Stipendium: Lohnt sich das? (SoWi)

Jahresarchiv
Kirschbaum
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Stipendium: Lohnt sich das? (SoWi)

Beitrag von Kirschbaum » 14.04.2015, 10:58

Hallo zusammen,

wer hat Erfahrungen mit Stipendien gemacht?
Ich habe mir da mal eine Liste an möglichen Stipendien zusammengeschrieben. In der Regel beläuft sich ein solches auf zwei Jahre und man erhält 1150 Euro + 100 Euro Forschungsgeld. Die Anforderungen sind z.T. halt aber echt auch hoch. Bis man da mal alle Unterlagen zusammen hat und alle Bewerbungsprozesse durchlaufen hat....da weiß ich nicht so ganz, ob sich jetzt die Mühe lohnen würde. Die Professorin meinte nämlich auch, dass ich dann auf jeden Fall nochmal das Expose umschreiben müsste etc. Ich habe halt jetzt eine Vollzeitstelle (nicht an der Uni) und promoviere sozusagen extern. Das kann wohl auf Dauer - das merke ich jetzt bereits in den Anfangszügen - schon recht anstrengend sein. Deshalb überlege ich, mich für ein Stipendium zu bewerben. Würdet ihr mir empfehlen, die Mühen in Kauf zu nehmen? Wenn ja, welches Stipendium für den sozialwissenschaftlichen Bereich würdet ihr empfehlen?
LG
Zuletzt geändert von Sebastian am 15.04.2015, 08:13, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Betreff hoffentlich zutreffend ergänzt.

algol
Beiträge: 8762
Registriert: 09.06.2009, 22:15
Status: mittendrin?
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 1 Mal

Re: Stipendium

Beitrag von algol » 14.04.2015, 11:04

Also es ist etwas Typsache, aber ich finde TZ-Job + Diss besser.
Weil: Sozialversicherung geklärt und Praxiserfahrung/ Berufseinstieg (sofern Job passend).
und: ich brauche auch zwischendurch immer mal was Anderes als nur die Diss.

Es gibt aber Leute, denen VZ-Diss mehr liegt und die daher mit dem Stipendium besser klarkommen.
Ist finanziell sehr schmal.

Muss man für sich abwägen, was einem was wert ist.

Hella
Beiträge: 351
Registriert: 24.11.2014, 12:19
Status: Schreibbeginn
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Stipendium

Beitrag von Hella » 14.04.2015, 14:45

Hallo Kirschbaum

Es hat halt alles seine Vor- und Nachteile. Das hängt auch vom Fach ab. Ich kenne Stipendiaten aus dem naturwissenschaftlichen Bereich von denen erwartet wird, dass sie normale HiWi arbeiten in den Laboren etc. machen. Zusätzlich zum Diss schreiben, eigene Versuche durchführen etc. In den Geisteswissenschaften ist man hautsächlich auf sich allein gestellt was heißt, dass im Vergleich zu einer Doktorandenstelle an der Uni man sich wirklich um seine Diss kümmern kann.

Ein Stipendium gerade von renomierten Stipendiengebern wird gerne als Auszeichnung dargestellt. Allerdings muss man sich bei einem Stipendium freiwillig versichern und hat im Anschluß keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld sondern muss H4 beantragen. Und Rentenansprüche u.ä. erarbeitet man sich auch nicht.

Auch die Anforderungen an die Bewerbungsunterlagen sind sehr unterschiedlich. Ich brauchte für mein Stipendium zum Beispiel keine Empfehlungsschreiben. Man muss halt schauen, wie man sich das Geld für die Promotion verdienen möchte.
Schöne Grüße
Hella

Traudel
Beiträge: 214
Registriert: 01.02.2015, 10:52
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 4 Mal

Re: Stipendium

Beitrag von Traudel » 14.04.2015, 17:17

Hallo Kirschbaum,

also ich habe mich während meiner Promotion (Geisteswissenschaften) sehr entlastet gefühlt durch mein Stipendium. ABER die Bewerberei war schon echt mega aufwendig. Für manche Stiftungen braucht man sogar zwei Gutachten bzw. Befürwortungsschreiben, dann noch die eigenen Unterlagen zusammentragen und formulieren etc. Zudem sehe ich Partei- und Konfessionsnähe der Stiftungen bisweilen kritisch. Z.B. bin ich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in weitere Bewerbungsrunden vorgedrungen. Aber als ich dem (inoffiziellen) Rat, doch besser in die Partei einzutreten, nicht folgte, flog ich in letzter/vorletzter(?) Instanz raus. Natürlich nicht mit dieser Begründung, sondern dass man sich für einen anderen Bewerber entschieden habe..., aber es stank schon gen Himmel.
Naja, dann klappte es parteiunabhängig, und ich hatte kaum finanzielle Sorgen während der Promotion.

