Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

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Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

Beitrag von PhD2015 » 22.04.2015, 14:22

Hallo ihr Lieben!

Ich steh kurz vor dem Ende - bin die Dissertation (Naturwissenschaften) zum letzten Mal durchgegangen und sehe doch tatsächlich am Wochenende, als ich eine Literaturstelle überprüft habe, dass die Originalpublikation (sehr hochrangig publiziert!) zurückgezogen wurde!!!!! Den Grund konnte ich für das Paper nicht zurück verfolgen - da es aber auch andere Publikationen von dem Wissenschaftler betroffen hatten konnte ich nachvollziehen, dass er wohl Daten manipuliert hat.

Da ich ihn nur ein- oder zweimal zitiert hatte, könnte ich das natürlich alles rausnehmen... dann aber hab ich das Gefühl ich müsste nochmal alles durchgehen, damit das ganze Sinn ergibt ....Ehrlich gesagt, möchte ich so wenig wie möglich an dieser Arbeit ändern, aber Verschweigen und so tun als hätte ich es nicht gesehen?! Möchte ich nicht. Leider habe ich keine andere Literaturquelle gefunden, die das gleiche belegt...

Wie würdet ihr denn damit umgehen?! Würde es auch reichen, wenn man einen Vermerk macht der besagt, dass diese Aussage mit Vorsicht zu betrachten ist, da der Artikel zurückgezogen wurde?!

Zudem zitiere ich noch andere Artikel von ihm (u.a. ein Review), die (noch) nicht zurückgezogen wurden. Sollte man da auch etwas vermerken?!

Ich bin euch sehr dankbar für Rückmeldung! :blume:

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Traudel
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Re: Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

Beitrag von Traudel » 22.04.2015, 18:12

Lieber PhD2015,

au Backe, was ne Scheißsituation.
Dass Du kurz vor Abgabe nicht noch einmal ranmöchtest und im worst case nicht nur Zeit und Nerven investierst, sondern eben auch das berüchtigte Verschlimmbessern droht, kann ich vollkommen nachvollziehen. Die Entdeckung aber zu verschweigen, scheidet definitiv aus - da hast Du absolut recht. Wäre keine gute wiss. Praxis.
Als Geisteswissenschaftlerin bin ich zwar in weit geringerem Maße von dem geschilderten Szenario betroffen, aber ich denke, dass hier auch ein überfachlicher Rat nützlich für Dich sein könnte, denn:
Die Prinzipien wiss. Arbeitens und Schreibens gelten für uns alle --> Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Redlichkeit.
Übertragen auf Deine Situation: Lass den Verweis (bzw. die beiden) auf den zurückgezogenen Artikel drin und ergänze in einer Anmerkung/Fußnote: "Anlässlich der redaktionellen Überarbeitung der Dissertationsschrift im Monat April 2015 wurde die Rücknahme des zitierten Beitrags registriert. Da die Gründe zum Abschluss der Arbeit (noch) nicht ermittelt werden konnten, gilt es, auf die potenzielle Fragwürdigkeit der Quelle als Beleg für den dargelegten Sachverhalt XY hinzuweisen."
Uiuiui, sehr gestelzt. Kriegste sicher besser hin. Nur eben vom Prinzip her: Verweise auf die Quelle und problematisiere ihre möglicherweise zweifelhafte Redlichkeit in einer Anmerkung. Da das Eingangsdatum Deiner Diss bei der Fakultät ja vermerkt ist, brauchst Du natürlich nicht an den (noch) nicht zurückgenommenen Beiträgen des Autors zu rütteln.
Zur Publikation Deiner Diss. würde ich im Anschluss an die Disputatio bzw. das Rigorosum 1. die Lage checken (weitere Rücknahmen? Gründe derweil veröffentlicht?) und 2. Rücksprache mit Deinem DV suchen. Solltest Du die Zeit (und die Nerven) nach Einreichen der Diss haben, mach Dich doch nebenbei auf die Suche nach alternativen Belegen für die Publikation. Dann haste das Problem ganz vom Bein und keinen fragwürdigen Zeitgenossen zitiert. Aber natürlich in Absprache mit Deinem DV.

