Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

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Urs Isebrecht
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Angriff auf Dissertation von ehemaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 03.03.2014, 20:12

Hallo, liebes Forum,

seit April letzten Jahres habe ich echte Schwierigkeiten mit meinem ehemaligen DV, den ich im September 2013 abgesetzt habe.

Vorgeschichte:
Aufgrund einer Strafanzeige, die ich im April erstattet hatte, wurde das Institut meines ehemaligen Doktorvaters im Dezember 2013 durchsucht und ein Ermittlungsverfahren wegen Verdacht auf Abrechnungsbetrug eingeleitet.

Ich vermute, dass nun aus Rache versucht wird, meine Promotion zu verhindern. Gegen die Dissertation, die 4 Wochen universitätsöffentlich auslag, wurden zwei Einreden eingereicht, eine von meinem ehemaligen Doktorvater, die andere von einer Gefolgsfrau. Die Gutachter haben bereits magna cum laude und cum laude bewertet.

Und jetzt wird es spannend und recht abstrus:

Ich promoviere kumulativ über Fachartikel. Laut Promotionsordnung meiner Uni muss ich drei Fachpublikation vorweisen, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben. Sämtliche meine Artikel sind in entsprechenden Fachzeitschriften erschienen. Zudem haben zwei dieser Artikel an einer CME-zertifizierten Fortbildung teilgenommen. Solche Artikel müssen erst recht begutachtet werden, da sie Teil einer ärztlichen Fortbildung sind.

Nun behauptet der ehemalige Doktorvater, der auch Herausgeber der Fachzeitschrift und Mitautor ist, solche CME-Artikel würden grundsätzlich nicht begutachtet. Das ist nachweisbar falsch, da ansonsten gegen die Fortbildungsrichtlinien der Bundesärztekammer und der Landesärztekammer verstoßen würde.

Allerdings hat der ehemalige Doktorvater, geschäftsführende Herausgeber der Zeitschrift und Mitautor, die Artikel tatsächlich - entgegen aller Rchtlinien - einfach nicht begutachten lassen. Und dies gibt er dem Promotionsuasschuss gegenüber auch noch zu. Und zwar als Argument gegen meine Dissertation. Denn:

Nicht begutachtete Artikel dürften ja nicht in einer kumulativen Promotion verwendet werden. Ist das zu glauben? Schlimmer geht's ja wohl echt nicht! Nun bittet er den Promotionsausschuss meiner Uni meine Promotion abzubrechen...

Hat jemand so etwas schon mal gehört? Was kann man denn da machen? Das kann doch nur vor Gericht enden?!

Zur Wiederholung: Ich habe ales richtig gemacht, alles ist bereits begutachtet, da meldet sich der ehemalige DV aus dem OFF und torpediert meine Diss mit Argumenten, die ihn selbst beschädigen.

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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von flip » 03.03.2014, 23:39

Nein, ich befürchte so ein Fall ist sicherlich niemandem Vorgekommen. Das klingt in der tat sehr delikat.

Aber, wenn du an einem Peer-Review-Verfahren teilnimmst, dann gibt es doch auch externe Gutachten. Die solltest du eigentlich auch bekommen haben (über den Corresponding Author)?! Sonst ergibt das ganze doch alles keinen Sinn? Außer - dein Betreuer hat als Editor die Artikel einfach durchgewunken.

Allerdings verstehe ich deinen Betreuer auch nicht wirklich, denn nicht nur, dass er sich selbst diskreditiert, die Fachzeitschrift und das Editorial-Board (falls überhaupt vorhanden), so muss dies zwingend eine weitreichende Untersuchung aller jüngeren Promotionen nach sich ziehen.
Entweder er ist am Ende, oder aber - da halten einge zusammen. Letzters ist hoffentlich nicht der Fall.
In jedem Fall solltest du einmal das Gespräch mit dem Leiter der Promotionskommission suchen und am besten mit einem Zeugen.

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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von epikur » 03.03.2014, 23:57

Hallo Urs Isebrecht,

das ist ja wohl der Hammer :evil:

So sehr ich Dich bedaure, so erleichtert bin ich, da die Einspruchsfrist gegen meine Diss gerade abgelaufen ist. Vor ein paar Tagen habe ich zu demselben Thema gepostet, von allen Seiten jedoch versichert bekommen, dass so etwas NIEMALS, NIEMALS vorkommt...:

viewtopic.php?f=1&t=5057#p154305

Obwohl ich jetzt nicht in Deiner Haut stecken möchte, kann ich Dich hoffentlich ein bisschen beruhigen:

Über das Vorgehen bei solchen Einsprüchen entscheidet der Promotionsausschuss. Dem wird es überhaupt nicht schmecken, dass Einsprüche gegen seine Entscheidung sowie gegen die Gutachten erhoben werden, noch dazu von einem ehemaligen Kollegen, der ganz offensichtlich Dreck am Stecken hat und es zudem selbst zu verantworten hat, falls die Artikel tatsächlich nicht korrekt begutachtet worden sein sollten. Zudem wird dem Promotionsausschuss auch nicht entgangen sein, dass es sich bei den Einsprüchen um einen Racheakt handelt.
Selbst wenn die Artikel nicht state of the art begutachtet worden sein sollten, sind sie doch in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht worden. Zudem hat, unabhängig davon, eine zusätzliche und entscheidende Begutachtung der gesamten Dissertation und somit auch der Publikationen durch mindestens 2 Gutachter stattgefunden.

Es gibt also sehr viele Gründe, die dafür sprechen, dass den Einsprüchen nicht stattgegeben wird!

Sitzen Dein DV und Zweitgutachter im Promotionsausschuss? Kennen sie die Hintergründe? Ich denke, offensive aber vertrauensvolle Kommunikation ist in dieser Situation alles!

Kopf hoch - alles wird gut :blume:

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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Zwonk » 04.03.2014, 00:20

Eins muß man dem deutschen Unibetrieb ja lassen - langweilig wirds nicht. Ich fürchte leider, hier wird Dir niemand wirklich helfen können, weil das wirklich extreme Umstände sind. Außerdem dürfte guter Rat deswegen hier schwer zu geben sein, weil der ehemalige DV ja offensichtlich irrational handelt - und Kämpfer auf Kamikazemission kann man, der Natur der Sache entsprechend, schlecht unter Druck setzen :?

Gibts denn vielleicht Mitherausgeber der Zeitschrift bzw. Ansprechpartner im Verlag und bestehen Kontakte zu denen? Wenn der DV jetzt argumentiert, daß bei der Zeitschrift Artikel einfach durchgewunken werden, dann betrifft das ja nicht nur die laufenden Promotionen, sondern möglicherweise auch andere Artikel. Tatsächlich reißt das die Reputation der Zeitschrift zukünftig eindeutig ins Bodenlose und vielleicht gibt es angesichts dessen im Umfeld der Zeitschrift Leute, die sich bemühen können, den Herrn zur Raison zu bringen?

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 04.03.2014, 12:37

Ja, der Mann ist Doktorvater (gewesen) Mitautor und Herausgeber - und kümmert sich wahrscheinlich bei "hausinternen" Publikationen eh nicht um die Begutachtung - es wird "durchgewunken".

Interessanterweise habe ich in derselben Zeitschrift selbst zwei Jahre als Redakteur gearbeitet und habe nie auch nur einen einzigen hausinternen Artikel in die Begutachtung gegeben. Die würden "extern" begutachtet. Heute nehme ich natürlich an, dass zahlreiche Promotionen betroffen sind, in denen der Herausgeber, der IMMER Mitautor ist - auch wenn er nichts geschrieben hat - die Begutachtung einfach hat unter den Tisch fallen lassen...

Und natürlich habe ich auch schon eine weitere Dissertation gefunden, in der genau solch ein CME-Artikel unter denselben formalen Voraussetzungen (dieselbe Zeitschrift, derselbe Doktorvater) verwendet wurde.

Der Promotionsausschussvorsitzende ist informiert. Das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass tatsächlich die formalen Kriterien für die Promotion nicht erfüllt sind - auch wenn ich nichts dafür kann.... Es bleibt spannend. Aufgeben gibt's nicht.

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 04.03.2014, 12:52

"... weil der ehemalige DV ja offensichtlich irrational handelt - und Kämpfer auf Kamikazemission kann man, der Natur der Sache entsprechend, schlecht unter Druck setzen :?"

Das hast du Recht.

"Gibts denn vielleicht Mitherausgeber der Zeitschrift bzw. Ansprechpartner im Verlag und bestehen Kontakte zu denen?"

Im selben Verlag erscheint noch eine Zeitschrift mit einem offensichtlich gut befreundeten Professor, der für einen weiteren meiner Artikel auch offen zugibt, dass mein Artikel auch in dieser Zeitschrift nicht begutachtet wurde.

Der Verlag hat sich auch auf mehrmalige Anfrage nicht gemeldet, ebenso nicht die für die CME-Fortbildung zuständige Ärztekammer, die sich auf ihren Behördenstatus beruft und mir keine Auskunft erteilen möchte. Sie hat an den Promotionsausschuss als Behörde des Verwahltungsverfahrens- und -prozessrechts verwiesen. Auch hier läuft es also wieder auf den Promotionsausschuss hinaus...

"Wenn der DV jetzt argumentiert, daß bei der Zeitschrift Artikel einfach durchgewunken werden, dann betrifft das ja nicht nur die laufenden Promotionen, sondern möglicherweise auch andere Artikel. Tatsächlich reißt das die Reputation der Zeitschrift zukünftig eindeutig ins Bodenlose und vielleicht gibt es angesichts dessen im Umfeld der Zeitschrift Leute, die sich bemühen können, den Herrn zur Raison zu bringen?"

So sieht es aus. Und das Umfeld? Ich überlege mir bereits, das gesamte Editorialboard anzuschreiben. Allerdings komme ich langsam zu dem Eindruck, dass mein ehemaliger DV sich hier eine Truppe von Lakaien ins Boot geholt hat, die sich lieber raushalten, als sich womöglich den Unmut des DV zuzuziehen. Wie ist es sonst zu erklären, dass auch der zweite Herausgeber GANZ OFFEN sämtliche Regeln und Richtlinien mit Füßen tritt?
Zuletzt geändert von Sebastian am 04.03.2014, 20:31, insgesamt 2-mal geändert.
Grund: Auf Wunsch des Autors etwas anonymisiert.

Merowinger
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Merowinger » 04.03.2014, 17:58

Im Grunde kann man angesichts eines solchen Sumpfes nur dazu raten, zunächst einmal "Waffengleichheit" herzustellen, indem man sich an einen auf Prüfungsrecht spezialisierten Rechtsanwalt wendet.
Allein wird man die Klippen, die man umschiffen sollte, wahrscheinlich nicht mal erkennen.

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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von epikur » 04.03.2014, 18:39

Hallo Urs Isebrecht,

ich würde in Deiner Stelle einige Details aus Deinem letzten Thread streichen, aufgrund derer relativ gut einzugrenzen ist, um welches Fach und um welchen "lieben Kollegen" es sich handelt.

Es ist allseits bekannt, dass es Fachzeitschriften gibt, die sich peer reviewed nennen, es mit der Begutachtung jedoch nicht so genau nehmen, sogar einige, die im SSCI gelistet sind und einen ordentlichen Impact Factor haben. Es kommt sicher auch auf die genauen Vorgaben aus der Promotionsordnung an, welche Artikel für kumulative Dissertationen in Frage kommen. Ich kenne eine, in der hierfür "Publikationen in begutachteten wissenschaftlichen Fachzeitschriften" verlangt werden. Das lässt viel Spielraum.

Ich würde wegen der Sache zunächst einmal nicht so eine große Welle schlagen (Fachzeitschriften verklagen o.ä.), sondern erst den "kleinen Dienstweg" wählen: DV sowie bekannte Mitglieder / Vorsitzenden des Promotionsausschusses! DAS sind diejenigen, die über das Schicksal Deiner Promotion entscheiden. DIE musst Du überzeugen, dass das Ganze ein Racheakt ist und die Qualität Deiner Publikationen, ungeachtet der Art und des Umfangs der Begutachtung, promotionswürdig sind!
Wenn der Promotionsausschuss den Einsprüchen stattgeben würde, könnte Dir wahrscheinlich kein Gericht der Welt helfen, so ungerecht das auch wäre!
Wenn sich das abzeichnet, würde ich vorschlagen, anzubieten, die Arbeit zur Monographie umzuschreiben, um auf diese Weise die "Kuh vom Eis" zu bekommen. Aber so weit ist es vermutlich noch nicht.

Was sagen denn der Ausschussvorsitzende und Dein DV dazu???

Drücke die Daumen

epikur

DoneXY
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von DoneXY » 04.03.2014, 18:49

epikur hat geschrieben:Ich würde wegen der Sache zunächst einmal nicht so eine große Welle schlagen (Fachzeitschriften verklagen o.ä.), sondern erst den "kleinen Dienstweg" wählen: DV sowie bekannte Mitglieder / Vorsitzenden des Promotionsausschusses! DAS sind diejenigen, die über das Schicksal Deiner Promotion entscheiden. DIE musst Du überzeugen, dass das Ganze ein Racheakt ist und die Qualität Deiner Publikationen, ungeachtet der Art und des Umfangs der Begutachtung, promotionswürdig sind!
Das scheint mir, momentan der beste Rat zu sein!

Viel Erfolg!

Urs Isebrecht
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Re: Angriff auf Dissertation von emaligem Doktorvater

Beitrag von Urs Isebrecht » 04.03.2014, 19:18

Bisher tut sich vom Ausschuss nichts. Mit dem DV habe ich nichts mehr zu tun. Gar nichts. Wie heißt es so schön: Das Tischtuch ist zerschnitten,

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