Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
marowe
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von marowe »

Hallo ihr Lieben,
Ich würde gerne von euch wissen, wie ist es euch ergangen nach der Promotion? Warum ich das wissen will? Nun denn, ich habe seit ein paar Monaten nen neuen Job und bin raus aus der Forschung. Beim Fertigstellen der Diss war ich noch glücklich, endlich einen normalen Job zu haben für den aber eine Promotion nicht notwendig ist. Jetzt, wo alles vorbei ist, bin ich total traurig und frage mich, ob die Forschung nicht doch eher was für mich ist. Ich bin raus, weil meine finanzielle Lage miserabel war. Ich hatte keine Stelle gehabt gegen Ende und habe mich zunächst neben dem Fertigschreiben mit Nebenjobs finanziert. Das alles fand ich so schlimm, dass ich raus wollte aus der Forschung.... Mein Forschungsthema und das Schreiben an sich, fand ich aber immer toll, nur die Umstände nicht... Ich habe mir auch nicht zugetraut, Forschungsgelder an Land zu sein. Networking ist nicht so meine Stärke. Allerdings habe ich sehr gut abgeschlossen und von allen gehört, dass ich es fachlich, methodisch drauf hab...
Nun bin ich aber total unglücklich. Man hatte mir auf der Arbeit versprochen, dass ich wechseln kann, sodass ich wenigstens inhaltlich mit meinem Forschungsthema zu tun haben könnte. Daraus wird aber wohl nichts und ich überlege mich umzuorientieren.
Da ich kein Mensch bin, der kopflos und ohne sich alles genau zu überlegen, sich irgendwo hineinstürzt, wollte ich mal fragen, wie es euch ergangen ist? Wart ihr glücklich, eure Diss endlich beendet zu haben? Falls ihr aus der Forschung raus seid, habt ihr das Forschen vermisst? Wenn ja, wie lange? Ich bin gerade total traurig und weiß gar nicht, wohin mein Weg gehen soll... Und frage mich, ist das normal und wie es den Rest der ehemaligen Doktoranden ergangen ist...

Schon einmal vielen Dank :)
xiotres
Beiträge: 82
Registriert: 17.07.2008, 18:33
Status: fertig
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von xiotres »

Hallo marowe,

es ist schon seltsam: da hat man ewig zu den Themen, die hier im Forum diskutiert werden, nichts beizutragen (und lässt es deshalb, "si tacuisses..."), und dann gleich zweimal an zwei aufeinander folgenden Tagen.

Ich kann allzu gut nachvollziehen, wie du dich fühlst. Habe nach meiner Promotion noch ein gutes Jahr Post-doc gemacht und mich währenddessen um Stellen außerhalb der Wissenschaft beworben. Mein Hintergrund war also seinerzeit finanziell nicht ganz so schwierig, wie es deiner gegen Ende der Diss wohl war. Aber auch ich habe letztlich die Wissenschaft ausschließlich verlassen, weil ich mit den Rahmenbedingungen nicht weiter leben konnte:
  • weder objektiv (nach insgesamt 12 Jahren ist es definitiv vorbei)
  • noch subjektiv (schaffe ich es, meine Stelle immer wieder verlängert zu bekommen bzw. Projekte an Land zu ziehen? Mit so kurzen Planungshorizonten komme ich nicht klar ...)
Nun bin ich seit knapp anderthalb Jahren im Job - und vermisse die Wissenschaft jeden Tag schmerzlich.

Dazu muss ich sagen, dass ich mich schon während der Diss und auch in der Post-doc-Zeit aktiv mit "echten" Alternativen (also keine Aushilfsjobs, Taxi fahren, Prekariat, nur woanders etc.) beschäftigt habe. Und mein neuer Job ist auch in einem Bereich, den ich mir selbst als eine solche echte Alternative ausgesucht und mit entsprechenden Fortbildungen und Tätigkeitsanteilen an der Hochschule gezielt angepeilt hatte.

Dennoch bin ich kreuzunglücklich, bin (wäre, da auch nicht so leicht) selbst für eine befristete Stelle bereit, jeder Zeit an die Hochschule zurück zu kehren.

Du merkst: du bist nicht allein.

Dennoch hoffe ich, dass du hier auch noch zahlreiche Geschichten und Tipps von Leuten als Antwort erhälst, denen es besser ergangen und die über ihr "Heimweh" zur Wissenschaft irgendwann hinweggekommen sind.

