FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
schommes
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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von schommes » 15.01.2019, 09:10

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Bewerbung auf FH-Professuren oder Professuren allgemein ein sehr zähes und nervenaufreibendes Unterfangen ist. Ich habe selber habe mich auf etwa fünfzig Professuren beworben, wurde siebzehn Mal zum Vorsingen eingeladen und habe davon fünfzehn Probevorlesungen tatsächlich wahrgenommen. Herausgesprungen sind dabei zwei dritte, zwei zweite und zwei erste Plätze (einer von letzteren eine Gast- und einer meine derzeitige Lebenszeitprofessur).
Da kann ich verstehen, dass man als Außenstehender das Gefühl bekommt, die Aussage, FH-Professuren seien umgekehrt schwer zu besetzen, stimme nicht. Aber auch das kann ich aus eigener Erfahrung (Leitung einer Berufungskommission) bestätigen. Wir hatten auf eine Lebenszeitprofessur in einer norddeutschen Großstadt 26 Bewerbungen von denen 20 zu deutsch "Schrott" waren (keine Promotion, keine Lehrerfahrung oder fachliche Einschlägigkeit). Bei 2 der 6 zum Bewerbergespräch Eingeladenen bestand die Lehrerfahrung nur auf dem Papier. 4 haben wir zu Probevorlesungen eingeladen. Eine hat uns abgesagt, weil die Probevorlesung unmittelbar nach Neujahr lag (sic!). Einer wurde in der Probevorlesung von den Studierenden klar abgewertet und war letztlich fachlich auch nicht so einschlägig beschlagen, wie wir es uns erwartet haben. Wir haben ihn notgedrungen trotzdem auf Platz 3 gesetzt. Da wir einen Mann auf Platz 1 und eine aus unserer Sicht nicht ganz so einschlägig gebildete (wiewohl beeindruckende) Frau auf Platz 2 gesetzt hatten, hat unsere Gleichstellungsbeauftragte das Verfahren torpediert, so dass das Präsidium letztlich beschloss, es aufzuheben und die Stelle leicht verändert neu auszuschreiben. Auch das ist Berufungsalltag an deutschen Fachhochschulen. Es gibt hierzu übrigens eine interessante Studie vom DZHW.
Allerdings hängt die Frage, wieviel geeignete Bewerber eine Ausschreibung findet auch stark vom Fach und der Attraktivität der Region ab. Am düstersten ist es aus Hochschulsicht in den naturwissenschaftlichen Fächern. Hingegen kann aus Bewerbersicht in sozialwissenschaftlichen Fächern und an attraktiven Standorten das Feld der Konkurrenten recht stark sein.
Natürlich gehört zu Bewerbungen aber auch immer ein Quäntchen Glück. Und selbstverständlich gibt es leider auch immer noch viele Fälle in denen die ausschreibende Hochschule ihren Lieblingsbewerber längst gefunden hat und die Ausschreibung lediglich pro forma durchgeführt wird, oder in denen das Verfahren nicht regelkonform bzw. diskriminierend geführt wird.
Anderthalb Jahre Bewerbungszeit sind übrigens ein eher kurzer Zeitraum. Da muss man m.E. mit Verlaub einen deutlich längeren Atem haben.
Letztlich kann man Deinem Verlobten nur zu Geduld raten. Ich unterstelle mal, dass er jedenfalls alle formalen Anforderungen erfüllt (Promotion mindestens magna cum laude etc.)?! Dann sollte er eben nach Möglichkeit parallel an der Verbesserung seines Forschungsprofils arbeiten und eventuell schauen, ob fahrzeittechnisch eventuell auch andere Hochschulen außerhalb von NRW erreichbar sind. Pendelprofessuren sind gerade im FH-Bereich bundesweite Normalität. Tätigkeit in der Selbstverwaltung ist übrigens meist kein zugkräfiges Argument, denn die Bereitschaft hierzu wird in der Regel schlicht vorausgesetzt, auch wenn das in den Ausschreibungstexten immer so klingt, als sei das ein ausschlaggebender Aspekt. Gibt es eventuell Qualitäten, die er noch mehr betonen könnte, wie z.B. Aspekte der Internationalität (Auslandsstudium etc.)?
Letztlich gibt es aber nie eine Garantie auf eine Professur. Man muss sich verdeutlichen, dass man je nach Fachlichkeit zielt, die bundesweit überhaupt nur im niedrigen dreistelligen oder je nach Fachlichkeit vielleicht nur zweistelligen Bereich vorhanden ist. Von meiner Stelle gibt es im gesamten Land nach meiner Schätzung keine zwanzig. Da wird Bewerben auch ein bisschen zum Glücksspiel.
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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von CheekyEnough » 16.01.2019, 20:22

