Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

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Sebastian
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Sebastian » 04.03.2014, 20:38

Urs Isebrecht hat geschrieben:Ich promoviere kumulativ über Fachartikel. Laut Promotionsordnung meiner Uni muss ich drei Fachpublikation vorweisen, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben. Sämtliche meine Artikel sind in entsprechenden Fachzeitschriften erschienen. Zudem haben zwei dieser Artikel an einer CME-zertifizierten Fortbildung teilgenommen. Solche Artikel müssen erst recht begutachtet werden, da sie Teil einer ärztlichen Fortbildung sind.

Nun behauptet der ehemalige Doktorvater, der auch Herausgeber der Fachzeitschrift und Mitautor ist, solche CME-Artikel würden grundsätzlich nicht begutachtet. Das ist nachweisbar falsch, da ansonsten gegen die Fortbildungsrichtlinien der Bundesärztekammer und der Landesärztekammer verstoßen würde.
Zu dieser Frage lohnt sich evtl. ein Blick in die Promotionsordnung oder die Einholung von diskretem Rechtsrat.
Ich habe nur mal schnell eine beliebige PromO gegriffen, der dortige Wortlaut setzt z. B. nicht die tatsächliche Begutachtachtung voraus, sondern das Erscheinen in einer referrierten (peer-reviewed)-Zeitschrift.
Diese Voraussetzung wäre m.E. auch dann erfüllt, wenn die Begutachtung im konkreten Fall und ohne Kenntnis und Zutun des Autors nicht stattgefunden hätte, solange der Artikel nur tatsächlich dort erschienen ist. Ich sehe auch keinen Grund, diesen Umstand dem Autor zum Nachteil gereichen zu lassen.

Zu all dem anderen Ärger schließe ich mich den Vorrednern an und wünsche Dir das richtige Händchen und viel Erfolg! Achte auf Deine Anonymität hier!

Sebastian

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epikur
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von epikur » 04.03.2014, 23:51

Hallo Urs Isebrecht,

muss ich Deinem letzten Thread entnehmen, dass Du gar nicht den DV gewechselt hast, sondern bei dem "ehemaligen Doktorvater", zu Ende geschrieben hast???

Und den hast Du angezeigt, bevor die Tinte auf Deiner Promotionsurkunde trocken war... :shock:

Wie dem auch sei - versuche wenigstens irgendwie, Dich mit den Mitgliedern des Promotionsausschusses gut zu stellen, und zwar so schnell wie möglich, bevor der das nächste Mal tagt (bekommt man über das Sekretariat heraus, oft auch über die Institutshomepage).

Na dann viel Glück

epikur

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 05.03.2014, 09:48

...das ist alles sehr unglücklich gelaufen. Allerdings hätte ich mich strafbar gemacht, wenn ich nicht zur Polizei gegangen wäre. Daher habe ich eine Strafanzeige erstattet, jedoch nicht gegen den DV. Vielmehr habe ich einen Sachverhalt angezeigt. Es besteht kein Zusammenhang mit der Diss. Der Rest ist hier nicht am richtigen Platze...

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 05.03.2014, 09:56

...und außerdem war die Diss schon fertig, allerdings sollte ich laut DV noch einen weiteren Artikel schreiben. Da hat er sich schon nicht an Absprachen gehalten und meine Promotion blockiert.

Im Übrigen lehne ich es ab, mir für einen Titel die Finger schmutzig zu machen und bei irgendwelchen unlauteren oder sogar strafrechtlich relevanten Machenschaften mitzumachen. Da ist es mir dann egal, ob die Diss in trockenen Tüchern ist oder nicht. Was nützt es mir, wenn irgendwelche Betrügereien später rauskommen und mein Titel und mein berufliches Fortkommen beschädigt wreden. Da sollte man gleich zu Beginn reinen Tisch machen - auch wenn's dafür schon heute den riesen Ärger gibt...

Gerade habe ich gelesen, dass in der PromOrd tatsächlich steht: "Die Fachzeitschriften müssen am Peer-Reviewing-Verfahren teilnehmen."
Das kann man natürlich auch so auslegen, das eine Begutachtung nicht explizit gefordert ist. Eine Entscheidung hierüber habe ich in meiner Gegenrede dem PromAuss überlassen.

Heute kam die Nachricht, dass noch auf Stellungnahmen der Gutachter zu den Einreden und der Gegengenrede gewartet wird. Also kann ich jetzt zunächst nur Abwarten....

JohnWayne
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von JohnWayne » 05.03.2014, 10:06

Hey Urs,

Finde dein Vorgehen vollkommen richtig! Ich hab generell, dass wir Doktoranden viel zu oft aus Angst und Abhänigkeit uns vor solchen Auseinandersetzungen wegducken. Immer wieder mit dem selben Argument, dass man ja seine Diss. in trockenen Tüchern wissen will. Das Deutsche Doktorandensystem ist auch extrem veraltet und diktatorisch in diesem Zusammenhang. In fast allen sehr guten Doktorandenprogrammen gibt es deshalb mittlerweile sogenannte TACs: Thesis Advisary Committees, die als Kontrollinstanz dafür sorgen, dass der Doktorand nicht missbraucht wird, wie es leider allzu oft der Fall ist.

Deshalb bewundere ich dein Vorgehen und denke du hast alles richtig gemacht und solltest uns hier im Forum als leuchtendes Beispiel dienen. Ich selber habe schon das ein oder andere mal gezögert Probleme anzusprechen aus "Angst". Danke für deinen Beitrag und allles gute, halte uns bitte auf dem Laufenden! Wir stehen hinter dir! :blume:

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 27.04.2014, 11:06

Hallo, allerseits!

Der Vorsitzende des Promotionsausschusses Dr. phil. meiner Uni hat mir nun mitgeteilt, dass der Promotionsausschuss die Einrede meines ehemaligen Doktorvaters EINSTIMMIG abgewiesen hat. Die in meinen Augen in hohem Maße unlauteren Einwände gegen meine Dissertation sind damit offiziell vom Tisch.

Allerdings werde ich nach erfolgter Promotion (wenn nicht erneut scharf geschossen wird, wie es auch der Prom.ausschuss zu bedenken gibt!!!) eine Klage anstrengen, damit diesem Menschen endlich das Handwerk gelegt wird (dazu DFG, DGPs, Entzug der Approbation, Disziplinarverfahren...).

Bis hierhin ein schönes Wochenende und vielen Dank für eure ermutigenden Worte :-)

Urs Isebrecht

epikur
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von epikur » 27.04.2014, 14:50

Hallo Urs,

das ist wirklich mal eine erfreuliche Nachricht, die meinen Glauben an die Gerechtigkeit in der Welt der Wissenschaften wieder etwas lötet... :)

Das Sprichwort, dass "eine Krähe der Anderen kein Auge aushackt", gilt halt nur bis zu gewissen "Schmerzgrenzen" die Dein ehemaliger DV offenbar überschritten hat...! Dass sein Einspruch und der seiner Vasallin derart eindeutig und einstimmig abgelehnt wurden, ist jedenfalls ein Zeichen dafür, dass er ziemlich isoliert dasteht - und das ist natürlich nur gut so :D

Sicherlich ist zu erwarten, dass Dein DV weiterhin versuchen wird "scharf gegen Dich zu schießen" - nur dürfte ihm nicht mehr sehr viel Munition dafür bleiben...! Das einzig Denkbare und Wahrscheinliche ist, dass er versuchen wird, Dich in der Disputation fertig zu machen. Da der Promotionsausschuss jedoch auf Deiner Seite ist und, gerade unter diesen schwierigen Umständen, die Sorgfaltspflicht besitzt, eine faire, sachliche und dem Anlass entsprechend würdevolle Prüfung zu gewährleisten, wird er jedoch hoffentlich auch die Prüfungskommission entsprechend besetzen. Dann kann das für Dich zwar noch mal unangenehm werden, Dir jedoch nicht mehr das Genick brechen.

Allerdings bist auch Du gefragt, Deinen Beitrag dazu zu leisten: Bereite Dich gut darauf vor, Deine Arbeit fachlich und inhaltlich gut und fundiert zu verteidigen - und lasse Dich auf nichts Anderes ein!!! Bleibe ruhig, höflich und sachlich - und lasse Dich auf gar keinen Fall provozieren!!! Das ist leichter gesagt, als getan, da Du verständlicher Weise eine mörderische Wut im Bauch hast. Aber Du hast Dir nichts vorzuwerfen und vorwerfen zu lassen - und bist es Deiner (Doktor-) Würde schuldig, Dich auf keinerlei persönliche Schlammschlacht einzulassen, die zudem noch unangenehmer und insbesondere auch unkalkulierbarer ausfallen würde. Lasse Dich ggf. coachen.

ich freue mich für Dich und drücke Dir weiterhin die Daumen

epikur

Meggy
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Meggy » 27.04.2014, 15:03

Hallo Urs,

ganz ehrlich, ich finde das Klasse, wie Du das durchziehst und ziehe da echt meinen Hut. Epikur hat es schon schön auf den Punkt gebracht - versuche die Verteidigung mit so viel Würde und "emotionalem Abstand" zu meistern, ich drücke Dir alle Daumen dass die Prüfungskommission entsprechend besetzt wird (kannst Du da evtl. mitreden? Bei uns ist es durchaus üblich, dass der Doktorand die Prüfer/Kommission vorzuschlagen - und vorher zu fragen - hat) und das alles ein gutes Ende nimmt. :blume:

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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Zwonk » 27.04.2014, 15:23

Ich schließe mich epikur und Meggy an - schön, daß Dein Doktorrabenvater mit seiner Masche nicht unangefochten durchkommt :D

chiarakiaisabella
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Re: Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von chiarakiaisabella » 27.04.2014, 20:54

Lieber Urs,

viel Erfolg und ganz viel Kraft auch auf dem weiteren Weg! Du machst das super!
Und danke auch mal im Namen aller Doktoranden/-innen, die nach dir an diesen Typen geraten wären und die schon mit dem zu tun hatten! Ich glaube, aus deinen Zeilen kann man herauslesen, dass du wirklich für eine Gruppe von Personen sprichst und das erfordert jede Menge Mut!
Chapeau!

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