Alles Gute für deinen weiteren Weg!

Xiotres
"Denken ist schwerer, als man denkt." (duplo)
Glenda
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von Glenda »

Ich kann nachvollziehen, wie es euch geht. Ich würde aber nichts überstürzen, immerhin haben sich eure Lebensumstände gerade geändert (evtl. seid ihr auch umgezogen?), das dauert ein paar Monate, bis man sich in einer neuen (beruflichen) Umgebung voll und ganz akklimatisiert. Zumindest geht es mir so. marowe, wie sehr interessiert dich dein neues Gebiet? Wäre es möglich, dass du dafür ähnlich begeistert sein kannst, wie mit deinem Diss-Thema? Mich hat das Thema meiner Diss absolut nicht begeistert, ich fand es bestensfalls dröge und habe es hauptsächlich wegen der Methodik gemacht. Es war also nie mein Baby, dafür hatte ich eine gute Betreuung und von diesen Begleitumständen habe ich sicher mehr profitiert als von einem Thema, in dem mein Herzblut liegt. Daher würde ich auch in der Arbeit nie nur auf den Inhalt schauen, sondern auf das "Gesamtpaket".
marowe hat geschrieben:Networking ist nicht so meine Stärke. Allerdings habe ich sehr gut abgeschlossen und von allen gehört, dass ich es fachlich, methodisch drauf hab...
Ja, da geht es mir genauso. Meine Erfahrung mit dem Wissenschaftssystem ist aber, dass es mehr auf Networking und auf dein Standing bei den richtigen Leuten als auf fachliche und methodische Exzellenz ankommt. Das heißt nicht, dass man fachlich-methodisch schlecht sein kann. Aber wer fachlich durchschnittlich ist und sich gut verkaufen kann bzw. geschickt intregiert, der bringt es weiter als ein fachlich noch so exzellenter und schlauer Kopf, der hier weniger geschickt an seinem "Standing" bei den Chefs bzw. den relevanten Personen arbeitet. Das ist zumindest meine Beobachtung. Da würde mich interessieren, ob das in anderen Fachbereichen bzw. an anderen Unis auch so ist? Oder ist meine Beobachtung eher die Ausnahme? Wenn es in der Wissenschaft generell so ist, dann ist es vielleicht besser, du gehst in die Industrie, wo du zumindest weniger Unsicherheiten und keine 12-Jahres-Frist hast.
marowe hat geschrieben:Nun bin ich aber total unglücklich. Man hatte mir auf der Arbeit versprochen, dass ich wechseln kann, sodass ich wenigstens inhaltlich mit meinem Forschungsthema zu tun haben könnte. Daraus wird aber wohl nichts und ich überlege mich umzuorientieren.
Wie wurde es dir versprochen? Schriftlich im Arbeitsvertrag, mündlich im Vorstellungsgespräch? Wurde dir das definitiv zugesichert und blieb es mehr so im vielleicht? Bei mir ist es gerade ähnlich, im Vorstellungsgespräch wurde gemeint, dass sie mir XY nicht garantieren können, aber vielleicht besteht ja doch die Möglichkeit... Sie besteht natürlich nicht. :D Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll, meine erste Reaktion war hinschmeißen, aber wenn ich objektiv drüber nachdenke, dann hat mein Arbeitgeber (Wissenschaft) mir ja auch nichts verbindlich zugesagt. Wie ist denn die Arbeit sonst so, außer jetzt, dass du inhaltlich nicht dein Traumthema hast? Wie sind die Kollegen, wie der Chef, wie ist das Gesamtpaket?
marowe hat geschrieben:Wart ihr glücklich, eure Diss endlich beendet zu haben?
Nein, ich war erschöpft und ziemlich am Ende. Ich kenne aber keinen, der danach glücklich war.
Eva
Beiträge: 7807
Registriert: 06.07.2007, 17:35
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 18 Mal

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von Eva »

Glücklich? Naja. Erleichtert und froh, dass es endlich geschafft ist und ich mich anderen Dingen zuwenden kann, die während der Diss zu kurz gekommen waren? Definitiv ja! Ich habe allerdings extern promoviert und relativ lange gebraucht (6 Jahre), vielleicht macht das einen Unterschied. Parallel zur Einreichung der Diss bekam ich eine volle Stelle (vorher 50%), so dass mich Dispu-Vorbereitung, Überarbeitung und Drucklegung "nebenher" ziemlich gestresst haben. Mein Spaß am Forschen war danach erstmal gut befriedigt und ich fand es tatsächlich die erste Zeit angenehm, einfach normal zu arbeiten, Urlaub zu haben etc. Dazu habe ich pivat einiges nachgeholt, das ich während der Diss, aus Zeit- und Geldmangel etc. aufgeschoben hatte: Freundschaften und Hobbys, Umzug in eine größere Wohnung, neue Beziehung und Familiengründung...

