Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

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Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von ile » 07.05.2015, 17:12

Hallo zusammen,

ich bin seit März Doktorandin in einem geisteswissenschaftlichen Fach und voller Tatendrang. Allerdings habe ich mich gleich um ein Stipendium bei der Studienstiftung des deutschen Volkes beworben und kam in das Hauptverfahren.. Nun warte ich also auf den Terminvorschlag eines Gutachters für das Auswahlgespräch und muss sagen, dass ich an nichts anderes mehr denken kann! Einerseits will ich 24/7 für die Diss. lesen, exzerpieren, usw., andererseits ertappe ich mich dabei, wie ich wieder und wieder durch meine Unterlagen gehe, um eventuelle Fragen zu antizipieren.

Meine (allg.) Frage ist nun, ob hier vielleicht der/die eine oder andere so nett wäre, von seinen/ihren Erfahrungen zu berichten?
Ich habe nämlich viele konkrete Fragen!
- War es bei euch ein fachnaher Gutachter?
- Ging es mehr um das Exposé und das Thema der Diss.?
- Wurde viel nachgebohrt?
- Hattet ihr eher das Gefühl, dass ihr einem interessierten Wissenschaftler gegenüber saßt oder war dieser mehr ein strenger Prüfer nach Kriterien der Studienstiftung? Oder beides?
- Wie lange hat es gedauert, bis ihr nach Bestätigung über die Annahme ins Hauptverfahren einen Terminvorschlag erhalten habt?
etc. pp.

Ich freue mich sehr auf eure Antworten!

footnote
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von footnote » 08.05.2015, 10:47

Hi ile,

nach meinen Erfahrungen (ich war im Masterstudium Stipendiat und nun wieder als Doktorand) kannst du das Gespräch entspannt angehen (es gab in der Tat nur ein Gespräch, zusätzlich hat die Auswahlkommission ein Gutachten einer Professorin eingeholt, die viel zu Themen geforscht hat, die in direkter Verbindung mit meinem Diss.-Thema stehen).
Mein Gesprächspartner kam aus dem gleichen Fach, ich würde ihn jetzt allerdings nicht als "Experten" für mein konkretes Thema betrachten. Ich denke, die Studienstiftung versucht schon, einen Vertrauensdozenten zu finden, der möglichst gut zu deinem Thema passt, aber möglicherweise gibt es da manchmal gerade keine/n, der oder die auch zeitnah für ein Gespräch zur Verfügung steht.
Die Stimmung im Gespräch war sehr locker, der Prof. hat sogar Kaffee und Kuchen aufgetischt :-) Das war übrigens die größte Herausforderung (um mal eine kleine Anekdote zu erzählen). Aus Höflichkeit wollte ich den Kuchen natürlich aufessen, aber auch nicht mit vollem Mund reden, also musste ich immer gut überlegen, wann ich einen Bissen nehme :-)
Der Prof. hatte mein Exposé jedenfalls - so mein Eindruck - sehr genau gelesen und hat zu meinem Thema wirklich interessante Fragen gestellt und auch kritische Punkte angesprochen. Aus dem Gespräch konnte ich also wirklich inhaltliche Anregungen mitnehmen. An deine Stelle würde ich also vor dem Gespräch nochmal genau das Exposé lesen und überlegen, wo möglicherweise "wunde" Punkte sind.
Zudem haben wir relativ viel - und auf diesen Teil kann man sich wohl nicht vorbereiten - über Themen allgemeinen Interesses gesprochen. Manches schon fachnah (zum Bsp. über eine anstehende Exkursion), auch ein bisschen über Hochschulpolitik usw.
Du solltest dich meiner Meinung nach gut vertraut machen mit den Angeboten der Studienstiftung und dann eben auch sagen können, warum du dich beworben hast, und welche Angebote (Sommerakademien, Sprachkurse) du vielleicht gern wahrnehmen würdest.
Bei mir kamen zum Glück nicht solche Fragen wie "Warum sollte die Stiftung gerade Sie aufnehmen?". Mag aber sein, dass andere Dozenten so etwas fragen.
Also wie gesagt, ich hatte bei meinen zwei Auswahlrunden, erst als Student und dann als Doktorand, insgesamt drei solcher Gespräche, die alle drei sehr entspannt waren. Man liest ja bisweilen, dass die Studienstiftung ein sehr elitärer Verein sei und nur KandidatInnen aufnimmt, die ein klassisches Instrument spielen etc. Dieses Klischee mit dem elitären Verein kann ich in Teilen durchaus bestätigen, ich spiele allerdings kein Instrument und komme auch nicht aus einem Akademikerhaushalt und wurde trotzdem aufgenommen. Ich habe den Eindruck, dass die Stiftung schon bemüht ist, sich etwas mehr zu öffnen...