Vielen Dank schommes für deine wirklich informative Antwort :-)
Mein Verlobter hat sich mittlerweile auf weit mehr als 50 Professuren beworben, mittlerweile auch auf welche, die nur halbwegs passen. Er hat eine sehr gute Promotion, ist bei Studentenevaluierungen regelmäßig auf dem ersten Platz gelandet. Eigentlich ist er ein einem Bereich tätig, der ja offensichtlich stark nachgefragt wird. Er ist Physiker, Chemiker und Informatiker. Ihm fehlt es nur an der Forschung in letzter Zeit, da seine vorherige pivate Hochschule ihm mehr als Steine in den Weg gelegt hat und selbst dort hat er alles getan, was in seinen Möglichkeiten stand. Sein Arbeitszeugnis ist das Beste, was man so bekommen kann. Er wird nichtmal zu einem Probevortrag eingeladen, außer natürlich zu dem seiner jetzigen Professur ;-) Er erfüllt auch alle Anforderungen wie Vorlesungen in englischer Sprache usw.
Wenn ihm einfach nur jemand eine Chance geben würde, dann könnte er wenigstens zeigen was er kann.
Er hat einen Migrationshintergrund, von daher gehe ich mittlerweile davon aus, dass dies sein K.O. Kriterium ist. Wir sind einfach total verzweifelt. Ich bin mittlerweile schon so weit, dass ich bei den Hochschulen anrufen möchte und denen die Situation erklären möchte, in der Hoffnung, dass ihm doch jemand eine Chance gibt. Ich hatte auch schon mit dem Ministerium in NRW gesprochen, die können leider auch nicht helfen und das obwohl ja laut dem Grundgesetz die Familie unter dem besonderen Schutz des Staates steht.
Er bewirbt sich auch nicht nur in NRW, sondern im Umkreis von 200km. Ich weiß einfach nicht mehr wie es weitergehen soll.

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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von Apollo » 16.01.2019, 20:51

Vielen Dank Schommes :blume:
schommes hat geschrieben:
15.01.2019, 09:10
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Bewerbung auf FH-Professuren oder Professuren allgemein ein sehr zähes und nervenaufreibendes Unterfangen ist.
Yupp. Habe jetzt zwei Listenplätze, welche das sind, keine Ahnung, die Bewerbungen habe ich 2017 losgeschickt und ich höre nix und höre nix ... und das obwohl ich aus dem düstersten und dunkelsten naturwissenschaftlichen Bereich bin. Ich bin bis jetzt auch jedes mal eingeladen worden ...
schommes hat geschrieben:
15.01.2019, 09:10
Ich habe selber habe mich auf etwa fünfzig Professuren beworben, wurde siebzehn Mal zum Vorsingen eingeladen und habe davon fünfzehn Probevorlesungen tatsächlich wahrgenommen. Herausgesprungen sind dabei zwei dritte, zwei zweite und zwei erste Plätze (einer von letzteren eine Gast- und einer meine derzeitige Lebenszeitprofessur).
Da kann ich verstehen, dass man als Außenstehender das Gefühl bekommt, die Aussage, FH-Professuren seien umgekehrt schwer zu besetzen, stimme nicht. Aber auch das kann ich aus eigener Erfahrung (Leitung einer Berufungskommission) bestätigen. Wir hatten auf eine Lebenszeitprofessur in einer norddeutschen Großstadt 26 Bewerbungen von denen 20 zu deutsch "Schrott" waren (keine Promotion, keine Lehrerfahrung oder fachliche Einschlägigkeit). Bei 2 der 6 zum Bewerbergespräch Eingeladenen bestand die Lehrerfahrung nur auf dem Papier. 4 haben wir zu Probevorlesungen eingeladen. Eine hat uns abgesagt, weil die Probevorlesung unmittelbar nach Neujahr lag (sic!).
Wie kannst Du Dir die Diskrepanz erklären: Du erfüllst ja offensichtlich alle formalen Kriterien wurdest aber nur von 50 Bewerbungen nur 17 mal eingeladen, umgekehrt erfüllen von 26 Bewerbern nur 6 die Kriterien? Du hättest doch viel öfters Einladungen zu PLV bekommen müssen?
Zuletzt geändert von Apollo am 16.01.2019, 20:55, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von Apollo » 16.01.2019, 20:53

CheekyEnough hat geschrieben:
16.01.2019, 20:22
Er hat einen Migrationshintergrund, von daher gehe ich mittlerweile davon aus, dass dies sein K.O. Kriterium ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich Dir sagen, dass es kein K.O. Kriterium ist. Bitte nicht verzweifeln, das ganze ist halt iwie ein Glücksspiel und nicht planbar ...
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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von CheekyEnough » 16.01.2019, 20:59

Tja, nicht verzweifeln ist leichter gesagt als getan. Ich muss mich um meinen kranken Vater kümmern und mein Verlobter arbeitet 500km weit weg von mir. Es gibt leider keine Alternative dorthin zu gehen, auch wenn es so geplant war. Das Schicksal hat extrem hart zugeschlagen. Wir streiten mittlerweile auch extrem viel, weil die Situation für uns beide unfassbar belastend ist.
Mehr als auf ein Wunder hoffen kann ich wohl nicht.

Leider kann mein Verlobter auch keine Stellen als externer Dozent annehmen, sodass er der Hochschule so zeigen kann, das er die Hochschule wirklich bereichern würde.
Gibt es irgendeine Möglichkeit wer helfen könnte?

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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von CheekyEnough » 16.01.2019, 22:13

Eventuell kennt ja jemand hier jemanden, der aus BaWü nach NRW möchte aus dem Physik, Chemie, Mathe Bereich. Evtl gäbe es ja dann doch die Möglichkeit mit den Hochschulen zu sprechen, ob ein Tausch der Stellen möglich wäre.

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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von mantor » 16.01.2019, 23:57

Das klingt jetzt vielleicht blöd, aber: Hat mal jemand Externes über seine Bewerbung drübergeschaut? Ich habe das selbst mal bei einem Kollegen erlebt, der top qualifiziert war, aber selten bis nie Einladungen erhielt. Als Außenstehender war das überhaupt nicht nachvollziehbar. Für ihn selbst übrigens auch nicht. Irgendwann hat dann mal jemand aus einer Kommission einem Freund des Kollegen gesteckt, dass ein 32 Seiten langer Lebenslauf lächerlich erscheint …
Und aus meiner eigenen Erfahrung: Auch Anschreiben können problematisch sein. Mir hat mal jemand in einem Kommissionsgespräch gesagt, warum er nach der Lektüre meine Anschreibens (es ging um einen Halbsatz, in dem ich mich von einer Forschungsrichtung abgesetzt habe, eigentlich harmlos, dachte ich) gegen eine Einladung zum Vorsingen votiert hat. Lange Rede, kurzer Sinn: Gibt es die Möglichkeit, dass jemand sich das mal anschaut? Vielleicht ein befreundeter Kollege? Oder gibt es da auch Hilfe vom Berufsverband? Die bieten ja manchmal Bewerbungstrainings an, vielleicht optimieren die auch Bewerbungsunterlagen?

Dann noch einmal die Nachfrage zur Anzahl der Bewerbungen: Sind die Bewerbungen trotz der hohen Zahl auf die jeweilige Stelle, den jeweiligen Fachbereich und die jeweilige Universität abgestimmt? Wenn eine Kommission eine Bewerbung bekommt, die aussieht, als ginge sie genau so auch an alle anderen Hochschulen, kann das ein K.O.-Kriterium sein.

Schließlich: Ist Dein Mann verbeamtet? Hat Dein Mann sich mal beraten lassen, ob es die Möglichkeit gibt, die Stelle in Teilzeit zu machen? Oder besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, für die Pflege naher Angehöriger eine Reduktion des Deputats zu erreichen?

PS: Das mit dem Tausch geht übrigens hochschulrechtlich einfach nicht. Sonst würde ich mich auch gleich in die Tauschliste eintragen, um dem Pendeln ein Ende zu machen.
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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von mantor » 17.01.2019, 00:13

Hier noch ein Link zum Thema "Pflege naher Angehöriger". Wenn es finanziell möglich ist, würde Euch das vielleicht helfen, in der aktuellen, akuten Situation etwas den Druck rauszunehmen? https://www.dgb.de/themen/++co++46da5c2 ... 540023ef1a
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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von CheekyEnough » 17.01.2019, 00:16

Vielen, vielen Dank für eure Tipps und Erfahrungen :-)
Es hat wohl mal ein bekannter Prof drübergeschaut an einer FH wo er sich hier beworben hat, der sagte, dass mein Verlobter zu wenig Forschung machen würde. Er hat ihm erklärt, dass er an der HS wo er war alles menschenmögliche versucht hat, um auch größere Forschungsprojekte zu aquirieren. Es wäre aber sicherlich gut, wenn man jemand über die Bewerbung schauen würde, leider haben wir da aber ansonsten keine Kontakte.
Die Bewerbungen sind schon abgestimmt. Also der Lebenslauf ist natürlich schon immer gleich, aber das Anschreiben ist schon angepasst, er achtet auch sehr darauf herauszustellen, warum er genau der Richtige für die jeweilige Stelle ist.
Ja, er ist verbeamtet. Wenn er die Stelle in Teilzeit machen würde, kommen wir finanziell vorne und hinten nicht zurecht. Eine Deputatsreduktion kommt für ihn auch nicht in Frage. Er liebt seinen Job und arbeitet bis spät in die Nacht, nur damit die Vorlesung für seine Studenten noch besser verständlich ist und sie sich nicht langweilen. Das würde auch nicht viel helfen, denn wir wollen eine Familie und sind jetzt auch beide nicht mehr die Jüngsten, sodass wir ewig zeit haben. Ich möchte auf keinen Fall unser Kind allein großziehen. Ich bin aktuell mit der Situation mit meinem Vater komplett überfordert.
Wir lieben uns und wollen einfach wieder zusammen sein. Ich hätte alles für ihn aufgegeben, weil ich weiß wie wichtig ihm sein Job ist. Er liebt seinen Job. Man kann das bei ihm nichtmal als Job bezeichnen, es ist seine große Leidenschaft.
Ich finde das schon irgendwie diskriminierend, Lehrer dürfen auch tauschen. :-(

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Re: FH-Professur: Bundesländerübergreifende Tauschbörse o.ä. ?

Beitrag von schommes » 17.01.2019, 09:45

Ich kann die Frustration sehr gut verstehen. Wir sind verheiratet mit zwei kleinen Kindern (2 und 7) und ich pendele seit 8 Jahren zwei Tage die Woche 3 Stunden nach Westen. Meine Frau hat sich hier in Berlin eine eigene berufliche Karriere aufgebaut, der große ist auf der Wunschschule eingeschult, der Kleine auf der Wunschkita und jeder, der das mal gemacht hat, weiß, was das für ein Aufstand ist.
Kurz zu den einzelnen Punkten:
1. Migrationshintergrund
Sollte in der Theorie eher ein Vorteil als ein Nachteil sein, aber es gilt das alte Prinzip: "Man steckt nicht drin". Soll heißen, natürlich ist es denkbar, dass in einem spezifischen Berufungsverfahren fremdenfeindliche Reflexe eine Rolle spielen.
2. Tausch
Wird nicht funktionieren. Das ist jetzt nur mein persönliches Bauchgefühl, als deutscher Jurist in dritter Generation und jemand dessen Forschungssteckenpferd gerade Berufungsverfahren zu Fachhochschulen sind. Selbst wenn Ihr jemanden findet, der passt und will (was für sich betrachtet schon ein Sechser im Lotto ist), dann müsstet Ihr die jeweiligen Dienstherren von dem Tausch überzeugen. Aber dem stehen schon gesetzliche Regelungen entgegen, denn da die jeweilige Umbesetzung der Stelle de iure eine Neubesetzung ist, müsste dem dann eigentlich in beiden Fällen eine Neuausschreibung vorausgehen. Sicher gibt das Beamtenrecht auch hier Möglichkeiten her, aber die setzt - am typisch deutschen Standard gemessen - gerade übermenschliche mentale Flexibilität der handelnden Verwaltungen voraus. Nicht die drei Prinzipien der deutschen Verwaltung vergessen: 1. "Das haben wir schon immer so gemacht." 2. "Das haben wir noch nie so gemacht." 3. "Da könnte ja jeder kommen." ;-)
3. Qualitätskontrolle der schriftlichen Bewerbung
Finde ich generell immer eine gute Idee. Vielleicht kann da auch der HLB helfen (ist Dein Verlobter Mitglied? Falls nicht, sollte er es in Betracht ziehen). Zu verbessern gibt es immer was. Für mich immer ganz wichtig: Strukturierung des Anschreibens anhand der Musskriterien des einschlägigen Hochschulgesetzparagraphen und der additiven Kriterien der Bewerbung.
4. Mangelnde Forschung
Kann ein Faktor sein. Ich halte das bei FHs allerdings angesichts der Lehrbelastung und mangelnden personellen und sachlichen Ausstattung im Vergleich zu Unilehrstühlen für etwas heuchlerisch. Aber das hilft einem in einem spezifischen Verfahren natürlich nur wenig.
5. Was tun?
Statt vieler Bewerbungen in alle Richtungen, vielleicht mehr auf bestimmte Verfahren fokussieren. Kontakt zu nahe gelegenen Hochschulen suchen. Mit der Gleichstellungsbeauftragten turteln, den Dekan beknutschen, schon mal einen Lehrauftrag annehmen. Ist aber alles keine Garantie.
Ein anderer Weg wäre in einem Verfahren, in dem nach subjektiver Sicht gute Chancen hätte bestehen müssen und einfach mal Rechtsmittel (Konkurrentenstreit) erwägen?!
6. Sucht Euch Paartherapie
Ist kein Witz und ein unangebrachter Sarkasmus. Eure Probleme sind oberflächlich betrachtet in der beruflichen Situation begründet, aber da gibt es sicher auch weiteres "Material" (sorry. Konnte ich mir nicht verkneifen. Meine Frau ist Psychologin und wie gesagt: Die Probleme kommen mir sehr bekannt vor).

Beste Grüße, Thomas Elbel

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