FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
Latrino
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FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von Latrino » 08.03.2017, 17:18

Aus eigenem Interesse, aber wahrscheinlich auch im Interesse anderer, starte ich mal dieses Thema als eine Art Sammelbecken und zum Austausch von FH-Professoren und solchen, die es werden wollen (oder waren), oder die den Gedanken wieder verworfen haben.

Meine Bitte dabei ist, dass sich hier diejenigen austauschen, die bereits FH-Professoren sind oder die begründetes (!) Interesse an einer FH-Professur haben oder hatten, d.h. z.B. im Bewerbungsprozess stehen.

Aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit bitte ich insbesondere diejenigen, die nicht einmal die formalen Zugangskriterien erfüllen (insbesondere mind. 3 Jahre Berufserfahrung AUßERHALB der Universität), sich zurückzuhalten. Danke.

Dies gesagt, meine ersten (bewusst etwas offener gehaltenen) Fragen:

Wann und warum ist bei euch das erste Mal der Gedanke aufgekommen, an eine FH zu gehen? Wie seid ihr das Ziel angegangen?

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aber
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von aber » 15.03.2017, 21:12

Ich bin schon eine Weile anonymer Leser hier und habe mich jetzt für dieses Thema endlich mal angemeldet. Erstaunlicherweise bin ich auf das Doktorandenforum erst aufmerksam geworden, als ich mich selbst für die erste Bewerbung auf eine FH Professor im Netz informiert habe. Einige interessante Infos habe ich dann auch hier gefunden.

Ich will dir gern auf deine Fragen antworten.

Der Wunsch als Professor an eine HAW zu gehen kam bei mir schon während der Promotionszeit auf. Ich musste als wissenschaftlicher Mitarbeiter (Ingenieurwissenschaften) direkt am Institut neben der Forschung schon recht viel Lehre „schieben“ (Übungen/Praktika und Vorlesungsvertretungen), was mir aber viel Spaß gemacht hat und ein guter Ausgleich zum Forschen war. Eine Uni-Professur als Ziel kam bei mir aus folgenden Gründen nicht in Frage. Zum einen hätte ich auf dem Weg zur Habilitation etliche weitere Jahre auf befristeten Stellen mit sehr ungewissen Aussichten für die eigene Karriere ausharren müssen. Zum anderen wollte ich auch erst mal „in the real world“ arbeiten, anstelle als Post-doc einfach das nächste Forschungsthema zu bearbeiten. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe es zu forschen. Aber wollte auch die Entwicklung von konkreten Produkten in der Industrie kennen lernen.

Ich habe dann nur einen Monat nach der Disputation meinen ersten Industriejob begonnen. Und das war wirklich nicht schlecht. Gutes Gehalt, spannende Aufgaben die man in absehbarer Zeit abschließen konnte, 38 Stunden-Woche mit Stechuhr – sehr angenehm, wenn man aus einem befristeten WiMi Job kommt. Parallel habe ich weiter auf meine Berufung hingearbeitet: publiziert, auf Tagungen gegangen und Vorträge auf Konferenzen gehalten. Außerdem habe ich an der FH in meiner Stadt als Dozent eigenverantwortlich Lehrveranstaltungen gehalten.
Meine erste Bewerbung war dann an einer kleinen Hochschule in einer noch kleineren Stadt. Die Ausschreibung passte recht gut auf mich. Fürs Vorsingen musste ich eine Vorlesung über die Lösung einer gegebenen durchaus anspruchsvollen Aufgabe halten. Danach kam noch ein wissenschaftlicher Vortrag zu einem Thema meiner Wahl – jeweils vor Studierenden, Mitarbeitern und der Kommission. Abschließend gab es noch ein intensives, aber nicht unangenehmes 2 stündiges Gespräch mit der BK. Dass ich auf der Dreierliste stand habe ich dann noch recht zeitnah erfahren, aber es dauerte noch über ein Jahr, bis ich erfuhr dass ich nicht die Nummer 1 bin.

Inzwischen startete ich meinen zweiten Versuch. Diesmal an einer großen Hochschule in einer noch größeren Stadt. Der Ausschreibungstext passte noch viel besser zu mir als der Erste. Ich hatte aber absolut keine „Connections“ dorthin. Es war reiner Zufall. Aufgrund des attraktiven Standorts und der vermutlich guten Bewerberlage im Gegensatz zu meiner ersten Bewerbung habe ich mir keine großen Chancen ausgemalt. Aber das brachte wohl die nötige Lockerheit beim Vorsingen. Eine Woche nach der Probevorlesung bekam ich die inoffizielle Mitteilung, dass ich der Favorit bin und 4 Monate später war der Ruf da. Jetzt ist mein erstes Semester rum und ich bin rundum zufrieden mit meiner Entscheidung.

Fazit für alle mit demselben Ziel: Geht nach der Dissertation zeitnah raus in die Industrie, publiziert zu eurer Forschung, geht auf Tagungen und doziert nebenbei an einer FH (oder einer BA). Es schadet sicherlich auch nicht von einer namenhaften Firma zu kommen. „Connections“ sind meiner Erfahrung nach nicht zwingend notwendig, da Fachhochschulen im Gegensatz zu Unis auch keinen wissenschaftlichen Nachwuchs haben, der nach kurzem Aufenthalt an einer anderen Uni zurückkommt und an die begehrten Stellen will.

schommes
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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von schommes » 19.03.2017, 08:28

Nach Auslandsmagister und Doktorarbeit habe ich - dem Beispiel eines Freundes folgend - sofort begonnen, mich durch schiere Klinkenputzerei bei allen ortsnahen FHs um Lehraufträge zu bemühen. Das fruchtete recht schnell. Kein Wunder, bei den miesen Honoraren. Außerdem sind die FHs zumindest in meinem Bereich fast ständig auf der Suche nach Lehrbeauftragten, wie ich aus meiner derzeitigen Erfahrung als Lehrplanungsverantwortlicher weiß.
Ich habe dann etwa drei Jahre lang jedes Semester 4 SWS nebenberuflich unterrichtet.
Als freier Doktorand, der auch während des Studiums keine Lehrstuhlberührung hatte, hatte ich bis dahin außer der Doktorarbeit und eines im Zusammenhang damit entstandenen Artikels keine weiteren Veröffentlichungen vorzuweisen. Ich habe mich also daran gemacht, auch diese Scharte auszuwetzen. Dabei habe ich praktische Probleme aus meinem beruflichen Umfeld zum Anlass genommen, diese wissenschaftlich zu verwursten. Ohne Verbindungen zu irgendwelchen Lehrstühlen oder Verlagen war ich auch hier gezwungen, die Manuskripte blind einzureichen, was mal mehr, mal weniger gut klappte. Einmal habe ich über ein Jahr auf eine Reaktion gewartet, die dann auch noch als Absage kam.
Bei der Wahl meiner Hauptberufe habe ich nach Möglichkeit darauf geachtet, dass die Tätigkeit als anspruchsvoll und hochrangig einzuordnen war, respektive nicht einfach im Normalbereich meiner Fachlichkeit einzuordnen war.
Drei Jahre nach meinem Doktor war an einer der örtlichen FHs eine einjährige Gastprofessur wegen Elternzeit des Inhabers ausgeschrieben. Ich habe mich beworben und war einer von zwei Eingeladenen. Das war dann auch meine erste Probevorlesung. Die Stelle habe ich bekommen. W2 analog im Angestelltenverhältnis tat allerdings ganz schön weh und war in dieser Konstellation auch nicht verhandelbar. Die Gastprofessur war eine der anstrengendsten Zeiten meines Lebens. Ich musste pro Semester drei Vorlesungen aus dem Stand erstellen, von denen ich relativ sicher sein konnte, sie später nie wieder verwenden zu können. Aber es hat meinen Lebenslauf natürlich enorm aufgehübscht.
Nach dem Jahr gab es leider keine Möglichkeit der Verlängerung und so hieß es zurück in den Beruf. Ich habe dann weiter veröffentlicht, mehr Lehraufträge wahrgenommen und mich auf "richtige" Professuren beworben.
Zwei, drei Jahre später bin ich nach einigen Fehlversuchen bei meiner jetzigen Dienstherrin auf dem dritten Listenplatz gelandet. Dann ist - wie ich später erfuhr - der Erstplatzierte abgesprungen, woraufhin es dem Vernehmen nach eine Palastrevolte gegen den Zweitplatzierten (interner Bewerber) gab, so dass am Ende ich die ersehnte Lebenszeitstelle bekam.
Da ich derzeit Pendelprof bin, bewerbe ich mich fleißig weiter und habe mittlerweile ein gutes Dutzend Probevorlesungen auf dem Buckel, darunter auch diverse Listenplätze, nur leider (noch) keinen ersten.
Mittlerweile hatte ich auch schon das Vergnügen mal selbst eine Berufungskommission zu leiten.
Ach ja: Meine Fachlichkeit ist übrigens öffentliches Dienstrecht mit einem Schwerpunkt auf Hochschuldienstrecht ;-)

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von mm42 » 19.03.2017, 10:49

aber hat geschrieben:Dass ich auf der Dreierliste stand habe ich dann noch recht zeitnah erfahren, aber es dauerte noch über ein Jahr, bis ich erfuhr dass ich nicht die Nummer 1 bin.
Ein FH-Prof hat mir mal erzählt, dass er auf eine Bewerbung erst nach fünf Jahren die Absage bekam. Bei Prof-Bewerbungen gilt anscheinend "Keine Antwort ist auch eine Antwort". Die Kommission kann den anderen Kandidaten erst dann absagen, wenn der Wunschkandidat die Stelle angetreten hat.

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von schommes » 19.03.2017, 11:42

mm42 hat geschrieben:Ein FH-Prof hat mir mal erzählt, dass er auf eine Bewerbung erst nach fünf Jahren die Absage bekam. Bei Prof-Bewerbungen gilt anscheinend "Keine Antwort ist auch eine Antwort". Die Kommission kann den anderen Kandidaten erst dann absagen, wenn der Wunschkandidat die Stelle angetreten hat.
Fünf Jahre ist schon extrem lang. Ein bis zwei Jahre sind die Regel an der FH.

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von mm42 » 19.03.2017, 16:24

schommes hat geschrieben: Da ich derzeit Pendelprof bin, bewerbe ich mich fleißig weiter und habe mittlerweile ein gutes Dutzend Probevorlesungen auf dem Buckel
Wenn man als bereits auf Lebenszeit verbeamteter FH-Prof an eine HS in einem anderen Bundesland wechselt: wird man dann automatisch auf Lebenszeit "übernommen" (war man ja schon in einem anderen Bundesland), oder muss man dann nochmal zum Amtsarzt und durch die drei Jahre Beamte auf Probe?

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von Latrino » 19.03.2017, 22:16

Sehr schön, was von Leuten zu hören, die schon im Verfahren sind bzw. waren und schon FH-Profs sind.

@Schommes: hast Du keine Bedenken, dass Deine Bewerbungen die Runde machen an Deiner jetztigen FH? Schließlich sitzen in den BK doch immer auch externe Mitglieder... Bzw. wie gehst Du mit diesem Problem um (oder ist es letztendlich gar kein Problem)?

@mm42: Interessante Frage mit dem Wechsel des Bundeslandes. Eine einheitliche und verbindliche Regelung gibt es m.W.n. nicht. Ich habe mal gehört, dass das Problem daran ist, dass die "aufnehmenden" Länder die Pensionslast stemmen müssten, da FH-Profs Landesbedienstete sind. Von daher nehme ich an, dass ein Wechsel "kurz" nach der Verbeamtung noch recht einfach möglich ist, aber wahrscheinlich wird kein Land mehr einen 55-jährigen FH-Prof aufnehmen wollen, der schon 20 Dienstjahre (und damit ca. 30 Pensions-Anspruchsjahre) hat.

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von schommes » 20.03.2017, 11:48

mm42 hat geschrieben:Wenn man als bereits auf Lebenszeit verbeamteter FH-Prof an eine HS in einem anderen Bundesland wechselt: wird man dann automatisch auf Lebenszeit "übernommen" (war man ja schon in einem anderen Bundesland), oder muss man dann nochmal zum Amtsarzt und durch die drei Jahre Beamte auf Probe?
Wie Latrino sagt, hängt das vom Zielbundesland ab. Die einschlägigen beamten- und hochschulrechtlichen Regelungen sind seit der Föderalismusreform I in derartigen Details weit auseinandergedriftet.
Viele - aber nicht alle Bundesländer - kennen eine Professur auf Zeit oder Probe (deren Verfassungsmäßigkeit nebenbei gesagt heftig umstritten ist), aber in manchen davon gibt es Ausnahmeregeln für den Fall, dass der Bewerber aus einer (Lebenszeit-)Professur an anderer Stelle kommt. Dort, wo das nicht der Fall ist, besteht u.U. die Möglichkeit, sich bei der abgebenden Dienstherrin für die Zeit der Befristung um einen unbezahlten Sonderurlaub zu bemühen, so dass man schlimmstenfalls in die alte Stelle "zurückfällt". Die Möglichkeit, dass die abgebende Dienstherrin dazu bereit ist, ist aber aus faktischen Gründen sicherlich eher gering einzuschätzen und sollte auf jeden Fall vorab geklärt werden.
Um also eine genaue Antwort auf Deine Frage zu erhalten, müsstest Du uns das Zielbundesland benennen, damit man dann die dortigen gesetzlichen Regelungen unter die Lupe nehmen kann.
Das mit dem Amtsarzt ist davon getrennt zu betrachten und m.E. eher Ermessenssache im jeweiligen Einzelfall. Aber wenn man mir eine attraktive neue Stelle anbietet, marschiere ich dafür auch gerne noch mal zum Amtsarzt.

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von schommes » 20.03.2017, 12:03

Latrino hat geschrieben:@Schommes: hast Du keine Bedenken, dass Deine Bewerbungen die Runde machen an Deiner jetztigen FH? Schließlich sitzen in den BK doch immer auch externe Mitglieder... Bzw. wie gehst Du mit diesem Problem um (oder ist es letztendlich gar kein Problem)?
Menschlich mag das durchaus problematisch sein; juristisch ist es m.E. aus Sicht des Bewerbers völlig unproblematisch. Im Gegenteil: Das neue System der W-Besoldung, in dem man Leistungsbezüge z.B. durch Bleibeverhandlungen erzielen kann, stellt ja gerade ein starkes Motiv dar, sich auch aus einer Lebenszeitprofessur heraus immer mal wieder woanders hin zu bewerben, unabhängig davon, ob man die Stelle wirklich will. Da kenn ich Kollegen, die machen da einen regelrechten Sport draus. Meiner Meinung nach ein nicht wirklich durchdachter Fehlanreiz des Gesetzgebers, aber nun ist es halt mal so, also warum soll man davon keine Gebrauch machen.
Und Kollegen, die von vornherein nur auf Zeit oder Probe berufen sind, haben ja gar keine andere Möglichkeit, als sich schon frühzeitig - d.h. lange vor Ablauf der Befristung - woanders zu bewerben, um erst gar keine Lücken entstehen zu lassen. Die Entfristungsoptionen, die man in solchen Fällen immer mal wieder in den Ausschreibungstexten findet, sind in aller Regel - mit Bedacht - so windelweich formuliert, dass man darauf keinerlei Ansprüche gründen kann. Ich habe selber erlebt, wie die Hochschulleitung Kollegen in solchen Fällen am ausgestreckten Arm verhungern ließ, bis sie sich nolens volens wegbewarben und anschließend hatten wir Übriggebliebene extreme Schwierigkeiten, zeitgerecht adäquaten Ersatz zu finden. Hochschulverwaltungen sind bei so was meiner Erfahrung nach oft noch behäbiger als der öffentliche Dienst es im Allgemeinen ohnehin schon ist.
Dass einem dann die eigenen Kollegen in der BK für die neue Stelle begegnen könnten (wie ja z.B. auch literarische Kollaborateure, Ziehväter und -mütter) liegt in der Begrenztheit des akademischen Zirkusses. Das ist m.E. aber eher ein Problem der BK als des Bewerbers, denn der Gutachter dürfte in so einem Fall den gängigen Maßstäben zufolge als befangen gelten. Ich muss allerdings zugeben, dass mir genau dieser Fall bis jetzt noch nicht passiert ist. Wir haben allerdings immer wieder mal die bereits erwähnten Fälle literarischer Kollaboration, d.h. ein BK-Mitglied und ein Bewerber haben zusammen was geschrieben. Das ist dann eine Einzelfallabwägung. Ich meine, es gäbe da irgendein BVerwG-Urteil, wo der Passus ungefähr lautete: Alles was, über das Maß "unvermeidbarer" normalberuflicher Bekanntschaft hinausgeht, also da wo bereits so eine Art kollegialer Freundschaft (oder das Gegenteil) entstanden ist, führt zur Befangenheit. Das betreffende BK-Mitglied muss sich bei den einschlägigen Abstimmung also enthalten, oder schlimmstenfalls ausgetauscht werden.
Beantwortet das Deine Frage?

