lange u schlechte Breuung der DA

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Leila
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lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Leila » 13.03.2015, 14:28

Liebe Kollegen und Mitstreiter,

ich erbitte euren Rat und eure Tipps:
Seit 2009 bin ich Doktorandin an einem Institut in der Schweiz. Es begann mit einer halben befristeten Stelle am Institut für 2 Jahre.
In dieser Zeit habe ich alle Versuche bezüglich meiner DA, meine Promotionsprüfung und meine erste komplette Papierversion abgeschlossen. Ein Jahr später erfolgte die Publikation, die allerdings meine Betreuung als Erstautor bekommen hat, da sie diese für ihre berufliche Karriere benötigte (habe ihr zuliebe darauf verzichtet). Mittlerweile arbeite ich in meinem Beruf in Deutschland. Es sind nun sechs Jahre vergangen und ich bin immer noch nicht promoviert. Dies ist dahingehend sehr bedauerlich, da ich mich "wie am langen Arm verhungert fühle". Meine Betreuungsperson korrigiert nur ca. 2-3 mal im Jahr meine verbesserten Versionen. Der Rest der Zeit liegt meine DA unbeachtet auf ihrem Tisch/PC rum. Mittlerweile sind 6 Jahre vergangen und ich finde dies unverhältnismässig lange. Ich brauche den Titel für meine berufliche Situation. Ich zahle seit 12 Semestern schweizer Semestergebühren. Ich leide auch emotional an der Situation, da ich endlich fertig werden möchte. Ausserdem muss ich immer wieder umschreiben, da in einem halben Jahr sich in meinem Gebiet wissenschaftlich viel ändert und meine ursprünglichen Quellen veraltet sind. Eine Sisyphusarbeit!

Wie bekomme ich meine Betreuung dazu endlich die Da zu akzeptieren bzw schnell fertig zu korrigieren um sie beim Professor einzureichen?
Mein Professor verweist mich auf meine Betreuerin.

Bin froh um jeden Tipp/Gedankengang und danke euch schon mal im vorraus!

LG Leila

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itsme
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von itsme » 14.03.2015, 10:58

Leila hat geschrieben: Ein Jahr später erfolgte die Publikation, die allerdings meine Betreuung als Erstautor bekommen hat, da sie diese für ihre berufliche Karriere benötigte (habe ihr zuliebe darauf verzichtet).
:shock: :? :cry: :roll: :x :lol: :trost: <-- Meine Emotionen in der exakten Reihenfolge, die ich beim Lesen empfunden habe.

Wirklich? DU HAST DEINE DISS ABGETRETEN??? Sorry, aber bei der Geschichte musste ich zuerst an das tale-telling heart von Edgar Allan Poe denken: Deine Betreuung hat da eine fette Leiche im Keller und versucht sich jetzt durch exzessive Prokrastination der psychischen Belastung zu entziehen.

Ich würde dir wahnsinnig gerne helfen, kenne aber die Promotionsbedingungen in den CH nicht - kann man die deutschen Regelungen analog anwenden? Warum ist das "Okay" der Betreuung überhaupt notwendig, kannst du nicht direkt beim Professor abgegeben? Ansonsten helfen wohl nur die üblichen Ratschläge: Vielleicht kannst du Beratungsstellen an der Uni kontaktieren, insbesondere auch - da du ja Studiengebühren zahlst und deswegen wohl auch immatrikuliert bist, die studentische Selbstverwaltung. Ansonsten würde ich hier in D die DFG empfehlen, die als Schiedstelle für wissenschaftliche Zweifelsfälle und - explizit nach Aufgabenbeschreibung für die Ombudsleute - auch für Betreuungsmängel fungieren kann. Alles Gute und viel Kraft. :blume:

Sapphirine
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Sapphirine » 14.03.2015, 16:15

Nein, ich glaube nicht, dass Leila ihre (ich nehme jetzt mal an du bist weiblich) Diss abgetreten hat. Sie schreibt eine kummulative Arbeit und hat die erste Publikation ihrer Betreuerin als Hauptautorin überlassen.
Das ist ethisch überhaupt nicht korrekt von deiner Betreuerin und es wäre auch dein Recht gewesen, dich dagegen zu wehren. Ob du es jetzt noch anfechten kannst, weiß ich nicht. Wahrscheinlich sowieso nicht, wenn du die Promotion noch irgendwie abschließen willst, weil du dazu ja anscheinend diese Betreuerin brauchst.
Die einzige Methode, die mir einfällt wäre konsequent zu nerven. So wie du die Dinge beschreibst, scheinst du eher zurückhaltend zu sein und abzuwarten aber ich glaube damit wirst du leider nicht weiterkommen. Kontaktiere die Betreuerin und den Professor in regelmäßigen Abständen und erinnere sie daran, dass du deine Promotion abschließen möchtest (das kann man ja bestimmt aber doch in umgänglichem Ton machen).
Ansonsten: gibt es keine höheren Instanzen, die du kontaktieren könntest. Beispielsweise den Instistutsleiter oder Fachbereichleiter. Es muß doch auch im Interesse der Uni sein, dass du fertig promovierst. Du bist immer noch an der Uni eingeschrieben - gibt es da keine Stelle, wo du nachfragen könntest ob sie dir einen Rat hätten?
Diese Situation ist total zermürbend - kann ich so gut nachvollziehen, da ich eine ähnliche Situation hatte. Bei mir hat letztendlich geholfen, dass ich ziemlich viele Leute angeschrieben hatte und irgendwer muss dann auf meinen Betreuer eingewirkt haben und es hat dann doch noch geklappt. Ich wünsch dir alles Gute, viel Durchhaltevermögen und das nötige Glück, dass es doch noch irgendwie klappt. Halt durch!

Leila
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Leila » 15.03.2015, 12:50

Vielen lieben Dank schon mal für die Antworten! :)
@ Itsme: Mittlerweile sehe ich es auch als Fehler an, meine Publikation abgetreten zu haben. Mein Gedankengang damals war einfach:
"Eine Hand wäscht die andere": Wenn ich meiner Betreuung dies überlasse, dann korrigiert sie mir schnell meine Diss. Ich war zu gutgläubig und bin einfach davon ausgegangen, dass andere Menschen auch eine ähnliche ethische Einstellung wie ich haben...rückwirkend kann ich da jetzt leider nichts mehr machen...

@Sapphirine: Dass ich in der Schweiz promoviert habe, verkompliziert natürlich alles. Das kam jetzt in der Darstellung nicht so rüber, aber es gab schon Zeiten, da hab ich meiner Betreuung vorsichtig Druck gemacht. Leider ging das nach hinten los, oh Ton: "Ich lass mir doch von einer kleinen Doktorandin nicht sagen, wann ich was zu korrigieren habe. Jetzt mach ich erst recht nichts." Wenn ich wieder verständlich bin und abwarte passiert aber auch nichts. Zwischenmenschlich ist es sehr schwierig geworden. Auch persönliche Gespräche (von mir Fahrt in die Schweiz) haben diesbezüglich nichts gebracht. Wenn ich mich dankbar zeige und ihr zum Beispiel Pralinen ins Fach lege, kommt auch überhaupt keine Reaktion. Es ist sehr frustrierend.

Ich bin mir halt auch unsicher was passiert, wenn ich ans Dekanat (Leitung der Uni) wende. Gefahr ist gross, dass meine Betreuung dann erst recht dicht macht und gar die ganze Diss hinschmeisst. Ausserdem "klüngeln" ja alle an der Uni irgendwie zusammen. Deshalb kann ich mich auch nicht direkt an die Professur wenden, da "best friend" mit Betreuung. Es gibt keine Schlichtungsstelle oder unparteiische Stelle an der Universität.

Von einigen Freunden kam jetzt der Rat einen Anwalt einzuschalten oder meiner Betreuung mit diesem erstmal zu drohen. Ich weiss nicht ob dies der richtige Weg ist und ich habe natürlich, unabhängig von den vielen hohen Kosten, auch Angst vor der hohen emotionalen Belastung und am Ende die Diss ganz zu verlieren. Aber so wie es jetzt ist kann es ja auch nicht weitergehen, denn dann bin ich in 10 Jahren immer noch nicht fertig. Ich fühle mich sehr hilflos und ausgenutzt.

Wer hat noch eine Idee?

Vielen Dank!

Leila

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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von algol » 15.03.2015, 14:40

kannst Du zu einem/ einer Prof in D wechseln?

Leila
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Leila » 15.03.2015, 16:09

Hallo Algol,

hmmmmm interessante Idee! Hab ich noch gar nicht drüber nachgedacht. Da aber laut meinem Vertrag alle wissenschaftlichen
Daten der Uni in der Schweiz gehören, wird es (denke ich) nicht bzw. nicht so einfach möglich sein. Auch ergibt sich die Frage: Was hat der neue Professor davon mich zu nehmen, da die relevanten Ergebnisse schon lange publiziert sind.

Danke für die Anregung, ich behalt es mal im Hinterkopf!

LG Leila

itsme
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von itsme » 15.03.2015, 17:21

Leila hat geschrieben:Vielen lieben Dank schon mal für die Antworten! :)
@ Itsme: Mittlerweile sehe ich es auch als Fehler an, meine Publikation abgetreten zu haben. Mein Gedankengang damals war einfach:
"Eine Hand wäscht die andere": Wenn ich meiner Betreuung dies überlasse, dann korrigiert sie mir schnell meine Diss. Ich war zu gutgläubig und bin einfach davon ausgegangen, dass andere Menschen auch eine ähnliche ethische Einstellung wie ich haben...rückwirkend kann ich da jetzt leider nichts mehr machen...
Kann ich verstehen - wenn man von außen draufguckt, dann erscheint manches so klar (eine Freundin von mir hat z.B. relativ früh' über meinen DV gesagt, dass man mit dem nicht zusammenarbeiten könne - und damit den Nagel auf den Kopf getroffen), aber wenn man drinsteckt, sieht alles ganz anders aus. Einen Vorteil hat die Situation: Es ist nicht zu erwarten, dass sie dir eine schlechte Note reinwürgen - denn die eigene Publikation kann man kaum verreißen. Aber es hilft alles nix, du musst mit der Sache "raus": studentische Selbstverwaltung, Dekanat, Promotionsausschuss (?), Vorgesetzter der Betreuung - du musst mit jemandem reden, der Ahnung vom Schweizer Unibetrieb hat und dir die Ansatzpunkte nennen kann. Das ist schwierig, wenn es so einen völligen Kommunikationsabbruch zwischen dir und der Betreuung gegeben hat, aber lass' dich nicht von deinen schlechten Erfahrungen täuschen: Auch wenn du Grund zum Misstrauen hast ("Ist doch alles eine Blase, glucken doch alle zusammen, alles Gesocks!"), lass' dir die Gelegenheit nicht entgehen, positive Erfahrungen zu machen. Kannst du die Problematik vllt. erstmal für dich aufbereiten, mit Stichpunkte und dabei darauf achten, als ersten Weg eher die Suche nach Ratschlägen statt die Konfrontation einzuschlagen? Wenn du vllt. mit dem Professor redest und dabei darauf achtest, weniger Vorwürfe gegen die Betreuung ("Die pennt!") und mehr deine eigene Situation ("Ich möchte abschließen.") in den Fokus zu rücken?

Leila
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Leila » 15.03.2015, 20:39

Hallo Itsme,

vielen Dank für dein Mitdenken und fühlen :-).
Professor fällt aus da "best friend" mit Betreuung und ich ihn auch schon oft auf cc setze, wenn wir Korrekturen austauschen. Letztens habe ich meine Betreuung gefragt, ob denn nicht mal ein Teil der Diss schon mal an den Prof gehen könnte. Geht natürlich aus ihrer Sicht nicht. Aber da hätte sich der Prof ja auch einschalten können, hätte er das gewollt.
Dekanat wäre eine Möglichkeit auch wenn ich weiss, dass das sofort bei meiner Betreuung landet und sie höchst beleidigt sein wird und evtl total blockiert.
Gibt leider wie in Deutschland in der Schweiz keine Doktorandenvertretung und die kostenlose rechtliche Beratung von Studenten wurde abgeschafft.
Habe nun eine Stelle "Konfliktberatung für Promovierende" an der Uni gefunden und als nächsten Schritt werde ich mich mit denen mal in Kontakt setzen.
Danke für deine Anregung alles etwas positiver darzustellen. :D

Werde hier mal berichten wie es weiterging. Vielleicht können es auch andere gebrauchen.

Schönen Sonntagabend allerseits!

Leila

itsme
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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von itsme » 16.03.2015, 07:52

Leila hat geschrieben: Letztens habe ich meine Betreuung gefragt, ob denn nicht mal ein Teil der Diss schon mal an den Prof gehen könnte. Geht natürlich aus ihrer Sicht nicht. Aber da hätte sich der Prof ja auch einschalten können, hätte er das gewollt.
Hmmmm ... sehe ich nicht so. Wenn er die E-Mail cc erhält, ist das eher so ein "FYI". Du weisst noch nicht mal, ob er sie gelesen hat. Es ist schon etwas ganz anderes, wenn du ihn direkt kontaktierst und um Unterstützung in einer verfahrerenen Situation bittest. Dieses vermeintliche "best friends" ist an Unis auch so eine Sache. Als der Konflikt mit meinem DV eskalierte, sind ganz viele Kollegen direkt vom Hocker gefallen, weil die immer dachten, wir könnten richtig gut miteinander - während ich eher das Gefühl hatte, mich in den letzten Jahren bei dem Drahtseilakt gleichzeitig in einem gewissen Rahmen Kritik zu äußern und einen freundlichen Umgangston beizubehalten, ausgebrannt zu haben. Wegen des Dekanats: Ich denke, es sollte kein Problem sein, dort deutlich zu machen, dass es erst mal um die Suche nach Rat geht und um Diskretion zu bitten. Ich kenne diese Befürchtung, eine Dynamik loszutreten, die man dann nicht mehr überschauen kann (geht vermutlich auch AN so, die sich an den Betreibsrat oder die Personalabteilung wenden wollen) - aber was ist die Alternative? Wenn du nicht tätig wirst, dann kann sich das noch Jahre ziehen und das wird dich erst recht fertig machen. Da könnte es besser sein, wenn du weisst, woran du bist, z.B. weil das Dekanat zu dem Schluss kommt, dass es ohne eine Rechtsanwalt nicht geht.

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Re: lange u schlechte Breuung der DA

Beitrag von Zwonk » 16.03.2015, 22:33

@Leila: Ich bin mir immer noch nicht im Klaren darüber, ob Deine Publikation nun was mit der Diss zu tun hat, oder ob das was ganz Unabhängiges ist. Wie auch immer, mir scheint sich die Sache gar nicht als so ein starkes Machtgefälle von der Betreuung zu Dir darstellen. Nach meiner Auffassung hat die Betreuung ja mit dieser Publikation einen ganzen Blauwalkadaver im Keller.

Es sieht doch so aus: Sie kann Dir keinen zusätzlichen Ärger machen - da sie die Diss ja bis jetzt auch nicht korrigiert hat, ändert sich für Dich nicht allzu viel, wenn das noch länger dauert. Du hingegen kannst ihr gewaltigen Ärger bereiten, den sie im Moment eben nicht hat.

Natürlich sollte das nicht auf Erpressungen oder ähnliches hinauslaufen, aber ich finde, daß Du Dich an dem Gedanken zumindest seelisch etwas aufrichten kannst, wenn es nochmal zu einer unangenehmen Gesprächssituation kommt.

Bis dahin wünsche ich Dir aber erstmal viel Erfolg bei der Doktoranden-Konfliktberatung :blume:

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