Verzicht auf Anrede erbitten?

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vanitas
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Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von vanitas » 02.02.2018, 11:05

Hallo zusammen,

vorab bitte ich um Entschuldigung, falls ich eine Frage stelle, die schon diskutiert wurde - ich habe mich redlich bemüht zu suchen!

Auch wenn ich stolz auf meinen Doktortitel bin, lege ich keinen Wert darauf, im Gespräch so angeredet zu werden. Ich möchte nicht, dass mein Gegenüber sich die Umstände macht und ich möchte auch kein unnötiges Ehren-Gefälle aufkommen lassen. Wenn ich nun darum bitte, den Titel wegzulassen ("Sagen Sie ruhig einfach Herr XY." / "Herr XY reicht."), habe ich Sorge, dass das gönnerhaft und umso herablassender wirkt. Artikuliere ich den Wunsch? Oder nur in bestimmten Situationen?

Besonders knifflig ist es in einer Bewerbungssituation: Die (unpromovierten) Chefs und Personaler sollen nicht meinen, ich hielte mich für was Besseres. Gleichzeitig sitze ich aber vielleicht gerade in dem Vorstellungsgespräch, weil sie es geil finden, Dr. XY auf die Kunden loszulassen. Und, wie gesagt, ich will gerade jetzt nicht gönnerhaft wirken, wenn ich um Verzicht auf die Anrede bitte. Was meint Ihr?

Ich wünschte, das wären meine größten Probleme im Leben, aber vielleicht hat ja trotzdem jemand was Konstruktives beizusteuern (Erfahrungswerte, Einschätzungen, nützliche Links).

Besten Dank und schöne Grüße!

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flip
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Re: Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von flip » 02.02.2018, 15:19

Wenn ich nun darum bitte, den Titel wegzulassen ("Sagen Sie ruhig einfach Herr XY." / "Herr XY reicht."), habe ich Sorge, dass das gönnerhaft und umso herablassender wirkt. Artikuliere ich den Wunsch? Oder nur in bestimmten Situationen?
Ja, das wirkt in der Tat "gönnerhaft". Wo so oft bei Bewerbungsgesprächen gilt, dann man sich nicht zig Gedanken um jedes Detail macht, sondern das ganze einfach auf sich zu kommen lässt.

Der Königsweg ist also, dass man so lange nichts sagt, bis man angesprochen wird und dann weder überhastet, noch überheblich bzw. energisch sagt, dass der Gegenüber die Anrede weglassen kann. Dann vermeidet man auch den Fauxpas, dass man jemandem gleich unter die Nase reibt, dass er/sie doch bitte nicht mit "Doktor" ansprechen soll, obwohl er/sie es eh nicht getan hätte.

caipirinha11085
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Re: Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von caipirinha11085 » 02.02.2018, 16:01

Wenn ich mit jemandem voraussichtlich nur einmalig Kontakt habe, sage ich nichts. Auch in Bewerbungssituationen würde ich nichts sagen. Normalerweise wird man doch nur einmal mit dem Namen angesprochen und danach siezt man sich einfach ohne namentliche Ansprache..

Wenn man mit jemandem langfristig Kontakt hat, kann man nach den ersten Malen der Ansprache - sofern das Gegenüber den Grad in der Anrede nicht selbst fallen lässt - doch einfach sagen "nur xy bitte". Wenn man es so simpel formuliert und nicht zur großen Geste stilisiert, gibt es in der Regel kein Problem.

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Re: Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von praktikum » 03.02.2018, 14:16

Bei einem (vorerst) einmaligen Kontakt würde ich auf das "Erbitten" verzichten. Das kann auf andere Menschen nämlich so wirken, dass man sie korrigiert. Falls Du wirklich keine Lust auf den Doktorgrad hast, dann lass ihn einfach in Deinen Mails bzw. Anschreiben komplett weg. Falls Dich jemand nach Durchsicht Deiner Unterlagen trotzdem so nennt, dann solltest Du es erst einmal dabei bewenden belassen.

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Re: Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von kal-el » 06.02.2019, 16:42

Ich werde selten mit Titel angesprochen, meist nur bei Vorstellungen durch andere. Wenn ich aber so angeredet werde, mache ihc das ein oder zweimal mit, denn der andere will höflich sein.
Aber dann sage ich: "bitte ohne Dr.", oder ähnliches. Meist ergibt ich dann darüber ein oder zwei Sätze Gespräch, oft wird das aber auch einfach registriert und dann so verfahren, einmal meinte einer aber auch, nein,
er fühlt sich da wohler. Dann war es halt so.

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Re: Verzicht auf Anrede erbitten?

Beitrag von Cybarb » 08.02.2019, 08:16

Hallo,

ich habe nur einmal jemanden darauf hingewiesen, dass er den "Dr." ruhig weglassen könne. Das war ein Kunde, mit dem ich recht regelmäßigen Kontakt hatte und dessen Unterwürfigkeit ich nervig fand. Nicht nur aufgrund der Anrede, sondern im gesamten Verhalten.

Ergebnis: Er hat mich richtiggehend angestrahlt, gemeint, ok, dann lasse er den weg - und bei der nächsten E-Mail und im weiteren persönlichen Kontakt ging es direkt weiter mit "Herr Dr." hier, "Herr Dr." da. :wink:

Seitdem ist es mir egal. Sollen mich die Leute doch anreden, wie sie wollen.

Abschweifung: Ein eher lustiger Fall ist ein beruflicher Kontakt (kein Kundenverhältnis) mit einem Herrn, der ungefähr auf derselben Hierarchieebene steht wie ich und auch im gleichen Alter ist. Er ist auch promoviert. Der Schriftverkehr ging los mit "Sehr geehrter Herr Dr.". Kurz darauf schrieb ich dann mal "Lieber Herr Dr.", woraufhin er auch so antwortete. Dann verstieg ich mich zu einem "Lieber Herr", worauf er mit "Sehr geehrter Herr Dr." antwortete.
Da ist jemandem sein Dr.-Grad also offenbar recht wichtig, also musste gleich mal eine rote Linie gezogen werden... Es hat sich mittlerweile auf "Lieber Herr Dr." eingependelt.

Gruß
Cyb

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