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Re: FH-Professur - Erfahrungen, Bewerbungstipps und Austausch

Beitrag von schommes » 20.03.2017, 12:12

Latrino hat geschrieben:@mm42: ... Ich habe mal gehört, dass das Problem daran ist, dass die "aufnehmenden" Länder die Pensionslast stemmen müssten, da FH-Profs Landesbedienstete sind. Von daher nehme ich an, dass ein Wechsel "kurz" nach der Verbeamtung noch recht einfach möglich ist, aber wahrscheinlich wird kein Land mehr einen 55-jährigen FH-Prof aufnehmen wollen, der schon 20 Dienstjahre (und damit ca. 30 Pensions-Anspruchsjahre) hat.
Das mit der Pensionslast ist kein Problem. Da das ja nicht nur die Professoren, sondern alle Beamten betrifft und Wechsel ja u.U. durchaus gewünscht sind, und durchaus auch in fortgeschrittenem Dienstalter, haben alle Bundesländer und der Bund (der ja auch eine FH hat) vor diesem Hintergrund ein Abkommen zum gegenseitigen Versorgungsausgleich getroffen. Wie das im Detail läuft, weiß ich nicht, aber es ist jedenfalls kein Hindernis.
Zu dem 55-jährigen Prof: Das möchte man meinen. Aber im Einzelfall zählt immer das Gesamtpaket. Ich habe es selber in einem Bewerbungsverfahren erlebt, dass am Ende eine Kandidatin besetzt wurde, die so alt war, dass die Regelungen des betreffenden Bundeslandes eine Lebenszeitverbeamtung überhaupt nicht mehr zuließen. Nicht, weil Sie woanders schon so viel gesammelt hatte (sie kam aus einem Angestelltenverhältnis), sondern weil sie die 5-Jahres-Grenze unterschritt, die sich m.W. in allen Versorgungsordnungen wiederfindet. Man hat sie trotzdem allen anderen wesentlich jüngeren Bewerbern vorgezogen. Warum, entzieht sich meiner Kenntnis. Vielleicht war die hierdurch erzielte "faktische" Befristung der betreffenden Hochschule auf zweites Hinsehen personalplanerisch durchaus genehm.
Ich war zwar kurz versucht, das mal rechtlich anzugreifen, aber habs mir dann verkniffen. Wenn man nicht gewollt ist, ist man nicht gewollt. :wink:

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