Lektorat und Seele

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)

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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 01.10.2015, 16:02

Twinkies hat geschrieben: Das ist total ärgerlich, aber du kannst darauf genau so "nonchalant" reagieren: da dir leider nicht rechtzeitig zu Semesterbeginn ein Vertrag angeboten werden kann, kannst du leider nicht rechtzeitig mit Seminarvorbereitungen anfangen, weshalb du dann eben z.B. ein Blockseminar unterrichten wirst (falls du das wollen würdest), oder eben dein Seminar fängt dann erst mit entsprechender Verspätung an, oder dich muss halt leider jemand in den ersten Wochen vertreten. Das verkündest du natürlich erst, nachdem du deinen Vertrag unterschrieben hast :-X
:mrgreen: So ungefähr habe ich es auch gemacht. Der Vertrag ist zwar noch nicht unterschrieben (GRMPF!!!), aber ich hab' dafür gesorgt, dass mittlerweile so viele Menschen von der Sache wissen, dass ein Rückzieher nicht mehr ohne Weiteres möglich ist. Wegen der fehlenden Wochen habe ich immer und immer wieder drum gebeten, dass meine Aufgaben im ersten Semester auch um 10% gekürzt werden und hab' mich vor dieser bösen, bösen Falle ("Ich will ja niemanden mit meinem Kleinkram belästigen, alle sollen mich immer lüp haben, will ja nicht negativ auffallen ...") gehütet. Ich glaube, ich habe mein Mantra gefunden: Da ich die ganze Sache ja nicht mehr als Investition in eine bestimmte berufliche Zukunft betrachte, kann ich mich mehr darauf konzentrieren, Zufriedenheit aus dem Hier und Jetzt zu ziehen. Damit fällt dieser Hebel ("Sei jetzt entgegenkommend und kompromissbereit, dann wird dir das in der Zukunft schon irgendwie nützen") weg und ich bin weniger erpressbar.

Und am Wichtigsten: Ich hab' an die geniale Simpsons-Folge mit den Fotos von Baby Maggie gedacht. Kennt ihr die? Bart und Lisa fragen Homer, warum er keine Fotos von Maggie hat. Geschichte dahinter: Homer wollte sich eigentlich mit einem Minigolf-Platz selbstständig machen, dann wurde aber Marge schwanger und Homer musste im Kernkraftwerk anfangen. In der letzten Sequenz sieht man, wie der Arbeitsplatz mit Fotos von Maggie zugepflastert ist - weil Homer die Fotos da braucht, um sich dran zu erinnern, warum er den Job macht. Am Ende ist es nur Arbeit, die dazu dient, den Lebensunterhalt finanzieren zu können.

@Lucy: Danke! :blume: Da mein Ego immer noch in der Schmollecke sitzt, tut das besonders gut.

Green Goddess
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Green Goddess » 01.10.2015, 17:10

itsme hat geschrieben:...In Gesprächen hat sich sogar gezeigt, dass mein Betreuer meint, das wäre eine Gelegenheit zur "Wiedergutmachung" - was ich ganz entsetzlich finde. Das Dingen macht ja schon jetzt nicht mehr das für mich, was ich mir davon erhofft habe, aber wenn ich mich bei einer positiven Bewertung jetzt immer fragen müsste, ob das nicht vielleicht eine Art Gnadenakt war, werde ich das gestörte Verhältnis zu meiner eigenen Arbeit gar nicht mehr los....
Liebe Itsme,
wie kommst du auf das schmale Brett, dass DU DICH mies fühlen solltest, weil jmd endlich gemerkt hat, dass er dich mies behandelt hat? Steh auf, richte das Krönchen und _erlaube_ ihm huldvoll lächelnd, einen Teil seiner Schuld abzutragen! So wird ein Schuh daraus, vlt sogar ein Paar Schuhe. *smile
... und hör auf, blöde Fragen an dich selbst zu stellen! ;) Im Haifischbecken gibt es keine Gnade. Wenn du die Stelle angeboten bekamst, dann aus einzig und allein dem Grund, dass niemand besser geeignet war. Die "Wiedergutmachung" mag vielleicht, nein eher VIELLEICHT, den Ausschlag gegeben haben gegenüber einer gleichguten Konkurrenz, aber nie und nimmer gegenüber besserer. Und du weisst das auch, schliesslich bist du lang genug in der Tretmühle gewesen, um "Gnade" ins Reich der Fabeln verweisen zu können.

