Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
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Wierus
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Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von Wierus »

Hallo liebe Leute,

ich habe eine Frage an alle diejenigen unter euch, die nach der Dissertation einfach nicht genug vom Schreiben bekommen konnten und daher weitere wiss. Arbeiten/Sachbücher angefertigt haben. Ich meine also nicht die Diss und ebenso auch nicht die Habilitation, die ja im Grunde ähnlich einfach zu publizieren sein müsste wie die Diss.

Es geht mir nicht um "Geheimtipps" oder ähnliches. Ich möchte lediglich ein paar Erfahrungsberichte zum Thema Verlagssuche außerhalb der Universitätsverlage und der wissenschaftlichen Kleinstverlage hören. Die eigene Abschlussarbeit direkt im Uni-Verlag oder einer nahestehenden Publikationsreihe zu veröffentlichen ist ja tendenziell schon etwas anderes, als aus dem Nichts heraus an einen rein marktorientierten Verlag heranzutreten.

Daher meine Frage: Wie wahrscheinlich schätzt ihr es aufgrund eurer bisherigen publizistischen Erfahrungen ein, dass die erste "echte", d.h. völlig eigenständige Monografie nach der Dissertation bei einem kleinen, mittleren oder großen Sachbuchverlag erscheinen wird? Angenommen, man hat bereits einige sehr passende Verlage im Blick, die haargenau zu diesen Themenfeldern und Fachbereichen publizieren - kann man sich wirklich Hoffnungen machen, dass ein Verlag Interesse zeigt?

Zum Einen gehe ich davon aus, dass es Hunderte oder gar Tausende von Hobbyautoren gibt, die wöchentlich ihre Manuskripte und Buchideen an alle möglichen Verlage schicken, sodass die dortigen Lektorate vermutlich hoffnungslos überlastet sind. Zum anderen Frage ich mich, welche Rolle "Dritte" bei der Auswahl spielen, also etwa DFG, Stiftungen, Parteien, Institute - dass man also eine direkte oder indirekte "Empfehlung" braucht.

Danke im Voraus für jede Antwort!

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aamu
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Re: Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von aamu »

Das kann man pauschal nicht sagen und kommt wirklich ganz auf das Thema an. Im deutschsprachigen Raum gibt es etwa 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr und sehr viel mehr Manusprikteinsendungen. Die Verlage können sich üblicherweise vor solchen Einsendungen kaum retten, weshalb die Chancen, mit einem Blindversuch einen Verlag zu finden, eher gering sein. Das heißt natürlich nicht, dass man es nicht probieren kann.

Üblich ist es aber, dass Du nicht direkt eine fertige Monografie, sondern ein Exposé einreichst. Das Buch dazu hast Du im besten Fall noch nicht geschrieben. Die Verlage wissen sehr genau, welche Themen mit welcher Ausprägung aktuell gut funktionieren. Manchmal gibt es beispielsweise auch Buchreihen, für welche Autoren gesucht werden, die ganz spezielle Themen abdecken können.

Daher macht es Sinn, ein Exposé einzuschicken, das ein Beispielkapitel und eine Gliederung enthält. Insofern Interesse bei einem Verlag besteht, wird es nämlich viele Änderungswünsche geben - beispielsweise, dass das Thema insgesamt interessant ist, aber ein anderer Fokus und Schwerpunkt gewünscht ist.

Daher: Wenn Du Dich für eine Veröffentlichung interessiert, überlege Dir ein Thema, dass es so noch nicht in Buchform gibt, schreibe ein Exposé, ein Beispielkapitel und eine Gliederung und schicke es an prinzipiell alle Verlage, die in Frage kommen könnten. Rechne damit, dass sich manche Verlage gar nicht, andere erst nach mehreren Monaten zurückmelden. Das ist normal. Falls Du Interesse wecken konntest, könnt ihr konkreter sprechen. Das Buch wird dann genauer ausgeplant, der Schwerpunkt an die Wünsche des Verlages angepasst und ein Zeitplan ausgearbeitet. Erst dann beginnt üblicherweise die eigentliche Schreibarbeit.

Wenn du zuerst schreibst und dir dann einen Verlag suchst, ist die Gefahr sehr hoch, dass es keiner will. Das passiert ständig. Also: Erst Verlag suchen, Thema gemeinsam besprechen, dann schreiben.

Ich hoffe, das hilft dir etwas.
Wierus
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Re: Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von Wierus »

aamu hat geschrieben: 29.06.2018, 14:37Ich hoffe, das hilft dir etwas.
Aber sicher hilft das! Dank dir!

