FH-Professur: Bewerbungen

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
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Re: Bewerbungen FH Professur

Beitrag von Etweb » 26.04.2016, 07:40

flip hat geschrieben: Böse ausgedrück: Du hast promoviert, angefangen zu arbeiten und denkst, die Diss befähigt dich zur Professur. Aber: was unterscheidet dich von jedem anderen X-beliebigen Doktor in der Privatwirtschaft? Ich sehe praktisch nichts.

Zwei Bekannte von mir sind vor ein (bzw zwei Jahren) auf genau die Stelle berufen worden, die du dir vorstellst (Statistik, FH-Professur).

Daher meine Prognose: Keine Chance auch nur ansatzweise eingeladen zu werden. Du hast praktisch nach der Uni nichts mehr für die Lehre/Forschung getan. Es geht nicht darum, dass du was bewegendes publizierst, oder jetzt auf einmal irgendwelche Seminarscheine oder Didaktikzertifikate auf den letzten Drücker erwirbst, sondern dass man langfristig sieht, dass du etwas getan hast und dich engagiert hast.

Dazu gehört, dass du als erstes wieder Tuchfühlung mit der akademischen Welt aufnimmst. Und zwar zu Professoren direkt. Nicht irgendwelche Blabla-Kurse zur "persönlichen Weiterentwicklung". Die helfen dir kaum, einen Lehrauftrag zu bekommen.
Ehrlich gesagt, ich halte das das für Unsinn. Vielleicht wird das an irgendwelchen Lehrstühlen in D so verkauft, aber im Rest der Welt befähigt die Promotion zur unabhängigen Forschung und auch Lehre. Für eine FH-Professur hat noch keiner eine Habil gebraucht.

Davon abgesehen, sind weitere (akademischen) Forschungsbemühungen wohl eher nebensächlich, wenn man bedenkt das an einer FH die Lehre im Vordergrund steht (und ansonsten auch bei dem Lehrdeputat kaum möglich ist.

FH-Professoren sind eben nicht Koryphäen ihres Faches, sondern engagierte promovierte Wissenschaftler mit Berufserfahrung. Man kann das beim Bewerbungsprozess nicht über einen Kamm scheren, die Prioritäten werden von dem jeweiligen Komitee gesetzt. Fakt ist aber das Bewerber aus der Industrie, gerade aus den größeren Firmen gute Chancen haben. Gerade deswegen weil es später viel mehr auf eine Plazierung der Studenten am Arbeitsmarkt ankommt und da gute Verbindungen der Schlüssel sind.

Ansonsten gebe ich dir Recht, es schadet sicherlich nicht Lehrerfahrungen zu machen, evtl ist das auch der ausschlaggebende Grund für denE rfolg bei der Bewerbung, aber das hängt eben vom Mitbewerberpool ab und ist nicht so kanonisch-verbindlich wie man aus all deinen Posts in diesem Thread leider rauslesen muss. Der Bewerber kann noch so toll sein, wenn Vitamin B (eziehung) ins Spiel kommt, spielt das alles keine so grosse Rolle mehr...

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itsme
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Re: Bewerbungen FH Professur

