Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
johndoe
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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von johndoe » 26.02.2019, 23:00

Hickey hat geschrieben:
26.02.2019, 13:05
Ich bin Mitte 30, habilitiert und erfülle über Projekte mit außerhochschulischen Partnern die wesentliche Berufungsvoraussetzung zur FH-Professur (...)
Als habilitierter Wissenschaftler mit ansehnlichem Output an internationalen Journal-Papers des oberen Quantils meiner Branche (...)
Ich möchte mal anmerken, dass sich die Profile von FH- und Uni-Professur schon signifikant unterscheiden. Und wenn ich mal deine oben zitierte Beschreibung hervorhebe, sehe ich da ein reines Uni-Profil. Ich will das gar nicht werten, aber wenn du perfekt auf eine Uni-Professur passt, dann kannst du eigentlich nicht auf gleichzeitig perfekt auf eine FH-Professur passen, zumindest nicht mit Anfang/Mitte 30. Mit Mitte 40 mag das sein, wenn du als Publikations-intensiver Dr. habil. noch 10 Jahre Consulting- oder Industrie-Erfahrung sammelst und dann an die FH strebst. Aber dann ist dein persönlicher Input für die Professur ein ganz anderer.

Hast du schon praktische Erfahrung mit der FH-Lehre? Falls nicht, rate ich dir zu Gastvorträgen oder Lehraufträgen, um dich selbst vor einem Praxisschock zu bewahren. Oder einer Depression, wenn du doch längere Jahre dort feststeckst :lol:

Generell schwingt in diesem Thread auch mit, dass die FH-Professur eine alternative Qualifizierungsvorstufe zur Uni-Professur sei. Das mag man vll von der Standard-Besoldungsstufe pro Hochschultyp ableiten können, jedoch gibt es ebenso W2-Professuren an Unis wie W3-Professuren an FHs. Außerdem sind die Forschungsprojekte eines FH-Professors in aller Regel anwendungsorientiert bzw. in Allianz mit Industriepartnern. D.h. je stärker du dich hier profilierst über die Jahre, desto weiter weg kommst du von der (eher theoretischen) Grundlagenforschung. D.h. du müsstest dich schon stark verbiegen als FH-Prof entgegen des Forschungsauftrags deiner Hochschule und das noch bei dem hohen Lehrdeputat ohne Mitarbeiterstab, um so zu tun, als wärst du Uni-Prof, um dich damit weiter zu qualifizieren für die eigentliche Uni-Stelle. Also ich halte das für unrealistisch.

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Hickey
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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von Hickey » 27.02.2019, 15:44

johndoe, vielen Dank für deine Meinung. Natürlich habe ich eher ein Uni-Profil. Und natürlich wäre mir letztlich der Uni-Lehrstuhl auch lieber. In der Wissenschaft muss man aber flexibel sein: Entweder räumlich (ideal!) oder inhaltlich. Und WENN die FH nach einem umfangreichen und transparenten Begutachtungsverfahren zu dem Schluss kommt, dass ich für sie geeignet bin, dann wird das schon passen - ob nun als "Endstation" oder als Zwischenstopp. Dass der Zwischenstopp kein Selbstläufer ist, ist mir freilich bewusst - eher im Gegenteil, würde ich sagen: Man muss vermutlich je nach Verweildauer an der FH sogar argumentieren, warum man trotzdem noch für eine Uni-Professur geeignet sein soll.

Zum Rest: Da ich aus dem Ingenieurbereich komme, und dort auch noch aus einem sehr anwendungsnahen Bereich, ist der Unterschied zwischen Uni und FH nicht extrem groß. Auch meine Forschungsprojekte haben oft in konkrete Anwendungen bzw. Produkten gemündet. Von abgehobener, theoretischer Elfenbeinturmforschung kann keinesfalls die Rede sein.

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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von johndoe » 27.02.2019, 23:06

Natürlich wünsche ich dir - unbekannterweise - Erfolg bei deinem aktuellen Verfahren. Und natürlich wirst du es dann auch verdient haben, wenn du den Ruf erhältst. Der Ingenieursbereich hat einen gewissen Sonderstatus, weil es ja in der Natur der Sache liegt, dass ein Forschungsprojekt eine technische Ausführbarkeit und damit Anwendbarkeit demonstrieren soll (zumindest ist das mein Anspruch als praktizierender und forschender Ingenieur, wobei ich auch Artikel und gar Dissertationen zum Dr.-Ing. kenne, wo außer Wissenskonsolidierung, Formalisieren und Schlussfolgern nicht viel geboten wird).

