Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
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Tolotos
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Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Tolotos » 17.11.2016, 22:31

Hallo,

ich bin momentan Doktorand in Mathematik. Die Arbeit an der Uni macht mir auch sehr viel Spaß, allerdings mit etwas anderen Vorzeichen als bei den meisten: Forschung ist für mich der Teil meines Jobs, den ich zwischen "ganz ok" und "gut" einstufe. Der Teil, der mir wirklich und fast vorbehaltlos Spaß macht, ist die Lehre. Ich habe bisher einige Vorlesungen betreut, Bachlor- und Masterstudenten betreut und halte jetzt auch erstmal eigenverantwortlich eine Vorlesung. Obwohl es sich nur um eine Serviceveranstaltung für andere Fachrichtungen (mit entsprechend interessiertem Publikum) handelt, macht auch das mir sehr viel Spaß. Sowohl mir zu überlegen, wie ich auch dort zumindest den Studenten etwas mitgeben kann, sowie das Erklären an sich, gefallen mir sehr gut.

Man kann es schon rauslesen: Wenn es möglich wäre, würde ich eine Karriere, in der ich nur oder sehr viel Lehre an der Universität mache (natürlich würden mir fortgeschrittene Mathe-Vorlesungen, gerne auch forschungsnah, nochmal mehr Spaß machen), sehr begrüßen.

Leider denke ich, dass die klassische "Habilitation --> Prof"-Laufbahn nichts für mich ist. Das hat verschiedene, in einander verwobene Gründe:

- Der erste und wichtigste ist ganz einfach, dass ich nicht gut genug dafür bin. Klar ist es sehr schwer sich realistisch selbst einzuschätzen, und viele auf meinem Level unterschätzen sich auch. Ich denke aber doch, dass ich mittlerweile in der Lage bin, meine Fähigkeiten vernünftig zu reflektieren: Ich bin sehr gut darin, mathematische Zusammenhänge (auch auf der Komplexität aktueller Forschung) zu verstehen sowie diese anderen zu erklären. Mit leichten Abstrichen, aber immer noch gut bis sehr gut, bin ich darin, mit recht klaren Anweisungen (schau mal, was man aus den folgenden Papern auf die und die Situation verallgemeinern kann; Schau mal In Quelle A, Quelle B und Buch YZ - sollte man da nicht eine Bedinung für ABC ableiten können?) eigenständige, noch nicht bekannte Dinge zu erforschen.
Schlecht bin ich darin (und zwar nicht "nur" in einem Maß, dass dem Stand meiner wissenschaftlichen Karriere angemessen ist - ich habe ja auch den Vergleich zu anderen, befreundeten Doktoranden), einen Überblick zu haben, wo es sich überhaupt zu forschen lohnt, selbstständig Ansätze zu finden oder auch nur Ideen zu haben, was man warum sinnvoll verallgemeinern könnte (und überhaupt verallgemeinern will).
Nicht schlecht genug, dass es meine Dissertation ernsthaft gefährdet, aber definitiv schlecht genug, um im umkämpften Bereich "Uni-Karriere" keine realistische Chance zu haben. Verbunden damit ist natürlich wie oben schon geschrieben:
- Ich mache auch längst nicht so gerne Forschung wie Lehre. Möglicherweise liegt es auch daran, dass ich es nicht so gut kann (oder ich kann es, zumindest in einem gewissen Maß nicht so gut, weil ich es nicht so gerne mache, und entsprechend nicht "das allerletzte" an Zeit usw. dafür gebe).
Wie oben beschrieben reicht es noch, dass ich Forschung als Teil eines Jobs notfalls akzeptieren würde, wenn ich denn Forschung extrem gut könnte. Aber da letzteres nicht der Fall ist, muss ich mir darüber keine Gedanken machen.
- Ich habe bisher auch nicht wirklich auf eine Uni-Laufbahn hingearbeitet (aus oben genannten Gründen). Ich bin Ende 20, werde noch etwa 2 Jahre allein für die Diss brauchen, bin gerade international kaum vernetzt (was daran liegt, dass auch unser Lehrstuhl kaum vernetzt ist, und das unser Forschungsschwerpunkt allgemein nicht viele Mathematiker weltweit interessiert), habe zwar schon ein Paper eingereicht, aber noch nichts veröffentlich, und bahnbrechend ist das Paper, auch wenn es irgendwann mal angenommen wird, bei Weitem nicht. Eher "interessante Arbeit, die irgendjemand machen muss, aber niemand überrascht". Ich war bisher auch nur an dieser einen Uni, sowohl fürs Bachelor- und Masterstudium als auch jetzt für die Promotion.
- Ich will auch ungern längere Zeit ins Ausland. In der Kante von einem Jahr, oder wenn es absehbar nicht länger ist, vielleicht auch 2-3 wäre bei einem sehr guten Angebot vielleicht noch vertretbar. Noch länger definitiv nicht.

Aus diesen Gründen denke ich also, dass eine "klassische" Uni-Laufbahn für mich definitiv nicht in Frage kommt. Bis vor einiger Zeit hatte ich mich mehr oder minder damit abgefunden, dass ich dann nach meiner Promotion in die Wirtschaft gehen würde.

Jetzt bin ich vor kurzem auf die Idee gekommen, ob es nicht doch Stellen gibt, die eher sowohl meinem Wunschprofil an einen Job als auch dem Profil aus Arbeitgebersicht an mich (Begabung und hohes Engagement für Lehre; durchaus Bereitschaft auch Verwaltungsaufgaben mit zu übernehmen, wenn ein großer Teil des Jobs Lehre ist; durchaus Bereitschaft, auch ein wenig Forschung zu machen [falls das mit meinem oben genannten Fähigkeiten überhaupt sinnvoll eigenständig möglich ist]).
Ideen wäre dabei entweder der Mittelbau an der Uni, den es aber in Deutschland meines Wissens fast nicht gibt (und leider, s.o., will ich auch nicht dauerhaft ins Ausland) - so etwas wie akademischer Rat, Privatdozent, o.ä. - hat man dort irgendwelche Chancen mit meinem oben beschriebenen Profil?
Oder vielleicht auch, was hier von vielen schon in Threads angesprochen wird - eine Karriere an einer FH? Es gibt natürlich nur wenige FHs, die Mathematik anbieten, aber vielleicht würde ja auch (zumindest zeitweise, auf Dauer müsste ich mir selbst darüber klar werden) etwas in Frage kommen, wo man viele oder nur Service-Veranstaltungen für BWLer, Ingenieure und co hält?! Weiß jemand von euch, ob es da für Mathematiker Perspektiven gibt? Gerne auch nicht direkt nach der Promotion, sondern mit dem üblichen Werdegang "erst mal" in der Wirtschaft zu arbeiten.
Denkt ihr, an eine Karriere an einer FH ist mit obengenanntem Profil (insbesondere, wenn man deutlich unterdurchschnittlich in der Forschung ist), überhaupt zu denken?

Natürlich wäre ich auch für weitere Vorschläge, auf die ich noch nicht gekommen bin, dankbar.

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Traudel
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Re: Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Traudel » 20.11.2016, 09:15

Hallo Tolotos,

normalerweise bin ich nicht lesefaul, aber Dein Posting war n bisserl lang. Daher hoffe ich, meine Idee, die ich Dir vorschlagen möchte, nicht überlesen zu haben.
Wenn Du so gern lehrst, dann halte die Augen offen nach Stellen für "Lehrkräfte für besondere Aufgaben" (LfbA). Ich selbst habe einen anderen fachlichen Hintergrund, aber ich bin an einer FH tätig, die Mathe-(Vor-/Brücken-/Angleich-)Kurse (auch) über LfbA abwickelt (darunter Promovierte). Insb. in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften. Viele Stellen sind scheiße bezahlt. Ne Einstufung in bzw. ein Äquivalent zu E13 ist an FHs (abhängig vom Fachbereich) nicht selbstverständlich. Natürlich findest Du auch Stellen an Unis.
Auch Fachlehrerstellen kommen für Dich in Frage.

Terminologie, Anstellungsverhältnisse und Lehrverpflichtung hängen u.a. vom Bundesland ab. Google mal.

Gerade im Zuge von Qualitätsverbesserungsmaßnahmen und Bund-Länder-Programmen sind allerlei Bildungsübergänge-erleichtern-Projekte entstanden, die z.B. ihr Augenmerk auf die Studieneingangsphase richten. Und da die Vorkenntnisse in Mathe - u.a. wegen der vielen, vielen hinzugekommenen Hochschulzugangswege - höchst heterogen und oft nicht ausreichend sind, haben viele Hochschulen Vorkurse und begleitende Lehrveranstaltungen zur Verringerung der Abbruchquote eingeführt.

