Frage zum Anmerkungsapparat

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
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Wierus
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Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Wierus »

Hallo,

in universitären Abschlussarbeiten ist es üblich, jegliche zitierten Quellen penibel anzugeben. Dem habe ich mich in der Vergangenheit natürlich immer gefügt. Aber es geht an dieser Stelle um einen längeren wissenschaftlichen Text, der keine klassische Abschlussarbeit darstellt. Und hier beginnt es mich langsam immer mehr zu nerven, alle Internetquellen vollständig mit URL-Links (und dem obligaten "zuletzt eingesehen am...") anzugeben, selbst wenn sie in den meisten Fällen ganz einfach per Google-Suche aufzufinden sind.

Das betrifft vor allem neuere journalistische Quellen. Als Paradebeispiel seien die Artikel der Washington Post genannt, deren Links mitunter ellenlange Zahlenreihen enthalten, die in der Fußnote manchmal über drei Zeilen gehen. Und dabei kann wirklich jedermann solche Quellen als Print-Artikel oder eben im Internet nachlesen.

FRAGE:
Ist es eurer Meinung nach legitim und würde es der Wissenschaftlichkeit eines Forschungsbeitrags keinen Abbruch tun, wenn man den Leser in der Einleitung oder am Beginn des Quellenverzeichnisses darauf hinweist, dass bei leicht zugänglichen Quellen kein Link angegeben wird und bei Bedarf einfach beim Autor nachgefragt werden kann? Oder geht das in euren Augen ganz und gar nicht?

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Nomen Nescio
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Nomen Nescio »

Wierus hat geschrieben: 25.05.2021, 20:19 Als Paradebeispiel seien die Artikel der Washington Post genannt, deren Links mitunter ellenlange Zahlenreihen enthalten, die in der Fußnote manchmal über drei Zeilen gehen.
Diesen Teil verstehe ich nicht. In meinen Texten (Diss, papers) verweist der Link in Fussnote aufs LitVz und hätte etwa die (selbstgestrickte) Form "WP_01042023", die sich erst im LitVz zu der von dir angeführten Zahlenkaskade auflöst.
Wierus hat geschrieben: 25.05.2021, 20:19 Und dabei kann wirklich jedermann solche Quellen als Print-Artikel oder eben im Internet nachlesen.
Das kann kaum jemals als Argument halten, denn dies liesse sich mit gleicher Berechtigung für fast jede Quelle angeben.
Wierus hat geschrieben: 25.05.2021, 20:19 FRAGE:
Ist es eurer Meinung nach legitim und würde es der Wissenschaftlichkeit eines Forschungsbeitrags keinen Abbruch tun, wenn man den Leser in der Einleitung oder am Beginn des Quellenverzeichnisses darauf hinweist, dass bei leicht zugänglichen Quellen kein Link angegeben wird und bei Bedarf einfach beim Autor nachgefragt werden kann? Oder geht das in euren Augen ganz und gar nicht?
Ich fürchte, derartige salvatorische Klauseln fliegen dir zeitnah um die Ohren. Anekdotisch sei angeführt, dass in meinen Texten z.B. Herleitungen und/oder Abschätzungen mit Quellen angegeben werden, auch wenn bei den Adressaten sichergestellt sein sollte, dass sie auch ohne Hilfe durch Links wissen, wo eben diese Herl. u/o Abschätzungen in der Fachliteratur stehen, meist sogar, wo sich Exemplare der FL in den lokalen Bibs finden lassen. Ganz zu schweigen davon, dass der Nutzen des Texts für jmd., der/die Herl. u/o Abschätzungen nachschlagen muss, sehr begrenzt sein dürfte. Also kurz: "Geht mal gar nicht!" ;)
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Aguti »

@Wierus: Ich rate dir davon ab. Ich sehe nicht, warum man in sonstigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen (Aufsätzen etc.) anders belegen sollte als in Abschlussarbeiten. Bei mir ein solches Vorgehen mindestens für starkes Stirnrunzeln sorgen, schlimmstenfalls dich als Wissenschaftler diskreditieren.
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von johndoe »

Ich seh es wie meine Vorposter: Quellenangaben sind das A und O von wissenschaftlichen Arbeiten. Ansonsten könnte man ja vieles behaupten a la Trump. Ich hab erst kürzlich als Co-Editor eines Buchs fungiert und einen Kapitel-Autor gebeten, aktuellere Quellen zu reviewen. Immerhin ging's da um hochaktuelle IT-Themen - da kann der doch nicht auf 15 Jahre alte Arbeiten verweisen. Da fehlt mir als Kollege ja komplett der Anschluss an die aktuelle Forschung, ob der Ansatz nicht schon widerlegt wurde, ob er wirklich neu ist, ob er überhaupt noch relevant ist im Jahr 2021 etc

Insofern: Quellenangaben sind absolut wichtig, um sich und seine Arbeit wissenschaftlich stabil zu positionieren.
Wierus
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Wierus »

Danke für die Hinweise.

Ich gehe ja grundsätzlich auch sehr exakt mit Quellen um, aber Beispiele wie das hier nerven einfach nur:

Karen DeYoung, Fourth round of talks on reviving Iran nuclear deal to resume in Vienna (May 21, 2021), in: Washington Post,
ht tps://w ww.washingtonpost.com/national-security/iran-nuclear-talks-resume/2021/05/06/f1babbee-ae99-11eb-b476-c3b287e52a01_story.html (zuletzt eingesehen am 26.05.2021).


So eine obligate Erstnennung ergibt drei bis vier Zeilen Fußnotentext für einen einzigen Artikel. Wenn ich aber zu einem Aspekt gleich mehrere Artikel zitiere und vergleiche, dann habe ich bei, sagen wir, fünf Internet-Artikeln schon fast die Hälfte einer Textseite für diesen unansehnlichen Url-Fußnoten-Wust verbraten.

Das ärgert mich. :(

Karen DeYoung, Fourth round of talks on reviving Iran nuclear deal to resume in Vienna, in: Washington Post (May 21, 2021).

Das wäre sooo viel handlicher... :KT:
Aguti
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Aguti »

@Wierus: Das Problem hast du ja nur, wenn du mit Fußnoten zitierst. Bei Kurzbeleg oder numerischer Zitation hast du den Link ja nur am Ende im Litverz. Ist es denn bei euch Historiker*innen noch so, dass FN-Zitation gesetzt ist oder hättest du auch die Freiheit, auf Kurzbeleg umzusteigen?
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Wierus »

Ich denke, Fußnoten sind immer noch die handwerkliche Grundforderung und auch die neueste Literatur geht so vor.

Nur angelsächsische Monografien (aus der Feder von Journalisten und freien Autoren) machen es im Zusammenhang mit journalistischen Links hin und wieder so wie in meinem Wunschbeispiel.
Zwonk
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Re: Frage zum Anmerkungsapparat

Beitrag von Zwonk »

@Wierus: Die Frage ist, aus meiner Sicht, wer die Vorgabe mit den Fußnoten macht. Derjenige muss dann eben mit dem Ergebnis leben. Wenn Du das frei entscheiden kannst, würde ich ggf. dann eben die Zitationsweise anpassen. Wenn das vorgegeben ist, wäre es mir egal. Dann muss halt der Aussteller der Richtlinie damit klarkommen. Da wäre ich gnadenlos und hätte auch kein Problem mit 3 Zeilen Text pro Seite und dem Rest voll URL-String-Müll. Ggf. würde ich ihn darauf aufmerksam machen und ihm eine bessere Alternative vorschlagen. Und wenn er nicht will, dann halt nicht.

Grundsätzlich ist es so: Wenn sich aus technischen Gründen die zitierten Medien ändern, dann muss sich ggf. irgendwann die Zitationsform anpassen, um das richtig abzubilden. Was keine Option ist, ist die Zitationsgenauigkeit zu opfern, weil man seine Zitationsform nicht der technischen Wirklichkeit anpassen will.
12. Dec 2016;01. Feb 2017;f;zum neuen Job!
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