Ich recherchiere nebenher zum Thema "Publizieren" und muss echt sagen, dass eine bereits veröffentlichte Dissertation Gold wert ist, wenn man sich einem Verlag für weitere eigene Publikationen empfehlen möchte. Verlage scheinen dermaßen überlastet zu sein, dass Autoren ohne jegliche Referenzen den Aussagen und Erfahrungsberichten nach kaum Chancen haben, zumindest was den Bereich Sachbücher angeht.
spirograph
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Re: Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von spirograph »

Lieber Wierus,

Du hast mir immer geantwortet, nun will ich Dir gern meine schmale Expertise zuteil werden lassen. Mir schwebte vor geraumer Zeit vor, ein Sachbuch zu veröffentlichen. Es soll um ein schulpädagogisches Thema gehen und sich an Lehrkräfte, aber auch Studierende richten. Eine sehr publikationsaffine Kollegin kontaktierte ich daraufhin, kurzum ich schlenderte zu ihrem Büro, was meinem vis-a-vis liegt. Ich frug sie, ob sie Verlage empfehlen kann und mit welchen Sie Kontakt hat, auch um z.B. Schulbücher kostenlos zu bekommen, um diese wiederum in Seminaren mit den Studierenden analysieren zu können. Einfach ihre Erfahrungswerte etwas anzapfen. Sie nannte mir einige Namen von ihr gewogenen Buchmenschen, eben von schon gleich Redakteurinnen, also nicht nur die "bloßen" Verlagsadressen, wo jeder und jede was hinschreiben kann. Sondern gleich Adresse mit Namen von eben Redakteurinnen. Diese schrieb ich an, sagte dass meine werte Kollegin mich quasi dankenswerterweise verwiesen hat. Ha, schon Türöffner: "Ja, mit Frau Dr....haben wir ja immer gewinnbringenden Kontakt; und sie arbeiten zusammen, ja? Achso, die Welt ist ja manchmal klein..." Dann stellte ich meine schon sehr konkretisierte Buchidee vor, legte Konzeptpapiere vor, Fotos, ein geplantes Inhaltsverzeichnis und so nahmen die Dinge ihren Lauf... :-) nun schreibe ich ein Buch, was einen Aspekt meiner Diss vertieft, aber auf sehr anwendungsbereitem Niveau, praxisorientiert quasi. Diesen Graf-von-Monte-Christo-Tipp würde ich Dir geben. :-) Also: nicht an die allgemeinen Adressen, sonder gleich zwei, drei Stockwerek höher und denen mit "Türöffner-Leuten", die die schon gut kennen, kommen.......

Viel Glück!

Spiro
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Re: Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von Wierus »

spirograph hat geschrieben: 30.06.2018, 19:56Mir schwebte vor geraumer Zeit vor, ein Sachbuch zu veröffentlichen. Es soll um ein schulpädagogisches Thema gehen und sich an Lehrkräfte, aber auch Studierende richten. Eine sehr publikationsaffine Kollegin kontaktierte ich daraufhin, kurzum ich schlenderte zu ihrem Büro, was meinem vis-a-vis liegt. Ich frug sie, ob sie Verlage empfehlen kann und mit welchen Sie Kontakt hat
Ja, danke für den Hinweis! Der Zugriff auf das lokale Netzwerk an der Uni ist in der Tat am naheliegendsten; allerdings publizieren alle Doktoranden/Promovierte, die ich persönlich angesprochen habe, in den Buchreihen des Universitätsverlages. Einer hatte mir noch De Gruyter empfohlen, aber das ist ja im Grunde auch ein relativ kleiner, wenn auch international publizierender Wissenschaftsverlag für einen relativ überschaubaren akademischen Leserkeis.
spirograph
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Re: Erfahrungen mit Verlagssuche (realer Buchmarkt)?

Beitrag von spirograph »

Hi,


mmh, ich überlege gerade, wie ich das angehen würde. Ja, es gibt so Abteilungen an meiner Uni, die die Sachen der Uni-relatierte-Menschen veröffentlichen. Ich würde einfach da tollkühn anrufen und fragen, mit welchen Verlagen die da ferner gute Erfahrungen haben und ob die Ansprachpartner*innen da haben (harr harr!). Haben die, die agieren ja och nich im luftleeren Raum. Musst ja nich sagen, dassde planst dort dein Buch zu platzieren. Nur mal so informatorisch. Ein Anruf - kost ja nüschts. Sich ggf. an Leute, die mehr wissen, verweisen lassen. Wenn nich, dann nich. Ansonsten ein Anruf in der Uni-Bibliothek, die haben da auch Connections zu Verlagsmenschen. So dass Du ggf. an Mailadressen kommst plus Bezug zu Leuten deiner Uni, mit denen die gute Erfahrungen haben und da kannste Dich einklinken. Nicht nur so die allgemeinen Mailadressen, wo das Zeug eh im Spam landet, sondern gleich in der mittleren Verwaltung ansetzen. So würde ich das angehen. In meiner Uni kenne ich sofort wen, den ich anhauen kann, die och was wissen und so schneeballt sich das hin. Mischung aus bauernschlau und renitent. Oder eben Doktormutter/vater fragen. Sich von denen konkrete Verlagsmenschen geben lassen.

Alles Gute,

spiro
Wie groß ist das Wort Claudels: „La vie, c’est une grande aventure vers la lumiere“ (Das Leben ist ein großes Abenteuer zum Lichte hin)
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