Danksagung - wem alles danken?

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Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 10.01.2015, 18:08

Hallo,

ich frage mich, wie weit ich in meiner Danksagung Personen danken soll, die in irgendeiner wissenschaftlich relevanten Weise etwas zur Diss. beigetragen haben. Konkret geht es um Leute, die unveröff. Material zur Verfügung gestellt haben, persönliche Erinnerungen notiert oder erzählt haben, beim Transkribieren geholfen haben usw. Es geht nicht um private Freunde oder Bekannte, sondern um Leute aus dem wissenschaftlich-künstlerischen Bereich. Ich finde das nicht selbstverständlich, dass die sich Zeit genommen und Mühe gemacht haben, auch wenn es das im Sinne der Forschung sein mag.
In vielen Danksagungen gibt's z.B. Dank an Galerien, Künstler usw. für die Bereitstellung von Fotos o.ä. Dank an Erben oder Familie u. Freunde von "Forschungsobjekten" für die Bereitstellung von Manuskripten, Erinnerungen usw. sehe ich dagegen seltener.
Ich finde es schwierig, die Balance zwischen Name-Dropping und Missachtung zu finden :wink:
Vielleicht hat der eine oder andere ja einen Tipp oder schildert, wie er/sie das gelöst hat.

Ich danke :wink:
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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Zwonk » 10.01.2015, 21:04

Schwierig sowas. Ein formales Kriterium habe ich auch nicht gefunden und ich bin mir alles andere als sicher, daß ich die optimale Danksagung geschrieben habe. Ich habe mich da eher kurzgefasst. Dank geht an:

1. Alle, die auch offiziell mit dem Promotionsverfahren betraut waren (DV, ZG etc.)

2. Stellvertretend den Sprecher der Institution, bei der ich promoviert habe

3. Meinen ersten DV, von dem ich weggewechselt bin

4. Professoren, die im Kontext meiner Institution meinen Einladungen zu Tagungen gefolgt sind

5. Meinen HiWi

6. 3-4 andere Leute, die einen eindeutig identifizierbaren Gedanken zur Diss beigesteuert haben

7. Die Stiftung, die mir Beihilfe zum Druckkostenzuschuss gewährt hat

Insgesamt umfasst die Danksagung eine Seite. Gestrichen aus meiner ersten Fassung wurden eigentlich alle, deren Leistung sich auf "haben mit mir mal über das Thema geredet" beschränkt. Die lädt man lieber auf ein paar Bier ein. Familie, Freunde etc. kommen auch nicht vor. Und natürlich gibts erst recht keine Einlassungen wie: "Insbesondere danke ich meinem Goldfisch Blubbi dafür, daß er mich auch in der Nacht ruhig arbeiten lies und mich nie durch unangemessenes Gebrüll abgelenkt hat." :?

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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 10.01.2015, 23:03

@Zwonk: Danke Dir. Ja, ähnlich sachlich will ich es auch halten, obwohl auch Familie und Freunden wohl in einem kurzen Satz gedankt wird. Bei meinem Problem geht es wohl um die Gruppe 6 bei Dir. Waren das denn bekanntere Leute in der Szene oder darüber hinaus? Da ich denen auch in den Anmerkungen schon teilw. gedankt habe, werde ich sie wohl in die Danksagung 'reinnehmen (und sie dann evtl. aus den Fußnoten wieder 'rausnehmen :? ) Allerdings will ich lieber nicht nicht alle aufnehmen, die mal einen Gedanken beigesteuert haben, das würde dann doch zu sehr ausufern bzw. teilweise sind das Leute, mit denen mich thematisch eigentlich nichts verbindet.
Hast Du allen Kommissionsmitgliedern gedankt? Ich überlege, wenigstens einen Prof. aufzunehmen, der schon emeritiert war.

Wie sieht's mit Profs. oder Dozenten aus, bei denen man studiert hat?

Du hattest einen HiWi? :shock: Und dankst ihm... Hm, sieht das nicht einen bisschen guttenbergerisch aus? Ich will Dich jetzt aber auch nicht verunsichern.
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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Zwonk » 10.01.2015, 23:31

@Koenigsportal: Ich hatte ein gewisses Budget, das für verschiedene Dinge ausgegeben werden durfte (Versuchspersonen, Labormaterial, HiWis etc.). Was ich allerdings nicht davon kaufen durfte, waren Bücher, dabei hätte ich die gebraucht. Da ich weder im Labor gearbeitet habe, noch mit Versuchspersonen befasst war, habe ich den einzigen Posten genutzt, den ich überhaupt sinnvollerweise (neben Reisekosten für Tagungen) verwenden konnte, nämlich einen HiWi anzustellen.

