Professur aufgeben?!

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Professur aufgeben?!

Beitrag von nxs » 24.09.2014, 14:34

Hallo zusammen,

bisher war ich immer stiller Mitleser dieses Forums. Nun stehe ich aber an einem Punkt nach meiner Dissertation, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Deshalb erhoffe ich mir ein paar Tipps von euch. Folgende Situation:

Ich habe nach meiner Promotion im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich eigentlich immer vorgehabt in die Praxis zu gehen. Allerdings erhielt ich recht zeitnah nach meiner Promotion sehr überraschend einen Ruf an eine Fachhochschule (liegt wohl an meiner sehr einzigartigen fachlichen Ausrichtung, ausgezeichnete Promotion usw.). Ich war natürlich sehr geschmeichelt und habe diesen Ruf angenommen. Habe ein reduziertes Lehrdeputat kommen, um mich bspw. auch der weiteren Forschung widmen zu können. Also alles eigentlich sehr gut. Trotzdem muss ich nach einem dreiviertel Jahr (ich weiss, dass ist nicht lange) nun feststellen, dass ich mit der Lehrtätigkeit einfach nicht zufrieden bin. Die Studenten sind nicht motiviert und der Lehrbetrieb ist zäh. Forschung hat mir immer viel Spaß gemacht, aber ich komme neben der alltäglichen Lehre kaum dazu.

Deshalb überlege ich ernsthaft die Professur aufzugeben. Ich merke einfach, dass mich diese Tätigkeit nicht ausreichend erfüllt und fordert. Habe natürlich auch schon begonnen mich auf Stellen in der Wirtschaft zu bewerben. Bekomme aber von dort kein positives Feedback, meine Bewerbungen werden relativ schnell abgelehnt. Und das obwohl ich 7 Jahre berufliche Praxis (habe mich außerdem zu Beginn meiner Promotion schon selbstständig gemacht und war seitdem als Freelancer eingesetzt) vorweisen kann. Was würdet ihr in dieser Situation tun? Ich fühle mich momentan einfach nur "gefangen" und habe die Sorge, dass mich ein längerer Verbleib an der Hochschule nur noch weiter von Stellen in der freien Wirtschaft entfernt.

Grüße
Henry

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DoneXY
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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von DoneXY » 24.09.2014, 15:54

nxs hat geschrieben:Trotzdem muss ich nach einem dreiviertel Jahr (ich weiss, dass ist nicht lange) nun feststellen, dass ich mit der Lehrtätigkeit einfach nicht zufrieden bin. Die Studenten sind nicht motiviert und der Lehrbetrieb ist zäh. Forschung hat mir immer viel Spaß gemacht, aber ich komme neben der alltäglichen Lehre kaum dazu.
An einer FH hast Du natürlich im Vergleich zur Uni ein hohes Lehrdeputat. Allerdings ist jede Professur (Uni wie FH) mit soviel Tätigkeiten außerhalb der Forschung verbunden, dass das Interesse am Forschen allein kein ausreichender Grund sein kann, eine Hochschulkarriere anzustreben.
nxs hat geschrieben:Habe natürlich auch schon begonnen mich auf Stellen in der Wirtschaft zu bewerben. Bekomme aber von dort kein positives Feedback, meine Bewerbungen werden relativ schnell abgelehnt.
Ich kann nicht beurteilen, warum Deine Studierende so unmotiviert sind und warum die Absagen so schnell kommen. Ganz allgemein kannst Du überlegen:

a) Dich in Hochschuldidaktik fortzubilden - entsprechende Kurse gibt es oft an größeren Unis. Diese stehen oft auch Externen offen. Du wirst nicht alle Studierenden motivieren können, aber sicherlich kannst Du Deine Lehre verbessern und so vielleicht mehr Spaß an Deinem Job finden.

b) Wenn Du nur Absagen auf Deine Bewerbungen bekommst und keine Einladung zu einen Gespräch, kann das Hinweis sein, dass Du Deine Bewerbungsunterlagen überarbeiten solltest.

Ein Coaching, das die Augen für berufliche Perspektiven öffnet, wäre eventuell hilfreich. Auch, weil Du offenbar gerade nicht weißt, wohin?

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von nxs » 24.09.2014, 17:08

DoneXY hat geschrieben: An einer FH hast Du natürlich im Vergleich zur Uni ein hohes Lehrdeputat. Allerdings ist jede Professur (Uni wie FH) mit soviel Tätigkeiten außerhalb der Forschung verbunden, dass das Interesse am Forschen allein kein ausreichender Grund sein kann, eine Hochschulkarriere anzustreben.
Ja, das wird mir gerade sehr bewusst. Hatte vorher aber eine etwas andere Wahrnehmung davon. Und das obwohl mir Lehre eigentlich immer sehr viel Spaß gemacht hat. Für mich fühlt es sich einfach gerade so an, als wenn ich eine komplett falsche Entscheidung im Leben getroffen hätte. Und das ist mir bisher auch noch nicht passiert. :?
DoneXY hat geschrieben: Ich kann nicht beurteilen, warum Deine Studierende so unmotiviert sind und warum die Absagen so schnell kommen. Ganz allgemein kannst Du überlegen:

a) Dich in Hochschuldidaktik fortzubilden - entsprechende Kurse gibt es oft an größeren Unis. Diese stehen oft auch Externen offen. Du wirst nicht alle Studierenden motivieren können, aber sicherlich kannst Du Deine Lehre verbessern und so vielleicht mehr Spaß an Deinem Job finden.

b) Wenn Du nur Absagen auf Deine Bewerbungen bekommst und keine Einladung zu einen Gespräch, kann das Hinweis sein, dass Du Deine Bewerbungsunterlagen überarbeiten solltest.

Ein Coaching, das die Augen für berufliche Perspektiven öffnet, wäre eventuell hilfreich. Auch, weil Du offenbar gerade nicht weißt, wohin?
ad a) Meine Lehre ist scheinbar nicht schlecht, denn die Evaluationen sind gut bis sehr gut. Auch didaktisch bin ich ebenfalls nicht ganz unerfahren. Aber ich empfinde die Gleichgültigkeit von einem Großteil der Studierenden als wirklich demotivierend. Diskussionen sind kaum möglich. Das kenne ich von meiner Heimatuni ganz anders, da kam aus der Zuhörerschaft vielmehr Input.

ad b) Was meine Bewerbungsunterlagen betrifft. Auch da habe ich mittlerweile schon mehrere Leute drüber schauen lassen. Mein Profil ist auf die wesentlichen Aspekte beschränkt, also nicht überladen oder abschweifend. Die Anschreiben sind gut motiviert und ich zeige auf, warum ich mich von der derzeitigen Hochschule weg orientieren möchte.

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von DoneXY » 24.09.2014, 17:39

nxs hat geschrieben:Aber ich empfinde die Gleichgültigkeit von einem Großteil der Studierenden als wirklich demotivierend. Diskussionen sind kaum möglich. Das kenne ich von meiner Heimatuni ganz anders, da kam aus der Zuhörerschaft vielmehr Input.
Uni und FH, so meine Erfahrung, unterscheiden sich auch deutlich.
nxs hat geschrieben:Mein Profil ist auf die wesentlichen Aspekte beschränkt, also nicht überladen oder abschweifend.
Das klingt so, als hättest Du ein Standardprofil. Tatsächlich muss das Profil jeweils neu auf die Stellenausschreibung abgestimmt werden.
nxs hat geschrieben:Die Anschreiben sind gut motiviert und ich zeige auf, warum ich mich von der derzeitigen Hochschule weg orientieren möchte.
Das gehört bspw. überhaupt nicht ins Anschreiben. Dorthin gehören ausschlielich belegbare Kompetenzen, die Deine Eignung für die ausgeschriebene Stelle deutlich machen. Im Motivationsschreiben/Dritte Seite erläuterst Du Deine Motivation, die ausgeschriebene Stelle zu wollen!

Deine Motivation, der FH den Rücken zu kehren, kann u.U. so gelesen werden, dass Du weniger an der ausgeschriebenen Position als an einem Absprung von der FH interessiert bist. Das Thema berufliche Umorientierung ist eher Thema für ein Vorstellungsgespräch.

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von DoneXY » 24.09.2014, 18:02

Noch ein (vielleicht überflüssiger) Hinweis: In diesem Thread betonst Du, dass Dir die unmotivierten Studierenden die Porfessur verleiden. Vergiss nicht, als promovierter WiWi bewirbst Du Dich im engeren oder weiteren Sinne auf eine Führungsposition. Dass es Dir nicht gelingt, Deine Studis zu motivieren, solltest Du nicht erwähnen. Von Dir wird vermutlich erwartet werden, dass Du in der einen oder anderen Form auch motivieren kannst.

Du kannst Dich nicht darauf verlassen, dass der Personaler, der Deine Bewerbung liest oder Dir im Gespräch gegenüber sitzt, noch lebhafte Erinnerungen an seinen eigenen Tiefschlaf während seines Studiums hat.

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von nxs » 25.09.2014, 12:55

Zuerst einmal, vielen Dank DoneXY für Deine Antworten.
DoneXY hat geschrieben: Das klingt so, als hättest Du ein Standardprofil. Tatsächlich muss das Profil jeweils neu auf die Stellenausschreibung abgestimmt werden.
Naja, was heisst Standardprofil? Mein Lebenslauf ändert sich ja nicht. Das sind schliesslich die "hard facts". Natürlich kann man je nach Stelle noch mal einige Aspekte stärker betonen, da gebe ich Dir recht. Anschreiben sind natürlich immer individuell, das ist klar.
DoneXY hat geschrieben: Das gehört bspw. überhaupt nicht ins Anschreiben. Dorthin gehören ausschlielich belegbare Kompetenzen, die Deine Eignung für die ausgeschriebene Stelle deutlich machen. Im Motivationsschreiben/Dritte Seite erläuterst Du Deine Motivation, die ausgeschriebene Stelle zu wollen!
Nicht falsch verstehen, das sind gerade mal zwei Sätze. Nachdem ich bisher überhaupt gar keine Einladung zu einem Gespräch bekommen habe, dachte ich, dass vielleicht die fehlende Begründung für die Abkehr von der Hochschulseite ein Knackpunkt sei.
DoneXY hat geschrieben: Deine Motivation, der FH den Rücken zu kehren, kann u.U. so gelesen werden, dass Du weniger an der ausgeschriebenen Position als an einem Absprung von der FH interessiert bist. Das Thema berufliche Umorientierung ist eher Thema für ein Vorstellungsgespräch.
Hmm, das stimmt vielleicht. Habe ich so noch gar nicht drüber nachgedacht. Ich bewerbe mich natürlich auch nur auf Stellen, auf die ich wirklich gut passe.
DoneXY hat geschrieben: Noch ein (vielleicht überflüssiger) Hinweis: In diesem Thread betonst Du, dass Dir die unmotivierten Studierenden die Porfessur verleiden. Vergiss nicht, als promovierter WiWi bewirbst Du Dich im engeren oder weiteren Sinne auf eine Führungsposition. Dass es Dir nicht gelingt, Deine Studis zu motivieren, solltest Du nicht erwähnen. Von Dir wird vermutlich erwartet werden, dass Du in der einen oder anderen Form auch motivieren kannst.

Du kannst Dich nicht darauf verlassen, dass der Personaler, der Deine Bewerbung liest oder Dir im Gespräch gegenüber sitzt, noch lebhafte Erinnerungen an seinen eigenen Tiefschlaf während seines Studiums hat.
Das ist klar, meine Argumentation geht auch eher in die Richtung, dass ich meine Kompetenzen zukünftig eher im unternehmerischen Umfeld einsetzen möchte :).

Trotzdem ist die Situation momentan einfach nicht zufriedenstellend. Will jetzt auch nicht die Strategie fahren "ich bewerbe mich auf alles, was irgendwie passt".

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von Koenigsportal » 25.09.2014, 13:46

Deine Situation erinnert mich daran, was mir mal ein Coach von einer Klientin erzählt hatte. Der Coach hatte sie zur Professur gecoacht und ein halbes Jahr später saß die Frau wieder dort und fragte verzweifelt, wie sie da wieder 'raus komme. Er hat sie dann aus der Professur "'raus gecoacht".

Deine Schwierigkeiten mit den unmotivierten Studierenden kann ich gut verstehen, es gibt einfach unterschiedliche Motivationen für ein Studium und denen kann man auch mit bester Lehre nicht immer beikommen. Ich halte es für unrealistisch, alles auf den Lehrenden abzuwälzen, auch wenn man als Lehrender natürlich zu einem gelungenen Seminar und damit zur Motivierung beitragen kann.

Was die Ablehnungen auf Bewerbungen betrifft, denke ich, dass viele Probleme damit haben werden, einen Prof in ihr Unternehmen aufzunehmen. Welche Titel und Positionen hätten denn Deine zukünftigen potentiellen Vorgesetzten und Kollegen? Neid und Komplexe darf man da nicht unterschätzen. Vielleicht wäre ja Wissenschaftsmanagement oder ähnliches aussichtsreicher als die freie Wirtschaft.
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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von nxs » 25.09.2014, 14:26

Koenigsportal hat geschrieben: Deine Schwierigkeiten mit den unmotivierten Studierenden kann ich gut verstehen, es gibt einfach unterschiedliche Motivationen für ein Studium und denen kann man auch mit bester Lehre nicht immer beikommen. Ich halte es für unrealistisch, alles auf den Lehrenden abzuwälzen, auch wenn man als Lehrender natürlich zu einem gelungenen Seminar und damit zur Motivierung beitragen kann.
Es ist halt einfach das Problem, dass ich etwas anderes erwartet habe. Deshalb ist die Enttäuschung jetzt umso größer. Wollte das am Anfang auch nicht so richtig wahrhaben, aber mittlerweile sehe ich für mich einfach keine Zukunftsperspektive in diesem Bereich. Soll heißen, so werde ich einfach nicht glücklich.
Koenigsportal hat geschrieben: Was die Ablehnungen auf Bewerbungen betrifft, denke ich, dass viele Probleme damit haben werden, einen Prof in ihr Unternehmen aufzunehmen. Welche Titel und Positionen hätten denn Deine zukünftigen potentiellen Vorgesetzten und Kollegen? Neid und Komplexe darf man da nicht unterschätzen. Vielleicht wäre ja Wissenschaftsmanagement oder ähnliches aussichtsreicher als die freie Wirtschaft.
Ich habe mittlerweile auch die Befürchtung, dass solche Faktoren eine Rolle spielen. Aber wie kommt man aus diesem Schlamassel jetzt nur wieder raus? Es ist nun auch wirklich nicht so, dass ich ein reiner Theoretiker wäre. Ich habe schon ganz unterschiedliche Projekte in Unternehmen abgewickelt. Ich komme also nicht aus dem Elfenbeinturm. :wink:

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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von Koenigsportal » 25.09.2014, 14:57

nxs hat geschrieben: Aber wie kommt man aus diesem Schlamassel jetzt nur wieder raus?
Vielleicht auch mit Hilfe eines Coachs?
Ich weiß nicht, ob ich hier einen Link zu dem/der Coach einstellen kann, sonst bei Interesse per PN.
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Re: Professur aufgeben?!

Beitrag von nxs » 25.09.2014, 18:48

Koenigsportal hat geschrieben: Vielleicht auch mit Hilfe eines Coachs?
Ich weiß nicht, ob ich hier einen Link zu dem/der Coach einstellen kann, sonst bei Interesse per PN.
Ja, vielleicht wäre das eine echte Hilfe. Gerne komme ich auf Dein Angebot zurück, schicke Dir dazu eine PN.

Aber vielleicht noch mal ein ganz anderer Aspekt. DoneXY hatte es bereits angesprochen. Ich habe mich bisher nicht auf klassische Führungspositionen beworben, da ich der Meinung bin, dass mir ggf. die entsprechende (einschlägige) Erfahrung vielleicht noch ein wenig fehlt. Was meint ihr? Wäre es sinnvoll vielleicht doch auch solche Stellenausschreibungen bewusst anzugehen?

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