einmal überlegt, wie viel Zeit Sie dafür investiert haben? Wie viel Zeit hat es allein gebraucht, um die Adressen aller Personen herauszufinden, denen man Informationen schicken sollte? Genau das ist Alltag für den Verlag. Wir nehmen den Autorinnen und Autoren hier viel Arbeit ab - und lassen ihnen die Zeit, um sich um das zu kümmern, was Ihnen selbst am wichtigsten ist.

Zur Kritik, dass Verlage kein echtes Lektorat oder Korrektorat anbieten: Das stimmt so nicht. Bei Dissertationen verbietet sich ein echtes Lektorat, da die Arbeiten in aller Regel in der Fassung veröffentlicht werden müssen, in der sie von der Fakultät angenommen wurden. Änderungen, die über die Empfehlungen der Gutachter hinausgehen, müssen daher genehmigt werden. Im Übrigen ist es schlicht unmöglich, die Kompetenz im Lektorat verfügbar zu machen. Statt dessen versuchen Verlage, durch die Einbeziehung von Herausgeberinnen und Herausgebern der Schriftenreihen eine zusätzliche Qualitätskontrolle einzurichten, die dann auch die von Ihnen geschilderten willkürlichen Bewertungen etwas ausgleichen, indem ausnahmsweise auch einmal eine zu Unrecht mit cum laude bewertete Arbeit ins Programm kommt oder (was in der Praxis häufiger vorkommt) eine Arbeit, die das "magna" nur ehrenhalber oder als Entschädigung für einen allzu langwierigen Begutachtungsprozess erhalten hat, doch nicht anzunehmen. Das ist kein echtes Lektorat, wie es etwas Verlage im englischen Sprachraum anbieten: Die erwarten von Doktoranden aber auch, dass sie ihre PhD-Thesis erst einmal komplett umschreiben, damit sie für Praktiker lesbar wird, dann wird nur eine Arbeit zu einem Thema veröffentlicht (und nicht etwa alle zehn Dissertation, die zu einer aktuellen Frage geschrieben wurden), daher sind die verkauften Stückzahlen auch deutlich höher - und der Verlag kann sich das leisten.

Denn: Ein Lektorat oder auch nur ein Korrektorat ist wirklich teuer! Wenn Sie sich mal überlegen, wie viel Zeit jemand braucht, um einen Text von 300 Seiten Korrektur zu lesen und überlegen, dass derjenige, der das tut, dafür auch angemessen entlohnt werden soll, sind sie allein für das Korrektorat schnell einen erheblichen Betrag los. Jeder vernünftige Verlag wird den Autoren hier Adressen nennen können. Als Standardleistung wird das im Zeitalter der AutoKorrektur aber nicht angeboten.

Und auch den Satz übernehmen Verlage in der Regel gerne - mittlerweile auch zu Konditionen, die sich sehen lassen können.

Zurück @blubbmoep: Wenn Sie es sich zutrauen, die gesamte Werbung selbst zu stemmen (schließlich haben Sie ja in Medien- und Kommunikationswissenschaften promoviert), dann ist Self-Publishing eine spannende Alternative. Ansonsten hoffe ich einfach, dass ich Sie überzeugen konnte (Sie können sich ja per PN "outen", dann kann ich sehen, ob wir an den Konditionen noch etwas schrauben können :wink: .

blubbmoep
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Re: Mehrere Angebote - welcher Verlag?

Beitrag von blubbmoep » 09.06.2015, 21:41

Puh - da hat sich ja eine ordentliche Diskussion ergeben :shock: damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Leider muss ich meine Antwort erstmal kurz halten, da das auf dem Handy doch etwas schwierig ist. Ich äußere mich aber ggf. nochmal länger, wenn ich wieder an einen PC komme und die Zeit finde.

Zunächst mal vielen Dank an diejenigen, die sich an einer potenziellen Lösungsfindung beteiligt haben :) auch finde ich es grundsätzlich gut, dass sich auch mal jemand von einem der betreffenden Verlage hier rumtreibt, auch wenn in dem Fall natürlich keine objektive Antwort zu erwarten ist ;)

Was ich unbedingt loswerden möchte: Nein, ich habe nicht nur für den Titel promoviert, sondern weil mich das Thema sehr interessiert hat. Ich hatte kein Stipendium, sondern habe die Promotion völlig alleine finanziert, was nicht immer toll, aber dafür meistens sehr stressig war. Und ja, ich habe viel Zeit reingesteckt, immerhin 2,5 Jahre und eine Menge Geld - nicht nur das, was ich wegen der Doppelbelastung nicht verdient habe, sondern auch die nicht unerhebliche Summe für Material, Druck usw. Und genau aus diesem Grund kann und möchte ich nicht NOCH MEHR Geld reinstecken als unbedingt nötig.
Das Angebot, das mir Nomos gemacht hat, war sicherlich kein unattraktives. Das von Springer ist hingegen kostenlos, geht mit Print- UND Online-Verfügbarkeit einher und hat zudem mit Self-Publishing nichts zu tun. Natürlich freue ich mich, wenn möglichst viele Leute meine Arbeit lesen, aber alleine dafür mehrere Tausend Euro zu opfern, die ich de facto nicht habe und mir erstmal borgen müsste, um sie dann über geraume Zeit abzustottern - nein, dazu bin ich nicht bereit, wenn es auch anders geht.
Das hat im Übrigen auch nichts damit zu tun, dass Springer angeblich alles nimmt (was ich bezweifle) - ich habe mit Magna abgeschlossen (0,5 BTW) und möchte mir dementsprechend nicht mangelnde Qualität ankreiden lassen. Ich habe nur auch nicht das Gefühl, dass meine Diss da, wo ich auch noch einen Haufen Geld zahlen soll, wenn ich meine wissenschaftliche Ergebnisse zur Verfügung stelle, mehr gewertschätzt wird. Irgendwie widerspricht sich das. Überdies hat SpringerLink eine enorme Reichweite, von der auch ich im Studium profitiert habe, sodass ich nicht unbedingt davon ausgehe, dass Nomos diese übertreffen könnte.

Ich möchte Nomos auf gar keinen Fall miesmachen, nur damit mich hier keiner missversteht :) aber für diejenigen, denen nicht etwa das (tatsächliche?) Prestige bspw. aufgrund ihrer Karriere in der Wissenschaft (die ich nicht anstrebe) alles bedeutet bzw. für solche Leute, die nicht über ausreichende finanzielle Mittel verfügen (wie ich), ist ein kostenloses Angebot top. Deshalb habe ich mich letztendlich für Springer entschieden. Und bereits überschrieben.

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