Umgang mit dem Doktortitel

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
TheEagle
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Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von TheEagle » 17.10.2015, 16:11

Hey zusammen,

wie steht ihr denn zu dem Thema "richtiger Umgang mit dem Doktor"?
Würdet ihr euren Doktortitel z.B. auf Klingelschild, Personalausweis oder die Visitenkarte schreiben lassen oder haltet ihr das für übertrieben?

Zwonk
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Zwonk » 17.10.2015, 16:18

Ich halte es so:

Klingelschild: Nein, definitiv nicht. Schon allein um zu verhindern, dass irgendwelche mir unbekannten Nachbarn "zufällig" mal bei mir vorbeikommen, weil sie ärztlichen Rat haben wollen.

Personalausweis: Nein, habe ich nicht eintragen lassen und werde ich auch nicht tun.

Visitenkarte: Grundsätzlich bin ich dagegen, aber auf meine nächste Visitenkarte wird der trotzdem drauf kommen, seitdem ich sehe, dass gerade in großen Konzernen tatsächlich Wert darauf gelegt wird. Vermutlich werde ich dann zwei Versionen meiner Visitenkarte haben - eine für sehr große Unternehmen und Bayern und eine für normale Menschen.

Ansonsten verwende ich das "Dr." gar nicht - weder in der E-Mail-Signatur, noch auf Briefen noch sonst irgendwo.

Traudel
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Traudel » 17.10.2015, 17:09

Ganz herzlich lieben Dank für den Thread!! Da das Thema schon ein paar Mal aufkam und ich mir öfters einbildete, einen irgendwie genervten Unterton herauszulesen, habe ich mich nicht getraut, einen weiteren Thread zu eröffnen -- dabei habe ich groooooooße Neugier und Interesse am Austausch mit Euch, wie Ihr es handhabt.

Bei mir:
- Klingelschild: nein, und zwar tatsächlich wegen der Arztverwechslungsnummer
- Perso: nein, aber ich gestehe ein, dass das reine Faulheit ist: keine Lust auf neue Passbilder (diese biometrische Nummer ist noch nicht bei mir angekommen), keine Lust, zum Einwohnermeldeamt zu dackeln, keine Einsicht, übertriebene Gebühr zur Neuausstellung des Perso zu löhnen. Ich bin nicht ganz so bescheiden wie Zwonk, denn ich hätte meinen Grad gern im Ausweis. Allerdings muss ich meinen Perso niiiiiiiiiiieeeee zeigen :lol:
- Visitenkarte: Ich bin in der Wissenschaft bzw. Hochschulbetrieb geblieben, und da ist der Grad natürlich auf der Visitenkarte drauf (hab nur diese dienstliche).
- wichtiger Tipp: Unkompliziert und kostenlos ist die Beantragung einer neuen Krankenkassenkarte. Ich bin gesetzlich versichert und habe eine komplexe und chronifizierte Krankheits-Vita aufm Buckel. Seitdem ich den "Dr." auf der Karte stehen habe, werde ich definitiv höflicher behandelt und ernster genommen -- wobei das gewiss ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft ist, aber ich habe mich entschlossen, von diesem (zu kritisierenden!) Umstand zu profitieren.
- Emailsignatur: ja, weil beruflich ja relevant bzw. obligatorisch. Wenn ich allerdings interne Mails oder eben weniger offizielle Nachrichten versende, lösche ich das Signaturen-Ungetüm sowieso ganz oft.

