Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

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johndoe
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Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von johndoe » 31.12.2018, 13:23

Hallo miteinander,

ich befinde mich gerade in der finalen Phase meiner _nebenberuflichen_ Dissertation und plane (in Abstimmung mit meinem Doktorvater), die Arbeit im Herbst 2019 einzureichen. Schon seit meinem Studium interessiere ich mich für eine FH-Professur und habe auch dahingehend schon Erfahrungen gesammelt in Form von Lehraufträgen (> 4 Jahre), betreuten Abschluss- sowie Seminararbeiten. Meine Berufserfahrung seit dem Masterabschluss summiert sich mittlerweile auch auf 8,5 Jahre in Vollzeit-Ingenieursberufen inkl. Projektleitung in international agierenden Konzernen.

Eigentlich gibt es keinen Grund zur Eile bzgl. FH-Professur und ich bin mit meinem Industriejob nach wie vor glücklich, allerdings ist nun ausgerechnet in meinem Wohnort eine Professur ausgeschrieben, die wie die Faust aufs Auge passen würde (inhaltlich 70/30 durch meinen Job und meine Diss). Nun überlege ich natürlich, ob es Sinn macht, mich aus der jetzigen Situation heraus darauf zu bewerben, da mir zwar eine formale Voraussetzung (die Promotion) fehlt, diese allerdings bis möglichen Antritt der Professur mit hoher Wahrscheinlichkeit nachgereicht werden kann. Allerdings folgt natürlich noch die Disputation, die Bewertung, ggf. Nacharbeiten und die eigentliche Verleihung des Grades.

Gibt es jemanden mit Erfahrungen in einem solchen Fall? Gibt es "Sonderwege" etc.? Hat jmd. gute Tipps, um diese Situation in einem Anschreiben zu begründen?

Danke im Voraus und einen guten Rutsch!

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Sebastian
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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von Sebastian » 31.12.2018, 14:11

Ich würde es einfach versuchen und ganz locker selbstbewusst mit knappen Worten angeben, dass Du Deine Promotion gerade abschließt- die Eventualitäten einer Promotion wird man an der FH schon richtig zu deuten wissen (nämlich: ordnungsgemäßer Abschluss erwartungsgemäß kein Problem).
Unabhängig davon ist es m.E. immer empfehlenswert, sich vorher direkt bei der ausschreibenden Stelle zu erkundigen. Da kann man mit Glück einiges erfahren - u.U. gar auch, ob interne Bewerber zu erwarten sind (die oftmals einen deutlichen Startvorsprung bekommen).
Guten Rutsch!
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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von mantor » 31.12.2018, 16:35

Ich habe das so mal bei einer Juniorprofessur gemacht, die gut passte. Der Kommissionsvorsitzende hat daraufhin bei meinem Betreuer angefragt, ob die Diss. tatsächlich kurz vor Abschluss steht und nachdem das bestätigt war, durfte ich zum Vorsingen. Schließe mich also an: Einen Versuch ist's wert. Auch den Tipp mit der Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen finde ich gut. Habe mich das früher auch nie getraut, inzwischen mache ich das aber immer und man erfährt tatsächlich interessante Sachen …


PS: Dass es in Deinem Wohnort ist, kann Dir übrigens als Pluspunkt angerechnet werden, schließlich ist Präsenz an einer Institution, in der so viele pendeln, ziemlich wichtig. Viel Glück!
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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von flip » 31.12.2018, 18:41

Seit wann ist die Promotion denn eine formale Voraussetzung für die Professur?
Und selbst wenn, der Nachweis muss ja erst bei Berufung erfolgen. Und ich denke mal nicht, dass du schon zum SS berufen wirst, sondern erst im Herbst. Also ran an die Bewerbungsunterlagen. :)

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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von Sebastian » 31.12.2018, 19:23

mantor hat geschrieben:
31.12.2018, 16:35
Auch den Tipp mit der Kontaktaufnahme mit den Verantwortlichen finde ich gut. Habe mich das früher auch nie getraut, inzwischen mache ich das aber immer und man erfährt tatsächlich interessante Sachen …
Wenn Du das jetzt schon so frei zugibst: Ich auch nicht.
Inzwischen sitze ich beim Vorstellungsgespräch auf der anderen Seite des Tisches und habe gelernt: Wer sich nicht erkundigt, fällt unangenehm auf. Selbst wenn Du Dir die nötigen Informationen anders (und vermeintlich diskreter) beschafft hast: Du hast ganz offensichtlich nicht die richtige - nämlich zuständige - Quelle angezapft. Wenn Du auf die Standard-Frage "Wie haben Sie sich auf das heutige Gespräch vorbereitet" nicht antworten kannst, dass Du den angebotenen Kontakt und evtl. noch eine zweite relevante Quelle (Vorgesetzter, Vorgänger ...) angesprochen hast, ist das ein echter Minuspunkt, wirkt einfach unprofessionell oder desinteressiert.
Also: Selbst wenn man gar keine Fragen hat: Irgendwelche ausdenken und Kontakt aufnehmen!

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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von echolot » 01.01.2019, 17:16

Die formalen Berufungsvoraussetzungen ergeben sich aus dem Hochschulgesetz des jeweiligen Bundeslandes. Üblicherweise steht dort etwas, was auch in der Ausschreibung als Voraussetzung aufgeführt wird, nämlich "besondere Befähigung zu wissenschaftlicher Arbeit, die *in der Regel* durch die Qualität einer Promotion nachgewiesen wird".

Wie flip richtig sagt, ist eine abgeschlossene Promotion also keine formale (strikte) Voraussetzung, wenngleich eben "die Regel".

Wenn ich in der Berufungskommission für die Stelle sitzen würde, dann würde ich mir zunächst die thematische Passfähigkeit und die Lehrerfahrung anschauen. Wenn das gut passt, dann kann man immer noch eine Stellungnahme vom Doktorvater einholen. Kritisch wäre ggf. hierbei, dass es selbst bei sicherem Bestehen der Promotion unklar ist, mit welcher Note das Verfahren abgeschlossen hat. Einen Kandidaten mit einer "rite"-Diss durch die Gremien (Senat, Fakulatätsrat, ...) zu bringen ist sicher schwierig, damit wäre die o.g. Voraussetzung je nach Sichtweise der Beteiligten eventuell nicht erfüllt.

Zudem kommt auch der Zeitfaktor hinzu. Wenn die Professur zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen ist, ist es ggf. schwieriger, als zum nächsten WS oder gar SS 2020.

Meine Empfehlung wäre ganz klar, Kontakt zum Kommissionsvorsitzenden aufzunehmen und es zu versuchen. Die Bewerberlage gerade in Ingenieurfächern ist gerade für kleinere FHs sehr schwierig, da kann man mit thematischer Passung, ausreichend dokumentiertem Interesse an einer solchen Stelle und umfangreicher Industrieerfahrung die noch nicht ganz abgeschlossene Diss aus meiner Sicht gut wettmachen. Im Anschreiben würde ich die Situation explizit ansprechen und wenn möglich eine entsprechende Einschätzung / Erklärung des Doktorvaters gleich beilegen.

Du kannst ja gern mal den Fortschritt in der Sache im Forum teilen. Wäre sicher auch für andere interessant.

Viel Erfolg!
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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von johndoe » 01.01.2019, 22:02

Danke schon mal für die motivierenden Rückmeldungen!

Da in der Stellenanzeige keine persönliche Kontaktperson genannt ist, werde ich es mal beim zuständigen Dekanat versuchen. Gibt es in einer Berufungskommission typischerweise eine zuständige Rolle für derlei Anfragen, nach der ich mich direkt erkundigen kann - und die ggf. auch Interna ausplaudert :) ? Oder ist das normalerweise der Vorsitzende? Ich habe leider bislang keine Erfahrung mit Berufungsverfahren und der Konstellation der Kommissionsmitglieder.

Tatsächlich gibt es ein paar Punkte, die im Vorfeld interessant zu wissen wären, um das Anschreiben optimal vorzubereiten. Das Lehrgebiet ist aus meiner Sicht doch recht breit aufgestellt und ich gehe schwer davon aus, dass es insgeheim doch einen Schwerpunkt gibt, der favorisiert wird.

Meinen Doktorvater werde ich ebenfalls fragen, ob er als Support für die Bewerbung direkt eine kurzes, schriftliches Statement abgeben möchte bzgl. meiner terminlichen Abschlusschancen.

Ich halte euch auf dem Laufenden, ob und wie es mit dem Vorhaben weitergeht!

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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von johndoe » 01.01.2019, 22:28

echolot hat geschrieben:
01.01.2019, 17:16
Kritisch wäre ggf. hierbei, dass es selbst bei sicherem Bestehen der Promotion unklar ist, mit welcher Note das Verfahren abgeschlossen hat. Einen Kandidaten mit einer "rite"-Diss durch die Gremien (Senat, Fakulatätsrat, ...) zu bringen ist sicher schwierig, damit wäre die o.g. Voraussetzung je nach Sichtweise der Beteiligten eventuell nicht erfüllt.
Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist für meine Situation - aber da ich an einer britischen Uni promoviere, gibt es letztlich einen Ph.D. ohne spezielle Note. D.h. entweder pass oder fail. Wie die fehlende Abstufung im Berufungsverfahren gehandhabt wird im Vergleich zu deutschen Promotionen, weiß ich natürlich nicht. Im Prinzip wird eine Submission eh nur unterstützt vom Doktorvater, wenn es Aussicht auf Erfolg gibt, da immer noch ein externer Beurteiler einer anderen Uni mit-entscheidet.
echolot hat geschrieben:
01.01.2019, 17:16
Zudem kommt auch der Zeitfaktor hinzu. Wenn die Professur zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu besetzen ist, ist es ggf. schwieriger, als zum nächsten WS oder gar SS 2020.
Tatsächlich ist der nächstmögliche Zeitpunkt gefragt in der Ausschreibung. Das wäre gleich die nächste Frage vorab an die FH, was denn der realistisch gewünschte Zeitpunkt zur Besetzung wäre. Lt. Ausschreibungstext wird ein neues Institut gegründet und es handelt sich um eine grundlegend neue Stelle, also keine Nachbesetzung. Gefühlt würde ich sagen, dass Nachbesetzung zeitkritischer wäre, da ja bereits geplante Kurse personell abgedeckt sein müssen. Oder hast du hierzu Erfahrung, wie dehnbar solche Berufungszeiträume sein können bei neu geschaffenen Stellen?
echolot hat geschrieben:
01.01.2019, 17:16
Meine Empfehlung wäre ganz klar, Kontakt zum Kommissionsvorsitzenden aufzunehmen und es zu versuchen. Die Bewerberlage gerade in Ingenieurfächern ist gerade für kleinere FHs sehr schwierig, da kann man mit thematischer Passung, ausreichend dokumentiertem Interesse an einer solchen Stelle und umfangreicher Industrieerfahrung die noch nicht ganz abgeschlossene Diss aus meiner Sicht gut wettmachen. Im Anschreiben würde ich die Situation explizit ansprechen und wenn möglich eine entsprechende Einschätzung / Erklärung des Doktorvaters gleich beilegen.
Danke für den Input, dann werde ich konkret nach dem Kommissionsvorsitzenden fragen, sofern der in der Ferienzeit verfügbar ist.

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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von flip » 02.01.2019, 13:55

Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist für meine Situation - aber da ich an einer britischen Uni promoviere, gibt es letztlich einen Ph.D. ohne spezielle Note. D.h. entweder pass oder fail. Wie die fehlende Abstufung im Berufungsverfahren gehandhabt wird im Vergleich zu deutschen Promotionen, weiß ich natürlich nicht. Im Prinzip wird eine Submission eh nur unterstützt vom Doktorvater, wenn es Aussicht auf Erfolg gibt, da immer noch ein externer Beurteiler einer anderen Uni mit-entscheidet.
Noch einmal: Da die Promotion keine formale Voraussetzung ist, ist es irrelevant was du für eine potentielle Note hast/nicht haben kannst.
Wie dann am Ende subjektiv damit umgegangen wird, ist eine ganze andere Geschichte.

Zum "nächstmöglichen Zeitpunkt" klingt erst einmal hart, da du aber den Job an die 20-30 Jahre machen wirst, werden sie dir keinen Strick daraus drehen, wenn du ein Semester später anfängst.

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Re: Chancen auf FH-Professur - Diss in der Endphase

Beitrag von Nomen Nescio » 02.01.2019, 15:23

johndoe hat geschrieben:
01.01.2019, 22:28
Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist für meine Situation - aber da ich an einer britischen Uni promoviere, gibt es letztlich einen Ph.D. ohne spezielle Note. D.h. entweder pass oder fail. Wie die fehlende Abstufung im Berufungsverfahren gehandhabt wird im Vergleich zu deutschen Promotionen, weiß ich natürlich nicht.
Selbst, wenn du es wüsstest, könntest du nichts ändern, also grüble nicht wg. Dingen, die ausserhalb deiner Reichweite sind. Wenn du die Stelle willst, dann bewirb dich, eine andere Möglichkeit gibt es wohl nicht! ;) Wenn die FH dich will, wird sich für den Starttermin eine Regelung finden lassen, mit der beide Seiten leben können, wenn sie dich nicht wollen, macht der Punkt auch keinen Unterschied. ;)

Viel Erfolg!
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