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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von Hickey » 28.02.2019, 08:12

Ich danke dir. Und denke eben auch, dass der Ingenieur sicherlich ein Sonderfall ist. Gerade der "Bindestrich-Doktor" (Dr.-Ing.) ist ja ohnehin ein Resultat einer Diskussion, die heute schon wieder geführt wird: Sollen (technische) Hochschulen das Promotionsrecht erhalten?

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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von Nomen Nescio » 28.02.2019, 14:44

Hickey hat geschrieben:
28.02.2019, 08:12
Ich danke dir. Und denke eben auch, dass der Ingenieur sicherlich ein Sonderfall ist. Gerade der "Bindestrich-Doktor" (Dr.-Ing.) ist ja ohnehin ein Resultat einer Diskussion, die heute schon wieder geführt wird: Sollen (technische) Hochschulen das Promotionsrecht erhalten?
Wahrscheinlich liegst du wg der fachspezifischen Ausrichtung auf Realisierung nicht falsch mit der Meinung, dass Uni und FH bei Ings weniger weit getrennt sind als z.B. in Mathe oder Informatik.
Die "Bindestrich-Dr." Diskussion ist aber doch 19.Jahrhundert, zeitlich näherungsweise angesiedelt bei der Zulassung von Frauen zum Universitätsstudium. Auch darüber wird heute niemand ausser einigen "Grenzgängern" ernsthaft diskutieren wollen.
Möglicherweise habe ich dich bei
Diskussion, die heute schon wieder geführt wird: Sollen (technische) Hochschulen das Promotionsrecht erhalten?
missverstanden, möglicherweise scherst du zuviel über einen Kamm, aber wer würde ernsthaft z.B. der RWTH das Promotionsrecht streitig machen wollen?
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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von Hickey » 28.02.2019, 15:34

Ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt. Was ich sagen wollte ist, dass große Volluniversitäten wie die TU München (früher TH München) oder die RWTH vor hundert Jahren auch sowas wie FHs waren und dann in den Universitätsstand erhoben wurden. Und der von ihnen verliehene Dr.-Ing. wurde geschaffen, um den "minderwertigen" Ingenieursdoktor von den "echten" Doktorgraden abzugrenzen. Anders ausgedrückt: Den Kampf, den gerade forschungsstarke FHs führen (um Promotionsrecht und Upgrade in der Anerkennung), den haben andere schon vor hundert Jahren geführt - und gewonnen. Ich habe mithin ein bisschen das Gefühl, dass die Zeit sich ein Stück weit wiederholt. Mein Posting darf keinesfalls als Argument für eine "Rückstufung" renommierter Unis, die halt früher mal "nur" technische Hochschulen waren (oder sich immer noch so nennen), verstanden werden! :blume:

Also: Unter keinen Umständen würde ich einer RWTH das Promotionsrecht streitig machen, das sollte bitte niemand aus meinem Posting herauslesen!

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Re: Von der FH-Professur auf eine Uni-Professur

Beitrag von Nomen Nescio » 01.03.2019, 09:36

Seinerzeit reichte es, den Kaiser auf seine Seite zu bringen, heute stehen bildungspolitisch an Kaisers statt Duodez-, oder besser Sexadez-Fürsten, die alle ihre eigenen partei-, koalitions- bzw klientelgewürzten Süppchen kochen. Wahrscheinlich wird sich das angesprochene Promotionsrecht für FHs über Ausweitung von Graduiertenkollegs bzw -Instituten weiterentwickeln und aus meiner Sicht eher für ausgewählte Fachbereiche bereits etablierter FHs als auf FH-Basis oder gar generell für FHs. Die üblichen Verdächtigen wären auf Basis der Menge an bisherigen FH-Promotionen Ings, Natwis, dann lange nichts und schliesslich ein paar vom Rest. ;) Bis dahin gilt wahrscheinlich: "Wir ziehen alle am gleichen Strang, lediglich an unterschiedlichen Enden."
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