Fazit --> Traudel im Konflikt:
Ich bin stolz auf meinen erreichten Grad und habe fürchterlich gelitten, mich diszipliniert und extrem viel Arbeit und Zeit investiert. Ergo würde ich eigentlich auch gern, dass mein "Dr."-Kürzel hier und dort mal nen Auftritt bekommt. ABER zugleich ist es mir peinlich, mein promoviert-Sein irgendwo zu nennen. Gerade wenn man mit Nicht-Promovierten u/o Verwaltungsleuten zu tun hat. Ich stehe zwischen den Stühlen, kann aber den tiefen -- ja, wirklich fiesen und selbstverliebten -- Wunsch nicht verhehlen, der ganzen Welt entgegenzurufen: Ich bin gebildet, ich bin seriös, ich heiße Frau Doktor -- aber bin keine Medizinerin (nichts für ungut, liebe Dr. Med.s, aber naja... :blume: ).
Wie gesagt, das sind die Gedanken, die ich schön für mich behalte, aber in einem anonymen Forum mal rauslasse :D

Oh, ich bin so gespannt, wie Ihr so denkt und mit Eurem Grad auftretet -- posiert, protzt oder hinterm Berg haltet. Alles erlaubt! LG Traudel

Traudel
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Traudel » 17.10.2015, 17:19

Nachtrag:
Wobei es natürlich keinerlei kausalen Zusammenhang zwischen gebildet-Sein, seriös-Sein und promoviert-Sein gibt. Es soll ja sogar Betrüger in unseren Reihen geben ... wie man so hört :lol:

DoneXY
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von DoneXY » 17.10.2015, 17:21

Den Titel bekommt eine/r im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Qualifizierungsarbeit, daher verwende ich ihn nur dort, wo ein Hinweis auf eine solche Qualifizierung sinnvoll ist. Alles andere finde ich peinlich.

flip
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von flip » 17.10.2015, 19:36

Also das hier:

https://doktorandenforum.de/fertig/titelfuehren.htm

ist doch schonmal ganz hilfreich.
Traudel hat geschrieben: Fazit --> Traudel im Konflikt:
Ich bin stolz auf meinen erreichten Grad und habe fürchterlich gelitten, mich diszipliniert und extrem viel Arbeit und Zeit investiert. Ergo würde ich eigentlich auch gern, dass mein "Dr."-Kürzel hier und dort mal nen Auftritt bekommt. ABER zugleich ist es mir peinlich, mein promoviert-Sein irgendwo zu nennen. Gerade wenn man mit Nicht-Promovierten u/o Verwaltungsleuten zu tun hat. Ich stehe zwischen den Stühlen, kann aber den tiefen -- ja, wirklich fiesen und selbstverliebten -- Wunsch nicht verhehlen, der ganzen Welt entgegenzurufen: Ich bin gebildet, ich bin seriös, ich heiße Frau Doktor -- aber bin keine Medizinerin (nichts für ungut, liebe Dr. Med.s, aber naja... :blume: ).
Wie gesagt, das sind die Gedanken, die ich schön für mich behalte, aber in einem anonymen Forum mal rauslasse :D

Oh, ich bin so gespannt, wie Ihr so denkt und mit Eurem Grad auftretet -- posiert, protzt oder hinterm Berg haltet. Alles erlaubt! LG Traudel
Ich denke mal, andere Menschen haben auch viel im Leben gelitten. ;) Dann ergibt es doch Sinn, dass man den Doktor dann im akademischen Bereich "herausposaunt" und sonst eher garnicht. :blume:

Sofern ich den Grad mal irgendwann nächstes Jahr gewinne wird er wohl im später im Unternehmen im Rahmen der Corporate Identity auftauchen. Also auf der Visitenkarte, da mir das Unternehmen das "vorschreibt". Sonst garnicht. Das mit der Krankenkasse ist allerdings eine Überlegung, da ich es hasse, wenn mich jemand versucht für Dumm zu verkaufen, da ich nicht direkt nach Doktorand - um nicht zu sagen intelligent - aussehe. ;)
Aktuell steht an meinem Büroschild sogar garnichts, während bei anderen Zusätze wie Dipl.-X, M.A., M.Sc., WHK, WMA, SHK, Dr. xx. xx., Prof. Professor, Univ.-Prof., blalblabla. usw. auftauchen.
Mir erschließt sich bei Büroschildern auch erhrlich gesagt nicht der Sinn dahinter. Denn wenn ich zu jemandem möchte, dann weiß ich in der Regel, was derjenige tut. Und auf meinen Internationalen Stationen sind mir immer sehr viele Namen entgegengeflogen, aber wenig Titel.

Funkwecker
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Funkwecker » 18.10.2015, 12:40

Kleine Anmerkung am Rande: Ich persönlich würde mir das mit der Krankenkassenkarte überlegen, denn ich finde es extrem peinlich, wenn durch die ganze Arztpraxis "Herr Dr. SoUndSo bitte ins Zimmer 2" gerufen wird.

walliworld
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von walliworld » 21.10.2015, 09:43

Ich habe ja noch etwas Zeit bis ich mir Gedanken darüber machen "muss" aber trotzdem hier schon mal meine Einschätzung:

Klingelschild: Definitiv nein

Personalausweis: Kann man machen, aber nur nachdem mein alter Ausweis abgelaufen ist

Visitenkarte: Im beruflichen Kontext halte ich es für sinnvoll. Dann aber nicht nur den Titel (Dr.) sondern der komplette wissenschaftliche Grad (z.B. Dr. rer. nat.) da dies dann auch etwas über die Fachrichtung aussagt.

SonicTheHedgehog
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von SonicTheHedgehog » 17.01.2018, 23:29

Hallo liebe Leute,

ich habe es nach einigem Stress und viel Arbeit nun auch gepackt, die Promotion abzuschließen - zumindest Diss, Verteidigung und Verlagsvertrag. Wie viele von euch wissen ist jedoch die Veröffentlichung ein langwieriger Prozess, und ich sehe aktuell keine Chance, die verlangten Exemplare vor 2019 einreichen zu können - vorher gibt es bei uns jedoch keine Urkunde. Allerdings habe ich nach Vorlage des Verlagsvertrages ein Schreiben aus dem Dekanat bekommen, das mir gestattet, den Titel vorläufig zu führen.

Meine Frage lautet - und ja, das ist sicherlich etwas eitel, aber wie ich finde auch nicht völlig unangebracht -: genügt ein derartiges Schreiben, um sich den Dr. in den Personalausweis schreiben zu lassen? Im Gesetzestext stand nur etwas von "angemessenen Nachweisen" - meine Interpretation wäre hier durchaus, das ein Schreiben wie das meine genügt, aber ich erahne bereits, dass im Amt rumdiskutiert wird. Daher die Frage, die sich vor allem an die Juravertrauten von euch richtet: gibt es da einen Präzedenzfall? Sollte ich es versuchen oder ist das ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen?

Vielen Dank!

Wierus
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Re: Umgang mit dem Doktortitel

Beitrag von Wierus » 18.01.2018, 00:52

SonicTheHedgehog hat geschrieben:Meine Frage lautet - und ja, das ist sicherlich etwas eitel, aber wie ich finde auch nicht völlig unangebracht -: genügt ein derartiges Schreiben, um sich den Dr. in den Personalausweis schreiben zu lassen?
Für solche Anliegen müsste das Schreiben eigentlich gedacht sein. Am besten direkt beim Einwohneramt nachfragen.


Zum Thread-Thema (auch wenn es Jahre her ist):
TheEagle hat geschrieben:Hey zusammen,

wie steht ihr denn zu dem Thema "richtiger Umgang mit dem Doktor"?
Würdet ihr euren Doktortitel z.B. auf Klingelschild, Personalausweis oder die Visitenkarte schreiben lassen oder haltet ihr das für übertrieben?
Klingelschild => halte ich für für übertrieben, eigentlich sogar peinlich.

Personalausweis => finde ich absolut gerechtfertigt. der Grad ist eine zentrale Errungenschaft im Leben auf die man praktisch Jahrzente (Studium + Promotion) hingearbeitet hat. A propos: Den Dr. aus dem Ausweis tilgen und den unsinnigen "von und zu" behalten!? Lachhaft!

Visitenkarte => kommt auf den Verwendungszweck, die Zielgruppe und die beruflichen Hintergründe an

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