Veröffentlichung mit Problemen

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Lucy
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Lucy » 19.04.2015, 10:05

Traudel hat geschrieben: Möchte Eva und Koenigsportal recht geben, dass diese elitäre Ablehnung gegenüber Serverpublikationen endlich mal passé sein sollte und in der heutigen Zeit nicht angemessen ist. Ich selbst bin bei weitem nicht stolz darauf, dass diese "zweite Klasse"-Ansicht in meinem (recht konservativen geisteswiss.) Fach fortbesteht und auch mich beeinflusst hat.
Revolution, Freunde!
LG
Danke! Ganz genauso empfinde ich es jetzt. Ich will natürlich wahrgenommen werden, anerkannt werden (wer nicht?) und mir in meinem Fach einen Namen machen. Aber wenn alle Kollegen und Kolleginnen zähneknirschend die angeblich dafür nötigen Quälereien auf sich nehmen und niemand sich traut, nein zu sagen und den (wirklich!) vernünftigeren Weg zu gehen, wird sich auch nie etwas ändern. Ich entscheide mich also hiermit für den Uni Server.

Übrigens, falls es interessiert: Ich habe inzwischen die Imprimatur, und der Verlag mit der Institutsreihe hat mir auch ein Kostenangebot gemacht. Es liegt vergleichsweise im Rahmen; es ist also nicht das finanzielle Argument, das ausschlaggebend war. Eher das ziemlich bittere Gefühl, auf die Gnade der Professoren angewiesen zu sein, dankbar sein zu müssen, dass ich in die renommierte Reihe aufgenommen werde, obwohl ich (extern, falsches Alter, falscher "Stallgeruch"...) sowieso nie zum "Inner Circle" gehören werde...

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Koenigsportal
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Koenigsportal » 19.04.2015, 10:17

Super! Finde ich eine gute Entscheidung.
Wenn Du doch noch ein Buch haben willst: Es gibt gute Book on Demand-Anbieter. Epubli gehört z.B. zur Holtzbrinck-Gruppe und dort veröffentlichen auch Profs. Ich habe den Eindruck, dass man auch bei den renommierteren Verlagen selbst Werbung für sein Buch machen muss. V&R unipress hat z.B. Tipps für die Autoren zur Vermarktung auf deren Internetseite. Aber wenn man sowieso alles selbst machen oder zumindest unterstützend mitwirken muss, kann man das auch gleich selbst in die Hand nehmen.
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Traudel » 19.04.2015, 10:20

Liebe Lucy,

herzlichen Glückwunsch zur Druckfreigabe und zur couragierten Entscheidung! Wahrscheinlich ist schon durch das sich-entschieden-Haben eine Last von Deinen Schultern gefallen, gell?
Schön, dass das Forum Dich bestärken konnte. Vom gesparten Geld kannste Dir nun einen schönen Urlaub gönnen 8)
Viel Erfolg weiterhin und alles Liebe,
Traudel

Lucy
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Lucy » 19.04.2015, 10:44

Traudel hat geschrieben:Liebe Lucy,

herzlichen Glückwunsch zur Druckfreigabe und zur couragierten Entscheidung! Wahrscheinlich ist schon durch das sich-entschieden-Haben eine Last von Deinen Schultern gefallen, gell?
Schön, dass das Forum Dich bestärken konnte. Vom gesparten Geld kannste Dir nun einen schönen Urlaub gönnen 8)
Viel Erfolg weiterhin und alles Liebe,
Traudel
GENAU!!! :prost:

Etweb
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Etweb » 24.04.2015, 17:04

Ahoi,

ich habe im angloamerikanischen Raum promoviert und die Uniserverpublikation (manchmal in Kombination mit ProQuest on demand) ist hier absolut Usus. Von daher wunder ich mich schon sehr wieviel die Leute hier alles ausgeben wollen damit was gedrucktes irgendwo in ner Ecke verstauben tut. Ich würde das so schnell und günstig wie möglich abschliessen und dann meine Zeit eher in Zeitschriftenpubliaktionen investieren. Davon hat man dann doch als Wissenschaftler wirklich mehr - und kostet oft auch nichts.

Gruss
T

Lucy
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von Lucy » 29.04.2015, 09:45

Es gibt neue Entwicklungen. Und wieder schlaflose Nächte und Grübeln: Was mache ich nun?
Der o.g. Verlag hat mir mitgeteilt, ich könne ruhig zunächst online veröffentlichen auf dem Uni Server, sie haben nichts dagegen, dass ich trotzdem in der renommierten Reihe des Instituts erscheine. Damit hätte ich nicht gerechnet!
Nun kann ich mir überlegen, ob ich die ca. 3000 Euro in meinen zukünftigen guten Ruf investieren möchte. Bedingung wäre aber die Umarbeitung des Buches nach Maßgabe der ominösen Richtlinien. Die stoßen mir sauer auf (s.o.). Aber vernünftigerweise sollte man Entscheidungen nicht nach emotionalen Gesichtspunkten fällen, sich schon gar nicht von Gefühlen wie Bitterkeit oder Selbstmitleid leiten lassen. Was also tun? Wenn ich sage, ich pfeife auf eure Reihe und mache Books on demand, muss ich mir dann vielleicht nächstes Jahr vorwerfen, eine Chance vertan zu haben?

itsme
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Re: Veröffentlichung mit Problemen

Beitrag von itsme » 29.04.2015, 10:18

Lucy hat geschrieben: Aber vernünftigerweise sollte man Entscheidungen nicht nach emotionalen Gesichtspunkten fällen, sich schon gar nicht von Gefühlen wie Bitterkeit oder Selbstmitleid leiten lassen.
Warum nicht? Bei Licht betrachtet erfüllt die Publikation in einem renommierten Verlag doch nur einen Zweck: Sie soll dir Freude machen, niemandem sonst. Und daran ist doch nichts Schlechtes, denn wer geht schon ein so kräfteraubendes Vorhaben wie eine Dissertation an, wenn am Ende nicht persönliche Zufriedenheit steht? Vielleicht hilft eine Visualisierung: Blick' ein paar Monate in die Zukunft, stell' dir vor, du hältst dein Buch in der Hand. Das Cover ist nach Verlagsvorgaben gestaltet, aber es steht dein Name und dein Thema drauf. Stell' dir den Eintrag in deinem Lebenslauf, schreib' ihn vielleicht ein Mal probeweise auf, um dir ein Gefühl dafür zu verschaffen. Und dann achte auf deine Gefühle. Was überwiegt? Der "glow", also der Stolz und die Zufriedenheit, dass du trotz Widerständen an der Verlagspublikation festgehalten hast oder empfindest du eher Frust, weil du das Gefühl hast, dass es das nicht wert war und du den persönlichen Nutzen aus deiner Diss auch ohne diese Art der Publikation hättest realisieren können?

Vielleicht hilft auch die Strukturierung des Problems, z.B. als MindMap. Einfach mal alle Varianten mit Für und Wider aufschreiben - und dabei nicht vergessen, dass die subjektive Empfindung (z.B. das Bedürfnis, die Sache jetzt zügig ad acta legen zu können, um offen für Neues zu sein) ein genauso gewichtiges Argument wie die "harten Fakten" (z.B. Kosten) ist. Ich könnte mir auch vorstellen, dass es hier Rückmeldung zu der Aufstellung gibt. Vielleicht kannst du auch ausgehend von den bereits vorhandenen Alternativen neue Optionen entwickeln. Wäre es denn z.B. eine Möglichkeit einfach offen zu sagen, dass du zwar gerne in der Institutsreihe veröffentlichen würdest, aber die Kosten dafür persönlich nicht tragen kannst (denn auch ob man sich etwas leisten will oder kann, ist eine eher subjektive Sache ...). So können andere (DV?) vielleicht Vorschläge machen, wie man die beiden Seiten (dein Interesse an einer guten Publikation, Interesse des renommierten Verlags an guten Arbeiten) vereinbaren kann. Im Moment läufst du ein bisschen Gefahr, dir die Freude an deiner Diss durch den belastenden Entscheidungsprozess selbst zu schmälern - vielleicht hilft es einen Zeitraum festzulegen, in dem du dich noch mit Entscheidung plagen möchtest. Dann ist aber eine Deadline notwendig, um die Sache (die Entscheidung, nicht die Publikation) zu einem Abschluss zu bringen.

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