Viel Erfolg für dein Gespräch!
m.

Achso: Das Bewerbungsverfahren hat bei mir insgesamt nur knapp 4 Monate gedauert (aber das war wohl etwas Glück und hängt immer davon ab, wann der Auswahlausschuss zusammentritt). Du kannst den Dozenten ruhig fragen, wann du mit einer Entscheidung rechnen kannst!

Akirai
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von Akirai » 08.05.2015, 13:49

Hallo ile!

Ich muss gleich vorne weg sagen: Ich kenne die Studienstiftung nur von Auswahlverfahren als Student. Daher wollte ich eigentlich zuerst nichts beitragen ( :lol: ), aber als ich den Teil hier gelesen hatte:
ile hat geschrieben:Nun warte ich also auf den Terminvorschlag eines Gutachters für das Auswahlgespräch und muss sagen, dass ich an nichts anderes mehr denken kann! Einerseits will ich 24/7 für die Diss. lesen, exzerpieren, usw., andererseits ertappe ich mich dabei, wie ich wieder und wieder durch meine Unterlagen gehe, um eventuelle Fragen zu antizipieren.
dachte ich mir: Nun, vielleicht kannst du meinen Tipp ja gebrauchen.

Mein Tipp wäre: Mach dich nicht verrückt!

Es gibt ein Leben neben der Diss und, soweit ich mich erinnern kann, wurde das in meinem Auswahlgespräch auch dezidiert so angesprochen. Also genieß bitte auch durchaus mal das schöne Wetter, schnapp dir ein gutes Buch und lass ein bisschen die Seele baumeln. Nach meiner Erfahrung stehen sich gerade die engagierten Kandidaten, die vom Kopf her durchaus in die Studienstiftung passen würden, bei so einem Gespräch dann nämlich meist selbst im Weg. Zumindest im Studium galt: Schau auch nach links und rechts (deines Faches, deiner Interessen), verfolg die aktuellen Nachrichten, bild dir eine Meinung (und steh dazu).
Nebenbei: Der Tipp gilt natürlich grundsätzlich fürs ganze Leben. Ist mir erst neulich so gegangen: Nach einem Vortrag (der nichts mit der Studienstiftung zu tun hatte) saßen wir in einer größeren Runde nett zusammen und ich wurde nach meiner letzten Lektüre gefragt. Als die "leider" nur fachlicher Natur war, habe ich ziemlich mitleidige Blicke geerntet :lol:
ile hat geschrieben:- Wurde viel nachgebohrt?
Das wird es wohl immer, allerdings auch durchaus nach nicht-fachlichen Themen. Ich werde nie mehr im Leben vergessen, wie mich mein nicht-fachnaher Prüfer ins Schwitzen brachte :lol: War aber - bis auf das Schwitzen - an sich eine schöne Herausforderung, die er mir da gestellt hat. Also bei kritischen Fragen nicht verunsichern lassen, denn die kommen.
ile hat geschrieben:- Wie lange hat es gedauert, bis ihr nach Bestätigung über die Annahme ins Hauptverfahren einen Terminvorschlag erhalten habt?
Bei mir ist es ganz blöd gelaufen: ich war terminmäßig ziemlich spät dran, durfte dann ein halbes Jahr warten, bis mir die Aufnahme bestätigt wurde, und dann nochmal 3 Monate, bis ich aufgenommen war :mrgreen: . Das nur zur Info, falls es länger dauert. (Irgendwie hört sich das an, wie in dieser einen Werbung ...)
footnote hat geschrieben:Du solltest dich meiner Meinung nach gut vertraut machen mit den Angeboten der Studienstiftung und dann eben auch sagen können, warum du dich beworben hast, und welche Angebote (Sommerakademien, Sprachkurse) du vielleicht gern wahrnehmen würdest.
Wurde bei mir auch gefragt. Stöber doch da ein bisschen die Homepage durch. Gut dürfte auch kommen, wenn du herausstellen kannst, was die Studienstiftung gegenüber anderen Stiftungen so einzigartig macht, dass du da unbedingt hin willst.
footnote hat geschrieben:ich hatte [...] insgesamt drei solcher Gespräche, die alle drei sehr entspannt waren. Man liest ja bisweilen, dass die Studienstiftung ein sehr elitärer Verein sei und nur KandidatInnen aufnimmt, die ein klassisches Instrument spielen etc. Dieses Klischee mit dem elitären Verein kann ich in Teilen durchaus bestätigen, ich spiele allerdings kein Instrument und komme auch nicht aus einem Akademikerhaushalt und wurde trotzdem aufgenommen. Ich habe den Eindruck, dass die Stiftung schon bemüht ist, sich etwas mehr zu öffnen...
Woher kommt denn das "elitäre" Gerücht?
Ich meine, mir sind dort sicherlich auch die von dir beschriebenen Exemplare begegnet, aber grundsätzlich habe ich den Eindruck, dass die Geförderten alle ziemlich "bunt" gemischt sind.
Aber um deinen positiven Eindruck zu bestätigen: Auch ich spiele kein Instrument oder komme aus einem Akademikerhaushalt :mrgreen:

LG
Aki

ile
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von ile » 08.05.2015, 15:17

Hallo ihr Zwei,

ich bin überwältigt von euren Beiträgen! So viel Text habe ich nicht erwartet! Dankeschön!

Ja, mich freut es, dass ihr beide die Gespräche so gut fandet und gerne davon berichtet! Ich stelle mir das Gespräch bestenfalls ebenso ausgewogen vor. Nur kann man offenbar auch leider Pech haben und einen Gutachter bekommen, der eigentlich nur an einem Thema interessiert ist und sich verbeißt. Aber zwei Positivbeispiele zu lesen, beruhigt mich doch ein wenig.

Das mit dem Kuchen ist übrigens sehr witzig! Ich glaube, ich hätte einen zu trockenen Mund und könnte Kuchen von daher auch nicht wirklich genießen bei einem Auswahlgespräch hehe

Eure Tipps nehme ich mir zu Herzen.
Die Recherche auf den Seiten der Studienstiftung betreibe ich bereits. Ich sehe jetzt schon, dass es einige Veranstaltungen im Herbst gibt, die ich gerne besuchen würde.. Es gibt wirklich eine Reihe von Gründen, wegen denen ich unbedingt Stipendiat sein möchte...
Und ja, die Schwachstellen meines Exposés.. Das ist ein guter Hinweis. Gerade in den Geisteswissenschaften gibt es Konzepte, die sich nicht von selbst erklären und ggf. problematisch werden können, je nach Auslegung. Ich bin sehr gespannt, ob die Diskussion von Schwachstellen zu Anregungen führen werden, die ich mir am liebsten im Gespräch notieren würde..
Und dann finde ich den Hinweis auf ein Leben neben der Diss. auch hilfreich. Aber eigentlich dürfte das kein Problem werden. Ich bin sehr aktiv und rede auch gerne darüber. Mal sehen, mal sehen!

Und wie lange hat das Gespräch gedauert? Die Frage richtet sich vor allem an Doktoranden, da ich keinerlei Info dazu gefunden habe, während die Gesprächsdauer bei Stipendium fürs Studium offenbar festgelegt ist..

Schöne Grüße!
île

tukan
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von tukan » 10.05.2015, 18:21

Hallo ile,
ich habe den Beitrag schon in dem StuSti Forum gepostet, aber ich kopiere einen Teil des Textes einfach mal:

Mein zeitlicher Verlauf ist/war folgender:
- 19.02. Unterlagen sind dort eingegangen
- 04.03. Nachricht über die Vorauswahl
- 31.03. Telefonische Anfrage meinerseits, weil ich seitdem nichts mehr gehört habe. Sie meinten, dass sich schon 2 Gutachter bereit erklärt hätten und ich mich nochmal melde solle, falls ich bis zum 20.04. nichts gehört habe.
- 10.04. Meine Gutachterin hat mit mir telefonisch einen Termin ausgemacht.
- 17.04. Gutachtergespräch

Seitdem habe ich nichts gehört. Eigentlich soll man ja eine Benachrichtigung bekommen sobald beide Gutachten vorliegen, in der steht wann die Entscheidung getroffen wird.

Ich hatte den Eindruck, dass die Gutachter scheinbar eine Frist haben, zu der sie ihre Gutachten einreichen sollen. Denn meine Gutachterin meinte, dass sie eigentlich sehr spät dran ist und es ihr Leid tut, dass es so lange gedauert hat. Demnach müsste das Gespräch offenbar etwa innerhalb von 6-8 Wochen statt finden, nachdem der Gutachter zugestimmt hat. Ich saß auch wie auf heißen Kohlen und habe ständig nach E-Mails geschaut. Im Endeffekt war ich sehr perplex als der Anruf kam, weil ich gar nicht damit gerechnet habe :D

Das Gespräch hat etwa eine Stunde gedauert. Sie hat mir auch bereits am Telefon gesagt, dass wir über meinen Lebenslauf und das Exposé reden werden und sie auch speziell zu meiner Persönlichkeit Auskunft geben soll. Wir sind im Endeffekt meine Unterlagen bzw. den Lebenslauf durchgegangen. Es kamen Fragen zur Studienwahl, Auslandsaufenthalten, persönliche Situation, Motivation zur Promotion, zu dem Thema... Dann haben wir mein Exposé diskutiert und ich glaube da wollte sie auch meine Kritikfähigkeit testen ;-) Aber unterm Strich hatte sie auch viele gute Anregungen, die das Exposé auch noch weiter verbessern werden. Sie war übrigens relativ fachnah. Allerdings ist mein Projekt sehr interdisziplinär und sie hätte natürlich aus ihrer Sicht mehr Details in ihrem Bereich erwartet.
Jetzt kommt es auf den Fachgutachter an. Sie meinte, dass es da wohl Abzug geben könnte, wenn der aus einem ähnlichen Bereich wie sie kommt. Aber sie hat mir danach auch gleich gesagt, dass ich mit einem sehr guten Gefühl aus dem Gespräch rausgehen kann.

Bei mir standen da übrigens auch Kekse - aber ich hab mich nicht dran getraut, weil ich Angst hatte, die Krümel würden in meinem Hals stecken bleiben :D

Ich drücke dir die Daumen!

ile
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von ile » 10.05.2015, 20:49

Hallo tukan :)

den ersten Teil Deiner Antwort habe ich nun drüben ebenfalls bereits beantwortet ;),...

...daher zum Rest: Besser kann man sich das gar nicht vorstellen! Wenn sie Dir vorher bereits in etwa gesagt hat, wie es verlaufen sollte, und es tatsächlich auch so verlief, bekommt man das Gefühl, dass die Studienstiftung vielleicht einen recht hohen Wert auf Transparenz legt - etwas, das, glaube ich, bei anderen großen Geldgebern (z. B. Drittmittelgebern) oft gerade nicht der Fall ist, aber wünschenswert wäre!
Übrigens kannst Du doch selbst testen, in wiefern Berechtigung zu Sorge besteht: Du selbst hast immerhin die Fachgutachter für das schriftl Gutachten vorgeschlagen! Wenn Du schon in etwa weißt, ob betreffende Wissenschaftler eine solche Entwicklung wie in Deinem Exposé präsentiert befürworten könnten, hast Du im Grunde schon allen Grund zur absoluten Gelassenheit - oder nicht.. ;)

Irgendwie ist es schön, zu wissen, dass da jemand auch so aufgeregt ist wie ich ! :)

Ich drücke auch weiterhin die Daumen :)

ile
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Re: Studienstiftung des deutschen Volkes: Erfahrungen?

Beitrag von ile » 20.05.2015, 07:03

Hallo tukan,

hast Du bei StuSti in Deinem Posteingang nachgesehen? :)

Schöne Grüße!

Gesperrt
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