Nach Einreichung der Diss. und vor der Disputatio gestaltete sich allerdings der Berufseinstieg schwieriger, als wenn ich intern promoviert hätte (dauerte ca. 6 Monate, und ich wollte unbedingt im Hochschulbereich bleiben). Halt nicht den berühmten Fuß in der Tür gehabt - und Stipendien-Diss-Zeit wird eben in der Regel nicht als Berufserfahrung angerechnet (auch wenn das ja möglich ist und gewerkschaftlich unterstützt wird).
Also, abwägen...
Ich glaube, heute - fast acht Jahre nach Einschreibung als Promotionsstudentin und um viele leidige Erfahrungen reicher :? :lol: - würde ich mich eher auf eine halbe Uni-Stelle bewerben und Diss zusätzlich machen. Kommt finanziell aufs Gleiche raus quasi, ist natürlich zeitlich enger und unflexibler gestrickt, aber dafür läuft man nicht Gefahr, sich zu isolieren, sondern hat kontinuierlichen Austausch mit bzw. in der Hochschule (ob nun in einem diss-relevanten Anstellungsverhältnis oder im Rahmen einer diss-fremden Stelle).
Außerdem ist die Bewerbung um ein Stipendium oft aufwendiger als für eine Doktorandenstelle :D

Viel Erfolg!
Traudel

Phia123
Beiträge: 1444
Registriert: 20.01.2015, 10:39
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 4 Mal

Re: Stipendium

Beitrag von Phia123 » 14.04.2015, 17:50

Hallo,

ich promoviere auch in den Geisteswissenschaften. Ich habe mich zu Beginn auch auf verschiedene Stipendien beworben. Das Schreiben der Exposés war sehr zeitraubend. Letztendlich bin ich überall abgelehnt worden. Ehrenamtliches Engagement zwar vorhanden, aber mit einer Abschlussnote im Master von 1,5 einfach zu schlecht :-) Trotzdem hat sich die Anstrengung gelohnt. Durch das Umschreiben und vertiefen des Exposés bin ich mir über den Ablauf meiner Studie viel bewusster geworden und konnte viele Fragen und Probleme gleich am Anfang klären.
Ich arbeite jetzt an 3 Tagen und habe zwei "freie" Tage, meine Promotionstage. Das empfinde ich immer noch als sehr anstrengend. Vollzeitarbeiten nebenher kann ich mir nicht vorstellen.
Hättest du denn die Möglichkeit deine 100% Stelle auf Teilzeit zu verkürzen, falls es mit einem Stipendium nicht klappt?
Viele Grüße

Matilda
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Stipendium

Beitrag von Matilda » 14.04.2015, 18:53

Hallo Kirschbaum,

Also ich hatte auch nur eine 1,5, aber ich habe ein sehr gutes Stipendium bekommen. Das hat mich sehr entlastet, da ich mir auch heute noch nicht vorstellen kann, wie ich das mit Vollzeitstelle und zwei Kindern anders hätte stemmen sollen. Allerdings muss ich Traudel absolut Recht geben. Der Berufseinstieg ist schwer, vor allem weil mir Berufserfahrung und die Anbindung an die Community fehlt. Also, für die Zeit der Promotion ist es wunderbar, ein Stipendium zu haben, aber hinterher kann es mitunter holprig werden.

Viel Glück auf jeden Fall, Matilda

Kirschbaum
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Stipendium

Beitrag von Kirschbaum » 14.04.2015, 20:53

Hallo zusammen - Matilda, Phia123, Traudl, Hella und Algol -

Vielen herzlichen Dank für die zahlreichen Kommentare von euch!
Ja, wie ihr schon sagt, hat alles seine Vor-und Nachteile. Ich wusste nicht, dass man sich dann freiwillig versichern muss und dass bei der Rentenkasse auch nicht angerechnet wird. Wenn das Stipendium ausläuft und man dann mit H4 da steht ist jetzt auch nicht die schönste Vorstellung. Andererseits hatte ich ne 1,0 im Abschluss und von daher hätte ich wahrscheinlich schon ganz gute Chancen, wobei mein ehrenamtliches bzw. gesellschaftliches Engagement eher dünn gesäht ist.

Ich denke, ich werde die Arbeit in Kauf nehmen und mal ein paar abschicken. Mal gucken, was dann bei rumkommt. Vielleicht werde ich auch gar nicht genommen. Trotzdem hätte ich noch ein paar Fragen...:

- Weiß von euch jemand auch, ob vlt. manche Stipendiate keine kumulative/publikationsbasierte Diss akzeptieren?
- Wieviele habt ihr im Durchschnitt abgearbeitet und welche würdet ihr besonders empfehlen?

Vielen lieben Dank.

kaegel
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Stipendium: Lohnt sich das? (SoWi)

Beitrag von kaegel » 16.04.2015, 10:57

Für die Bewerbung bei den großen Förderwerken macht es Sinn sich nicht bei allen zu bewerben. Schau einfach welche Dir von den Werten liegen.
Adenauer, Naumann und Stiftung der deutschen Wirtschaft haben einen ähnlichen Wertekanon.
FES, Böll und Böckler sind sich von den Werten auch ähnlich. Je nachdem wo Du später hinwillst geht auch die Rosa-Lux. Könnte dort bei späteren Arbeitgebern vielelicht schwieriger werden (Hören-Sagen).
Ich hab mich auch parallel beworben und das hat auch geklappt. Man muss das jeweils in den Bögen angeben und anscheinend gibt es auch einen Abgleich der Stiftungen untereinander.

Wie schon angesprochen, ist der Berufseinstieg mitunter schwerer. Aber es ist möglich nebenher zu arbeiten (5 Stunden ausserhalb der Wissenschaft) oder als Freiberufler (Verdienst um die 4000 Euro im Jahr, Stunden sind dabei egal).
Mache das so und hoffe es später ein bisschen einfacher zu haben. Manche Stiftungen bieten auch Mentoringprogramme an, die den Berufseinstieg erleichtern sollen.
Manchmal bin ich ein wenig neidisch auf die Sozialleistungen, die Uni-Angestellte haben, dafür bin ich zeitlich sehr flexibel.

ile
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Stipendium: Lohnt sich das? (SoWi)

Beitrag von ile » 07.05.2015, 16:57

Hallo Kirschbaum!

Ich weiß nicht, wie weit Du mit Deinen Unterlagen mittlerweile bist, aber ich wollte Dir auch noch einmal sagen, dass die meisten Stiftungen eine gleichzeitige Anstellung als WHK oder WiMi mit (max.) 10 Std./Wo. erlauben, sodass Du darüber versichert wärst (KV, RV) . Auch das, was monatlich netto übrig bleibt, kann sich dann eigentlich sehen lassen.
Ich wünsche Dir viel Glück!! (Ich stecke mitten im Auswahlverfahren und bin 24/7 nervös!^^)

flip
Beiträge: 1077
Registriert: 02.11.2012, 02:50
Hat sich bedankt: 2 Mal
Danksagung erhalten: 27 Mal

Re: Stipendium

Beitrag von flip » 08.05.2015, 11:42

Ohne dich in deiner anfänglichen Euphorie bremsen zu wollen: Was die Stipendiengeber erlauben ist die eine Sache. Was es dann hinterher für dich gibt, die andere. Einer 0.25% WMA-Stelle schieben schon direkt die meisten Personalabteilungen der Unis den Riegel vor. Das gleiche gilt für WHK-Stellen. Bei letzterer bin ich mir gerade auch nicht sicher, ob dadurch überhaupt die Versicherungen getragen werden. Außerdem wird das System auch irgendwo ad absurdum geführt. Da können wir ja bald anfangen, Mitarbeiter auf ein-Stundenbasis einzustellen.

Anders herum: Die Wahrscheinlichkeit eine "Zusatzstelle" zu bekommen, ist in etwa so hoch, wie eine normale Haushaltsstelle zu bekommen. Und die Wahrscheinlichkeit kennst du ja...
Kirschbaum hat geschrieben: - Weiß von euch jemand auch, ob vlt. manche Stipendiate keine kumulative/publikationsbasierte Diss akzeptieren?
- Wieviele habt ihr im Durchschnitt abgearbeitet und welche würdet ihr besonders empfehlen?

Vielen lieben Dank.
Eine publiaktionebasierte Diss kann man nicht so ohne weiteres planen, daher stelle ich mir das ziemlich schwierig vor!

Gesperrt
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag