Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
pamparampa
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von pamparampa » 30.06.2016, 19:09

Interessanter Beitrag!

Mir war es schon nach der Promotion klar, dass es so ist wie Du das beschreibst und habe mich in der Wirtschaft beworben.

Wobei man sagen muss, dass viele der von Dir beschriebenen Probleme auch in der freien Wirtschaft existieren. Ich arbeite deutlich mehr als das, wofür ich bezahlt werde. Ich schreibe manchmal um 22:00 Uhr E-Mails an meinen Kunden. Und ja, ich verbringe auch eine Menge Zeit jede Woche in Flugzeugen.

Und vor allem, jedes, besonders jedes große, Unternehmen ist ein feudales System. Was Du kannst ist nicht entscheidend. Entscheidend ist wenn Du kennst. Ich kann mir vorstellen, es gibt Ausnahmen, super gute Spezialisten, und natürlich kann man sich selbtständig machen... Aber in der Regel gilt es, jeder kann ersetzt werden. Ich möchte jetzt bald befördert werden. Man hat mir geraten, mir einen "Big Guy" zu finden, der für mich auf den Treffen von Managern kämpfen wird...

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Bertram
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Bertram » 06.07.2016, 13:03

Wobei man sagen muss, dass viele der von Dir beschriebenen Probleme auch in der freien Wirtschaft existieren. Ich arbeite deutlich mehr als das, wofür ich bezahlt werde. Ich schreibe manchmal um 22:00 Uhr E-Mails an meinen Kunden. Und ja, ich verbringe auch eine Menge Zeit jede Woche in Flugzeugen.
Diese Reflektion, dass es außerhalb der Uni auch nicht das Paradies ist, ist wichtig. Sie hält mich derzeit davon ab, einfach rauszugehen.

Paulchen
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Paulchen » 07.07.2016, 07:40

Ich denke, dass hier niemand behauptet hat, dass es in der Welt da draußen (in der freien Wirtschaft oder dem ÖD) besser ist als an der Uni. Für mich persönlich gibt es karrieretechnisch und mit Blick auf meine Lebensplanung eben die folgenden Möglichkeiten:
1. man bleibt in der Wissenschaft:
a) man bekäme in absehbarer Zeit (also bevor einen das WissZeitVG erwischt) eine unbefrisstete Stelle (halte ich angesichts der Aussichten in meinem Fach für unwahrscheinlich).
b) man hält sich nach Ablauf der Zeit mit Lehrstuhlvertretungen und Drittmittelprojekten über Wasser.
c) die zwölf Jahre sind um und man steht dann frisch habilitiert in der Arbeitsagentur.

2. man wechslt in die freie Wirtschaft oder in den ÖD (dort gibt es dann im besten Fall einen unbefristeten Vertrag und eine etwas sicherere Perspektive). Der Wechsel schließt grundsätzlich ja auch nicht aus, dass man als Hobby (wenn Zeit ist) noch das ein oder andere Papier schreibt oder einen Lehrauftrag macht. Man hat eben das WissZeitVG nicht mehr im Nacken.

Ich habe mich dann doch für 2. entschieden. Für mich spielen dann zwei Faktoren eine Rolle: das WissZeitVG und die Tatsache, dass es ja leider in meinem Bereich so ist, dass bei außeruniversitären Stellen in meinem Fach zehn Jahre Uni einfach nicht als Berufserfahrung angesehen werden (was ich für Blödsinn halte, jeder, der in der Wissenschaft richtig arbeitet, leistet sicher mehr als jeder Verwaltungsbeamte). M.E. würde das deutsche Unisystem auch davon profitieren, wenn man später Leute aus der freien Wirtschaft oder dem ÖD zurück in die Wissenschaft holen würde. Ich kann natürlich immer nur für mein Fach sprechen: Aber da wirkt es teilweise so, als begehe man Hochverrat, wenn man die Uni verlässt.

Meggy
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Meggy » 07.07.2016, 09:22

Die Gretchenfrage - In der Wissenschaft bleiben oder in die Wirtschaft wechseln 8) Habe ich mir vor ca 2 Jahren auch stellen müssen. Letztlich habe ich mich für die Wirtschaft entschieden. Die Wissenschaft mit den vielen Unsicherheiten hat nicht zu meiner restlichen Lebensplanung gepasst (ich habe schon 2 Kinder und eine tolle Familie/Netzwerk hier vor Ort, lebe hier supergerne..) Heißt, ich wollte nicht vieles, was mir lieb ist aufgeben oder belasten um ganz-vielleicht "irgendwo im nirgendwo" einen mehr oder weniger tollen Unijob zu kriegen. Letztlich war es für mich - so scheint es aktuell - der richtige Weg. Ich habe einen tollen Job mit vielen Freiheiten und vielen "goodies" (keine immense Bezahlung, aber OK, dafür tolles Arbeitsklima, Flexibilität, HO, tolles familiäres Team...). Dieser war anfangs gefühlt "weniger schwierig" als zuvor der Balanceakt zwischen Forschung/Uni-Aufgaben(Lehre...) und Familie. Nun entwickelt es sich aber in eine Richtung die wieder viel mehr mit Forschung, Kreativität, Prototypischer Entwicklung etc zu tun hat (eigtl: alles was ich an der Uni mochte nur ohne den "Klotz" Uni-Lehre/Bürokratie am Hals). Insofern bin ich mit meiner Entscheidung - auch wenn ich sie anfangs in Frage gestellt habe, da auch Bewerbung, VG, Zusage SEHR schnell ging - sehr glücklich und im Reinen. Ich denke auch, es gibt in beiden "Welten" gute und nicht so gute Optionen und man muss einfach für sich selbst schaun, was einem wirklich wichtig ist (im Leben und am Job) und wo man hin will.
Noch ein Zusatz zu der Thematik mehr-arbeiten-als-bezahlt und Erreichbarkeit (die wirklich durchaus auch in ALLEN Welten, Wissenschaft und Wirtschaft, existiert):
meiner Meinung nach ist das auch etwas an dem man selbst drehen kann bzw. muss. Ich hatte sehr viel Glück dass mir DAS tatsächlich AUCH an der Uni gelernt wurde :wink: Ich hatte 2 Profs am LSt, beide ziemliche Workaholics, beide aber auch mit SEHR klaren Regeln und Richtlinien wann sie wo und für was erreichbar sind. Da war eben beim einen nachmittags ab 17h Schluss und die nächste Antwort kam erst am nächsten morgen zur regulären Arbeitszeit. Und dieser Mensch hat ein super standing und es hat ihm keineswegs geschadet sich nicht komplett aufzureiben und rund um die Uhr erreichbar zu vermitteln. Das habe ich ein stückweit übernommen. Ich bin heute auch ganz klar damit, wann ich für Firma und Kunden erreichbar bin. NATÜRLICH kanns MAL im Projekt brennen und man macht ne Abend/Nachtschicht. Aber Betonung auf MAL. Ich weigere mich, dauerhaft nach 16h (fange allerdings meist zw 6 und 7 an!) erreichbar zu sein und mache eben auch MAL Sonderschichten oder Überstunden, aber nicht ständig. Hat mir bisher nicht geschadet, hilft aber ungemein, nicht völlig abzudrehen (VollzeitJob mit langer Anfahrt/Pendeln, 2 (Klein)Kinder, und aktuell Hausbau ist auch grad nicht easygoing 8) )

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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von pamparampa » 17.07.2016, 09:52

Paulchen hat geschrieben:Ich denke, dass hier niemand behauptet hat, dass es in der Welt da draußen (in der freien Wirtschaft oder dem ÖD) besser ist als an der Uni.
Du hast es nicht behauptet. Du hast es in deinem Beitrag angedeutet.

Und dein Beitrag hat schon ein bisschen das Flair von "grass is always greener...". Vieles davon was du beschreibst sind halt Probleme der existierenden kapitalistischen Ordnung, sie kommen sowohl an der Uni als auch in der freien Wirtschaft zum Ausdruck.

Paulchen
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Paulchen » 17.07.2016, 12:50

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Du hast es nicht behauptet. Du hast es in deinem Beitrag angedeutet.
Naja, angedeutet...da könnten wir uns jetzt drüber streiten, wie man was in Texten interpretiert. Ich habe in meinem Beitrag lediglich meine Erfahrungen aus meiner Zeit in der Wissenschaft dargelegt, nicht mehr und nicht weniger.

Dazu, wie es in der freien Wirtschaft ist, kann ich noch nicht viel sagen. Ich gehe aber schon davon aus, dass ich Überstunden ableisten werde und viel arbeiten werde (und das ist auch gut so). Das allerdings dann ohne WissZeitVG im Nacken (dafür natürlich mit neuen Drucksituation und auch das ist gut so). Ich gehe auch nicht davon aus, dass "grass is always greener..." ist. Dass man auch außerhalb der Universität harte Arbeitsbedingungen hat, ist mir vollkommen bewusst. Ebenso, dass das Leben kein Ponyhof ist.
Die Arbeitsbedingungen an sich sind für mich auch nicht das ausschlaggebende Kriterium, die Universität zu verlassen. Vielmehr sind es die unsicheren Perspektiven. In den zehn Jahren hatte ich 16 Arbeitsverträge. Der kürzeste hatte eine Laufzeit von drei Monaten und im Hinterkopf hat man dabei immer die 12-Jahres-Regelung. Ich sehe einfach für mich nach Ablauf meines aktuellen Arbeitsvertrages in der Wissenschaft keine gesicherte Zukunft. Jetzt ergab sich die Möglichkeit, auf eine unbefristete außeruniversitäre Stelle zu wechseln. Ich fragte dann bei meinem derzeitigen Vorgesetzten nach, wie die Chancen in der Wissenschaft auf eine unbefristete Stelle stünden und dann war die Entscheidung relativ klar. Er sagte mir, dass er mich unbedingt halten wolle. Aber wegen einer Enfristung meines Vertrages könne er leider nichts machen. Das ist eben so im System Wissenschaft und da muss man dann für sich selbst sehen, wie man unterkommt. Und bevor ich als arbeitsloser PD zuhause rumsitze, gehe ich eben lieber arbeiten.

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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Doc-Wolfi » 17.07.2016, 16:02

Paulchen hat geschrieben:Und bevor ich als arbeitsloser PD zuhause rumsitze, gehe ich eben lieber arbeiten.
Wenn das möglich ist! (Ich denke schmerzhaft an Taxifahrer mit Doktortitel.)
Ja, die 12-Jahres-Regel ist totaler Mist und ich kenne niemandem, dem sie eine feste Stelle eingebracht hat. Sie führt eher dazu, dass gute Leute mit viel Erfahrung entweder das Land verlassen oder sogar die Wissenschaft. Dieses Gesetz hat kein Mensch ordentlich durchdacht, aber irgendwie schafft es auch keiner mehr ab! *grummel*
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Koenigsportal » 17.07.2016, 21:55

Paulchen hat geschrieben: Die Arbeitsbedingungen an sich sind für mich auch nicht das ausschlaggebende Kriterium, die Universität zu verlassen. Vielmehr sind es die unsicheren Perspektiven. In den zehn Jahren hatte ich 16 Arbeitsverträge. Der kürzeste hatte eine Laufzeit von drei Monaten und im Hinterkopf hat man dabei immer die 12-Jahres-Regelung. Ich sehe einfach für mich nach Ablauf meines aktuellen Arbeitsvertrages in der Wissenschaft keine gesicherte Zukunft.
Laut einem Radiobericht (ich meine, es war auf DLF) vor zwei bis drei Jahren sind an der Universität nur 2% aller wissenschaftlichen Stellen (oder waren es 2% von aller Uni-Stellen - ich weiß es leider nicht mehr) reguläre, unbefristete Stellen. Alles andere sind die von Dir genannten und weitere Beschäftigungsvarianten. Das sagt einem doch eigentlich alles, oder?! Traurig nur, dass es auch außerhalb der Uni in staatsnahen Bereichen immer mehr ebenfalls in diese Richtung geht.
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Paulchen » 18.07.2016, 07:53

Ich frage mich mit Blick auf die 12-Jahresfrist und das WissZeitVG immer, wie viele wirklich gute Leute deshalb die Wissenschaft verlassen und auch was das kostet. Wenn ich mal ausrechne, was der Staat nun in meine Ausbildung (das meiste durch mein Gehalt, aber auch Infrastruktur) gesteckt hat, kommt sicher ein nettes Sümmchen zusammen. Wenn ich jetzt aus der Wissenschaft gehe, nehme ich meine Fähigkeiten und mein Wissen mit. Ich habe auch nichts tolles erfunden, was ich da jetzt stehen lassen könnte. Mein ganzes Wissen ist nunmal in meinem Kopf. Mir ist natürlich bewusst, dass alle Nachwuchswissenschaftler dann einfach durch neue ersetzt werden. Ich stelle mir dann aber immer mal vor, dass ein größeres Unternehmen mehrere zehntausend Euro in die Ausbildung eines Mitarbeiters investieren würde, um ihn dann einfach vor die Tür zu setzen...naja, das ist sicher ein sehr weites Thema. Man müsste sich eben grundlegend fragen, ob man wirklich so viel promovierte Menschen braucht, damit der Laden funktioniert. Das Verhältnis zwischen Dauerstellen und Doktoren müsste man ebenfalls gänzlich überdenken...
Eine Mitarbeiterin der Arge hat mich mal gefragt: Warum lassen sich die ganzen Nachwuchswissenschaftler das eigentlich alles gefallen? Eine richtige Antwort darauf wusste ich auch nicht. Ich habe in meinem Ursprungsbeitrag auch geschrieben, dass ich mein Fach wirklich liebe und gerade auch deshalb habe ich häufig auch Mehrarbeit und berufliche Unsicherheit in Krauf genommen. Der Knackpunkt bei mir war während meiner Anstellung in einem DFG-Projekt. Man sagte uns direkt, dass es nach Ablauf des Förderungszeitraums keine Verlängerung gebe. Zudem sei mehr als eine halbe Post-Doc-Stelle nicht drin und da man zu wenig SHK-Mittel habe, müssten alle Arbeiten eben von den WissMAs mit erledigt werden. Da man das Projekt auch schnell durchdrücken wollte, wurde auch extrem viel Druck von Seiten der Projektleitung erzeugt. Das ist soweit verständlich und okay. Aber ich habe mich dann schon gefragt, warum soll ich mir (sorry für die drastische Wortwahl) für die Projektleitung den Arsch aufreißen, wenn ich am Ende des Projektes wieder auf der Straße sitze. Ich habe mir dann natürlich denselbigen aufgerissen, weil man ja zumindest an sich selbst Ansprüche hat. Aber gebracht hat es mir am Ende letztlich nichts. Da ich zwar eine 50%-Stelle hatte, defacto aber 100% oder mehr gearbeitet habe, habe ich quasi zwei Jahre lang nichts publiziert. Allerdings habe ich auch während des Studiums nie als SHK gearbeitet (zumindest das konnte ich dann im Projekt nachholen ;-)). Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Motivation im Uni-System ist in dem Moment einfach extrem gesunken, als mir klar wurde, dass am Ende keine unbefristete Stelle wartet, sondern Taxifahren, Pizza ausliefern, Arge, Hausmann oder ja ganz vielleicht eine Professur.

Doc-Wolfi
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Re: Karriere in der Wissenschaft - ein Erfahrungsbericht

Beitrag von Doc-Wolfi » 18.07.2016, 13:58

Hallo Paulchen
Paulchen hat geschrieben:Ich frage mich mit Blick auf die 12-Jahresfrist und das WissZeitVG immer, wie viele wirklich gute Leute deshalb die Wissenschaft verlassen und auch was das kostet.
Das wäre auch mal eine wissenschaftliche Arbeit wert! Ökonomen vor! Ich könnte mir vorstellen, dass man da auf unfassbare Werte kommt. Die sollte man den Politikern mal unter die Nase reiben. Genauso sollte man mal ausrechnen, wie viel effizienter die Forschungsgelder investiert wären, wenn nicht dauernd junge, unerfahrene Leute sich mit diesen Geldern neu einarbeiten. Ein erfahrener Forscher macht doch die Arbeit eines Doktoranden in kürzerer Zeit mit besserer Qualität. Einfach weil die Einarbeitungszeit wegfällt und er auch einige Fehler nicht mehr machen wird. Man lernt ja aus seinen Fehlern. :-)

Natürlich kann "das System" sich damit herausreden, dass an der Uni - auch während der Doktorarbeit - die Topleute für die Praxis ausgebildet werden. Aber ich habe außer Problemlösungskompetenz und Selbstorganisation aus meiner Diss nichts mehr mit nach draußen nehmen können. Schon der Versuch, mein Doktorarbeitsthema Laien zu erklären, führt nur zu seltsamem Grinsen. Inzwischen ist das Thema eh veraltet und wurde von der Realität überholt.
Paulchen hat geschrieben: Man müsste sich eben grundlegend fragen, ob man wirklich so viel promovierte Menschen braucht, damit der Laden funktioniert. Das Verhältnis zwischen Dauerstellen und Doktoren müsste man ebenfalls gänzlich überdenken...
Noch ne gute Forschungsfrage. Allmählich könnte man eine Doktorarbeit draus machen! :-)
Paulchen hat geschrieben: Eine Mitarbeiterin der Arge hat mich mal gefragt: Warum lassen sich die ganzen Nachwuchswissenschaftler das eigentlich alles gefallen?
Das sind erstens Traditionen aus dem Mittelalter und zweitens können sie es ja machen. Wenn sie keinen mehr finden würden, würden sie nicht machen. Theoretisch. In meinem Bereich kriegen sie inzwischen nicht mehr genügend gute Leute auf ihre dämlichen halben Stellen und nehmen dafür Wissenschaftler aus Pakistan. Aus der Ferne erscheint denen ein halber Doktorandengehalt als ziemlich viel Geld.
Paulchen hat geschrieben: Aber ich habe mich dann schon gefragt, warum soll ich mir (sorry für die drastische Wortwahl) für die Projektleitung den Arsch aufreißen, wenn ich am Ende des Projektes wieder auf der Straße sitze. Ich habe mir dann natürlich denselbigen aufgerissen, weil man ja zumindest an sich selbst Ansprüche hat. Aber gebracht hat es mir am Ende letztlich nichts. Da ich zwar eine 50%-Stelle hatte, defacto aber 100% oder mehr gearbeitet habe, habe ich quasi zwei Jahre lang nichts publiziert. Allerdings habe ich auch während des Studiums nie als SHK gearbeitet (zumindest das konnte ich dann im Projekt nachholen ;-)). Lange Rede, kurzer Sinn: Meine Motivation im Uni-System ist in dem Moment einfach extrem gesunken, als mir klar wurde, dass am Ende keine unbefristete Stelle wartet, sondern Taxifahren, Pizza ausliefern, Arge, Hausmann oder ja ganz vielleicht eine Professur.
Ach, man lernt schon eine Menge, vor allem aber leider wirklich, dass man ersetzbar ist und eigentlich bloß ein Kostenfaktor, der möglichst viel Leistung erbringen soll und dann weggeworfen wird. Wenn er kaputt geht (Burnout), ist sogar das egal. Ich kann nur raten, den Mangel an Gehalt durch anderes wett zu machen, z.B. gibt es an der Uni vielfältige Fortbildungsmöglichkeiten. Es ist viel leichter, als Doktorand Fortbildungen zu besuchen als später, wenn man in einer Firma arbeitet. Dort wird ganz schrecklich gespart, weil sie sich ausrechnen: Kosten der Fortbildung = Teilnahmegebühr + Fahrtkosten + Arbeitszeit des Teilnehmers. Da an der Uni Arbeitszeit nichts wert ist (also: Kosten der Fortbildung = Teilnahmegebühr + Fahrtkosten), fällt die Kalkulation günstiger aus und man kann eher mal auf Fortbildung. Ich habe auch oft den Deal gemacht, dass ich die Teilnahmegebühr und/ oder Fahrtkosten selbst übernehme, aber für die Fortbildung keinen Urlaub zu nehmen brauche. Ging auch klar, weil ja wie gesagt Arbeitszeit eh nicht als Kosten berechnet wird.

Wolfi

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