Ich hoffe, ich konnte ne kleine Anregung beisteuern. Viel Erfolg und LG Traudel

Tolotos
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Re: Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Tolotos » 21.11.2016, 14:44

Hallo Traudel,

Zunächst mal sorry, dass ich so ausschweifend bzw. viel geschrieben habe und danke, dass du trotzdem alles gelesen hast und mir antwortest.

Stellen dieser Art hören sich in der Tat prinzipiell sehr interessnt für mich an, und ich hatte sie bisher nicht auf dem Schirm. Rein vom Arbeitsinhalt her ist das ziemlich nah (bzw. wenn man bei manchen Stellen dieser Art auch noch Lehre für höhere Semester machen kann sogar genau das) an dem was ich suche.

Das einzige, was mich an der Stelle noch zusätzlich zu den schon von dir gegebenen Informationen interessiert: Du schreibst ja schon, dass die Anstellungsverhältnisse etc. vom Bundesland und von der genauen Stelle abhängen. Da werde ich mich wohl erst detailliert informieren, wenn ich auch anfange, mich zu bewerben und das ist ja noch ein bißchen hin. Aber kannst du aus deiner Erfahrung einschätzen (natürlich nicht hunderprozentig, aber als prinzipielle Einschätzung), ob man realistisch planen kann, in derlei Stellen (oder gar einer einzigen) auf Dauer beschäftigt zu sein?

Traudel
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Re: Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Traudel » 21.11.2016, 18:07

Hallo lieber Tolotos,

wie schön, dass meine Anregungen was für Dich waren :blume:

Daher tut es mir umso mehr leid, mit nicht allzu tollen Neuigkeiten Deine nächste Frage beantworten zu müssen: Stellen für LfbA und (projektgebundene) Fachlehrerstellen sind sehr, sehr, sehr oft befristet. Sogar mitunter schmerzlich kurz, beispielsweise nur semesterweise (im worst case). Großartige Planungssicherheit ist da nicht... Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen und -- ja, wieso nicht -- Glücksfälle. Halt Die Augen und Ohren offen! Um Dein Lehrprofil weiter zu schärfen, Deine Lehrkompetenzen zu professionalisieren und Dich noch interessanter für derartige Stellen zu machen, kümmere Dich auch jetzt schon um anderweitige Lehr-Arrangements. Zum Beispiel auf freiberuflicher Basis an anderen (privaten) Hochschulen, an Erwachsenenbildungsstätten, ja und auch bei der VHS oder so. Wenn Dir Lehre Freude bereitet, dann sammle breite Erfahrungen!

Viel Erfolg wünscht
Traudel

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Re: Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Traudel » 21.11.2016, 18:07

Hallo lieber Tolotos,

wie schön, dass meine Anregungen was für Dich waren :blume:

Daher tut es mir umso mehr leid, mit nicht allzu tollen Neuigkeiten Deine nächste Frage beantworten zu müssen: Stellen für LfbA und (projektgebundene) Fachlehrerstellen sind sehr, sehr, sehr oft befristet. Sogar mitunter schmerzlich kurz, beispielsweise nur semesterweise (im worst case). Großartige Planungssicherheit ist da nicht... Aber natürlich gibt es auch Ausnahmen und -- ja, wieso nicht -- Glücksfälle. Halt Die Augen und Ohren offen! Um Dein Lehrprofil weiter zu schärfen, Deine Lehrkompetenzen zu professionalisieren und Dich noch interessanter für derartige Stellen zu machen, kümmere Dich auch jetzt schon um anderweitige Lehr-Arrangements. Zum Beispiel auf freiberuflicher Basis an anderen (privaten) Hochschulen, an Erwachsenenbildungsstätten, ja und auch bei der VHS oder so. Wenn Dir Lehre Freude bereitet, dann sammle breite Erfahrungen!

Viel Erfolg wünscht
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Re: Joboptionen mit Schwerpunkt auf universitärer Lehre (Bereich: Mathe)

Beitrag von Traudel » 21.11.2016, 18:08

Tschuldigung, zweimal geklickt :lol:

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