Also, weg mit dem Ding - befrei Dich!
So, und sollte mein Vorschlag nix für Dich sein, dann in den sauren Apfel beißen und vor Abgabe mit dem DV beraten, was s.E. zu tun ist - mit der Gefahr, die Büchse der Pandora zu öffnen und noch einmal überarbeiten zu müssen. :?

Viel Erfolg!!
Traudel

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Re: Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

Beitrag von PhD2015 » 22.04.2015, 18:42

Sorry für den halben Beitrag... wollte eigentlich ausführlicher Antworten. :blume: :

Vielen Dank nochmall für die Antwort! Ich kann bestimmt nicht besser formulieren - dazu kommt, dass ich es eigentlich in Englisch formulieren muss :-(

Ja, ich muss auch zugeben: ich war leicht angesäuert... denn wegen anderen Terminen muss ich das ganze fast zwei Wochen verschieben (na hoffentlich wird in der Zeit keines mehr zurückgezogen!)... und dazu kommt ein ausgeprägtes Verschlimmbessern Syndrom... :roll: :roll: :roll:

Aber hey, ich habs noch gefunden... irgendwie wäre es für mich auch schlimm, hätte ich es erst im Nachhinein gesehen...

Würdest du den Grund mitzitieren mit Angabe der Quelle?!

Ja, ich beziehe mich auf die Gesamtaussage... somit ist das nicht ganz so schlimm.

Jetzt nochmal eine ganz banale Frage: Ich habs nicht so mit Fussnoten :oops:
Für jeden Beitrag eine separate Fussnote (die Zitate befinden sich einmal am Anfang und einmal am Ende der Arbeit)?!

DANKE DANKE DANKE :blume: :blume: :blume: :blume:
Zuletzt geändert von PhD2015 am 22.04.2015, 19:12, insgesamt 1-mal geändert.

Traudel
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Re: Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

Beitrag von Traudel » 22.04.2015, 18:55

Jo, Mist. Beziehst Du Dich denn auf singuläre Ergebnisse bzw. die verfuschten Schaubilder oder auf die Gesamtaussage, die ja quasi nicht in Zweifel gezogen wird?
Aber ich denke, ich bleibe dennoch bei dem Ratschlag: Führe die Quelle an, beweise Redlichkeit und problematisiere die jüngsten Entwicklungen, die eben erst bei der Endredaktion sichtbar wurden. Im Grunde kann Dir da ja wohl keiner ans Bein pinkeln. Und zur Publikation schaust Du, wie der Stand der Dinge ist und besprichst mit Deinem DV Lösungsmöglichkeiten.
Voilà.LG

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Re: Retraction zitierter Literatur - und das kurz vor Druck

Beitrag von Traudel » 23.04.2015, 12:36

Hu, unsere Reihenfolge ist nun durcheinander gerumpelt ... schnurz.

Zu Deinen Fragen (ich versuch mich mal an Antworten):

- Ob Du die Gründe der Zurücknahme anführen solltest? Finde ich jetzt nicht unbedingt. Es sei denn, Du könntest das ganz kurz und knapp formulieren. Denn das grandios Tolle ist ja: Du hast die Gesamtaussagen bemüht - und eben nicht die (vermeintlich) manipulierten Schaubbilder - yes! :D

- Bei der ersten Anm. zu der Quelle (am Beginn Deiner Arbeit) würde ich den Sachverhalt problematisieren; beim zweiten Zitat (gen Ende der Arbeit) verweise auf die vorherige Anmerkung (ham ja Nümmerchen, die Dinger).

- Dass Du das auf Englisch formulieren musst, ist Kacke... kann ich nich... :lol:

- Was heißt das genau, Du hast es nicht so mit Fußnoten? Fügst Du Endnoten in einem abschließenden Anmerkungsapparat an? Dann funktioniert der Tipp ja trotzdem. Oder nutzt Du Harvard? Aber auch dabei sind Fußnoten ja als explizite Anmerkungen durchaus gebräuchlich.

Mensch, ich fühle echt mit Dir! Solche Stolpersteine auf der Zielgeraden zu überwinden, ist echt gemein, gemein, gemein.
Alles Liebe und viel Glück und Mut!! Traudel :blume:

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