Lektorat und Seele

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)

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itsme
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Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 23.09.2015, 15:16

Liebe Leute,

ich habe ein vielleicht etwas ungewöhnliches Post-Doc-Problem und - da alle unbefangenen Ratgeber im Freundes- und Familienkreis nicht in der Wissenschaft arbeiten - auch keinen wirklichen Ansprechpartner. Deswegen dachte ich, dass ihr vielleicht ein paar Handlungsoptionen oder vielleicht auch neue Betrachtungsweisen erkennt, auch wenn es sich nicht um die klassischen, eher formalen Fragen der Post-Doc-Beschäftigung an einer Universität geht.

Ich will versuchen, den Hintergrund so kurz wie möglich darzustellen, aber das ist schon nicht ganz einfach. Ich hab' irgendwann mal ganz normal angefangen zu promovieren, direkt nach dem Studium, auf einer 1/2-WiMi-Stelle. In meinem Themengebiet (einem angewandten, interdisziplinären Bereich der Wirtschaftswissenschaften) ist die Promotion für eine Tätigkeit außerhalb der Wissenschaft nicht unbedingt notwendig, aber ich hatte eigentlich vor, es mit der wissenschaftlichen Laufbahn zu versuchen und wollte mit einer guten, vielleicht sogar auffallenden Dissertation dafür den Grundstein legen. Dabei habe ich mich verrannt, hab' viele Warnsignale ignoriert, die mich eigentlich darauf hinweisen sollten, dass mein Ziel und die Gegebenheiten in der Abteilung nicht zusammenpassen. Ich hatte mich vor der Promotion darauf eingestellt, meine Frustrationstoleranz aktivieren zu müssen. Allerdings hatte ich dann nicht damit gerechnet, das es am Ende einfach nur eine sehr, sehr lange Frustrationserfahrung werden würde, die auch nicht mehr durch ein positives Erfolgserlebnis aufgelöst werden kann. Ich hab' dann sowieso schon viel zu lange auf der WiMi-Stelle rumgekrebst und erst ganz zum Schluss, mit dem Erreichen der Höchstbefristungsdauer, als ich mental schon aus dem letzten Loch gepfiffen habe, die Reißleine gezogen und Freiraum für die Diss eingefordert. Es haben sich über die Zeit unglaublich viele Konflikte mit dem Betreuer angehäuft, die so gut wie jeden Aspekt der Zusammenarbeit betrafen: Die Befristungen über wenige Monate, die Überschreitung der arbeitsvertraglichen Vereinbarungen, die Betreuung der Diss, die Aufgabenverteilung, Autorenschaften und die Zurechenbarkeit von Projektergebnissen, die Möglichkeit zur Mitsprache in der Planung von Projekten - wirklich nahezu alles, was so einen wissenschaftlichen Arbeitsplatz ausmacht, war irgendwie belastet.

Die schlechte Zusammenarbeit köchelte schon ein paar Jahre vor sich hin, als es im letzten Jahr zu einem aus meiner Sicht sehr schwerwiegenden Vertrauensbruch kam. Mein Betreuer/Vorgesetzter hat einen Auftrag an mich weitergegeben, von dem er sich eine private und unmittelbar an ihn gehende Vergütung erwartete, ohne mich über diese zu informieren oder mich beteiligen zu wollen. Es kam mehr zufällig raus und mein Beharren, die Sache klären und nicht einfach unter den Tisch fallen lassen zu wollen (bis dahin erprobte und erfolgreiche Praxis bei ungeklärten Problemen), hat er nicht gut aufgenommen. Er hat meine Weiterbeschäftigung (d.h. die eigentlich schon zugesagte, volle Post-Doc-Stelle) in Frage gestellt.

Die Folge war ein völliger Kommunikationsabbruch: Ich konnte es nicht fassen, dass er so weit gehen würde, für ihn war meine Verärgerung unverständlich. In den letzten Monaten, in denen ich dann im Wesentlichen die Diss geschrieben habe, gab' es einfach gar keine Gespräche mehr, schon gar nicht über das Fortschreiten der Arbeit. Die Post-Doc-Stelle war natürlich hinfällig, worüber es allerdings auch erst sehr spät überhaupt zu einem Gespräch kam.

Ich hab' lange geglaubt, dass ich es packen würde, unter diesen Bedingungen eine wissenschaftliche Leistung zu erbringen. Ich hab' mir ärztliche Hilfe gesucht und dort gezielt nach einem Anti-Depressivum gefragt, mit dem die Konzentrationsfähigkeit erhalten bleibt, damit ich zu Ende schreiben kann. Das war nicht schlau oder sinnvoll oder gut, erschien' mir damals aber wie der einzige Ausweg: Ich schreibe das Dingen irgendwie zu Ende und suche mir dann was Neues, um die schlechte Erfahrung bei der Promotion durch positive Erfahrungen zu überschreiben. Toller Plan - wenn er denn geklappt hätte. Ich hab' die Diss fertig geschrieben. Sie ist ... naja ... ich würd' sagen "So lala.". Ein paar Sachen, vor allem aus der Zeit vor der Depression, sind originell, aber die Kohärenz der Darstellung der Ergebnisse lässt zu wünschen übrig. Wie sie bewertet wurde, kann ich noch nicht mal sagen, denn ich habe sie nicht abgegeben. In dem Moment, in dem ich den letzten Punkt gesetzt habe, war es, als würde ein inneres Gummiband, das zuvor noch alles zusammengehalten hat, reißen. Bei dem Gedanken, dass ich jetzt keine Phase haben würde, in der ich mich über das erfolgreiche Abschließen meiner Diss freuen könnte, sondern mir neue berufliche Optionen erschließen müsste, mit Bewerbungen, Absagen, Vorstellungsgesprächen, vielleicht einem Umzug und Zeit für die Einarbeitung, habe ich angefangen zu weinen. Und damit auch ein paar Monate nicht mehr aufgehört. Ich hab' es entsetzlich bereut, die Diss überhaupt begonnen zu haben. Ich hatte Schuldgefühle, weil ich etwas, das mir sehr wichtig war, nämlich die Perspektive auf eine berufliche Laufbahn in der Wissenschaft, leichtfertig durch das Festhalten an einer ungeeigneten Qualifikationsstelle gefährdet habe. Ich hab' mich mit Selbstzweifeln und Schamgefühlen gequält, weil man mit mir doch sicher nicht so umgehen würde, wenn ich wissenschaftlich fähig und "förderungswürdiger Nachwuchs" wäre. Ich war - um es kurz zu machen - seelisch sehr, sehr krank, aber die ganze Zeit fest davon überzeugt, dass ich mich nur zusammenreißen und einen anderen Job suchen müsse, um dann woanders neu durchzustarten. Manchmal gab' es Situationen, die waren fast schon absurd. Zum Beispiel, als ich meinem behandelnden Arzt genau diese Überzeugung mitgeteilt habe: "Geben Sie mir nur die richtige Pille für den Antrieb, dann suche ich mir einen neuen Job und mache da alles anders.". Er hat mir dann mitgeteilt, dass die einzige Art von Arbeit, über die ich im Moment nachdenken sollte, eine Ergo-Therapie sei - um mal wieder einen positiven Zugang zu diesem ganzen Lebensbereich zu entwickeln. So viel zu meiner festen Überzeugung, in der Wissenschaft einen produktiven Beitrag leisten zu können.

Das "Raus aus dem Tief" hat seeeeehr lange gedauert. Länger. Noch länger. Es waren Tippelschritte, über Spaziergänge mit einem Hund, dann über Gespräche mit einem sehr lieben Menschen, der wegen einer körperlichen Erkrankung nicht erwerbstätig ist (und so viel Zeit zum Zuhören hatte). Dann ein gemeinsames Projekt, bei dem wir etwas gebaut haben. Dann irgendwann dieses Forum. Dann das Wiederaufnehmen von alten Kontakten und Freundschaften. Und dann irgendwann auch die Konfrontation mit der Uni und meinem ehemaligen Betreuer/Vorgesetzten. Und damit sind wir im "Hier und Jetzt".

Nach derzeitigem Stand der Dinge kann ich eine wissenschaftliche Karriere in den Wind schreiben. Stattdessen steht jetzt "Berappeln" auf dem Plan. Nach langen und zähen Auseinandersetzungen zeichnet sich jetzt die Möglichkeit ab, mit einer halben Lektorenstelle wieder einzusteigen. Das ist tatsächlich in meinem Interesse, einfach aus pragmatischen Gründen. Ich muss meine Miete zahlen und das mache ich lieber mit einem Job, den ich mal gemocht habe, als mit einem MacJob ohne Bezug zu Studium und Promotion. Ich würde Zeit gewinnen, in der ich weiter an meiner persönlichen Stabilisierung, z.B. mit psychotherapeutischer Unterstützung, arbeiten könnte, um dann in drei Jahren eine berufliche Neu-Orientierung in Angriff zu nehmen. Es wäre ein Grund, die Diss noch abzugeben. Vielleicht kann ich noch ein paar nette Publikationen draus machen und mir die Begeisterung für's Thema zurück holen. Einen Umzug und einen neuen Job würde ich im Moment - auch wegen des schon genannten lieben Menschen - nicht stemmen. Es ist - im Vergleich zu den nicht wirklich berauschenden Alternativen - eine gute Lösung.

Sagt mein Verstand. Meine Seele sagt: Tu' dir das nicht an. Da es so lange gedauert hat und so viele Auseinandersetzungen notwendig waren, bis sich diese Möglichkeit aufgetan hat, sind neue Verletzungen entstanden, die einem unbelasteten Neu-Anfang im Wege stehen. Die ständige Konfrontation mit dem, was ich mir eigentlich mal für meine berufliche Laufbahn gewünscht habe und denen, die diesen Weg noch gehen können, wird schmerzhaft. Ich könnte mir vorstellen, dass meine Geschichte an den Unis vielleicht gar nicht mal so unüblich ist, aber wegen des katastrophenhaften Verlaufs zur emotionalen Abwehr bei Kollegen führt, einfach aus Selbstschutz heraus. Und ich selbst bin bitter und zynisch, eigentlich keine gute Voraussetzung, um mich auf eine Tätigkeit in der Lehre einzulassen.

Ich habe mich entschieden, es zu machen. Deswegen ist das hier keine klassische "Soll ich es tun oder nicht?"-Frage, sondern ich wollte euch fragen, wie es gelingen kann. Im Moment bin ich nichts, als ein sehr, sehr toxischer Gefühls-Mix. Bestimmte Verhaltensweisen, die an den Unis absolut üblich sind (z.B. verantwortungsloses Projektmanagement, bei dem die besonderen Arbeitsbedingungen der Universitäten ausgenutzt werden) lösen extreme Gefühle von Wut, Ohnmacht, Entsetzen aus. Keine Sorge, ich schnapp' mir keine Bazooka und gebe den Valéry Fabrikant - denn ich weiß, dass Ausagieren Wut nur verschlimmert, aber nicht auflöst. Ich möchte da eigentlich raus und die Zeit positiv nutzen. Ganz oben auf der Liste steht die Suche nach psychotherapeutischer Unterstützung, teilweise zur Aufarbeitung, teilweise um dann gestärkt etwas Anderes in Angriff nehmen zu können. Check. Aber vielleicht wisst ihr darüber hinaus Mittel und Wege, wie ich Zufriedenheit aus der Arbeit selbst ziehen kann. Was macht euch an dem Job glücklich, in der Gegenwart, nicht als Investition mit ungewissem Ausgang?

Twinkies
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Twinkies » 23.09.2015, 18:35

Hallo itsme,

das ist wirklich heftig, dass du so eine negative Erfahrung machen musstest. Und du hast recht, dass du mit dieser Erfahrung nicht allein dastehst - was die Sache nicht besser macht. Ich habe das Gefühl, dass es einigen so ergeht, und man eventuell mal mit anderen darüber redet, aber eine flächendeckende Auseinandersetzung im Wissenschaftsbetrieb partout verweigert wird.

Zu deiner Situation: bevor ich deinen letzten Absatz gelesen habe, dachte ich, dir zu raten, das Arbeitslosengeld zu nehmen das dir für ein Jahr zu steht, und in dieser Zeit versuchen, wieder auf die Beine zu kommen und dich neu zu orientieren. Eine "perfekte" Lösung wäre das nicht gewesen, aber so hättest du ein wenig Abstand zur Uni bekommen. Aber da du dich ja ohnehin für die Stelle entschieden hast, fällt das ja flach. Eine Frage: ist diese Stelle am gleichen Institut und bei deinem ehemaligen Betreuer/Vorgesetzten? Du würdest ja hauptsächlich lehren, oder? Dann versuche, dich stur darauf zu konzentrieren: du willst deinen Studierenden was beibringen, willst, dass sie sich für das Thema begeistern und bestenfalls was für sich aus deinen Seminaren mitnehmen. Konzentriere dich auf diesen Aspekt, und versuche, das ganze Drumherum weitestgehend auszublenden. Du hast schon mal unterrichtet, nehme ich an? Dann versuche neue Lehrmethoden, didaktische Methoden, einfach etwas um deine Aufmerksamkeit der Lehre und den Studierenden zu widmen, statt Energie in den Uni-Frust zu stecken. Das wäre jetzt mal was, was ich empfehlen würde in deiner Situation.

Die Diss ist ja fertig, wie ich das verstanden habe? Ich würde sie so schnell wie möglich abgeben. Einfach, damit du das "vom Tisch" hast. Auch wenn sich vielleicht nicht unmittelbar ein Erfolgsgefühl einstellt, so ist es ein Erfolg, auf den du stolz sein kannst. Dir wird vermutlich ein riesen Stein vom Herzen fallen, wenn du die Arbeit abgegeben hast.

Ich glaube auch, dass es ziemlich oft vorkommt, dass Leute am "Traum Wissenschaft" noch lange festhalten, selbst dann, wenn der Abgleich mit der Realität rational dagegen spricht. Ich bin der Ansicht, dass das eine ziemlich gefährliche Falle ist, die der Wissenschaftsbetrieb (und eben auch Profs) zu seinen Gunsten nutzt: wenn einem ständig eingeredet wird und man sich in Zuge dessen selbst einredet, dass man die akademische Arbeit aus "Liebe zur Sache" macht/machen soll, und nicht des Geldes wegen (das wäre da materiell und nicht idealistisch genug :cry: ), wird man eben auch schnell ausgebeutet und nimmt ungute Situationen länger in Kauf, als man eigentlich verkraften kann. Aber man will ja den "Traum" nicht aufgeben. Dieser "Traum", den man mal am Anfang hatte, ist ja im Grunde komplett unrealistisch. Klar ist diese Erkenntnis schmerzlich. Aber du darfst dir nicht einreden (lassen), dass du als "Loser" aus der Sache herausgehst, weil du keine Unikarriere "geschafft" hast. Die Uni ist ein Mikrokosmos, der sich von Innen ganz wichtig nimmt, den von Außen betrachtet aber eigentlich niemanden großartig interessiert. Vielleicht hilft es dir ja, dir das vor Augen zu halten.

Ich drücke dir die Daumen, dass du dich bei deiner neuen Stelle so weit es geht innerlich von dem ganzen Uni-Trara distanzieren kannst, und es dir bald wieder besser geht!

itsme
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 23.09.2015, 19:32

Twinkies hat geschrieben:Hallo itsme,

das ist wirklich heftig, dass du so eine negative Erfahrung machen musstest. Und du hast recht, dass du mit dieser Erfahrung nicht allein dastehst - was die Sache nicht besser macht. Ich habe das Gefühl, dass es einigen so ergeht, und man eventuell mal mit anderen darüber redet, aber eine flächendeckende Auseinandersetzung im Wissenschaftsbetrieb partout verweigert wird.
Ich war "auf der anderen Seite" leider nicht besser. In meiner Zeit an der Uni habe ich eine Psychose, einen Burn-Out und einen Alkoholismus bei unmittelbaren Kollegen miterlebt. Ich weiß von einer Kollegin, die aufgehört hat, weil sie einen Tinnitus hatte. Bei weiteren habe ich von Schlafproblemen und unspezifischen "psychischen Problemen" gehört. Aber jedes Mal habe ich das mit einem "Selbst schuld, nicht hart genug!" abgetan, weil es schlicht einfacher war, als der Möglichkeit ins Auge zu sehen, dass es mir auch so gehen könnte. Ganz schön bescheuert, denn was wäre denn meine Genugtuung gewesen, wenn es mir irgendwann nicht auch zu viel geworden wäre: "Yeah, ich hab ein ineffizientes, ressourcenverschleißendes System stabilisiert!" Ich vermute, dass die flächendeckende Auseinandersetzung nicht zuletzt auch deshalb unterbleibt, weil diejenigen, die reüssiert haben, natürlich ihren Weg als reine Leistung, ohne ein Quentchen Glück, sehen wollen - dafür ist dann das Distanzieren von den Kollateralschäden notwendig.
Zu deiner Situation: bevor ich deinen letzten Absatz gelesen habe, dachte ich, dir zu raten, das Arbeitslosengeld zu nehmen das dir für ein Jahr zu steht, und in dieser Zeit versuchen, wieder auf die Beine zu kommen und dich neu zu orientieren.
Hab' leider keinen ALG-Anspruch mehr, das Jahr und ... öhm ... ein weiteres sind schon vorbei. Ich hatte Ersparnisse und hab' zwischenzeitlich ein bisschen gejobbt, damit Geld reinkommt, aber mir irgendwas für den Wiedereinstieg ins Arbeitsleben überlegen, ist jetzt wirklich dringend notwendig.
Du würdest ja hauptsächlich lehren, oder? Dann versuche, dich stur darauf zu konzentrieren: du willst deinen Studierenden was beibringen, willst, dass sie sich für das Thema begeistern und bestenfalls was für sich aus deinen Seminaren mitnehmen. Konzentriere dich auf diesen Aspekt, und versuche, das ganze Drumherum weitestgehend auszublenden. Du hast schon mal unterrichtet, nehme ich an? Dann versuche neue Lehrmethoden, didaktische Methoden, einfach etwas um deine Aufmerksamkeit der Lehre und den Studierenden zu widmen, statt Energie in den Uni-Frust zu stecken.
Gute Idee - im Zweifel gibt es ja z.B. auch Mittel, die man für engagierte Lehre beantragen kann, oder vielleicht positive Rückmeldung in Evaluationen. Also die Möglichkeit, auf etwas hinzuarbeiten und sich Erfolgserlebnisse zu holen. Ich wollte tatsächlich genau deshalb eine Lektorenstelle: Weil ich früher immer gerne Lehre gemacht habe, obwohl es für den Lebenslauf nicht wirklich was bringt. Wenn ich diesen ganzen "Lebenslauf-Optimierungs-Gedanken" abschreibe, entsteht daraus im Idealfall ein Freiraum, in dem ich das, was ich mache, gut machen kann.
Die Diss ist ja fertig, wie ich das verstanden habe? Ich würde sie so schnell wie möglich abgeben. Einfach, damit du das "vom Tisch" hast. Auch wenn sich vielleicht nicht unmittelbar ein Erfolgsgefühl einstellt, so ist es ein Erfolg, auf den du stolz sein kannst. Dir wird vermutlich ein riesen Stein vom Herzen fallen, wenn du die Arbeit abgegeben hast.
:( Es ist komisch, aber manchmal glaube ich, dass das genaue Gegenteil helfen könnte: Das Dingen mit Tamtam und Trara verbrennen. Der Druck, die Arbeit noch abzugeben, ist überraschend hoch, gerade von Freunden im Uni-Betrieb und ehemaligen Kollegen. Und natürlich auch vom Betreuer. So, als wäre dann alles gut und nichts wirklich Schlimmes passiert. Ganz merkwürdige Umdrehung der Rollen: Während ich früher viel darum kämpfen musste, dass die Arbeit ohne Unterstützung der Uni überhaupt entstehen kann, liegt sie jetzt plötzlich ganz vielen Menschen am Herzen. In Gesprächen hat sich sogar gezeigt, dass mein Betreuer meint, das wäre eine Gelegenheit zur "Wiedergutmachung" - was ich ganz entsetzlich finde. Das Dingen macht ja schon jetzt nicht mehr das für mich, was ich mir davon erhofft habe, aber wenn ich mich bei einer positiven Bewertung jetzt immer fragen müsste, ob das nicht vielleicht eine Art Gnadenakt war, werde ich das gestörte Verhältnis zu meiner eigenen Arbeit gar nicht mehr los. Weil ich mich ja sowieso ganz neu orientieren muss, würde ich diesen beruflichen Irrweg gerne ganz aus meiner Erinnerung löschen, was natürlich nicht geht. "Diss abgeben" steht deswegen hintenan. Erst "Berappeln", dann "Diss". Vielleicht.

Amalia
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Amalia » 23.09.2015, 20:41

Liebe itsme,
Du bist wirklich nicht alleine. Meine Geschichte ähnelt der Deinen, auch wenn sie etwa 10 Stufen weniger heftig war. Respekt, dass Du auf den Weg des Berappelns schon fast geschafft hast! :coffee:

Aus Deinem Post lese ich heraus, dass Du Dich sehr stark mit Deinem Beruf, der Karriere und letztlich auch mit der Diss identifizierst. Was ist denn mit Deinem Privatleben? Mir geht es viel besser, seitdem ich die Priorität ganz klar auf das Private lege und der Job nur noch eine Cash-back-Angelegenheit ist. Mein Rat wäre deshalb: Such Dir ein Hobby in dem Du aufgehst; irgendetwas kreatives oder soziales, damit es wirklich etwas anderes ist und vorallem nichts mit einem Wettbewerbscharakter, damit Du nicht in alte Verhaltensmuster zurückfällst. Versuche Dich nicht über den Job oder gar den geplatzten Traum von der Wissenschaft zu definieren, sondern über etwas ganz anderes: Verliere Dich im Tortenbacken, Nähe wunderschöne Kleider, züchte Rosen oder gib alles für Deinen Hund. Du bist mehr als nur diese blöde Diss oder irgendein Job!
Und sieh den Job, als das was er gerade für Dich ist, ein Mittel um die Miete zu zahlen, mehr nicht. Und das coole ist ja, wenn der Entschluss steht, aus der Wissenschaft auszutreten, ist die Uni der beste Ort um eine ruhige Kugel zu schieben. Du machst nine-to-five, gehst jedem Konflikt mit Kollegen aus dem Weg, keiner interessiert sich dafür, was Du machst, und nach Feierabend beginnt das Leben. Du bist Deine Freizeit, in der Du Dich entfalten kannst, wie Du es willst.

Die Diss würde ich übrigens abgeben. Ich kann verstehen, dass das ein Akt für Dich ist, der Dich viel Kraft kosten wird. Aber nach meinem Erachten, kannst Du das Kapitel nur abschließen, wenn das Ding vom Tisch ist. „Verbrennen“ ist dagegen ein autoagressiver Racheakt, der Dir für den Moment vielleicht Genugtuung verschafft, aber es werden Narben zurückbleiben und sich langfristig eben nicht das gute Gefühl einstellen, die Sache am Ende doch abgeschlossen zu haben.

Alles, alles Gute!
A.

histosowi
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von histosowi » 24.09.2015, 11:26

Liebe itsme,

du hast geschrieben, daß deine Seele dir dringend davon abrät. Warum hörst du nicht auf sie? :?:

Dein Verstand beordert dich jetzt zurück an einen Ort, an dem du einen schweren gesundheitlichen Schaden genommen hast - das ist pathologisch; es ist ein Zurückkehren an den "Tatort" . Ein Neuanfang ist es jedenfalls mitnichten. Und zwischen einem Job bei McD und einem an der Uni liegen ungefähr hundert andere Möglichkeiten, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Verdienst bei McD ist wahrscheinlich sogar höher, als der einer auf Stundenbasis bezahlten Lehrkraft. Seine Zukunft planen kann man in einem derart prekären Verhältnis auch nicht. Lass dich umschulen, zieh weg, beginne dein Leben neu; die Welt ist groß und wunderschön. :blume:

Tut mir leid, daß ich dir jetzt keine Ratschläge der Art geben mag, wie du sie erbeten hattest. Ich meine halt, wer seinen Verstand über seine Seele stellt, wird diese Seele dauerhaft vergewaltigen und man wird davon krank. Sorry nochmal. Ich wünsche dir alles, alles Gute!

itsme
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 24.09.2015, 18:46

histosowi hat geschrieben: Tut mir leid, daß ich dir jetzt keine Ratschläge der Art geben mag, wie du sie erbeten hattest. Ich meine halt, wer seinen Verstand über seine Seele stellt, wird diese Seele dauerhaft vergewaltigen und man wird davon krank. Sorry nochmal. Ich wünsche dir alles, alles Gute!
Danke! :blume: Und: Du hast Recht, vor allem dabei, dass es gerade dieses Ignorieren von Gefühlen ist, dass krank machen kann - und dann doch wieder nicht (das ist, weil ich so schrecklich individuell und empfindsam und sowieso was ganz Besonderes bin. Auf der gaaaanzen Welt hat noch nie jemand so intensiv gefühlt wie ich :wink:). Wegen der Depression kann ich (noch) nicht auf meine Gefühle vertrauen. Im Kern haben mir meine Gefühle in den letzten Jahren vor allem eines gesagt: "Es ist alles so sinnlos, sinnlos, sinnlos, lass' es einfach bleiben." Und mit "bleiben lassen" war wirklich alles gemeint: Morgens aufstehen, mich unter eine Dusche stellen, etwas zu Essen in den Mund stecken. Und es war mein Verstand, der gegengehalten hat: "Blödsinn, das ist jetzt nur eine Krise, die geht vorüber. Es gibt Dinge, die dir wichtig waren und dir wieder wichtig sein werden. Wenn es wirklich gar nicht geht, wird die Diss halt nicht abgegeben - es gibt Schlimmeres! Wieder ins Lot kommen, geht auch unpromoviert.".

Die Sache mit der Umschulung ist schon öfter angesprochen worden, aber das ist etwas, da machen Verstand & Seele einfach dicht. Ich kann mir einen anderen Beruf, ein anderes Thema noch nicht mal vorstellen. Bei dem Gedanken an einen Umzug schnürt sich mir die Kehle zu: Weg von den Menschen, die ich liebe und die mich aufgefangen habe? Die Welt ist bunt und schön und voller Möglichkeiten - ich seh' sie im Moment nur nicht. Deswegen sehe ich den Weg tatsächlich in dem Vorschlag, den Uni-Job für den Moment nur als Broterwerb zu betrachten (Danke auch an euch @ Amalia @carlo :blume:). Und dafür ist es okay: Halbe Stelle, etwa 24 h Arbeit/Woche, Semesterferien, ~1.200 netto. Viel Zeit, um sie mit Menschen zu verbringen, die mir gut tun und vielleicht ein bisschen was für die Seele zu machen. Die Studis sind wirklich okay, vielleicht ist ja Berufsschullehrer oder etwas in der Richtung etwas für mich.

Vielleicht sollte ich deswegen meine Eingangsfrage neu fassen: Strategien, um "den Blick nach vorne" im Uni-Alltag nicht zu verlieren? Ein Kalender mit Etappen für den Ausstieg. Feste Arbeitszeiten. Kreative Formen finden, mit dem noch vorhandenen Frust umzugehen (ich wünschte, ich könnte zeichnen, vorzugsweise Comics, weil ich finde, dass das die beste Ausdrucksform für den Uni-Alltag ist - es ist schon oft irgendwie lächerlich). Und eine Möglichkeit sehe ich für mich auch darin, aus der Diss noch irgendwie was Gutes zu machen. Abgeben, auf Mikro-Fiche veröffentlichen, dann ein paar Paper draus ziehen und die hoffentlich gut unterbringen. Um das Ego aus der Schmollecke rauszuholen (und in die Fußnote schreibe ich dann "Eine lange Nase, nanananananana!").

Danke für eure Denkanstöße! Falls euch noch weitere Ideen kommen, wie man/ich den Uni-Job auf den ihn eigentlich angemessenen Stellenwert reduzieren kann - immer her damit!

Traudel
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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Traudel » 25.09.2015, 18:40

Liebe itsme,

das Bild des pathologischen, ja selbstzerstörerischen "an den Tatort-Zurückkehrens" hat mich (beeindruckt und) ins Grübeln gebracht, ob ich meine SIcht der DInge mitteilen soll... Denn histosowi hat nicht unrecht.
Dennoch ist die Annahme der Lektorenstelle aus meiner Perspektive - und positiv gesehen - vielmehr ein wieder-Aufsteigen, nachdem Du aus dem Sattel gefallen bist!
Also, ja! Aus meiner persönlichen Sicht ist die Annahme der Stelle definitiv richtig!
- strukturierter Tagesablauf
- soziale Kontakte und Anerkennung
- Chance zur sinnstiftenden Aufgabe (Nachwuchs bilden und begleiten)
- Knete erhalten und Miete zahlen

Auch ich musste die Erfahrung depressiver Phasen machen. Seit mehr als einem Jahrzehnt kenne ich Hoffnungslosigkeit, Panik, Angst und Verzweiflung. Habe mich weiterhin nicht ganz berappelt - ABER seit Abschluss der Diss. geht es mir um Längen besser!
In einer sehr, sehr schlimmen Phase in der Mitte der 2000er war ich mir sicher, nicht mehr in die Wissenschaft zu wollen, nicht mehr an der Uni arbeiten zu können, nicht mehr mein Forschungs-/Arbeitsprojekt fortsetzen zu können... und ja, auch bei mir war mein Vorgesetzter maßgeblich beteiligt an meinem Zustand.
Tja, und dann habe ich mich nach bzw. noch in der Krise doch zu einem - allerdings ganz neuen - Promotionsprojekt entschlossen, auch währenddessen noch schlimm, schlimm gelitten, aber nach dem Abschluss große Erleichterung gefühlt - und mich dann fast ausschließlich im Hochschulbereich beworben. Für mich war und ist es heilsam, weiterhin Teil von Forschung und Lehre zu sein und junge Menschen zu unterstützen. Also, ich finde, Du tust absolut das Richtige, liebe itsme!

Allerdings: Ich habe mich zwar beruflich wunderbar berappelt und bin wirklich, wirklich zufrieden im Hochschulzirkus, aber dafür bekomme ich das mit dem Privaten nich so hin :oops: ... während der Diss. habe ich zwei Beziehungen vor die Wand gefahren, ich habe ziemlich verlernt zu leben... bin sehr oft traurig... aber wenn ich meine Arbeit nicht hätte, wäre alles viiiiiiiiieeeeeeel schlimmer. Aus der ARbeit mit den Studierenden und mit netten Kollegen ziehe ich so viel Kraft. Liebe itsme, Dir wird s sicher auch helfen.
Alles Liebe, Traudel :blume:

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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von itsme » 26.09.2015, 17:27

Traudel hat geschrieben: Dennoch ist die Annahme der Lektorenstelle aus meiner Perspektive - und positiv gesehen - vielmehr ein wieder-Aufsteigen, nachdem Du aus dem Sattel gefallen bist!
Also, ja! Aus meiner persönlichen Sicht ist die Annahme der Stelle definitiv richtig!
- strukturierter Tagesablauf
- soziale Kontakte und Anerkennung
- Chance zur sinnstiftenden Aufgabe (Nachwuchs bilden und begleiten)
- Knete erhalten und Miete zahlen
Danke! :blume:

Das sehe ich auch so. Als einen ersten Schritt habe ich mir jetzt erst mal eine Liste mit Reisewünschen zusammengestellt, um das Jahr zu strukturieren. Ich hatte in meiner ursprünglichen Zeit an der Uni viele kurze Verträge, so dass da nicht die Gelegenheit war, eine Reise wirklich zu planen - und das ist das, was ich für mich tun kann.

Aber: Jetzt gerade eben ist es doch wieder sehr schwierig. Die Sache zieht sich jetzt schon seit Monaten und mittlerweile ist klar, dass die Wiedereinstellung zum Semesterbeginn gar nicht mehr möglich ist. Grund: Die Stelle wurde zuerst ausgeschrieben und nachdem sich auf die Ausschreibung hin niemand gefunden hat, erst noch einem ehemaligen Kollegen angeboten. Und erst nachdem dieser dankend abgelehnt hat, "durfte" ich freundlicherweise einspringen. Jetzt beginnt bald das Semester und weil die notwendigen Papiere noch nicht mal eingereicht wurden, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass rechtzeitig ein Arbeitsvertrag ausgestellt wird.

"Normalerweise" würde ich das als "Uni-Wahnsinn" verpacken und nicht zu nah an mich rankommen lassen. Jetzt geht es mir aber an die Substanz, weil ich aus dem Job ja keine großartigen Karriereambitionen mehr ziehen wollte, sondern nur "ganz normal" auf einen Arbeitsplatz mit klar definierten gegenseitigen Verpflichtungen gehofft habe. Diese Nonchalance ("Ist ja nur ein Monat ...") empfinde ich vor diesem Hintergrund als eine weitere Herabsetzung, die mühsam mit eigenen emotionalen Ressourcen wieder ausgeglichen werden muss. Dazu kommt, dass Freunde & Familie den Wiedereinstieg gerade weil sich das jetzt schon so lange zieht nicht für eine gute Idee halten (wobei sie auch keine besseren Möglichkeiten benennen konnten, um meine Wünsche noch an diesem Ort hier zu bleiben und etwas im Zusammenhang mit meinem Studium zu machen zu vereinbaren), ich habe also auch wenig Möglichkeiten, mich in dieser Frage auszuheulen. Ich nehme mal an, das ist ganz ähnlich wie wenn man einen Freund oder einen Familienangehörigen hat, der sich nicht aus einer destruktiven Beziehung lösen kann - irgendwann will man es auch einfach nicht mehr hören.

Ich brauche ein Mantra. Irgendwas, das mich daran erinnert, dass ich auch auf einem so schwierigen Arbeitsplatz den Umständen nicht vollkommen ausgeliefert bin, sondern sie mitgestalten kann.

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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Twinkies » 26.09.2015, 22:09

itsme hat geschrieben:
Jetzt beginnt bald das Semester und weil die notwendigen Papiere noch nicht mal eingereicht wurden, ist es unwahrscheinlich bis unmöglich, dass rechtzeitig ein Arbeitsvertrag ausgestellt wird.
[...] Diese Nonchalance ("Ist ja nur ein Monat ...") empfinde ich vor diesem Hintergrund als eine weitere Herabsetzung, die mühsam mit eigenen emotionalen Ressourcen wieder ausgeglichen werden muss.
Das ist total ärgerlich, aber du kannst darauf genau so "nonchalant" reagieren: da dir leider nicht rechtzeitig zu Semesterbeginn ein Vertrag angeboten werden kann, kannst du leider nicht rechtzeitig mit Seminarvorbereitungen anfangen, weshalb du dann eben z.B. ein Blockseminar unterrichten wirst (falls du das wollen würdest), oder eben dein Seminar fängt dann erst mit entsprechender Verspätung an, oder dich muss halt leider jemand in den ersten Wochen vertreten. Das verkündest du natürlich erst, nachdem du deinen Vertrag unterschrieben hast :-X

Traudels "Liste" finde ich gut und stimme da auch zu. Ansonsten: es sagt sich von Außen leicht, dass du dich am besten radikal von der Uni lösen solltest, dass das der beste und einzige Schritt ist, um für dich selbst Frieden zu finden. So einfach ist das aber nicht immer, und auch nicht für jede Person in jeder Situation der beste Schritt. Manch einem mag das sicher gut gelingen. Für andere ist es besser, es Schrittchen für Schrittchen zu machen. Du schaust ja schon, dass du momentan das machst, was dir am "zumutbarsten" ist: also eben eine Stelle annehmen, in deren Arbeitsbereich du dich auskennst, also nicht ganz neu einarbeiten musst (was ja auch immer ein Kraftaufwand ist, insbesondere wenn man gerade angeschlagen ist), du bist in deinem gewohnten Arbeits- sowie privaten Umfeld, und hast erstmal Geld. Es könnte durchaus sein, dass jetzt ein komletter Jobwechsel von heute auf morgen dich aus der Bahn werfen könnte. Das muss natürlich nicht so sein - aber wenn du durch diesen Dozier-Job erstmal sowas wie Stabilität und Struktur in deinem Alltag hast, ist das was wert. Insbesondere mit einer Depression lassen sich nicht immer so leicht (radikale) Entscheidungen treffen, wie in einem nicht-depressiven Zustand.

Deine Freunde und Familie (das mutmaße ich jetzt einfach mal) wissen vielleicht auch einfach nicht, was sie dir noch raten sollen, weil du ihren Rat, dich sofort und ganz von der Uni zu lösen, nicht befolgst. Sie sind sicher nicht wirklich genervt von dem Thema, aber vielleicht auch mit ihrem Latein am Ende? Aber immerhin hast du ja das Forum - viele hier können deine Sitatuation ja annähernd nachempfinden :blume:

Ein Mantra hab ich gerade leider nicht parat, aber werde darüber nachdenken!

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Re: Lektorat und Seele

Beitrag von Lucy » 01.10.2015, 13:53

Liebe itsme,
halt durch!!! Ich kann gut verstehen, dass alle diese negativen Erfahrungen dich an die Wand drücken und du am liebsten den ganzen Kram hinschmeißen würdest. Aber Traudel hat m.E. völlig Recht, die Vorteile des Dabeibleibens überwiegen. Auch will ich dir noch sagen, dass gerade deine Beiträge in diesem Forum für mich zu den hilfreichsten und wertvollsten gehören. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass du in der Lehre und in der Beratung einen guten Platz finden würdest!
Alles Gute! :blume:

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