Umgang mit dem Doktortitel

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
caipirinha11085
Beiträge: 256
Registriert: 29.03.2016, 16:19
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von caipirinha11085 » 21.01.2018, 08:59

Soll ja auch Leute mit Dr.-Grad geben, die eine Eigentumswohnung haben, da zieht das wieder. ;-)

Mir erschließt sich nicht, wieso es weinger peinlich sein soll, die direkten Nachbarn mündlich darüber zu informieren, dass man promoviert hat, als es an das Klingelschild zu schreiben. :wink:

Anzeige:

Wierus
Beiträge: 715
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung erhalten: 22 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Wierus » 21.01.2018, 18:48

caipirinha11085 hat geschrieben:Mir erschließt sich nicht, wieso es weinger peinlich sein soll, die direkten Nachbarn mündlich darüber zu informieren, dass man promoviert hat, als es an das Klingelschild zu schreiben. :wink:
Wenn man iwo einzieht ist doch - gerade in unserer Gesellschaft - die erste Frage, was man denn so macht (= was man arbeitet/wo das Geld herkommt). Außerdem kann es sein, dass die Nachbarn die Uni-Post mitbekommen, die aus dem Briefkasten ragt oder herausfällt, oder dass sie Pakete für einen annehmen, auf denen das u.U. ersichtlich ist.

caipirinha11085
Beiträge: 256
Registriert: 29.03.2016, 16:19
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von caipirinha11085 » 22.01.2018, 11:00

Wierus hat geschrieben:
caipirinha11085 hat geschrieben:Mir erschließt sich nicht, wieso es weinger peinlich sein soll, die direkten Nachbarn mündlich darüber zu informieren, dass man promoviert hat, als es an das Klingelschild zu schreiben. :wink:
Wenn man iwo einzieht ist doch - gerade in unserer Gesellschaft - die erste Frage, was man denn so macht (= was man arbeitet/wo das Geld herkommt). Außerdem kann es sein, dass die Nachbarn die Uni-Post mitbekommen, die aus dem Briefkasten ragt oder herausfällt, oder dass sie Pakete für einen annehmen, auf denen das u.U. ersichtlich ist.
Ja, aber dann antworte ich sicher nicht: Ich bin promovierte Juristin.. Und wenn man seinen Dr. aus Peinlichkeitsgründen auch sonst nirgends angeben darf, wird er auch nie auf der Post erscheinen, insbesondere nicht bei irgendwelchen Bestellungen. Meine Uni schickt mir nun auch nicht täglich Briefe.
Also irgendwie ergibt das für mich keinen Sinn, wieso das eine "peinlich" sein soll und das andere nicht.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor caipirinha11085 für den Beitrag:
Henrike

Wierus
Beiträge: 715
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung erhalten: 22 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Wierus » 22.01.2018, 17:33

caipirinha11085 hat geschrieben:
Wierus hat geschrieben:
caipirinha11085 hat geschrieben:Mir erschließt sich nicht, wieso es weinger peinlich sein soll, die direkten Nachbarn mündlich darüber zu informieren, dass man promoviert hat, als es an das Klingelschild zu schreiben. :wink:
Wenn man iwo einzieht ist doch - gerade in unserer Gesellschaft - die erste Frage, was man denn so macht (= was man arbeitet/wo das Geld herkommt). Außerdem kann es sein, dass die Nachbarn die Uni-Post mitbekommen, die aus dem Briefkasten ragt oder herausfällt, oder dass sie Pakete für einen annehmen, auf denen das u.U. ersichtlich ist.
Ja, aber dann antworte ich sicher nicht: Ich bin promovierte Juristin.. Und wenn man seinen Dr. aus Peinlichkeitsgründen auch sonst nirgends angeben darf, wird er auch nie auf der Post erscheinen, insbesondere nicht bei irgendwelchen Bestellungen. Meine Uni schickt mir nun auch nicht täglich Briefe.
Also irgendwie ergibt das für mich keinen Sinn, wieso das eine "peinlich" sein soll und das andere nicht.
Ich verstehe jetzt nicht genau, auf was du hinaus willst. Willst du mich von meiner persönlichen Ansicht abbringen, dass ein "Dr." am Klingelschild peinlich ist? :mrgreen:

Eigentlich ging ich davon aus, dass folgende Situation klar ist: Und was machen Sie? - Ich bin Dozent an der Uni/Gutachter/Wissenschaftler (whatever) - Aha, dann sind sie ein Prof./Dr. ...? - Ja(/nein) ich bin... Der Standardverlauf des Kennenlernens im Treppenhaus o. vorm Hauseingang, würde ich sagen. Zumindest wenn der Vermieter es nicht schon einem redseligen Mieter im Haus verraten hat.

Wir können ja gerne eine Umfrage starten oder eine neue Diskussion mit dem Titel: "Bei welchen Gelegenheiten nutzt man die Chance, sich anderen (endlich) als ein 'Herr Doktor' (eine 'Frau Doktorin') vorzustellen?" :D

MoZeBi
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von MoZeBi » 23.01.2018, 09:30

Da wir ja bereits erfahren haben, dass bei einem promovierten Mieter die Wahrscheinlichkeit lauter "Bumsmusik" um 4 Uhr nachts geringer ist und er daher ein gern gesehener Mieter ist (?), habe ich eine verwandte Frage:

Wie handhabt ihr es bei der Wohnungssuche? Gebt ihr euren Doktorgrad ganz offensiv im Anschreiben (Briefkopf, Signatur) an?

Wie sind eure Erfahrungen in diesem Bereich, falls ihr es so handhabt? Hattet ihr das Gefühl, dass ihr bessere Chancen auf eine Einladung zu einer Besichtigung habt?

Ich frage deshalb, weil ich nun endlich fertig bin und mit Frau und Tochter bald umziehen werde. Nun bin ich mir nicht sicher, ob ein offensiver Umgang mit dem Doktor bei der Wohnungssuche mehr schadet als nutzt.

Liebe Grüße,
MoZeBi

FerdiFuchs
Beiträge: 109
Registriert: 07.12.2015, 22:51
Status: Post-Doc
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 5 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von FerdiFuchs » 23.01.2018, 23:12

@MoZeBi: Ich kann den offensiven Umgang wärmstens empfehlen. Als Datenpunkt: Ich habe drei Anfragen für nette Wohnungen in guter Lage verschickt (Doktortitel in Signatur), daraufhin zwei Einladungen zu Besichtigungen und schließlich auch zwei Zusagen erhalten.

Ich erkläre mir das damit, dass Vermieter in der Regel keine große Lust haben werden, sich mit 30 Interessenten persönlich auseinanderzusetzen. Daher suchen sie gezielt nach Anhaltspunkten im Anfragetext. Somit zieht das Bumsmusik-Argument auch hier.

itsme
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von itsme » 30.01.2018, 01:27

Wierus hat geschrieben: Nachdem ich ja das Wort "peinlich" in die Diskussion eingeführt habe, hier ein paar ausführlichere Gedanken dazu: Warum wirkt das "Dr." auf dem Klingelschild meiner Meinung nach tendenziell peinlich? Also wenn es nicht im Rahmen einer Arztpraxis, einer Anwaltskanzlei, eines biochemischen Gutachterbüros o.ä. angebracht wurde, sondern einfach nur Privat an der Wohnungstür o. Hauseingang, dann stellt sich doch die Frage, was damit bezweckt werden soll. Die direkten Nachbarn und Bekannte werden's wohl schon wissen, also wem will man sonst noch imponieren? Diversen Disco-Betthäschen? Den Zeugen Jehovas? Der Drückerkolonne? Dem Schornsteinfeger? Fragen über Fragen...
:mrgreen: Ich hab son Klingelschild. Und selten was mit Disco-Betthäschen (leider?). Das Schild war ein (explizit gewünschtes) Geschenk meiner Eltern und ich hab's für mich. Meine Promotion war ein langer Alptraum (ich arbeite sie heute noch in einer Trauma-Therapie auf .... :? ) und ich wollte was "Greifbares" als Beweis für mich, das es endlich durchgestanden ist. Von meinen Nachbarn werde ich geduzt und er steht auch nicht an der Klingel unten oder am Briefkasten. Nicht im Perso, nicht in der Krankenkassenkarte (mein Psychiater -s. Trauma-Therapie- hat das sogar angeregt, aber ich habe dieses "von Ärzten nicht ernstgenommen werden"-Problem ohnehin nicht), nicht auf der EC-Karte. Im Reisepass, aber nur weil er auf Flugtickets stand, die in ein Land geführt hat, das bei der Einreise SEHR genau hinguckt und ich einen Nachnamen habe, der mich in der halben Welt für's besonders genaue Durchleuchten qualifiziert. Nicht auf dem Büroschild, nicht in der E-Mail-Sig, nicht mal in der Uni-internen P,lattform - und ich bin an der Uni geblieben. Aber gerade hier finde ich den Verweis auf den Grad absolut überflüssig. Ich bin über 30 und in der Hochschullehre - alle Beteiligten sollten zwei und zwei zusammenzählen können. Im "klassischen" ÖD wäre ja auch klar, dass ich bei den passenden Tätigkeiten die notwendigen Lehrgänge absolviert haben muss. Und es geht noch weiter: ich befinde mich gerade in einer unschönen arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung mit der Uni (s. Trauma-Therapie) und habe in diesem Zusammenhang sowohl Bezügestelle als auch Personalverwaltung aufgefordert, den Grad in Anschreiben nicht mehr zu verwenden. Begründung: ich bevorzuge die US-amerikanische Handhabung. Bei Publikationen oder Konferenzen gebe ich ihn an, im Alltag hat er für mich nichts verloren (s. Trauma-Therapie).

Du siehst: Es gibt mehr Gründe für's Klingelschild als die Hoffnung auf beeindruckte Betthäschen.

Wierus
Beiträge: 715
Registriert: 11.05.2009, 20:43
Status: Dr. phil.
Hat sich bedankt: 15 Mal
Danksagung erhalten: 22 Mal

Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Wierus » 30.01.2018, 06:39

itsme hat geschrieben: Ich hab son Klingelschild. Und selten was mit Disco-Betthäschen (leider?). Das Schild war ein (explizit gewünschtes) Geschenk meiner Eltern und ich hab's für mich. Meine Promotion war ein langer Alptraum (ich arbeite sie heute noch in einer Trauma-Therapie auf .... :? ) und ich wollte was "Greifbares" als Beweis für mich, das es endlich durchgestanden ist.
Einem geschenkten Gaul... :wink: Aus dem gleichen Grund finde ich den Eintrag im Pass ebenfalls sinnvoll. Auf einer ideellen Ebene, als kleine Entschädigung für etliche Jahre der Entsagung.

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag