Promotion mit 54

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Alter Doktorand
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Promotion mit 54

Beitrag von Alter Doktorand »

Hallo,

ich habe mich heute im Forum angemeldet, um Unterstützung bei meinem Vorhaben zu bekommen.

Wie ihr aus dem Betreff entnehmen könnt bin ich 54 Jahre alt und möchte gerne eine Dissertation schreiben.
Ich habe mich vorab bei einer FH bzw. Uni erkundigt ob es möglich ist bei ihnen eine Diss. zu schreiben. Beide haben mehr od. weniger abgelehnt, da ich nicht dort studiert habe. Beide gaben an, dass ich es bei meiner alten FH probieren soll, hierbei gibt es aber das Problem, dass ich vor 30 Jahren meinen Abschluss dort gemacht habe und kein Prof. von damals mehr unterrichted.

Hier nun meine Fragen:
Wie kann ich nun an eine Uni/FH kommen die mich bei meinem Vorhaben unterstützen kann?
Muss der Bereich in dem ich schreiben möchte schon bekannt sein?
Wenn ja, würde ich gerne meine Diss. im Bereich Personalwesen schreiben und zwar über das Thema Demografie - Umsetzung in einem bestehenden Produktionsprozess -
Gibt es im Forum die Möglichkeit nach Unis bzw. FHs zu suchen die mich aufnehmen könnten ?

Für Eure Unterstützung und Hilfe vielen Dank im Voraus.

Alter Doktorand

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Laplace

Re: Promotion mit 54

Beitrag von Laplace »

Hui, da hast du dir ja was vorgenommen. Aber warum nicht :D Zuerst solltest dir aber über formalen und informellen Hürden klar werden.

Bei den Formalia ist gleich das erste Problem, dass jede Uni und oft auch jede Fakultät andere Zulassungsvorraussetzungen hat. FHs haben kein Promotionsrecht, dort kannst du nicht promoviert werden, solange es keine Kooperation mit einer Universität oder Hochschule mit Promitionsrecht besteht. Wenn dein höchster Abschluss ein FH-Diplom o.ä. ist, kann das schon die erste Hürde sein. Soweit ich es überblicke, werden FH-Absolventen nur unter besonderen Bedingungen zur Promotion zugelassen, oder ggf. nur mit Auflagen (wie z.b. ein oder zwei Semester weitere Vorlesungen o.ä.) Ausserdem muss deine Abschluss meistens eine gewisse Mindestnote haben (was aber auch wieder, je nach Uni, eine "soll" oder eine "muss" Bedingungen ist).

Informell wird dir dein Alter im Weg sein. Das steht zwar in keine Prüfungsordnung, aber ich kann mir vorstellen, dass viele Profs erstmal abwinken werden, wenn jemand anklopft, der so alt ist wie sie selbst oder vielleicht sogar noch älter. Zumindest musst du vermutlich mit viel Geduld an die Suche rangehen und doppelte Überzeugungsarbeit leisten.

Hast du dir schon überlegt, wie du die Promotion finanzieren willst? Bringst du eigenes Erspartes mit, hast du eine Vollzeitstelle oder eine Teilzeitstelle? Suchst du nach eine Mitarbeiterstelle an der Uni?

Ich verumute, hier im Forum wird sich kaum jemand finden, der dir konkret Helfen kann. Tipps, Ratschläge und moralische Unterstützung gibt es dafür in Hülle und Fülle :D Du bist glaube ich auch nicht der erste "alte Doktorand" hier im Forum.
Alter Doktorand
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Re: Promotion mit 54

Beitrag von Alter Doktorand »

Hallo Laplace,

erst einmal danke für deine schnelle Antwort.

Die Antworten auf deine Fragen bekommst du umgehend

Alter Dokorand
flip
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Re: Promotion mit 54

Beitrag von flip »

Dir scheint nicht so ganz die Unterscheidung zwischen Uni und FH bekannt zu sein?

Deine Chance, in deinem Alter mit einem FH-Diplom zu promovieren dürfte nahe Null liegen. Es ist zwar mittlerweile, dank Bachelor und Master, einfacher geworden, aber das FH-Diplom ist immer noch eine Seltenheit und meist mit Auflagen belegt.

Du promovierst auch nicht allgemein an der Uni, sondern wirst promoviert, sprich du benötigst erst einmal primär einen Betreuer. Du musst dich also Fragen, warum dich ein Prof als externen annehmen sollte. Damit zwingend einher gehen die Fragen: Warum? Worin?

Intern, bzw. als Angestellter ist ebenfalls utopisch.
Klaus Unruh
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Re: Promotion mit 54

Beitrag von Klaus Unruh »

Ne, das ist nicht utopisch. Nur ist es nicht einfach.

Also, was gebraucht wird, ist a) ein guter Promotionsratgeber. Vielleicht kann jemand hier ein gutes Buch empfehlen. b) Ein gutes Thema. Und dann kann man c) von dort aus potentielle Betreuer suchen. Diese müssen, das wurde schon gesagt, Professor an einer Uni sein.
Cybarb
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Re: Promotion mit 54

Beitrag von Cybarb »

Hallo,

auch wenn ich vielem, was hier schon geschrieben wurde, zustimme, möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben.

Meines Erachtens ist dein Vorhaben auf einer Skala, auf der sich "unmöglich", "utopisch", "nicht einfach" und "machbar" finden, eher bei "utopisch" einzuordnen, sofern du dich über eine interne Stelle (oder gar ein Stipendium) finanzieren möchtest. Aber da du die Finanzierungsfrage ja nicht wirklich gestellt hast - vielleicht weil sie von vornherein kein Problem ist? - will ich dazu gar nichts weiter schreiben.

Ansonsten musst du tatsächlich zunächst klären, welche formalen Hürden es zu überwinden gilt. Vorher würde ich gar nicht viel Arbeit in das Projekt stecken, weil diese Arbeit eventuell umsonst wäre.

Ich komme nun aus dem geisteswissenschaftlichen Sektor, und dort gibt es durchaus Doktoranden über 40, 50 oder gar 60, aber die machen das halt mehr zum Spaß bzw. weil sie sich selbst was beweisen wollen. Finde ich auch völlig in Ordnung. Das heißt, es es gibt bei uns Professoren, die ein solches Vorhaben mitmachen, allerdings weiß ich nicht, wie viel Überzeugungsarbeit da vorher geleistet werden musste. Zumindest teilweise sind das Doktoranden, die unmittelbar vorher und ebenfalls aus reinem persönlichem Ehrgeiz ein Studium an der betreffenden Uni abgeschlossen haben. Daher waren sie dort schon bekannt und einschätzbar.
Da all dies für dich aber wohl nicht gilt, solltest du meines Erachtens, sobald du die formalen Hürden übersprungen hast oder weißt, wie du sie überspringen kannst, das Projekt ausarbeiten und ein Exposé verfassen. Dieses Exposé ist dann der wichtigste Bestandteil deiner "Bewerbung", mit dem du die Profs inhaltlich überzeugen musst. Vielleicht kannst du auch mit deiner Praxiserfahrung werben, denn manche Profs sehen das ja ganz gerne. Oder aber du kannst anbieten, einen Lehrauftrag zu übernehmen, in dem dir deine Praxiserfahrung vielleicht ebenfalls zugute kommt.

Nun noch eine rein persönliche Einschätzung: Wenn ich Prof wäre und du mit deinem Vorhaben bei mir vorsprechen würdest, dann müsstest du schon ein sehr gutes Exposé vorlegen oder mir zumindest überzeugend darlegen, inwieweit deine Praxiserfahrung einen Vorteil für meinen Fachbereich darstellt. Der Grund dafür ist, dass Profs chronisch viel zu tun haben und zumindest ich als Prof meine Doktoranden auch gut betreuen wollen würde. (Ja, das wollen längst nicht alle Profs.) Bei der Auswahl meiner Doktoranden würde ich Priorität auf jene Personen legen, für die eine Promotion tatsächlich nicht nur zur Befriedigung ihres Ehrgeizes, sondern auch aus beruflichen Gründen sinnvoll ist. Da hätte ich dann das Gefühl, meine Betreuungsleistung am sinnvollsten investiert zu haben.
Mag nicht ganz fair sein, aber so wäre nun mal meine Haltung, und ich könnte mir vorstellen, dass sie von manchem echtem Prof geteilt wird.

Gruß
Cyb
flip
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Re: Promotion mit 54

Beitrag von flip »

Klaus Unruh hat geschrieben:Ne, das ist nicht utopisch. Nur ist es nicht einfach.

Also, was gebraucht wird, ist a) ein guter Promotionsratgeber. Vielleicht kann jemand hier ein gutes Buch empfehlen. b) Ein gutes Thema. Und dann kann man c) von dort aus potentielle Betreuer suchen. Diese müssen, das wurde schon gesagt, Professor an einer Uni sein.
Doch, es ist utopisch, da du unterschlägst, dass der Herr TO ein FH-Diplom besitzt. Da helfen auch die gut gemeinten Ratschläge nichts. ;) Wenn, dann wird das sehr langwierig und mit Auflagen verbunden. Mal eben nen Ratgeber lesen und ein (sehr) gutes Exposé schreiben bringt erst einmal nichts.

Abgesehen stellt sich die Frage nach:

Fachbereich
Thema
Aktueller, wissenschaftlicher Kenntnis
Finanzieller Absicherung
Ortsgebundenheit
Simulant

Re: Promotion mit 54

Beitrag von Simulant »

ich war vor vier Jahren in einer ganz ähnlichen Situation und habe das wie folgt gelöst:
- eine Reihe von HS bieten nach dem Bachelor einen Masterstudiengang an, in den man auch von "außen" einsteigen kann. Zugangsvoraussetzungen sind entweder der Bachelor oder ein FH-Abschluss.
- such Dir eine HS die Dich ohne Auflagen zum Master zulässt und akkredetiert ist
- Der Masterstudiengang hat bei uns 3 Semester gedauert und ich hab den neben meinem Job nach Feierabend erledigt (es gab nur Prüfungsleistungen und keine Anwesenheitspflicht)
- damit hast Du formal Deine Zulassungsvoraussetzungen für eine Promotion - uneingeschränkt promotionsberechtigt hieß es in den Akkreditierungsunterlagen.
Wenn Du einen Job hast, such Dir ein promotionswürdiges Thema, das Du mit den Erfahrungen aus Deinem Berufsalltag verknüpfen kannst. Das spart das umswitchen. Wenn Du was interessantes gefunden hast, musst Du einen DV dafür begeistern oder jemanden, der entsprechende Kontakte hat. Bei mir lief das für den Zweitprüfer über meinen alten FH-Prof, der einen UNI-Prof für das Thema begeistern konnte. Mit dem Zweitprüfer in der Hinterhand, hab ich mich dann auf die Suche nach einer UNI bzw. einem Erstprüfer gemacht und in der Konstallation offene Türen eingerannt - vielleicht Glück gehabt, vielleicht war es aber auch einfach eine günstige Konstellation. In zwei Monaten will ich abgeben, mal sehen ob das klappt.
Ich kann Dir versprechen, es ist eine harte Zeit und ich für meinen Teil habe im privaten Bereich sehr viele Abstriche gemacht. Ich halte sowas aber ganz und gar nicht für unmöglich. Das jedenfalls der status quo - vielleicht sieht es in 2 Monaten auch anders aus.;-)
Ovid

Re: Promotion mit 54

Beitrag von Ovid »

Ich habe meine Promotion vor einem Jahr abgeschlossen; da war ich 50 Jahre alt (gebraucht habe ich insgesamt 3 Jahre). Also, das Alter muss jetzt wirklich kein Hindernis sein. Ganz im Gegenteil, man kann da sehr viel an Erfahrung einbringen, falls die Diss. einen Praxisbezug hat.
Ich hatte aber auch das "unverschämte" Glück, dass ich einen wirklich spitzenmäßigen Betreuer gefunden hatte, der mich sehr unterstützte und mich ohne große Federlesens als Doktorand annahm. Und in meinem Fall war es auch sehr von Vorteil, dass ich in meiner Diss. ein Thema bearbeiten konnte, das sich auf meinen Beruf bezog.
Also, dran bleiben und bei in Frage kommenden Betreuern anklopfen! Denn das Sprichwort: "Wer nicht wagt, der nicht gewinnt" stimmt schon.
Rudolf Schmitt
Beiträge: 6
Registriert: 15.03.2012, 21:57
Status: abgeschlossen
Wohnort: Berlin/Görlitz
Kontaktdaten:

Re: Promotion mit 54

Beitrag von Rudolf Schmitt »

Hier ist nach Literatur gefragt worden, insbesondere zur Promotion nach FH-Abschluss: In:

Franziska Günauer, Anne K. Krüger, Johannes Moes, Torsten Steidten, Claudia Koepernik (Hrsg.) (2012). GEW-Handbuch Promovieren mit Perspektive. Ein Ratgeber von und für DoktorandInnen. Bielefeld: W. Bertelsmann. http://www.wbv.de/artikel/6001594

sind zwei Aufsätze zu dem Thema zu finden (neben anderen zur Promotion im Allgemeinen).

Wenn es um eine Promotion in Sozialer Arbeit / Sozialarbeit / Sozialpädagogik nach FH-Abschluss geht, siehe die Sammlung unter http://dgsainfo.de/fachgruppen/promotio ... erung.html (das Promotionsfach ist im Diskussionsverlauf nicht genannt worden, daher kann das auch unbrauchbar sein).
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