Beitrag von itsme » 26.04.2016, 12:46

Etweb hat geschrieben: Ansonsten gebe ich dir Recht, es schadet sicherlich nicht Lehrerfahrungen zu machen, evtl ist das auch der ausschlaggebende Grund für denE rfolg bei der Bewerbung, aber das hängt eben vom Mitbewerberpool ab und ist nicht so kanonisch-verbindlich wie man aus all deinen Posts in diesem Thread leider rauslesen muss.
Sehe ich genauso. Ich glaube auch, dass es hier ein Problem mit anekdotischer Evidenz gibt. Erfahrungswerte gut und schön - aber kann man aus einzelnen Erfahrungen zur Frage wie wichtig Lehrerfahrung, Industrieerfahrung, Publikationen etc. wirklich sind, etwas ableiten? So wie ich den "FH-Markt" sehe gibt es da ganz ähnliche Prozesse zu den Universitäten. Auf der einen Seite lehrorientierte FHs, die einer großen Anzahl von Studierenden eine gute, anwendungsorientierte Ausbildung mitgeben wollen. Die werden naheliegenderweise sowohl berufliche Kontakte in die freie Wirtschaft und Lehrerfahrung hoch gewichten. Auf der anderen Seite gibt es FHs, die ihr Forschungsprofil schärfen wollen und bewusst Kontakte zu den Unis suchen, z.B. um den eigenen Studierenden die Promotion zu ermöglichen. Die werden entsprechend einen kritischeren Blick auf die Publikationsliste und den akademischen Hintergrund werfen. Was ich bezweifele, ist, dass die FHs tatsächlich die eierlegende Wollmilchsau erwarten: Jemand, der früh nach der Promotion in die Industrie gegangen ist, dort bald eine Leitungsfunktion übernommen hat und trotzdem noch erfolgreich publiziert und Lehrveranstaltungen abhält. Ich bezweifele nicht, dass sich die Ausschreibungen so lesen und dass manche FH-Professoren sich selbst so sehen (wie auch Uni-Professoren gerne ein etwas verzerrtes Bild von ihrem eigenen Marktwert haben ...), aber dank der Konkurrenz durch den privaten Sektor (wo auch mal halbe Professuren im Angestelltenverhältnis und befristet vergeben werden und trotzdem besetzt werden können) können die FHs sich diese Wunschvorstellung kaum leisten. Und ich bezweifele auch, dass es an Bewerbern mit akademischen Credentials fehlt - die kurze Marktseite ist eher die freie Wirtschaft, wo es attraktive Stellen als Alternative zur FH-Professur gibt.

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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von Latrino » 28.04.2016, 15:34

Danke für eure guten Antwoten, itsme und etweb.

@itsme:
Dass die Ausführungen des Studenten flip nicht allzu ernst zu nehmen sind, war mir dann auch selbst aufgefallen. Trotzdem danke für Deine Einschätzung. Das Sammeln von Lehrerfahrung sehe ich bei mir - wie auch schon im Post von Anfang April beschrieben - als größtes Manko an und will in nächster Zeit mein Profil diesbezüglich schärfen. Allerdings gar nicht so leicht: Von den (wenigen) öffentlich ausgeschriebenen Lehraufträgen passen kaum welche - ich habe das Gefühl, derzeit sind mehr Professuren für meinen Bereich ausgeschrieben als Lehraufträge :?

@Etweb:
Ich glaube auch, dass es hier ein Problem mit anekdotischer Evidenz gibt.
Das ist natürlich richtig, allerdings wüsste ich das schon einzuordnen. Im Gegenteil, ich hatte ja gezielt nach Einzel"schicksalen" gefragt. Darauf kam dann der rüde Post des Studenten flip, der mir allgemeingültig darstellen wollte, dass ich in keinster Weise auch nur annähernd qualifiziert sei. Wie in Deinem Post dargelegt, gibt es verschiedene Hochschulen mit differenziertem Zielbild (mehr forschungsorientiert, mehr praxisorientiert).
Ich bezweifele nicht, dass sich die Ausschreibungen so lesen und dass manche FH-Professoren sich selbst so sehen (wie auch Uni-Professoren gerne ein etwas verzerrtes Bild von ihrem eigenen Marktwert haben ...), aber dank der Konkurrenz durch den privaten Sektor (wo auch mal halbe Professuren im Angestelltenverhältnis und befristet vergeben werden und trotzdem besetzt werden können) können die FHs sich diese Wunschvorstellung kaum leisten.
:D Da sagst Du etwas! Das mit dem Marktwert fängt oft schon bei Lehrern an, die meinen, in der freien Wirtschaft doch ein Vielfaches verdienen zu können, weil sie dort auf jeden Fall Führungskraft wären. Gerade deshalb ist das Konzept der FH für eine "akademische Berufsausbildung" (ich nenne das FH-Studium jetzt einfach mal so, ohne anspruch auf Allgemeingültigkeit) angemessen: Die Leute, die dort lehren, sollten wissen, wovon sie sprechen. Dass das bei einem 63-jährigen FH-Prof, der 1992 berufen wurde, nicht im gleichen Maße der Fall sein wird wie bei einem 43-jährigen (der beispielsweise 2012 nach 5-10-jähriger Berufspraxis berufen wurde), liegt auf der Hand. Aber es ist immerhin eine gewisse Praxisnähe da. Ich selbst sehe mich auch noch gar nicht als "genug berufserfahren" an, eben weil ich meinen Studenten etwas aus dem Berufsleben erzählen können will. Die oben zitierten Fälle (bis 30 an der Uni, dann 2 Jahre Berufspraxis und zurück an die FH) will ich nicht verurteilen, allerdings liegt auf der Hand, dass diese Leute wahrscheinlich nicht allzuviel aus der Praxis werden berichten können.

