Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
Latrino

Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Latrino »

Es gibt zwar schon mehrere Beiträge bzgl. FH Professur. Die meisten davon zielen jedoch in Richtung Berufserfahrung. Hierzu habe ich keine Frage, denn ich arbeite ich seit über 5 Jahren Vollzeit in einem großen Konzern und habe dort einmal die Abteilung gewechselt.

Nach meinem Kenntnisstand gibt es die folgenden (harten) Voraussetzungen für die Bewerbung auf eine FH Professur:
-abgeschlossenes Studium - check
-abgeschlossene Promotion - check
-5 Jahre einschlägige Berufserfahrung - check (5 Jahre Konzernerfahrung in relevantem Bereich, s.o.)
-Lehrerfahrung - hmmm:

Bei diesem Punkt frage ich mich, wie stark diese ausgeprägt sein sollte. Ich habe während meines Studiums Tutor gemacht (über mehrere Semester hinweg), während der Promotion (Stipendium) habe ich nur 2 Übungen gehalten (auch 4 SWS). Während der ersten 3 Jahre im Beruf habe ich nichts derartiges gemacht, aber im letzen Semester habe ich wieder eine Übung gehalten und will dies auch im kommenden Wintersemester machen.
a) da ich immer "nur" Übungen / Tutorien gehalten habe: wird dies überhaupt als Lehrerfahrung angerechnet`?
b) ich habe an Universitäten gelehrt - ist das ein Problem gegenüber Leuten, die ihre Lehrerfahrung an der FH gesammelt haben?
c) woher erhält ein "frisch berufener" FH-Prof seine Vorlesungsunterlagen? Werden hier "gesammelte Werke" neu zusammengeschustert oder gibt es die Möglichkeit, Skripte zu erwerben und nach diesen vorzugehen (diese Frage ist eher unkritisch, aber ich stelle es mir schon schwierig vor, als frisch Berufener auf einmal Stoff für 4 Vorlesungen (=18SWS) aus dem Hut zu zaubern.

Ein letzter Punkt: Während der Promotion habe ich natürlich auch veröffentlicht, 2 mal Peer-reviewed und ein Working-Paper. Ist es ein "Muss", auch während der Berufszeit Forschung betrieben zu haben? Bzw. bin ich im Hintertreffen, sofern ich nur diese (mittlerweile 5 Jahre alten) Veröffentlichungen vorzuweisen habe?

Und bitte: Ich habe selbst promoviert und arbeite seit 5 Jahren, also bitte kein Hörensagen vom Schwager des Vaters posten. Wer etwas Substantielles beizutragen hat, gerne. Falls es das Thema schon gab, könnt ihr mir auch gerne einen Link posten.

Danke für eure Antworten!!
Zuletzt geändert von Latrino am 25.03.2017, 18:35, insgesamt 4-mal geändert.

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Latrino

Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Latrino »

Eines habe ich noch vergessen - bin der Autor dieses Beitrages.

Bzgl. Lehrerfahrung - ist es nützlich, Zertifikate zu erwerben?`Es gibt Hochschuldidaktik-Veranstaltungen, die auch eine Zertifizierung anbieten. Ist dies ein "nice-to-have" oder ein echter Wettbewerbsvorteil mit meinem Profil?
Jucy

Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Jucy »

Hey!

In "meinem" Berufungsverfahren spielte die nicht übermäßig vorhandene Lehrerfahrung keine große Rolle (ich hatte ähnlich wie du Tutoriumserfahrung an der Uni, darüber hinaus Fortbildungserfahrung in der Praxis).
Das hier
c) woher erhält ein "frisch berufener" FH-Prof seine Vorlesungsunterlagen? Werden hier "gesammelte Werke" neu zusammengeschustert oder gibt es die Möglichkeit, Skripte zu erwerben und nach diesen vorzugehen (diese Frage ist eher unkritisch, aber ich stelle es mir schon schwierig vor, als frisch Berufener auf einmal Stoff für 4 Vorlesungen (=18SWS) aus dem Hut zu zaubern.
wirst du vermutlich gefragt werden. Bei mir hat da ein glaubhaft versichertes "Das schaffe ich schon" ausgereicht, in meinem Fall wären allerdings nicht alle Veranstaltungen Vorlesungen gewesen.
Und bitte: Ich habe selbst promoviert und arbeite seit 5 Jahren, also bitte kein Hörensagen vom Schwager des Vaters posten. Wer etwas Substantielles beizutragen hat, gerne. Falls es das Thema schon gab, könnt ihr mir auch gerne einen Link posten.
:?:
Viele Grüße, jucy
Linchen88
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Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Linchen88 »

Latrino hat geschrieben:c) woher erhält ein "frisch berufener" FH-Prof seine Vorlesungsunterlagen? Werden hier "gesammelte Werke" neu zusammengeschustert oder gibt es die Möglichkeit, Skripte zu erwerben und nach diesen vorzugehen (diese Frage ist eher unkritisch, aber ich stelle es mir schon schwierig vor, als frisch Berufener auf einmal Stoff für 4 Vorlesungen (=18SWS) aus dem Hut zu zaubern.
An der Hochschule, an der ich arbeite, bekommen neuberufene Profs eine Schonfrist von etwa 2-3 Semestern. Das heißt, dass sie mit ungefähr halbem Deputat einsteigen und das übrige Deputat von den Kollegen aufgefangen wird. Das Deputat wird dann über die folgenden Semester gesteigert, sodass man mehr Zeit hat, die Vorlesungen vorzubereiten. Oft ist es so, dass man von anderen Profs Unterlagen erhält, die man entweder 1:1 so übernimmt oder als Grundlage für eigene Vorlesungen verwendfet.

Allerdings sind an meiner Fakultät 18 SWS nicht 4 sondern etwa 8 Vorlesungen, was also bedeutet, dass man mit etwa 4 Vorlesungen einsteigt. Wenn man Glück hat, bekommt man aber auch Vorlesungen zugeteilt, die man ohnehin 2x die Woche in verschiedenen Studiengängen identisch unterrichtet (z.B. 2x Grundlagen BWL). Dadurch verringert sich der Arbeitsaufwand nochmal um ein Vielfaches.

Viele Grüße
Linchen
Latrino

Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Latrino »

Das mit der Schonfrist hatte ich erhofft, allerdings scheint es ja nicht an allen FHs so zu sein. Wieso sind denn 18 SWS 8 Veranstaltungen - sind es (fast) immer nur 2SWS pro Veranstaltung? Da schafft man wohl nicht allzuviel, oder?

Danke auf jeden Fall für die Rückmeldungen - kann mir jemand noch weitere Tipps (insbesondere auch zum Thema Veröffentlichung und Hochschuldidaktik) geben?
Latrino

Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Latrino »

Jucy hat geschrieben:Hey!
Und bitte: Ich habe selbst promoviert und arbeite seit 5 Jahren, also bitte kein Hörensagen vom Schwager des Vaters posten. Wer etwas Substantielles beizutragen hat, gerne. Falls es das Thema schon gab, könnt ihr mir auch gerne einen Link posten.
:?:
Viele Grüße, jucy
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sozdoc2016
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Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von sozdoc2016 »

Hallo Latrino

Kurz zum Thema Hochschuldidaktik: Meine Erfahrung diesbezüglich ist äussert positiv und ich habe bei meiner eigenen Jobsuche festgestellt, dass es gerade im Fachhochschulbereich (an der Uni eher weniger) ein grosser Wettbewerbsvorteil ist, entsprechende Qualifikationen nachweisen zu können.

Ich selbst habe ein CAS (15 ECTS) in Hochschuldidaktik berufsbegleitend gemacht und habe dabei wirklich einiges gelernt, was mir später enorm bei den Vorbereitung, insbesondere bei der Konzeption neuer Veranstaltungen dienlich war. Die Techniken haben mir geholfen, systematischer und effizienter zu planen und vorzubereiten, zusätzlich habe ich nun eine grosse "Werkzeugkiste" an Gestaltungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Sicherlich geht es auch ohne ein CAS/MAS/DAS HD und es gibt auch ohne Zweifel echte Lehr-Naturtalente. Aber gerade die moderne HD hat einiges zu bieten und geht deutlich über das hinaus, was ich aus dem Studium kenne bzw. ich mir selbst ausdenken konnte.

Will sagen: Eine HD-Ausbildung (oder anders erworbene didaktische Grundlagen) ist meines Erachtens doppelt von Vorteil, bei der Bewerbung selbst und auch für die eigene Lehrpraxis.

Alles Gute
F.
Linchen88
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Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Linchen88 »

Latrino hat geschrieben:Wieso sind denn 18 SWS 8 Veranstaltungen - sind es (fast) immer nur 2SWS pro Veranstaltung?
Bei uns ist das so. 2 Stunden Vorlesung (90 Minuten) = 2 SWS
algol
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Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von algol »

Mir sind eigentlich auch nur Vorlesungen mit 2 SWS bekannt. ggf. ergänzt um Tutorien / Übungen
18 SWS wären dann allerdings nach meiner Rechnung 9 Vorlesungen.
Latrino

Re: Lehrerfahrung/Publikationen für eine FH-Professur

Beitrag von Latrino »

sozdoc2016 hat geschrieben:Hallo Latrino

Kurz zum Thema Hochschuldidaktik: Meine Erfahrung diesbezüglich ist äussert positiv und ich habe bei meiner eigenen Jobsuche festgestellt, dass es gerade im Fachhochschulbereich (an der Uni eher weniger) ein grosser Wettbewerbsvorteil ist, entsprechende Qualifikationen nachweisen zu können.

Ich selbst habe ein CAS (15 ECTS) in Hochschuldidaktik berufsbegleitend gemacht und habe dabei wirklich einiges gelernt, was mir später enorm bei den Vorbereitung, insbesondere bei der Konzeption neuer Veranstaltungen dienlich war. Die Techniken haben mir geholfen, systematischer und effizienter zu planen und vorzubereiten, zusätzlich habe ich nun eine grosse "Werkzeugkiste" an Gestaltungsmöglichkeiten für die unterschiedlichsten Veranstaltungen. Sicherlich geht es auch ohne ein CAS/MAS/DAS HD und es gibt auch ohne Zweifel echte Lehr-Naturtalente. Aber gerade die moderne HD hat einiges zu bieten und geht deutlich über das hinaus, was ich aus dem Studium kenne bzw. ich mir selbst ausdenken konnte.

Will sagen: Eine HD-Ausbildung (oder anders erworbene didaktische Grundlagen) ist meines Erachtens doppelt von Vorteil, bei der Bewerbung selbst und auch für die eigene Lehrpraxis.

Alles Gute
F.
Hey sozdoc2016,

danke für diese Rückmeldung. Hast Du ggf. sogar Adressen bzw. Tipps bezüglich hochschuldidaktischer Veranstaltungen? Ich google immer mal, aber oft finde ich nicht das, was ich mir vorstelle...
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