Chancen auf wissenschaftliche/ Promotionsstelle

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Chancen auf wissenschaftliche/ Promotionsstelle

Beitrag von acent » 27.03.2015, 02:51

Halloechen,
Vielleicht kann mir ja jemand weiterhelfen. Ich lebe seit 15 Jahren in den USA und habe hier auch mein Master Studium in Psychologie abgeschlossen. Das ist jetzt schon einige Zeit her, und weil es ein eher Praxis-orientiertes Studium war, musste ich auch keine Diplomarbeit/ Thesis schreiben, sondern Praktika und Internships belegen (aber eine renomierte Uni...). Etwas spaeter habe ich dann die Moeglichkeit wahrgenommen als Quereinsteiger in den Lehrerberuf einzutreten. Seit einigen Jahren denke ich darueber nach zu promovieren. Das waere hier in den USA kein Problem, auch wenn mann nicht eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen hat. Ich wuerde aber gerne versuchen, in Deutschland wieder Fuss zu fassen. Habe ich da ueberhaupt Chancen mit Ende 30 und nicht-akademischer Karriere eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin zu bekommen? Ich habe hier in den USA 8 Jahre unterrichtet - die letzten 3 Jahre in der Sonderpaedagogik. Weil auch in Deutschland Inklusion ein aktuelles Thema ist, wuerde ich gerne in diesem Gebiet arbeiten.
Was sagt ihr? Keine oder geringe Chancen Fuss zu fassen?
Wenn ja, kann mir jemand ein paar Tipps geben was ein 2-seitiges Expose angeht? Ich habe hier schon 'research-proposals" geschrieben, aber die ueberstiegen 2 Seiten bei Weitem. Ich hab' da gar keinen Plan wie ich das in 2 Seiten formulieren kann. Mein 'akademisches' deutsch laesst wohl auch zu Wuenschen uebrig - in Englisch koennte ich das im Schlaf hinkriegen...
Vielen Dank schonmal im Vorraus!
Anja

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Zwonk
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Re: Chancen auf wissenschaftliche/ Promotionsstelle

Beitrag von Zwonk » 27.03.2015, 08:46

Hallo acent,

ehrlich gesagt würde ich Deine Chancen schlecht einschätzen. Wie es mit Deinem etwas unorthodoxen Abschluss aussieht, kann ich nicht beurteilen, das handhabt bestimmt jedes Prüfungsamt anders, aber wie ich Dich verstehe strebst Du eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin an. Und da halte ich es für unwahrscheinlich, daß man jemanden mit Ende dreißig einstellt, der länger als 15 Jahre vom deutschen Unibetrieb weg ist.

Größere Chancen hättest Du als externe Doktorandin, aber ob das möglich ist, hängt natürlich davon ab, ob Du eine Literaturarbeit schreiben willst oder ob Du irgendwelche Labore etc. brauchst. Und vor allem müßtest Du dann halt nebenbei irgendwo arbeiten. Als Anker für die "Repatriierung" würde ich jedenfalls nicht auf die Uni bauen :?

PS. Das mit dem Englisch wäre hingegen unproblematisch. Freunde von mir haben ihre Diss in der Psychologie kumulativ geschrieben und die Artikel waren auch alle auf englisch.

itsme
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Re: Chancen auf wissenschaftliche/ Promotionsstelle

Beitrag von itsme » 27.03.2015, 08:51

Hallo über'n großen Teich!

Zu deinen Chancen im deinem speziellen Gebiet kann ich wenig sagen, da kommt es zu sehr auf die Disziplin und die Regelungen der einzelnen Uni an. Es gibt Universitäten, die haben ein "fast track" für besonders begabte Leute mit Bachelor - damit wäre es formal möglich, dass du mit einem nicht-forschungsorientierten Master die Promotion aufnimmst. Probleme könnte es allerdings geben, weil andere Unis in den Promotionsordnungen und Stellenbeschreibungen wiederrum voraussetzen, dass man 300 CPs aus einem "einschlägigen" Studium mitbringt - und das setzt ein konsekutives, fünfjähriges Studium mit B.A./B.Sc. und M.A./M.Sc. im gleichen Fach voraus (ist rechtlich vielleicht sogar nicht ganz einwandfrei, weil diese auf den deutschen Markt zugeschnittene Forderung wahrscheinlich nicht mit den Regelungen zur Personenmobilität und zum Binnenmarkt in der EU vereinbar ist, aber so weit ich weiß, wurde das bislang gerichtlich noch nicht angefochten). Tückisch ist hier auch die Vergütung: Die entsprechende Tarifgruppe (TV-L 13) wurde schon verweigert, wenn man einen einjährigen, nicht-konsekutiven Master gemacht hat. Sie wurde sogar schon verweigert, weil der Betroffene entweder FH-Diplom und Promotion oder Bachelor und Promotion gemacht hat - der Text des Tarifsvertrags ist da wirklich blöd formuliert. Aber diese Regelungen betreffen alle Probleme, die du angehen kannst, wenn du eine Betreuungszusage hast. Kannst du vielleicht auf Publikationen (auch in anwenderorientierten Medien) verweisen? Und es muss gesagt werden (weil vllt. auch ein potentieller Betreuer diesen Punkt im Hinterkopf behält): Wie soll es nach der Promotion weitergehen? Eine "klassische" wissenschaftliche Laufbahn, die in eine Professur mündet, wird mit dem Alter immer schwieriger, nicht zuletzt weil es Altersgrenzen für verschiedene Förderprogramme und die Verbeamtung gibt. Und anders als in den USA und GB hat sich in D die "senior researcher"-Kategorie noch nicht nicht etabliert. Die derzeitigen Befristungsregeln lassen den längerfristigen Verbleib an Uni ohne Professur nicht zu (auch wenn sich da vllt. gerade ein bisschen was ändert).

Wg. des Proposals: Mir hat mal jemand gesagt, dass es hilft, zu jedem Zeitpunkt und wirklich immer das eigene Forschungsvorhaben in fünf Minuten beschreiben zu können - selbst wenn man dich nachts weckt. Wenn du empirisch arbeitest, kann sich das proposal am Format wissenschaftlicher Abstracts orientieren (dem IMRaD-Design: Introduction - Methods - Research - Discussion, für jeden Punkt nicht mehr als ein bis drei Sätze). Da du natürlich noch keine Ergebnisse haben kannst, geht es mehr darum herauszuarbeiten: Was willst du herausfinden? Warum ist das wichtig? Warum ist das neu? Wie willst du das Thema bearbeiten (--> Methode)? Welche Ergebnisse erwartest du? Und vielleicht auch: Wie passt das zum Forschungsschwerpunkt der Abteilung/Professur, bei der du dich bewirbst. Es nervt vielleicht ein bisschen, das eigen Forschungsvorhaben so schematisch und reduziert betrachten zu müssen, aber schult ungemein. Und wegen dem wissenschaftlichen Deutsch: Kein Problem, schreib' einfach in Englisch - die Sprachkenntnis und die Auslandserfahrung sind "assets", die du offensiv einsetzen kannst und solltest. Gutes Gelingen! :blume:

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