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Re: Bewerbungen FH Professur

Beitrag von flip » 28.04.2016, 19:37

Latrino hat geschrieben: Passt ganz gut zu der von mir diagnostizierten Arroganz: Nur,weil Du hier schon 500+ Beiträge geschrieben hast und jedes Thema (in Deiner offensichtlich unbegrenzten Zeit für sowas) gelesen hast, meinst Du, für alle sprechen zu können? Wahrscheinlich bin ich einfach der erste, der Dir hier im Forum Gegenwind gibt. Naja, wirst Du im Berufsalltag auch schnell lernen, dass Gegenwind keine Majestätsbeleidigung ist. Warum? Weil Du keine Majestät bist.
Hehe, wo gibst du mir denn Gegenwind? :D Wenn ich mich recht entsinne war ich bisher der einzige, der der relevante Tips gegeben hat.
Ich tue aber auch gerne etwas, was du vermtutlich jetzt nicht erwarten würdest: Ich gebe dir in mehrere Aussagen zu meiner Person recht. Und nein, du bist nicht der erste, der das hier gesagt hat. Ich vermuliere teilweise ziemlich überspitzte Kommentare. Die anderen beiden Benutzer schreiben quasi das selber wie ich, nämlich dass es keinen exemplarischen Fall gibt. Gemerkt?
Es braucht manmal einen etwas schrofferen Kommentar damit die von selber auf So etwas kommen. Sie neuste Threads à la "Wieviele Seitenzahlen, Fußnoten", "Soll ich am Kolloquium teilnehmen"? Das sind Fragen, die kann dir keiner einfach so beantworten oder die Antwort ist ziemlich eindeutig selbst herauszufinden.

Und FH's sind schon lange nicht mehr nur das Auffangbecken gescheiterter Uni-Karrieren. Ganz im Gegenteil. Dafür ist der Wasserkopf, der sich mittlerweile in der Forschung gebildet hat viel zu groß. Das gilt besonders für deinen Bereich.
Das wird die Zeit zeigen. Bin mal gespannt auf deine Erfahrungen, "neben der normalen Arbeit zu forschen". Ist was anderes, wenn man nach 9h Arbeit + ggf. Überstunden noch forscht. Aber was rede ich als einer, der sich erdreisten konnte, den Kontakt zur akademischen Welt neben einem Vollzeitjob abreißen zu lassen...
Das hast du flasch verstanden. Die Stelle ist nicht dafür gedacht weiterhin in der akademischen Welt tätig zu sein, sondern eine Schnittstelle für das Unternehmen zu bilden. Damit ist explizit die Arbeitszeit gemeint, die Fahrt auf Konferenzen, Vorträge und Austauch im Team, welches dies jetzt bereits praktiziert. Es findet wohlgemerkt alles auf das Unternehmen beschränkt statt. Keine sonstige Uniwelt. nur Konferenzen, Paper.
Nett. Warum promoviert man, wenn die Unikarriere von Anfang an keine Absicht war?
Weil ich Realist bin und es keine Stellen gibt. Natürlich würde ich gerne Uni-Professor werden. Ich mag weniger Erfahrung in der Praxis haben, aber das akademische System für eine Uni-Professur kenne ich ziemlich genau. Und ich bin nicht naiv und glaube, dass es sich da um Leistung dreht bzw, ich meiner jetzigen Publikationliste (die für meinen Stand ziemlich gut ist) Erfolg hätte.

Doc-Wolfi
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Re: Bewerbungen FH Professur

Beitrag von Doc-Wolfi » 29.04.2016, 11:45

Hallo
Latrino hat geschrieben:
...sondern einfach gewisse Dinge genügend gut und oft getan hat
Welche Dinge? Ich nehme an, Du sprichst hier von Lehr"dingen". Wie gesagt, ich bin dankbar für jede Hilfe, frage mich aber, warum mir das jetzt erst gesagt wird und nicht im Thread, wo ich explizit nach den Voraussetzungen und Qualifikationen gefragt habe.
Naja, die stehen ja in den Ausschreibungen:
- Promotion, aber auch wissenschaftliche Veröffentlichungen
- Lehre
- Berufserfahrung, manchmal auch ausdrücklich als Führungskraft
- oft zusätzlich noch: Einwerbung von Drittmitteln (Forschungsgeldern)
Nicht dabei stehen:
- gute Beziehungen zu Firmen, die wiederum dafür bekannt sind, Gelder an FHs für Forschung oder Sponsoring von Veranstaltungen springen lassen
- sonstige gute Beziehungen
Latrino hat geschrieben: Die Sache mit dem Geld und der Arbeit lasse ich jetzt mal unkommentiert, genauso wie die Sache mit dem Rampenlicht. aber ggf. könntest Du ein paar Dinge aus Deiner Vita (sofern die Anonymität dies zulässt) erzählen?
Vielen Dank!
Wenn ein Prof seine Arbeit richtig ordentlich macht, mit allem Drum und Dran (Lehre, Forschung, Masterarbeiten betreuen, Firmenkontakte pflegen, Mitarbeit in der Selbstverwaltung, Mitarbeiterführung, Forschungsanträge schreiben, Vorträge halten), dann sind es locker 80 Stunden Arbeit pro Woche.

Wolfi

Latrino
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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von Latrino » 29.04.2016, 19:20

@Student flip:
Ich finde es unerträglich, dass du immer noch - obwohl mittlerweile von erfahreneren Forumsmitgliedern widerlegt - probierst, hier irgendetwas zu schreiben und weiterhin diese Arroganz an den Tag legst:

"war ich bisher der einzige, der der relevante Tips gegeben hat."
"Die anderen beiden Benutzer schreiben quasi das selber wie ich, nämlich dass es keinen exemplarischen Fall gibt. Gemerkt?"

Nein - die anderen haben Deinen "Beitrag" ziemlich auseinandergepflückt.

Du schreibst über Deinen - in der Zukunft liegenden - Beruf, als wüsstest Du schon alles, was dort stattfindet. Wie oft soll ich denn noch sagen, dass ich Kommentare von Leuten will, die wissen, wovon sie reden? Du vermutest nur und stellst es als Tatsache hin. Das nervt mich als jemanden, der in allen Dingen weiter ist als Du! Wo liegt denn das Problem, das zu akzeptieren und hier nicht im Post-Doc-Forum zu schreiben auf Themen, wo explizit Erfahrungen gefragt sind (die Du nicht hast)?
Genauso weiter unten:
"...aber das akademische System für eine Uni-Professur kenne ich ziemlich genau."
Dabei hast Du gar keine Ahnung von FHs und postest nur Hörensagen. Um es nochmal in aller Deutlichkeit zu wiederholen: Du hast gerade Dein Studium beendet und dementsprechend keinerlei Ahnung! Bitte nimm das mal zur Kenntnis!

@Student Doc-Wolfi:
Sorry, aber so einen gequirlten Mist zusammenzuschreiben, das toppt fast noch den Studenten flip. Auch Du postest NUR Hörensagen und hast keinerlei Ahnung, wovon Du sprichst. Für Dich gilt derselbe Satz, wie ich ihn für den Studenten flip am Ende formuliert habe.

Ich kann einfach nicht verstehen, warum man (bei Facebook, bei wiwi-treff, auch hier) immer einige Leute dabei hat, die scheinbar nach dem Motto verfahren: "Hauptsache, ich schreibe was. Ich habe zwar keine Ahnung, keine Erfahrung, und so recht verstehe ich auch nicht, was die Frage bedeutet, aber ich schreib mal irgendwas."

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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von mantor » 29.04.2016, 22:43

Nur off topic: Man kann ja anderer Meinung sein, aber ich finde eine gewisse Souveränität gehört zu einem guten Diskussionsverhalten. Dieses dauernde "'Student' Flip" finde ich zum Beispiel vollkommen daneben. Selbst wenn man sich über Dinge ärgert, sollte man nicht so ins Persönliche gehen. Das halte ich vor allem für einen Hochschullehrer in spe für wichtig -- vielleicht ist Dir der Begriff des "Kommilitonen" bekannt? Der umschließt im idealen Sinne alle an der Uni, vom Studenten über den Doktoranden bis hin zum Post-doc und zum Prof. Willst Du so auch mit einem renitenten Studierenden umgehen?

Was Deine Kritik an Doc Wolfi angeht, kann ich Dir nicht zustimmen. Er hat einfach gesagt, was die objektiven, in der Ausschreibung genannten Parameter sind und außerdem noch die Kriterien, die "unter der Hand" eine Rolle spielen. Und meine Erfahrung aus zahlreichen Berufungsverfahren (auch meinen eigenen) lautet: Es gibt nur diese offiziellen Kriterien und das hier so harsch kritisierte Anekdotenhafte. Ich habe mich auf viele Professuren beworben, manche passten ideal und ich bin nicht mal in die zweite Runde gekommen. Den Ruf gab's dann für eine Stelle, für die ich - laut Ausschreibung – gar nicht passend war. Gründe dafür, dass es doch geklappt hat: Teile der Kommission wollten gar nicht, was in der Ausschreibung stand, also gab's Zoff in den Sitzungen, dann war das Vorsingen an sich wenig vergnüglich, ich kam als letzter dran und sie hatten wohl den Eindruck: Mit dem geht's doch.

Lässt sich daraus irgendetwas verallgemeinern? NEIN. Aber lernen kann man m.E., dass man sich durchaus auf (alle) Stellen bewerben kann (es kostet nur das Porto war immer meine Devise), denn vielleicht klappt es ja. Das ist meine Erfahrung – und die gilt auch für einige meiner Kollegen. Was die Kommission will, worauf sie Wert legt, was sie hören will (im Vortrag, in der Diskussion, in der Lehrprobe) weiß vorher niemand -- und es kann sich auch während des gesamten Verfahrens immer wieder ändern. Und das alles gilt auch für die "objektiven" Fakten: Natürlich kann Dich jemand ohne Lehrerfahrung berufen oder ohne Publikationen. Ich saß in Uni-Kommissionen, in denen ein einziger Aufsatz ruckzuck zur habilitationsadäquaten Leistung erklärt wurde, damit man wen einladen konnte. Ähnliches gilt auch für Berufs- oder Praxiserfahrung, die man woanders herleiten kann.

