Ingenieurpromotion Ratschläge

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Ingenieurpromotion Ratschläge

Beitrag von NeuerBenutzer » 12.04.2015, 20:28

Hallo zusammen,

ich studiere Maschinenbau im Masterstudium und bin nächstes Semester fertig. Meine Fachgebiete sind Modellierung und Simulation (angewandte Mechanik: CFD,FEM) und ich interessiere mich sehr stark für Biomechanik und Automobile. Ich möchte gerne in einem dieser Bereiche promovieren. Am liebsten möchte ich in der Industrie promovieren, da es meines Erachtens dort wesentlich effizienzer zugeht - viele Leute, die ich kenne, verbringen im Schnitt 5-7 Jahre an der Universität, um ihre Disssertation (wenn überhaupt) fertigzustellen. Von daher möchte ich eigentlich lieber in der Industrie promovieren, aber das ist kein Muss. Wenn das Thema interessant ist, gehe ich auch gerne in die Uni. Nun zu meinen Fragen:

- Wie würdet ihr vorgehen, um euch bereits jetzt für die Promotion interessant zu machen? Wo würdet ihr im Bereich der Biomechanik nach Themen suchen?
- Wie begebe ich mich möglichst effizient auf die Suche nach einem geeigneten Doktorvater? Habt ihr vielleicht gute Professoren in eurem Bekanntenkreis, die ihr mir empfehlen könntet?
- Wie ist das generell - ist die Dissertation Teil der Stelle oder muss ich sie "nach Feierabend" anfertigen und mache von 8 - 16 Uhr andere Dinge? Was habt ihr dort für Erfahrungen/Tipps?

Über eine Rückmeldung würde ich mich sehr freuen

bbb
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Re: Ingenieurpromotion Ratschläge

Beitrag von bbb » 12.04.2015, 20:59

zum Thema Biomechanik fällt mir spontan Prof. Mattheck vom KIT ein:
http://www.mattheck.de/

sein Motto für Dissertationen ist (oder zumindest war es das vor 10 Jahren): "Blut, Schweiß und Tränen". :D
Was das ggf. in der Praxis heißt, solltest Du aber selbst rausfinden. Er lehrt und forscht mit Leidenschaft, ist m. E. fachlich und didaktisch genial und auch sonst eine sehr interessante Persönlichkeit.

Ich wollte damals bei ihm promovieren, leider war die angedachte Stelle aber schon vom Institutsleiter jemand anderem versprochen, so dass es sich anders entwickelt hat.

Chris
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Re: Ingenieurpromotion Ratschläge

Beitrag von Chris » 13.04.2015, 07:37

Viele Unternehmen, gerade in der Automobilbrachne, bieten Promotionsmöglichkeiten. Ich würde dir raten gezielt bei diesen Unternehmen in den Stellenanzeigen nachzusehen. Oftmals haben sie dann bereits einen universitären Kooperationspartner. Ich warne allerdings eindringlich vor der Vorstellung man könne in der Industrie schneller promovieren; das Gegenteil ist meistens der Fall.

Etweb
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Re: Ingenieurpromotion Ratschläge

Beitrag von Etweb » 15.04.2015, 04:34

Chris hat geschrieben:Viele Unternehmen, gerade in der Automobilbrachne, bieten Promotionsmöglichkeiten. Ich würde dir raten gezielt bei diesen Unternehmen in den Stellenanzeigen nachzusehen. Oftmals haben sie dann bereits einen universitären Kooperationspartner. Ich warne allerdings eindringlich vor der Vorstellung man könne in der Industrie schneller promovieren; das Gegenteil ist meistens der Fall.
dem kann ich nur zustimmen. Die Prioritäten sind vollkommen unterschiedlich und im Zweifelsfall (gerade weil die Industrieforschung oft auch nicht veröffentlicht werden darf) ist man an der Uni schneller. Themenauswahl und Stelle hat sicherlich auch Einfluss.

Wenn es dir um Geschwindigkeit geht schau im Ausland, da (zb in USA) werden Leute regelmäßig nach 3-4 Jahren fertig (bei mir waren es 3,5).

Zuerst wuerde ich mal eingrenzen was du moechstest, vom Thema her. Evtl Kombi von CFD und FEM - also Fluidstrukturinteraktion? Gerade auch bei der Fluidmechanik (mein Fachgebiet, im weiteren Sinne) gibt es unheimlich viele verschiedene Bereiche in denen Forschung betrieben wird. Hier gibts ne ganz gute Uebersicht an Fluid Mechanik Lehrstuehlen in D, http://www.uni-kassel.de/fb15/ite/turbo ... en_de.html , einfach mal schauen was die so als Forschungsschwerpunkte haben.

barbara
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Re: Ingenieurpromotion Ratschläge

Beitrag von barbara » 15.04.2015, 11:38

So, aus meiner Erfahrung nach geht das in der Industrie nicht schneller, sondern langsamer! Ich jedenfalls arbeite von ca 8:00 - 20:00 Uhr an anderen Dingen, oft sogar an Wochenenden. Mir bleiben nur manche Wochenenden, der nicht vorhandene Feierabend sowie Urlaub, den ich sowieso nie nehmen kann. Der Grund dafür ist aber erfreulich: Aufgrund der ersten Ergebnisse meiner Diss - bzw ehrlicherweise aufgrund der Umsetzung dieser Ergebnisse in die Praxis - bin ich mehrfach befördert worden und ich leite nun eine Entwicklungsabteilung. Logischerweise habe ich keine Zeit mehr für meine Diss, die sehr schleppend voran geht, ich müsste hauptsächlich schreiben, Ergebnisse sind gut!

Und genau so sind meiner Meinung nach auch die Vor - und Nachteile verteilt:

--Uni: schneller, mehr Zeit, mehr fachlichen Austausch, eher schlechte Berufsaussichten in der Wissenschaft
--Industrie: langsamer, Ausgang überhaupt ungewiss, teilweise Probleme mit Betriebsgeheimnissen, aber hohe Wahrscheinlichkeit, eine Karriere einzuschlagen, während die Kollegen an der Uni um ihre unsäglichen befristeten Stellen bibbern.

Geht es Dir um die Sache (nicht den Titel) und willst Du in die Industrie: Industriepromotion, Beruf hat Vorfahrt
Willst Du in die Wissenschaft und/oder eher schnell promovieren, auch sicher abschliessen: Uni, Diss hat Vorfahrt.

Wobei Promotionsprogramme in großen Konzernen sicher anders und besser strukturiert funktionieren als meine Diss im ehemaligen Handwerks - jetzt kleinem Industriebetrieb mit 80 MA! Ich bin übrigens überhaupt nicht unzufrieden :-)

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