Karriereende mit 37?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
ChemieDR
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von ChemieDR » 07.01.2013, 15:26

Ich finde es schon heftig wenn die Karriere mit 37 zu Ende sein soll. Ich bin auch gerade dabei meine Doktorarbeit zu machen und bin noch nicht direkt mit solchen Fragen konfrontiert. Höre aber auch immer änliche Geschichte aus verschiedenen Fakultäten. Andererseits sehe ich den Vorteil der MINT Fächer gegenüber Geisteswissenschaften darin, dass man eben auch außerhalb der Uni schnell und gut bezahlt einsteigen kann. Deshalb finde ich die Aussage des Topics doch etwas heftig. Karriere soll nur die Habil sein? Auch wenn sich das man einer gerne vorstellt, sollte man es nicht überbewerten.

amygdalakrampf
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 07.01.2013, 16:22

ChemieDR hat geschrieben:Andererseits sehe ich den Vorteil der MINT Fächer gegenüber Geisteswissenschaften darin, dass man eben auch außerhalb der Uni schnell und gut bezahlt einsteigen kann.
Wieso werd ich grad das Gefühl nicht los, daß Biologie hier gerade als Geisteswissenschaft gesehen wird... :?: Ich bin die mit dem Karriereende und ich bin Biologin - das ist ein naturwissenschaftliches Fach - nur mal so nebenbei bemerkt.
Deshalb finde ich die Aussage des Topics doch etwas heftig. Karriere soll nur die Habil sein? Auch wenn sich das man einer gerne vorstellt, sollte man es nicht überbewerten.
Hat keiner behauptet, daß die Karriere nur die Habil sein soll. Es gibt übrigens auch vile Privatdozenten mit Habil, die arbeitslos werden weil sie keine Berufung an eine Uni bekommen. Mein Nachbar ist ein solcher, der hatte bloß das Glück während des Studiums auch nebenbei auf Lehramt (zusätzlich zum Diplom) gemacht zu haben. Der ist jetzt Religionslehrer. Soviel also zum Nutzen einer Habil für die Karriere.

ChemieDR
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von ChemieDR » 08.01.2013, 10:03

Also ich persönlich bin mir schon darüber bewusst, dass Biologie den Naturwissenschaften angehört.

Leider ist es wirklich so, dass die habil wegweisend sein kann, aber eben kein Garant dafür ist. Etwas Glück gehört in vielen Fällen dazu, ebenso wie die Beziehungen, die im Laufe der Jahre aufgebaut werden sollen.

amygdalakrampf
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 23.01.2013, 11:17

Stand der Dinge: Nichts klappt - gar nichts. Ich habe keinerlei Idee mehr. :|

Natika
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Natika » 23.01.2013, 20:30

Liebe amygdalakrampf!

Ich habe den Verlauf schon mal gelesen, aber nicht mehr alles präsent. Du hast angedeutet, dass Du es auch schon mal versucht hast mit dem Quereinstieg ins Lehramt. In NRW (wo ich wohne) ist Biologie ein Mangelfach und die Lehrerschwemme hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht. Wie darf man das verstehen, dass Du es versucht hast? Wärst Du bereit ein Anpassungsjahr oder das volle Referendariat zu machen? Ist ggf. ein zweites Fach und Erziehungswissenschaften nach zu studieren, für Dich eine Option? Ich schließe (wenn alles gut geht) die Diss dieses Jahr ab und gehe im Mai ins Ref. Trotzdem würde ich mich gerne im Anschluss habilitieren. Aber nur die Uni-Laufbahn ist mir als Option zu riskant. Doch auch im Lehramt sind die goldenen Zeiten seit etwa 5 Jahren vorbei.

Ich habe mich in dieser Woche auch mit Altersgrenzen beschäftigt, um zu sehen, ob ich mich nach dem Ref. noch für ein Habil.stip oder eine entsprechende Stelle zur Habilitation (drittmittelfinanziert) bewerben könnte. Ich habe beim DFG, bei Stiftungen und in aktuellen Stellenausschreibungen überwiegend keine Altersgrenze gefunden. In einem Fall wünschte man sich Bewerber bis zum 38. Lebensjahr. Einige Stiftungen haben zur Bedingung gemacht, dass die Promotion nicht länger als 6 Jahre zurückliegen soll. Für drittmittelbasierte Nachwuchs-Stellen gilt die Regel, dass man sechs Jahre vor der Promotion und sechs Jahre nach der Promotion eine solche Stelle haben darf. Aber Du warst im Ausland, also gilt dies nicht für Dich. Du bist mit 37 doch noch gut in der Zeit. Bewirb Dich für das Referendariat oder für ein Stipendium, wenn Du ein gutes Projekt-Konzept hast. Ich würde aber das Ref. mehr empfehlen. Mit der freien Wirtschaft kenne ich mich nicht aus. Ich war aber auch immer der Meinung, dass Biologen allenthalben gesucht werden. Bin selbst Literaturwissenschaftlerin, der dies immer so verkauft wurde.

Sorry....vielleicht sind meine Ausführungen nicht sehr hilfreich oder jemand hat das so ähnlich schon gesagt. Doch Dein Post hat mich gerührt und ich will einfach nicht glauben, dass es keine Lösung gibt.

Alles alles Gute :blume:
Natika

roberto
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von roberto » 24.01.2013, 17:09

Hallo amygdalakrampf!

Ja, Deine Situation ist sch***! Aber ich zitiere mal Oliver Kahn: „Niemals aufgeben! Immer weitermachen! Immer weiter! Immer weiter!“ :mrgreen:

Also schreib einfach die 10000. Bewerbung! Egal ob Doktoranden-, WiMi-Stelle oder sonstwas. Auch wenn Du nicht 100% ins Bewerbungsprofil passt. Kennst Du schon diese Ausschreibungen?

WiMi am Lehrstuhl für Botanik in Bremen

WiMi am Institut für Ökologie in Bremen

Und wenn es weitere Absagen hagelt, nimm es bitte nicht zu schwer. Wir neigen alle dazu, unsere berufliche Situation überzubewerten (insbesondere deutsche Akademiker). Das ist Quatsch. Wir leben gottseidank in einem Land, wo niemand verhungern muss, der keinen Job hat. Es gibt Wichtigeres: Gesundheit, Familie, Freunde. Ich kann aus Deinen Beiträgen entnehmen, dass Du verheiratet bist. Ist doch toll! Wie viele würden ihren Job gegen ein erfülltes Privatleben eintauschen. Du schreibst auch nicht so, als ginge Dir die Neurobiologie über Alles. Dann hast Du vermutlich noch andere Hobbys und Interessen. Kultiviere diese! Genieße die Zeit, die Du jetzt hast. Manchmal ergibt sich daraus auch unerwartet eine berufliche Perspektive.

Ich habe beruflich häufig mit Menschen zu tun, die weit älter sind als Du und die beruflich von ganz vorn anfangen müssen, weil sie Mist gebaut haben oder unverschuldet vor den Scherben Ihrer Selbständigkeit stehen. Irgendwann kommen dann wieder bessere Zeiten. Manche behaupten, man könne nur richtig erfolgreich sein, wenn man auch schon einmal richtig gescheitert ist (dazu gibt es auch Studien).

Also: Es ist völlig okay, wenn Du Dich auskotzt. Das ist Dein gutes Recht. Aber versinke nicht darin! Carpe diem!

LG Roberto

roberto
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von roberto » 24.01.2013, 17:14

Oh, ich sehe gerade, dass bei den von mir geposteten Stellen die Bewerbungsfrist heute abläuft. Sorry. :oops:
Hast Du schon das Abo für die Stellenangebote von Bremen? Ist sehr hilfreich, wie ich finde...

Klaus Unruh
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Klaus Unruh » 25.01.2013, 21:14

Neben Lehramt gibt's ja auch noch einige Stellen im entsprechenden Bereich. Kennst du das hier: http://www.wila-arbeitsmarkt.de/index.php?article_id=9 . Es lohnt sich, deren Zeitschrift zu abonnieren, denn das Internetangebit ist nur ca. 1/10 (oder noch weniger) der wirklichen Stellen.

Bezüglich Lehramt: Man muss sich da ein bisschen vertraut machen mit den einschlägigen Sachverhalten. Also: wie funktioniert z.B. eine Bewerbung als Quereinsteiger. Das ist nämlich eine Behörde (wenn's keine Privatschule ist), die strikt nach formaler Qualifikation arbeitet.

Lieben Gruß,

Klaus

cand_dr
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von cand_dr » 26.01.2013, 12:04

Liebe Amygdalakrampf,
Auch wenn du dir von den Beiträgen hier nicht mehr viel erwartest und vielleicht nur Frust ablassen willst (was auch mal sein muss), möchte ich versuchen, etwas Hoffnung zu machen. Ich kenne in meinem Diss-Umfeld, in dem es sehr interdisziplinär zugeht (bin selbst Pharmazeutin, promoviere aber im Mol-Bio-Bereich), mehrere arbeitende (!) Post-Docs in vergleichbarem Alter, die auch kaum Publikationen vorzuweisen haben. Hast du wirklich gar keine oder nur keine Erstautorenschaften? Lücken im Lebenslauf sind auch nichts Ungewöhnliches oder Zeiten der Freiberuflichkeit. Die beste Strategie für dich wäre nach meiner Meinung, dich mit allen deinen Bekannten aus dem Studium und bisherigen Berufsleben zu vernetzen und dich von denen für freiwerdende oder unbesetzte Stellen empfehlen zu lassen. Aus meiner Sicht ist das noch die beste Chance für eine Stelle in der Forschung, denn bei öffentlichen Stellenausschreibungen wird es sicherlich fast immer andere Bewerber geben, die besser qualifiziert sind. Manche Profs wollen aber gar nicht dutzende Bewerber interviewen, sondern suchen, salopp ausgedrückt, auf die Schnelle jemanden, mit dem die Chemie stimmt, der die wichtigsten Methoden kennt und morgen anfangen könnte. Das ist dann deine Chance.

Sonst bleiben noch alternative Möglichkeiten: Ein Zweitstudium Medizin kommt für dich nicht in Frage, weil es in Bremen keine medizinische Fakultät gibt. Wie sieht es mit anderen Fächern aus? Medizin ist schließlich nicht das einzige Fach, in dem ein Arbeitsplatz praktisch sicher ist - und ist verständlicherweise auch nicht jedermanns Sache. Konkrete Empfehlungen will ich zwar jetzt nicht geben, da ich mich zu wenig auskenne, aber es muss etwas sein, in dem das Alter keine so große Rolle spielt (z.B. Möglichkeit zur Selbständigkeit?) oder du im Optimalfall sogar deine Vorerfahrungen einbringen kannst. Vielleicht reicht sogar ein Masterprogramm? Warum das mit der Finanzierung schwierig sein soll, verstehe ich nicht, da du als Arbeitslose scheinbar ebenfalls kein Geld bekommst (ich vermute wegen Ehemann), also im Studium auch nicht schlechter dastehen würdest als vorher. Einen Studentenjob zu finden sollte auch möglich sein, es muss ja nicht für die nächsten 30 Jahre sein!

Auf Arbeitsamt würde ich sowieso nie bei der Jobsuche vertrauen, denn die haben keinen blassen Schimmer. Was ich aber nicht ganz verstanden habe, war die Aussage "Es gibt keinen Arbeitsmarkt für Biologen" Hä? Was meinen die damit? Dass es keine Stellen gibt oder dass die Stellen nur nicht ausgeschrieben werden? Andererseits "Es gibt keine arbeitslosen Akademiker" Widerspricht sich das nicht?

amygdalakrampf
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 27.01.2013, 15:19

cand_dr hat geschrieben:Warum das mit der Finanzierung schwierig sein soll, verstehe ich nicht, da du als Arbeitslose scheinbar ebenfalls kein Geld bekommst (ich vermute wegen Ehemann), also im Studium auch nicht schlechter dastehen würdest als vorher.
Ein Zweitstudium in Bremen und/oder Niedersachsen kostet eine Studiengebühr. Zweitstudenten wird nämlich auch die Zeit der Promotion als Studienzeit angerechnet, das heißt wir sind "Langzeitstudenten". Meines Erachtens eine sehr unfaire Regelung, da die Studiengebühr für Langzeitstudenten ja eigentlich die Leute dazu drängen sollte nicht nur Party zu machen sondern zu lernen. Wenn man promoviert, lernt man und macht nicht nur Party (wenn überhaupt mal). Aber so sieht es aus und zusätzlich zur normalen Semestergebühr von 270 Euro noch mal 500 Euro Studiengebühr abdrücken übersteigt meine finanziellen Möglichkeiten. Ich lebe zwar nicht von Hartz IV und habe auch nur 400 Euro (mit 2 Personen) /Monat zur Verfügung. Mein Mann ist im übrigen ebenfalls arbeitslos, aber wir haben für unsere Rente Geld in einer Form angelegt, die nach dem SGBII nicht geschützt ist. Vielleicht klärt das Deine Frage, warum die Finanzierung nicht nur schwierig, sondern unmöglich ist?
Auf Arbeitsamt würde ich sowieso nie bei der Jobsuche vertrauen, denn die haben keinen blassen Schimmer. Was ich aber nicht ganz verstanden habe, war die Aussage "Es gibt keinen Arbeitsmarkt für Biologen" Hä? Was meinen die damit? Dass es keine Stellen gibt oder dass die Stellen nur nicht ausgeschrieben werden? Andererseits "Es gibt keine arbeitslosen Akademiker" Widerspricht sich das nicht?


Das habe ich in der Tat auch nicht verstehen können.

LG :fire:

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