@marowe: Wo stehst du denn so privat? Besteht dein Leben jetzt nur aus Arbeit, so wie es davor (vermutlich?) nur aus der Diss/aus Forschung bestand? Wäre es nicht ein Ansatz, das zu ändern? Wenn du all deine Befriedigung aus dem Job ziehst, stellst du sehr hohe Ansprüche an diesen - möglicherweise zu hohe?

Was die Lust auf Forschung angeht: Die ist bei mir nach der anfänglichen bewussten Hinwendung zu anderen Themen nach ner Weile zurückgekommen. Ich hatte inzwischen ein paar Mal Gelegenheit, zu Teilaspekten meines Diss-Themas zu referieren, das hat Spaß gemacht. Nun überlege ich, einen wissenschaftlichen Blog zu starten und einiges, was letztlich nicht in die Diss passte, zu Aufsätzen zu verarbeiten. Wissenschaft als privates Hobby quasi, ganz ohne Druck und Profilierungsnot. Vielleicht wäre das auch eine Lösung für dich?
marowe
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von marowe »

Glenda hat geschrieben:
marowe hat geschrieben:Networking ist nicht so meine Stärke. Allerdings habe ich sehr gut abgeschlossen und von allen gehört, dass ich es fachlich, methodisch drauf hab...
Ja, da geht es mir genauso. Meine Erfahrung mit dem Wissenschaftssystem ist aber, dass es mehr auf Networking und auf dein Standing bei den richtigen Leuten als auf fachliche und methodische Exzellenz ankommt. Das heißt nicht, dass man fachlich-methodisch schlecht sein kann. Aber wer fachlich durchschnittlich ist und sich gut verkaufen kann bzw. geschickt intregiert, der bringt es weiter als ein fachlich noch so exzellenter und schlauer Kopf, der hier weniger geschickt an seinem "Standing" bei den Chefs bzw. den relevanten Personen arbeitet. Das ist zumindest meine Beobachtung. Da würde mich interessieren, ob das in anderen Fachbereichen bzw. an anderen Unis auch so ist? Oder ist meine Beobachtung eher die Ausnahme? Wenn es in der Wissenschaft generell so ist, dann ist es vielleicht besser, du gehst in die Industrie, wo du zumindest weniger Unsicherheiten und keine 12-Jahres-Frist hast.
Ich finde Networking ja generell gut und versuche selbst irgendwie mein Glück. Mir schein manche Menschen haben da einfach mehr Talent. Bei meinem Fachbereich war es genauso. Es kommt der weiter, der am besten mit dem Chef kann. Sowas gibt es woanders sicherlich auch, allerdings sind die Konsequenzen in der Wissenschaft für den Rest schwerwiegend.

marowe hat geschrieben:Nun bin ich aber total unglücklich. Man hatte mir auf der Arbeit versprochen, dass ich wechseln kann, sodass ich wenigstens inhaltlich mit meinem Forschungsthema zu tun haben könnte. Daraus wird aber wohl nichts und ich überlege mich umzuorientieren.
Wie wurde es dir versprochen? Schriftlich im Arbeitsvertrag, mündlich im Vorstellungsgespräch? Wurde dir das definitiv zugesichert und blieb es mehr so im vielleicht? Bei mir ist es gerade ähnlich, im Vorstellungsgespräch wurde gemeint, dass sie mir XY nicht garantieren können, aber vielleicht besteht ja doch die Möglichkeit... Sie besteht natürlich nicht. :D Ich weiß noch nicht, wie ich damit umgehen soll, meine erste Reaktion war hinschmeißen, aber wenn ich objektiv drüber nachdenke, dann hat mein Arbeitgeber (Wissenschaft) mir ja auch nichts verbindlich zugesagt. Wie ist denn die Arbeit sonst so, außer jetzt, dass du inhaltlich nicht dein Traumthema hast? Wie sind die Kollegen, wie der Chef, wie ist das Gesamtpaket?
marowe hat geschrieben:Wart ihr glücklich, eure Diss endlich beendet zu haben?
Nein, ich war erschöpft und ziemlich am Ende. Ich kenne aber keinen, der danach glücklich war.[/quote]

Es wurde mir nur mündlich im Vorstellungsgespräch versprochen, aber die Stelle ist dann leider doch weggefallen. Die Arbeitsatmosphäre ist super! Kein Haifischbecken, normale Arbeitszeiten. Daran kann man sich gewöhnen :mrgreen: Thematisch find ichs halt nicht so spannend und die Arbeitsabläufe sind noch gewöhnungsbedürftig, obwohl ich mich zuweilen auch unterfordert fühle. Für die aktuelle Stelle hätte ein Master ausgereicht. Deswegen vielleicht auch mein Frust.

Es ist aber beruhigend zu hören, dass es anderen auch so geht. Dann bin ich nicht so alleine.
zombie777
Beiträge: 56
Registriert: 02.10.2014, 22:54
Status: schon länger fertig
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von zombie777 »

Ich bin seit 2 Jahren fertig, seit 1,5 Jahren habe ich einen "normalen" Job.

Wissenschaft vermisse ich nicht. D.h. ich kann mich immer noch an meinen Prof erinnern, mit dem die Zusammenarbeit echt schwierig war. Dazu kommt die einsame Arbeit. In meinem Bereich arbeitet man eher alleine. Die Wichtigkeit vom Vitamin B...

Was ich vermisse sind kluge Menschen, die logisch argumentieren können ohne sich zu widersprechen. Das klingt jetzt wahrscheinlich sehr arrogant, ich habe aber schon mehrmals gelesen, dass jemand sich ähnlich fühlte. Ja, natürlich auch in der Wissenschaft gibt es sehr gute Leute und nicht so gute Leute. Aber in meiner heutigen Arbeit hatte ich noch nie das Gefühl "Wow, der/die ist wirklich gut". Und vieles finde ich einfach absurd. Ich vermisse Diskussionen auf hohem Niveau und Situationen, wo man von seinen analytischen Fähigkeiten Gebrauch machen kann, es geht dabei aber nicht unbedingt um Diskussionen/Forschung in meinem konkreten Bereich (SoWi).
Glenda
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von Glenda »

marowe hat geschrieben:Ich finde Networking ja generell gut und versuche selbst irgendwie mein Glück. Mir schein manche Menschen haben da einfach mehr Talent. Bei meinem Fachbereich war es genauso. Es kommt der weiter, der am besten mit dem Chef kann. Sowas gibt es woanders sicherlich auch, allerdings sind die Konsequenzen in der Wissenschaft für den Rest schwerwiegend.
Das ist meiner Meinung nach genau der Punkt. :)
marowe hat geschrieben:Es wurde mir nur mündlich im Vorstellungsgespräch versprochen, aber die Stelle ist dann leider doch weggefallen. Die Arbeitsatmosphäre ist super! Kein Haifischbecken, normale Arbeitszeiten. Daran kann man sich gewöhnen :mrgreen: Thematisch find ichs halt nicht so spannend und die Arbeitsabläufe sind noch gewöhnungsbedürftig, obwohl ich mich zuweilen auch unterfordert fühle. Für die aktuelle Stelle hätte ein Master ausgereicht. Deswegen vielleicht auch mein Frust.

Es ist aber beruhigend zu hören, dass es anderen auch so geht. Dann bin ich nicht so alleine.
Naja, gib dir noch ein wenig Zeit, manchmal kommt das Interesse an einem Thema erst dadurch, dass du dich damit beschäftigst. Insb. wenn der Rest stimmt, das ist ja auch keine Selbstverständlichkeit. Und es ist ja auch nicht gesagt, dass du bis zur Rente nur noch genau diese Arbeit machst. Übrigens finde ich Evas Vorschlag ziemlich gut. Wissenschaft ohne die miserablen Arbeitsbedingungen und den ganzen Müll, der es einem verleiden kann. :)
zombie777 hat geschrieben:Was ich vermisse sind kluge Menschen, die logisch argumentieren können ohne sich zu widersprechen. Das klingt jetzt wahrscheinlich sehr arrogant, ich habe aber schon mehrmals gelesen, dass jemand sich ähnlich fühlte. Ja, natürlich auch in der Wissenschaft gibt es sehr gute Leute und nicht so gute Leute. Aber in meiner heutigen Arbeit hatte ich noch nie das Gefühl "Wow, der/die ist wirklich gut". Und vieles finde ich einfach absurd. Ich vermisse Diskussionen auf hohem Niveau und Situationen, wo man von seinen analytischen Fähigkeiten Gebrauch machen kann, es geht dabei aber nicht unbedingt um Diskussionen/Forschung in meinem konkreten Bereich (SoWi).
Solche Menschen habe ich (ebenfalls SoWi) bereits in der Wissenschaft selbst vermisst. (Wahrscheinlich waren die alle bei dir an der Uni. :D) Diese klugen Köpfe waren immer nur eine verschwindend geringe Minderheit und die sind so gut, dass sie -so meine Beobachtung- auch außerhalb der Wissenschaft ihren Weg finden und erfolgreich sind. Es braucht manchmal einfach nur das richtige "Biotop".
Zwonk
Beiträge: 8705
Registriert: 28.04.2013, 14:13
Status: Dr. Zwonk
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von Zwonk »

Ich habe die Wissenschaft eigentlich nur die Zeit vermisst, in der ich nach der Promotion arbeitslos war. Allerdings bin ich auch ein Mensch, der sich sehr schnell von Dingen begeistern lässt. Mir hat das Leben an der Uni und insbesondere die Promotionszeit wirklich viel Spaß gemacht, aber inzwischen merke ich schon, dass mir die Uni bzw. die Welt der (universitären) Wissenschaft immer fremder wird. Selbst wenn ich die Chance hätte (als Geisteswissenschaftler völlig unrealistisch), ich würde nicht mehr zurückwollen.

Auch die Erfahrungen von @zombie777 kann ich nicht teilen. Ich bin in meinem Job "draußen" mit vielen hochintelligenten Leuten zusammen und leide an allem möglichen, aber zurzeit nicht an Unterforderung im Hinblick auf meine analytische Kompetenz. Ich würde schon sagen, dass das sehr auf den Job und die Branche ankommt und weniger auf die Frage ob Uni oder freie Wirtschaft.
zombie777
Beiträge: 56
Registriert: 02.10.2014, 22:54
Status: schon länger fertig
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von zombie777 »

Zwonk hat geschrieben: Auch die Erfahrungen von @zombie777 kann ich nicht teilen. Ich bin in meinem Job "draußen" mit vielen hochintelligenten Leuten zusammen und leide an allem möglichen, aber zurzeit nicht an Unterforderung im Hinblick auf meine analytische Kompetenz. Ich würde schon sagen, dass das sehr auf den Job und die Branche ankommt und weniger auf die Frage ob Uni oder freie Wirtschaft.
Da bin ich neugierig in welchem Bereich Du arbeitest. Etwas technisches vielleicht?

Ich bin in der Unternehmensberatung. Ich würde gerne weitersuchen, weiß aber nicht, wo es besser sein könnte. Manchmal gibt es Projekte, wo man sich anstrengen muss, das ist aber die Minderheit. Und "sich anstrengen" heißt in diesem Kontext eher "20 Stunden pro Tag da sein, weil der Kunde das so erwartet" als "sich intellektuell anstrengen".

Meistens sind das langweilige Aufgaben und bei der Beurteilung kommt es eher darauf, ob du häufig genug deinen Chef anlächelst als darauf, ob du wirklich weißt, wovon du redest. Es wird auch absolut nicht erwartet, dass man sich intellektuell weiterentwickelt, eher dass man die Buzzwords, die wir so haben (Design Thinking! Lateral Thinking! Agility! Gamification! Usw.), so oft wie möglich benutzt und viel Enthusiasmus/ Selbstsicherheit zeigt.
Zwonk
Beiträge: 8705
Registriert: 28.04.2013, 14:13
Status: Dr. Zwonk
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 7 Mal

Re: Wie lange habt ihr die Forschung vermisst?

Beitrag von Zwonk »

@zombie777: Ich kenne diesen Bereich der Unternehmensberatung, den Du beschreibst, auch, habe aber nie was davon gehalten. Im weitesten Sinne bin ich allerdings auch in der Beratung unterwegs, allerdings in der IT-Beratung mit einem sehr stark technischen Fokus.
Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag