Karriereende mit 37?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
amygdalakrampf
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 03.01.2013, 15:11

Amalia hat geschrieben:Da Du vielen von uns offensichtlich eine Erfahrung voraushast: Hast Du einen Tipp, wie man dem vorbeugen kann, dass die Karriere (sowohl die wissenschaftliche als auch die allgemeine Kariere als Akademiker) irgendwann einfach vorbei ist?
Garantien gibt es keine, aber es gibt zumindest bei mir Fehler, wo ich im Nachhinein genau erkennen kann, daß dort die Weichen gestellt wurden.
1. Methodenkompetenzen müssen zusammen passen. Beispiel bei mir - ich liebe Zellkultur, aber Elektrophysiologie und Biochemie sind nicht gerade meine Lieblinge. Schon mal schlecht, denn für mindestens einen von beiden Wege muß man sich entscheiden, beide nicht zu können ist eine Weiche in die Arbeitslosigkeit.
2. Publizieren - zumindest in den Naturwissenschaften sind Kumultative Promotionen der beste Garant dafür hinterher nicht im Regen zu stehen, denn wenn man die Daten seiner Doktorarbeit nur auf Deutsch in der Unibibliothek stehen hat, hat man schnell zu wenig Publikationen damit es weiter gehen kann. Die Anzahl gewünschter Publis erhöht sich mit jedem weiteren Schritt auf der Leiter.
3. Netzwerke und Kontakte pflegen - auch wenn einer der Arbeitgeber der letzte A... war, nach Außen hin sollte dies nie treten. Man braucht auch von den A...löchern dieser Welt Referenzen um weiter zu kommen. Der kommende Chef möchte den vorherigen gerne nach einem befragen können. Darum geht nie im Zorn und geht nie zu früh. Am geschicktesten ist es, wenn die Chefs einen "weiter reichen". Vitamin B ist das A und O in der Forschung.
4. Kein Jobhobbing machen. Der zweite Postdoc ist der, wo man die Forschungsarbeiten für die Habil ansammelt. Wenn man den zu früh verläßt wirds schwer!
Und last but not least - nicht krank werden. Burnout oder Depressionen sind unverziehene Karrierekiller.

Dennoch kanns eben sein, daß man doch auf einmal da steht und nicht weiter kommt. Rechtzeitig dafür eine Alternative überlegen - zum Beispiel schon während des normalen Jobs auch an der VHS unterrichten oder ähnliches kann einem den Einstieg in die Erwachsenenbildung erleichtern. Eine Ausbildungseignungsprüfung ist auch keine schlechte Idee solange man sie sich noch leisten kann. Ist man erst einmal ohne Einkommen wirds zu teuer.

:heart:

bienah
Beiträge: 145
Registriert: 18.12.2009, 15:30
Status: fertig
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von bienah » 03.01.2013, 15:49

Vielen Dank für diese selbstkritische Analyse und dafür, dass du deine Einsichten mit uns teilst!

amphritite
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amphritite » 04.01.2013, 11:59

Ja, die Selbstreflexion hier im Forum verdient ein dickes Danke!
Aber trotzdem: Selbstkritik in dem Zusammenhang könnte ein Ansatz sein, der in die falsche Richtung (nämlich v.a. gegen das eigene Selbstwertgefühl) geht. Genau das aber ist, wie oben m.E. ja völlig richtig festgestellt wurde, ein potentieller Karrierekiller. Wenn sich die vielen Selbstzweifel im Vorstellungsgesprächen abzeichnen, dann war`s das wohl erst mal...

Wahrscheinlich ist die Ursache für deine, ebenso, wie für die Arbeitslosigkeit vieler anderer Akademiker/innen (Biologen, Architekten, Soziologen, Juristen, Geschichtswissenschaftler...) nicht wirklich bei dir bzw. vielen, vielen anderen Betroffenen zu finden. Ja, wahrscheinlich hast du/ haben sie tatsächlich sehr vieles richtig und gut gemacht. Das Problem ist struktureller Art --> siehe dazu z.B. die nach Fachbereichen ausdifferenzierte Bewertung der Jobaussichten für Akademiker (bis 2012) unter http://www.rp-online.de/wirtschaft/beru ... -1.1525918.

DAS muss man sich klar machen, um nicht wirklich depressiv zu werden und sich von Selbstzweifeln ausbremsen zu lassen...

:blume:

bbb
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von bbb » 06.01.2013, 11:14

... nicht direkt zum Thema Wissenschaftliche Karriere, aber der Artikel in der ZEIT Jung, gut ausgebildet, arbeitslos passt durchaus allgemein zum Thema.

Ich denke, dass es v. a. ein großes Problem ist, nach diversen Absagen noch das für Bewerbungen notwendige Selbstwertgefühl zu pflegen und zu haben ... das ist ein übler Teufelskreis, dem man nur schwer entgehen kann.


Ich hatte auch eine Phase, in der ich nach neuer Arbeit suchte und über viele Monate nur Absagen kassierte ... das drückt die Stimmung ungemein.
Nachdem ich dann mal eine Zusage bekam, hatte ich plötzlich das Gefühl jeden* Job kriegen zu können, und ging auch viel unverkrampfter und offensiver mit neuen potentiellen Arbeitgebern um (natürlich überhaupt nicht realistisch, aber durchaus hilfreich).

amphritite
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amphritite » 06.01.2013, 13:49

Genau die Situation kenne ich auch: Absagen führen zu Selbstzweifeln und zu Lücken im Lebenslauf - Selbstzweifel und Lücken im Lebenslauf führen zu Absagen .... und umgekehrt die beschriebenen überschwänglichen Glücksgefühle, wenn dann endlich Schwung in den Bewerbungsprozess gekommen ist. Den zitierten ZEITartikel und den darunter verlinkten Artikel http://www.zeit.de/karriere/bewerbung/2 ... arbeitslos finde ich auch interessant. Bei (promovierten) Mathematikern hätte ich das Problem auch nicht vermutet...

Auch interessant finde ich die Diskussion im Anschluss an den o.g. Artikel und nachfolgenden Link:

http://www.wirtschaft-regional.net/lese ... rjensromba

Aber den denkwürdigsten Artikel habe ich soeben im Spiegel gefunden - Titel: "Promotion als Karriererisiko: Vergesst den Doktortitel" (v. 30.8.2012)
...Was kommt nach der Abschlussarbeit? Immer mehr Absolventen setzen sich an eine Dissertation, sie wollen Zeit schinden oder mit dem Doktortitel ihren Lebenslauf aufhübschen. Was viele erst zu spät merken: Der "Dr." kann den Jobeinstieg sogar erschweren...
Quelle:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studiu ... 43999.html

ChemieDR
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von ChemieDR » 06.01.2013, 16:30

Hallo zusammen,

also ich will mich jetzt nirgends einmischen oder so, aber besteht vielleicht die Möglichkeit sich einen anderen Job zu suchen? Oder aber du gehst in Frührente. Ich frage das nur weil mein Bekannter auch in Frührente gegangen ist, als er ungefähr 40 Jahre alt war.

Anne123
Beiträge: 173
Registriert: 12.05.2010, 13:01
Status: irgendwo mittendrin
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Anne123 » 06.01.2013, 19:39

Man kann nicht einfach so in Frührente gehen, wenn nicht ein schwerwiegender Grund vorliegt (Krankheit, Behinderung, Pflege in der Familie, etc.). Sollte es da doch eine Lücke geben, gib mir Bescheid. Dann werde ich mir einen anderen Wohnsitz suchen, um in Zukunft keine Steuern mehr in diesem Land zahlen zu müssen.
Bild

amygdalakrampf
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 07.01.2013, 09:10

Das mit der Frührente ist aber doch hoffentlich nicht ernst gemeint, ChemieDR. Mal abgesehen davon, ich WILL arbeiten, falls das noch nicht deutlich geworden ist. :roll:

ChemieDR
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von ChemieDR » 07.01.2013, 09:12

Hi, wenn ich eine Lücke wüßte, dann würd ich Dir das gerne zukommen lassen. Wenn wir Schwerverdiener wären, dann würden wir wahrscheinlich auch von Rußland ein Angebot auf die Staatsbürgerschaft bekommen. Die Franzosen zahlen ja noch mehr Steuern als wir und haben eine deutlich höheren Spitzensteuersatz.

amygdalakrampf
Hat sich bedankt: 0
Danksagung erhalten: 0

Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 07.01.2013, 10:23

Die Sache mit dem Selbstwertgefühl - ich glaub jetzt nicht, daß ich unter einem Mangel daran leide. Klar hat man Schwankungen, ich auch. Dennoch sehe ich das nicht als eigentlichen Punkt bei mir. Auch kommt es in Biologie Jobs mittlerweile ja gar nicht mehr zu Bewerbungsgesprächen. Da ist einfach nur Schweigen am anderen Ende der Leitung. Entweder bekomme ich auf Bewerbungen gar keine Antwort oder nach vielen Wochen mal eine Absage - öfter aber eben auch gar nichts und auf meine Rückfrage Ausflüchte.

Und bei nicht Bio Jobs kommt natürlich das :shock: :shock: :shock: SIE SIND JA HOFFNUNGSLOS ÜBERQUALIFIZIERT!!! :shock: :shock: :shock:

Also damit ist mir das Arbeiten als Laborantin versagt, ebenso wie die meisten anderen Jobs, die ich mir noch vorstellen könnte. Dabei ist das "Überqualifiziert" völliger Schwachsinn. Ich komme allerdings gar nicht erst in die Verdrückung erklären zu können, warum ich eben NICHT überqualifiziert bin. Beim Gegenüber gehen sofort alle Rollore runter, wenn das Stichwort Studium fällt. Oft brauch ich nicht mal erst ewähnen, daß ich promoviert habe, damit die Klappe fällt.

Ich probiere es gerade als Quereinsteigerin in die Tierpflege. Nur gibts da auch noch nicht so prickelnd viel Resonanz. :roll:

Antworten