In diesem Sinne
G_G

itsme
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 29.10.2015, 13:29

@Green Goddess & carlo: Auch euch: Danke! :blume:

Leider steht ihr mit dieser Meinung allein, denn offensichtlich liest die Uni-Verwaltung hier nicht mit. Ich kann kaum glauben, was danach passiert und leider wurden eher die Warnungen bestätigt. Aaaalso: Mein Ex-DV hat die Sache verschleppt und verschleppt und verschleppt, weil er selbst keine Zugeständnisse machen wollte, sondern lieber abwarten wollte, was mit einer Stelle passiert, die sowieso schon ausgeschrieben war. Nachdem die Antragsunterlagen ausgefüllt worden sind, geschah ... wieder Nichts. Ich hab' dann zum Vorlesungsbeginn bei der zuständigen Mitarbeiterin in der zentralen Uni-Verwaltung angerufen, die bass erstaunt war, weil mich niemand informiert hatte (und ich hab mir einen bissigen Kommentar dahingehend verbissen, dass wahrscheinlich der gesamte Fachbereich kollabieren würde, wenn die plötzlich anfangen würden, irgendjemand professionell und wertschätzend zu behandeln). Die Uni-Verwaltung will, bis die Promotionsurkunde vorliegt, keinen befristeten Arbeitsvertrag ausstellen - rechtliche Risiken (Mit anderen Worten: Das wirklich untragbare Risiko, dass ich mir eine entfristete Stelle erklage und danach dreißig Jahre lang jedes Semester vier Seminare in einem stark nachgefragten Bachelor mache, daseidochderherrjesusvor). Aber - da es sich ja nicht um Unmenschen handelt und ich jetzt ja auch in eine finanzielle Zwangslage geraten bin - wären sie bereit, das erste Semester mit einem Stipendium und Lehraufträgen zu überbrücken. Da würde doch mal deutlich, dass alle Gerüchte und die mißgünstige Berichterstattung in den Medien über prekäre Arbeitsverträge an den Universitäten vollkommen unberechtigt sind. Irgendwie hat das seine ganz eigene Logik: Man möchte vermeiden, dass zu kurzfristige Arbeitsverträge ausgestellt werden, deswegen verzichtet man sicherheitshalber darauf, überhaupt Arbeitsverträge auszustellen. Viel besser.

Das Absurde ist: Die Seminare, die ich angeboten hätte, wurden von den Studierenden gut aufgenommen. Es gibt reichlich Anmeldungen und als ich eine Rund-E-Mail geschrieben habe, mit der Mitteilung, dass sich der Seminarbeginn weiter verschiebt, kamen auch E-Mails mit der Aussage, dass die Studies genau diese Seminare gerne gemacht hätten. Es ist wirklich schwierig, vor diesem Hintergrund selbst nicht ins Zweifeln zu kommen: Ich weiß, dass mit diesen Seminaren ein Nutzen für alle Beteiligten entstanden wäre: Ich hätte einen Lebensunterhalt. Die Studies lernen was. Die Uni kommt ihrer Verpflichtung in der Lehre nach und das wahrscheinlich noch nicht mal schlecht, denn ich hätte sicher motivierter gelehrt als ein Prof, der es als Zumutung betrachtet, dass man vom ihm für sein fürstliches Gehalt tatsächlich eine Gegenleistung erwartet. Simpler kann der Austausch von Leistung und Gegenleistung wirklich nicht sein. Auf der Gegenseite wird aber die Auffassung vertreten, dass es schon ein großzügiges Entgegenkommen sei, mir überhaupt irgendeine Form der Beschäftigung anzubieten, denn immerhin habe ich dann ja die Perspektive, zumindest danach "wirklich" beschäftigt zu werden - auf einer halben Lektorenstelle, befristet für zweieinhalb Jahre. Anscheind ist doch allein der Nimbus der Uni-Beschäftigung wohl Lohn genug. Yepp, das waren die Aussichten, die mich während des Studiums haben durchhalten lassen. Die führen sich teilweise auf, als hätte ich ein Millionen-Budget zur freien Verfügung, eine Abteilung mit x Mitarbeitern, ein Erstgeborenes meiner Wahl und Erstautorenschaft für jede Publikation gefordert, die jemals diese Uni verlassen hätte - und das nachdem ich die Grundschule nach der zweiten Klasse geschmissen habe. :shock: Mein Ex-DV (stolzer Inhaber der Verfügungsgewalt über ein Millionen-Budget, einer Abteilung mit x Mitarbeitern, den Rechten an diversen Erstgeborenen und einem Stempel für die Erstautorenschaften) spielt dabei eine besonders unrühmliche Rolle. Trotz eigener Arbeitsverweigerung in wirklich allen Bereichen, die so zum Berufsbilds eines Professors gehören, ist es ihm wirklich unverständlich, warum ich nicht die Chance in diesem Angebot sehen kann: Eine Beschäftigung an der - GASP! - Uni. Für weniger als den Mindestlohn und mit ohne Sozialversicherung, aber AN! DER! UNI!

Im Moment geht es mir vor allem darum, das trotz des ganzen Gezerres und der Diskussionen mit allen möglichen Leuten nicht an mich ran zu lassen. Ich weiß, dass meine Seminare das Geld (HALBE! BEFRISTETE! LEKTORENSTELLE! Und nochmal: HALBE! BEFRISTETE! LEKTORENSTELLE!) wert gewesen wären und lass' mich auch nicht davon abbringen. Die Kohle ist knapp, aber zur Not geht auch immer ein Job über Zeitarbeit. Aber ich merke auch, dass ich mich schon wieder in der Bitterkeit verfange und häufiger wünsche, ich hätte nie, nie, nie, niemals mit der Diss überhaupt angefangen. Ich hab' die Sorge, dass ich diese Bitterkeit nie wieder loswerde, wenn ich mich jetzt auf einen drögen Job einlasse. Diese Sichtweise bringt nicht viel, weil ändern kann ich es nicht mehr, deswegen geht es jetzt darum irgendwie eine Grundlage zu schaffen, um die Trümmer wegzuräumen. :cry:

ichpackdasichpackdasichpackdasichpackdasichpackdasichpackdasichpackdas

Amalia
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Amalia » 29.10.2015, 17:18

Liebe Itsme,
das alles tut mir unendlich leid für Dich!
Aber es ist ein Wink mit dem Gartenzaun: Du solltest nicht an die Uni zurückkehren! Du hast bisher nur ans Tor geklopft und wirst schon bitter und zynisch. Die Uni ist Gift für Deinen Genesungsprozess.
Es gibt eine Welt außerhalb der Uni. Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern ist da durchaus verbreiteter. Die Welt da drausen ist sehr vielfältig. Da findet jeder eine Ecke, in der er sich wohlfühlt – auch Du!
Und bitte, bitte tu Dir den Gefallen und verlass das Höllenhaus Uni.
Alles, alles Gute! :blume: :blume: :blume:
A.

Twinkies
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Twinkies » 29.10.2015, 21:21

Liebe Itsme,

das ist echt ätzend, tut mir leid dass es dir jetzt so ergangen ist. So eine Einstellung seitens Uni-Hoheiten, dass es noch eine "Ehre" ist, unbezahlt an der Uni arbeiten zu "dürfen", ist mir auch schon oft begegnet. Kein Respekt oder Wertschätzung für die Arbeitskraft, Zeit und berufliche Zukunft des Gegenübers. :evil:

Ich denke Amalia hat Recht, und je eher du die Situation verlässt, desto besser für dich und deine Gesundheit. Hast du eigentlich mittlerweile die Diss eingereicht?

Eigentlich sollten sich mal ALLE kollektiv wehren gegen diese Zustände an der Uni. Warum können sich Profs und Univerwaltungen sowas überhaupt rausnehmen? Genau: weil für jede Person, die nicht mitspielt, Dutzende andere schon in der Reihe stehen, die die Jobs (bezahlte und auch unbezahlte) gerne übernehmen. Zum einen, weil sie neu sind und es noch nicht besser wissen, zum anderen weil selbst wenn sie das Spiel durchschaut haben, Angst haben, auf der Strecke zu bleiben. Ich kann Letzteres auch irgendwo nachvollziehen, denn ein Individuum allein kann gegen die Maschinerie nichts ausrichten. Solidarität und kollektives Handeln sind aber scheinbar nicht oder nur schwer zu erzielen. Die Gewerkschaften machen zu wenig. Die GEW hat zu lange geschlafen in Sachen wissenschaftliche Mitarbeiter_innen und Lehrbeauftragte usw.

Auch wenn das jetzt vielleicht schwer fällt, aber: du darfst das ganze auf keinen Fall "persönlich" nehmen oder irgendwie auf dich beziehen. Diese Ausnutzerei und Willkür an der Uni ist systematisch, und wen es gerade mal wieder trifft, ist eben auch durch Willkür und Pech bedingt. Das ist jetzt vermutlich kein Trost. Halte dir vor Augen, dass du die Situation nicht verlässt, weil DU zu "schwach" bist oder "gescheitert" bist, sondern weil du dir zu schade bist, das weiter mitzumachen!

Auch von mir, alles Gute! :blume:

Amalia
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Amalia » 29.10.2015, 21:43

Twinkies hat geschrieben:Halte dir vor Augen, dass du die Situation nicht verlässt, weil DU zu "schwach" bist oder "gescheitert" bist, sondern weil du dir zu schade bist, das weiter mitzumachen!
Das möchte ich nochmal unterstreichen!
Es ist ein Zeichen von Stärke, wenn Du so etwas nicht mitmachst, itsme! Denn dann zeigst Du, dass Du Rückgrat hast und Selbstachtung. Du hast etwas Besseres verdient als dieses Unitheater. :blume: :blume:

deliliah
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Re: Lektorat und Seeleim

Beitrag von deliliah » 01.11.2015, 20:01

Amalia hat geschrieben: Es gibt eine Welt außerhalb der Uni. Wertschätzung gegenüber Mitarbeitern ist da durchaus verbreiteter. Die Welt da drausen ist sehr vielfältig. Da findet jeder eine Ecke, in der er sich wohlfühlt – auch Du!
Und bitte, bitte tu Dir den Gefallen und verlass das Höllenhaus Uni.
Ich kann das nur unterstreichen. Ich bin noch dabei zu promovieren und gehe halbtags einer Beschäftigung in der freien Wirtschaft nach. Zuvor war ich 3 Jahre an der Uni für ein Promotionsprojekt angestellt. Ein Gefühl der Wertschätzung meiner Arbeit hatte ich dort nie, obwohl ich mich gut mit meiner Doktormutter verstehe. Wenn sie nichts negatives sagt, hat man es gut gemacht. In meinem jetzigen Job bekomme ich ein Dankeschön und Lob. Neue Ideen werden aufgenommen und besprochen und oft auch umgesetzt. Außenstehende würden sagen, dass ich total überqualifiziert für meinen Job bin. Faktisch gesehen bin ich das auch, aber ich bekomme jeden Monat mein Gehalt und das unbefristet. Wenn ich meine ex-Uni-Kollegen so sehe, bin ich froh um meinen Job. Dieses Hauen und stechen um mögliche projektgelder ist so würdelos.

Eine Erfahrung habe ich auch noch gemacht, fast jeder Prof verspricht einem das Gelbe vom Ei, nur um einen zu halten. Viel ergeben tut sich daraus hingegen nur selten etwas.

Mein Tipp wäre daher auch, such dir parallel etwas anderes. Gebe aber auch die Diss ab, um alleine deine Uni-Zeiten in einem Bewerbungsgespräch erklären zu können. Und was zuerst klappt da schlägst du erstmal zu.

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