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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von Latrino » 30.04.2016, 09:50

Danke für Deinen Beitrag. Ich will auf beide Punkte eingehen:

Zu meinen Ausdrücken "Student flip" / "Student Wolfi" - ja, Du hast recht. Allerdings mache ich damit meiner Verärgerung Luft, die ich in meinen Beiträgen auch deutlich beschrieben habe. Insbesondere die fehlende Erfahrung bei gleichzeitig arrogantem und besserwisserischen Ton sind etwas, wofür ich deutliche Worte finden will. Persönlich angreifen will ich hier niemanden, und meine anderen Beiträge sollten das mehr als deutlich machen.

An beiden Beiträgen ärgert mich insbesondere (und das fehlt Dir wahrscheinlich, um deren Antworten richtig einordnen zu können), dass ich vor knapp 4 Wochen bereits einen Thread eröffnet hatte, in dem ich meinen Stand beschreibe: Erfüllung formaler Zugangskriterien inkl Fragen nach Entwicklungsmöglichkeiten. Diesen Thread haben beide gelesen und teilweise kommentiert. Darauf habe ich hier auch mehrmals hingewiesen, von daher sehe ich in erneutem Posten der formalen Zugangkriterien und eines Sammelsuriums an im Inet gefundenen weiteren Kriterien genau das, was ich in meinem letzten Beitrag hier geschrieben habe: "Hauptsache, ich schreibe was. Ich habe keine Ahnung, nur Internetinformationen, aber ich poste was."

Ob ich das auch so mit Studenten in spe machen würde? Naja, stell Dir mal vor, in einer Deiner Vorlesungen säße jemand, der mit seinen 22 Jahren meinte, er wisse alles besser und Du seist ja nur ein kleiner Prof, der ohnehin keine Ahnung hätte und von der Praxis schon gar nicht. Ich meinerseits kann mir schwer vorstellen, dass Dich das nicht ärgern würde und Du auf derartige Äußerungen nicht eingehen würdest. Und nun stell Dir noch vor, das ganze passiert nicht in der Vorlesung (in der alle anderen wissen, dass Du Prof bist und Enddreißigjähriger und der andere 22-jähriger Student), sondern in einem anonymen Internetforum. Da ist Schweigen kein Gold! Da muss man - aus meiner Sicht - risolut entgegentreten.

Leider ist die Diskussion mittlerweile vom eigentlichen Kern abgerückt. Deine Erklärungen zu Deinem Werdegang sind schon auch für mich nützlich. Wie gesagt, ich bin hier auf der Suche nach Erfahrungswerten (ja, ich habe studiert und promoviert und weiß, was Einzelerfahrungen ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit sind), und da sind für mich solche Art Darstellungen hilfreich.

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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von Aguti » 30.04.2016, 10:13

Ich schließe mich mantor an und wünsche mir von allen Beteiligten einen konstruktiveren Umgangston, wie es sonst in diesem Forum üblich ist.

@Latrino: Ich kann nicht mit eigener Erfahrung dienen, aber ein guter Bekannter hat seit gut zwei Jahren eine FH-Professur und ich habe recht gute Einblicke in sein (Arbeits-)Leben. Er hat ein FH-Studium gemacht, danach außeruniversitäre Berufserfahrung gesammelt, dann an einer Uni promoviert. In dieser Zeit hat er einiges publiziert, war auf Konferenzen und hat einiges an Lehre gemacht. Nach der Diss war er noch kurz Post-Doc (1-2 Jahre), dann kam die Professur. Was seine Arbeitsbelastung angeht, deckt sich das mit der Aussage von Doc-Wolfi: Er macht durchaus seine 70-80 Stunden pro Woche. Nicht nur in Spitzenzeiten, sondern durch die Bank. Natürlich zum Teil von zu Hause aus und mit einer gewissen Flexibilität, aber er arbeitet schon sehr viel. Er ist aber sehr glücklich dabei. Die Arbeitsbelastung resultiert daraus, dass er sowohl Forschung als auch Lehre sehr ernst nimmt. Er publiziert weiter, fährt auf etliche Konferenzen, ist aber auch in der Lehre sehr engagiert, und beide Bereiche liegen ihm auch am Herzen. Er gibt aber auch freimütig zu, dass manche seiner Kollegen mit deutlicher weniger Arbeitszeit hinkommen, weil sie z.B. nicht wirklich forschen, nicht auf Konferenzen fahren und in der Lehre unengagiert die immer gleichen Sachen abspulen. Mein Eindruck ist, dass es schon ein sehr großes Engagement fordert, wenn man den Job gut machen will. / Wozu du dich noch nicht geäußert hast: Was sind denn deine Motive, dich in Richtung Professur zu orientieren? Außer, dass du die formalen Qualifikationen erfüllst? Das solltest du imo für dich geklärt haben, um zu wissen, warum/ob du dir eine solche Belastung antun willst. Für mich wäre das z.B. nichts, aber mein Bekannter ist wie gesagt erfüllt und glücklich.
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Re: FH-Professur: Bewerbungen

Beitrag von mantor » 30.04.2016, 13:51

Latrino hat geschrieben: Ob ich das auch so mit Studenten in spe machen würde? Naja, stell Dir mal vor, in einer Deiner Vorlesungen säße jemand, der mit seinen 22 Jahren meinte, er wisse alles besser und Du seist ja nur ein kleiner Prof, der ohnehin keine Ahnung hätte und von der Praxis schon gar nicht. Ich meinerseits kann mir schwer vorstellen, dass Dich das nicht ärgern würde und Du auf derartige Äußerungen nicht eingehen würdest. Und nun stell Dir noch vor, das ganze passiert nicht in der Vorlesung (in der alle anderen wissen, dass Du Prof bist und Enddreißigjähriger und der andere 22-jähriger Student), sondern in einem anonymen Internetforum. Da ist Schweigen kein Gold! Da muss man - aus meiner Sicht - risolut entgegentreten.
Ist wieder off topic, aber trotzdem: 1. Ich kenne Deine Threads. 2. Ich kenne solche Situationen ohne Ende. Hab' mit 23 angefangen, an der Uni zu unterrichten und war mit so etwas oft konfrontiert. Und natürlich muss man das nicht mit sich machen lassen, aber diffamierend auf einen renitenten Studenten zu reagieren, ist bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss. Man argumentiert in der Sache, man widerlegt, was falsch ist, man macht seinen Standpunkt klar, gerne auch "resolut", aber man beleidigt nicht und begibt sich nicht auf das Niveau, was der andere vorzugeben versucht. Das ist souverän! Alles andere ist Ordinariengehabe, was spätestens seit 1968 an den Unis keinen Platz mehr haben sollte. Und den Begriff "Student" als Schimpfwort zu benutzen, finde ich absolut grenzwertig für jemanden, der anstrebt, Hochschullehrer zu werden.

Und um zu Deiner ursprünglichen Frage zurückzukommen: Man kann sich mit Lehraufträgen, Publikationen, Netzwerken etc. so gut es geht qualifizieren/vorbereiten. Mein Beitrag sollte nur zeigen, dass es manchmal eben nicht davon abhängt. Um noch einmal auf mein Beispiel zurückzukommen: Alle objektiven Anforderungen habe ich immer erfüllt (was Qualifiaktionen, Publikationen, Lehre etc. angeht) – manchmal reichte das nicht zur Einladung, manchmal zur Einladung aber nicht zur Liste, zweimal sofort zum ersten Listenplatz und zum Ruf. Anekdotisch, ja: Aber so ist es halt. Ich würde Dir - basierend auf meinen Erfahrungen – einfach raten, Dich aufs Bewerbungskarussell zu setzen. Beim Vorsingen wird man auch von Mal zu Mal besser. Außerdem kann das Motto gelten: Eingeladen wird, wer eingeladen wird. Soll heißen: Wenn eine Kommission Dich zum Vorsingen bestellt hat, kann das eine andere Hinweis auf Deine Qualität sehen …

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