Der HiWi war in der Hauptsache damit beschäftigt, meine Bibliotheksgänge zu absolvieren bzw. meine täglich neuen Buchwünsche zu einer Liste zusammenzustellen und die dann nach und nach abzuarbeiten und die Bücher in mein Regal zu bringen. Außerdem hat er den Text am Ende auf Rechtschreibfehler durchgesehen. Guttenbergerei kann ich dabei nicht erkennen und auch sonst nichts Problematisches. Der Mittelantrag für meinen HiWi (auf dem auch dessen Aufgabenspektrum beschrieben war) wurde sowohl vom Leiter der Institution, bei der ich promoviert habe, als auch vom DV abgesegnet, unterschrieben und gestempelt.

Aber zurück zu Deiner Danksagung: Kannst Du dann nicht Deine Fußnoten als Kriterium nehmen? Wer wichtig genug ist, in der Fußnote zu stehen, der kommt auch in die Danksagung?

Allen Kommissionsmitgliedern habe ich nicht gedankt. Noch nichtmal dem Vorsitzenden. Den habe ich zum ersten Mal beim Rigorosum gesehen und da kann ich nicht sehen, wieso der zur Entstehung der Diss beigetragen hat. Profs und Dozenten, bei denen ich studiert habe, stehen auch nicht in der Danksagung. Meiner Auffassung nach geht es bei der Danksagung nur darum klar zu machen, wer bei der Entstehung des konkreten Textes irgendwie von Bedeutung war, nicht, wer irgendwie im Laufe der Unikarriere für einen wichtig war.

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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 11.01.2015, 00:13

Zwonk hat geschrieben: Allen Kommissionsmitgliedern habe ich nicht gedankt. Noch nichtmal dem Vorsitzenden. Den habe ich zum ersten Mal beim Rigorosum gesehen und da kann ich nicht sehen, wieso der zur Entstehung der Diss beigetragen hat. Profs und Dozenten, bei denen ich studiert habe, stehen auch nicht in der Danksagung. Meiner Auffassung nach geht es bei der Danksagung nur darum klar zu machen, wer bei der Entstehung des konkreten Textes irgendwie von Bedeutung war, nicht, wer irgendwie im Laufe der Unikarriere für einen wichtig war.
Naja, aber ohne gewisse Leute wäre ich nie zum Thema oder zu der Methode gekommen. Das kann man ja durchaus wertschätzen. Ich finde es eine gute Gelegenheit sich gerade für die scheinbar nebensächlichen Dinge zu bedanken.

Guttenbergerei wollte ich Dir auch nicht unterstellen, ich fragte mich nur, ob ein Leser das so auffassen könnte. (Wenngleich ich die Situation schon ganz schön priviligiert finde. Was das ein Stipendium? Habe noch nie gehört, dass Laborgelder etc. für Themen vergeben werden, für die sie gar nicht verwendet werden können.

Ich habe übrigens in mehreren Dissertationen ganz schlichten Dank gefunden à la "Mein Dank an: (Namensliste)".
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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Poppy » 11.01.2015, 11:18

Ich bin auch gerade dabei die Danksagung zu schreiben. Dabei werde ich zunächst den Menschen danken, die ich interviewen durfte; dann meinen zwei Gutachterinnen; der Interpretationswerkstatt, in der ich auch mein Material vorstellen durfte; dem Forschungskolloquium meines Fachgebietes, meinen Korrekturleser_innen; der Lektorin für die Publikation; meiner Stiftung für die Finanzierung durch ein Stipendium, dem Verleger; dann folgen noch zwei besondere Danksagungen, eine an eine befreundete Kollegin, die viel inhaltliches Feedback geben hat und dann auch meinem Mann, weil er mich nicht nur hat arbeiten lassen und nicht angebrüllt hat (s.o. ;) ), sondern weil er mit kritischen Nachfragen das Projekt inhaltlich begleitet hat (er ist wie ich Erziehungswissenschaftler).

Was mich noch interessieren würde: Widmet ihr jemandem das Buch?

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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 11.01.2015, 13:00

@Poppy: Danke Dir für die genaue Aufzählung :)

@Widmung: Ich werde es wohl niemandem widmen. Finde das eher zu privat und frage mich seit jeher, warum Leute ihre wissenschaftliche Arbeit z.B. ihren Babies oder Kleinkindern widmen oder Menschen, die inhaltlich gar nichts damit zu tun haben. Bei einem Roman, Gedichtband o.ä. finde ich das noch nachvollziehbar, aber nicht bei einem spezialistischen Thema. Ehrlich gesagt finde ich es sogar fragwürdig, seine Kinder mit so einer elterlichen "Bürde" ins Leben zu schicken. Die Arbeit jemand Verstorbenen zu widmen, scheint mir ebenso fragwürdig: Den-/Diejenige wird es ja nicht erfahren, da nicht mehr existent... Da gehört dann schon das entsprechende Jenseitskonzept dazu. M.a.W. eine Widmung scheint mir da angebracht, wo jemand sich grundlegend verdient gemacht hat, dass man schließlich diese Arbeit geschrieben hat (bspw. der Mathelehrer, der die Begeisterung fürs Fach gegen jegliche Widerstände geweckt hat oder ähnliches).

Grundsätzlich möchte ich in der Danksagung nicht so viel Persönliches preisgeben und daraus auch kein Rührstück machen. Kürzlich las ich erst, dass z.B. in amerikanischen Arbeiten Rückschlüsse auf den Lebenswandel bzw. die geschlechtlichen Präferenzen daraus gezogen werden (vielleicht wurde es sogar hier thematisiert?). Danke ich also explizit meinem Freund oder meiner Freundin bzw. widme ich die Arbeit dem-/derjenigen, macht sich der eine oder andere Leser seine Gedanken dazu. Mir gefällt es nicht, dass Leser aufgrund von (unter Umständen sogar falsch eingeordneten) Aussagen Urteile über mich/meinen Lebenswandel treffen oder gar die Arbeit dahin gehend auslegen könnten. Hinzu kommt, dass gerade das private Umfeld, aber auch Prof und Kommilitonen, sich eher weniger förderlich als hinderlich verhalten haben, sprich: es viel Gegenwind gab und manipulative Brocken aus dem Weg zu räumen waren. Neid, Missgunst, Konkurrenzgehabe etc. unter Kommilitonen und sogar Studienfreunden oder die Konzentration der DV-Unterstützung auf '(Zeit-)Druck machen' machen's mir zusätzlich schwer, überhaupt die geleistete Unterstützung zu sehen und zu benennen, vor allem, wenn sie keine besondere war. (Schließlich ist es der Job und nicht Goodwill des Profs Doktorarbeiten zu betreuen, der wird dafür bezahlt, das wird zu oft vergessen.) Ich sehe die Danksagung als Visitenkarte und halte mich daher an Gepflogenheiten, sprich, den Gutachtern u. a. wird brav gedankt und das eine oder andere hervorgehoben, aber im Hiinterkopf bleibt das Gefühl, dass es nur bedingt aufrichtig ist bzw. dem Positiven auch Kritik entgegen gesetzt werden könnte. Deshalb finde ich es eigentlich auch ganz schön, wenn Leute noch mal wichtige Einflüsse von Profs/Dozenten aus dem Studium benennen, denn diese Danksagungen sind irgendwie substanzieller.

EDIT: Eine Uni in den Niederlanden hat übrigens mal eine Diss. abgelehnt, weil der Doktorand Gott gedankt hatte! Erst nachdem er die Seiten aus den gedruckten Exemplaren entfernt hatte, wurde die Arbeit angenommen.
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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von myfunnyvalentine » 11.01.2015, 13:32

Poppy hat geschrieben:Was mich noch interessieren würde: Widmet ihr jemandem das Buch?
Koenigsportal hat geschrieben:warum Leute ihre wissenschaftliche Arbeit z.B. ihren Babies oder Kleinkindern widmen oder Menschen, die inhaltlich gar nichts damit zu tun haben.
Ich werde, wenn es demnächst so weit sein wird, die Arbeit wohl einem verstorbenen Elternteil als auch meiner kleinen Tochter widmen.

Sehr lustig ist die Widmung in dem Buch Moderne Satireforschung und elisabethanische Verssatire: "Für die Katz"

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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 11.01.2015, 14:28

myfunnyvalentine hat geschrieben: Sehr lustig ist die Widmung in dem Buch Moderne Satireforschung und elisabethanische Verssatire: "Für die Katz"
Das gefällt mir :D
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Re: Danksagung - wem alles danken?

Beitrag von Koenigsportal » 12.01.2015, 17:02

Ich frage mich noch immer in einigen Fällen, wo ich die Grenzen der Erwähnungen in der Danksagung ziehen soll. Denjenigen, die mir brieflich, per Mail oder telefonisch umfangreich etwas geschildert oder gar Nachforschungen angetellt haben, möchte ich danken (Zumal, wenn das auch noch für die Arbeit hilfreich war). Es gibt aber auch Leute, die mir nur Kontakte vermittelt u./o. kleinere Tipps u./o. Hinweise gegeben oder ein unveröff. Skript geschickt haben, manche davon Studienfreunde. Würdet Ihr die ebenfalls in die Danksagung aufnehmen?
Irgendwo muss ich ja eine Grenze ziehen und finde, es kann auch peinlich werden, zu viele Namen zu nennen, bei denen sich die Leute vielleicht selbst fragen, warum sie genannt werden. Denn ich kann wohl davon ausgehen, dass sich einige nicht mehr an den Kontakt erinnern.
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