Karriereende mit 37?

Irgendwann ist jeder fertig. Und dann darf er sich hier austoben :-)
amygdalakrampf
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Karriereende mit 37?

Beitrag von amygdalakrampf » 13.12.2012, 15:44

Das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man Post-doctoral fellow geworden ist, ist ...? Nicht genügend zu publizieren und dann durch die Maschen des Systems zu fallen. Das ist mir vor 7 Jahren passiert. Gutes Studium absolviert, zügig die Diplomarbeit gemacht, Promotion in 3 Jahren magna cum laude abgeschlossen und Post-doc Stelle in den USA bekommen. Klingt gut, oder? Blöd war (von mir), daß ich meine Promotion auf deutsch und nicht kumultativ gemacht habe und mein Doktorvater und ich die Ergebnisse nicht publizieren konnten. Die Post-doc Stelle in den USA schien die Rettung - zumal wir auch publizierten. Aber wir kamen nicht gut miteinander aus und nach 1 Jahr war Schluß. Was dann kam, war dann wirklich die dritte und endgültig schlechteste Entscheidung. Ich bekam eine andere Stelle als Post-Doc in Neuseeland, aber ich war mit dem, was da von mir verlangt wurde völlig überfordert, hatte keinen blassen Dunst und obwohl der Chef es nicht verlangte, bin ich nach 9 Monaten weg gegangen - in die Arbeitslosigkeit. Keine Referenzen, keine Publikationen = Ende im Gelände. Seit dem suche ich und rudere ich um einen Weg zurück zu bekommen, doch angeblich gibt es keine arbeitslosen Akademiker und angeblich keinen Arbeitsmarkt in Biologie. :?: Zumindest wollte das Arbeitsamt dies so behaupten, damit sie mir kein Qualifizierungspraktikum in der Uni vor Ort genehmigen mußten - denn das hätte ich als Langzeitarbeitslose bekommen können, wenn das Arbeitsamt mich zugewiesen hätte (so der Professor an der Universität, mit dem ich gesprochen hatte). Lange Rede kurzer Sinn - ich suche nach einem Ausweg.

Da mir der durch das AA versperrt bleibt und ich als Privatperson nicht von der Uni als Praktikant genommen werde gehen mir die Ideen einwenig aus, wie ich an eine Qualifizierungsmaßnahme komme. Als Langzeitarbeitslose habe ich natürlich nicht das Geld selbst eine Maßnahme finanzieren zu können. Langsam werde ich älter und fürchte, sogar mit einer Qualifizierung ginge es in der Forschung wohl nicht weiter. Wer kennt diese Art Problem und wer hat eine Idee?

Ich hatte schon an eine zweite Promotion gedacht, aber von der hat man mir in der Studienberatung abgeraten, da es eine Flut von jungen Absolventen gibt, die erst eine Chance bekommen sollen. Das ist ja auch wichtig, aber sollte es wirklich gar kein Plätzchen für mich geben?

Ich habe mich jahrelang beworben, auch als Quereinsteiger für das Lehramt oder in der Tierpflege, aber ich habe bisher nichts erreichen können. Darum, wenn einer von Euch eine zündende Idee für mich hätte, wäre ich sehr dankbar!

LG

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Peinlich
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Peinlich » 14.12.2012, 10:13

Hallo,

ich habe leider auch keine Loesung fuer dich.
Wie sieht es denn aus mit vielleicht einer Umschulung oder der Moeglichkeit einer Weiterbildung etc.? (vielleicht auch ein paar Semester Paedagogik studieren um dann als Lehrer an eine Schule gehen?--> in den USA kannst du sogar meiner Meinung nach ohne weiteres Studium an einer Highschool unterrichten.)
Ich wuensche dir viel Erfolg und Glueck!

LG

Laplace
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Laplace » 14.12.2012, 10:37

Deine Geschichte hört sich bitter, traurig und frustrierend an. Ohne eine echte Lösung für dich zu haben (die hier im Internet wahrscheinlich niemand hat), überlege ich mal laut:

Unabhängig von Publikationen musst du ja irgendetwas können - sonst hätte das mit der Promotion ja sicherlich nicht geklappt.
Eine Arbeit für dich gibt es bestimmt, du musst "nur" jemanden finden, der dir das auch zutraut und bereit ist, dir dafür Geld zu geben....
Ich vermute, dein inzwischen größtes Problem wird die längere Zeit der Arbeitlosigkeit sein. Eine so große Pause im Lebenslauf ist bestimmt nicht gut bei der Bewerbung. Praktisch kann ich dir nur raten: Vertraue nicht auf den Staat/die Arbeitsagentur. Dort wird Arbeitslosigkeit verwaltet, aber keine Jobs verteilt. Mir haben schon manche erzählt, dass eine etwas veränderte Bewerbung(-sstratgie) manchmal Wunder bewirkt. Um sowas festzustellen, würde ich mich mit Freunden oder Bekannten austauschen, denen meine Bewerbung zeigen, besprechen, wo ich mich noch bewerben könnte etc. Ohne dich, deine Qualifikationen, deine Intressen, deine Region zu kennen, wird es mit sehr konkreten Tipps eher schwierig. Es gibt auch professionelle Bewerbungscoachings, vielleicht wäre das auch noch eine Option.

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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Klaus Unruh » 14.12.2012, 11:22

Eine Idee im engeren Sinne habe ich auch nicht. Aber dass es keinen Arbeitsmarkt gibt, stimmt ja nicht.

Schau doch z.B. mal hier nach: http://www.wila-arbeitsmarkt.de/ . Die geben eine Zeitschrift raus, in der sich im Prinzip nur Stellenanzeigen im Bereich Umweltschutz und Naturwissenschaften befinden. Eine minimale Auswahl an Stellen findet sich auch online hier: http://www.wila-arbeitsmarkt.de/index.php?article_id=9 .

Ansonsten fällt mir 'nur' noch ein: Quereinstieg ins Lehramt. Das dürfte mit Biologie gehen.

Lieben Gruß,

K.

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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von MastaofDissasta » 14.12.2012, 11:35

Du lebst vermutlich in dem Alptraum, den die meisten haben, die eine Wissenschaftskarriere planen - allerdings stehen deine Chancen außerhalb der Wissenschaft gut, denn in der Regel geht man von einem Lock-In so um das 40. Lebensjahr aus. Danach gibt es oft kein Zurück mehr, weil man zu viel Zeit in der Wissenschaft verbracht hat.

So brutal es klingt, weil du vermutlich große Hoffnungen in das Praktikum gesetzt hat: Das wird kein Weg zurück in die Wissenschaft sein. Ich arbeite an einem Institut mit vorgeblich sozialpolitischem Auftrag und wir haben öfter mal Praktikanten oder andere Formen von Wiedereingliederungsmaßnahmen, die aber nie über die vorgesehen Laufzeit hinausgehen. Praktika zählen in der Wissenschaft relativ wenig und den Praktikanten werden vor allem Hiwi-Aufgaben übertragen. Wissenschaft ist ein brutales Geschäft, das von Angst regiert wird. Lehrstulhinhaber und Drittmittelgeber zögern bei Leuten, die nicht die ganz aalglatte Laufbahn hingelegt haben, weil niemand seinem eigenem Urteil vertraut.

Aber deine Chancen außerhalb der Uni sind als promovierte Naturwissenschaftlerin gut. Hast du mal an die pharmazeutische Industrie gedacht? Clinical Research Associates oder GCP-Beauftragte erfordern in der Regel eine kurze zusätzliche Qualifikation, die aber vom Arbeitsamt getragen werden kann oder auch vom Unternehmen, und weil man in der Studienkoordination viel mit Ärzten zu tun hat, suchen die Unternehmen gezielt promovierte Naturwissenschaftler.

Alles Gute :blume:

DoneXY
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von DoneXY » 14.12.2012, 11:41

Ja, Quereinstieg ins Lehramt sollte mit einem MINT-Fach relativ problemlos möglich sein. Was in einem Bundesland nicht klappt, geht evtl. in einem anderen. Die Regelungen sind von Bundesland zu Bundesland sehr verschieden.

Eine Professur an einer FH kommt auch in Frage. Ich weiß allerdings nicht, welche Bedeutung Biologie an FH hat.

Coaching ist ein guter Tipp!

Fortbildungen werden auch Langzeitarbeitslosen finanziert. Das entscheidet der Sachbearbeiter/die Sachbearbeiterin. Magst Du verraten, in welchem Bundesland Du wohnst? Es wundert mich, dass Dir erzählt wird, es gebe keine arbeitslosen Akademiker.

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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von Anne123 » 14.12.2012, 11:59

Ein Bekannter von mir ist ebenfalls promovierter Biologe und hat einen ähnlichen Weg hinter sich, u.a. PostDoc in Neuseeland. Er hat jetzt eine attraktive Stelle an einem Forschungsinstitut in Holland. Gerade in der Biologie sieht es nicht rosig aus, aber das ein oder andere hast Du doch vorzuweisen. Muss es unbedingt Deutschland sein?
Ich vermute, dass Du einfach so lange aus D. weg warst, dass Du die Möglichkeiten gar nicht kennen kannst (und beim AA kann man auch den Eindruck gewinnen, dass die eigentlich gar nicht hier leben.:-)

Wie sieht es z.B. mit Wissenschaftsjournalismus aus? Da sind Naturwissenschaftler gefragt! Oder Du machst noch einen Master, der Dich weiterbringt.

Viel Erfolg!
Bild

BlueFairy
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von BlueFairy » 14.12.2012, 13:34

Ich will ja nicht unken aber mit Biologie ist der Einstieg ins Lehramt nicht so einfach, wie hier viele das glauben. Bio ist das einzige Natwiss-Fach, dass genug eigene Lehramtsabsolventen hat. Physik, Chemie oder Mathe ist da was ganz anderes. (Ich bin mit einem Biolehrer liiert, der gerade mit dem Ref fertig ist und habe deshalb einen Einblick in die Einstellungszahlen erhalten.)
Klappen kann es natürlich trotzdem und ich wünsche es dir auf jeden Fall!!!!

DoneXY
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von DoneXY » 14.12.2012, 13:38

BlueFairy hat geschrieben:Ich will ja nicht unken aber mit Biologie ist der Einstieg ins Lehramt nicht so einfach, wie hier viele das glauben.
Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.
In Niedersachsen zählt Biologie weder an Grundschulen, noch an Realschulen, Gymnasien, Hauptschulen oder Gesamtschulen als Mangelfach.
In Bayern hingegen gilt Biologie an Realschulen neben Physik, Chemie, Informatik und Sport als Mangelfach. In Hessen werden vor allem an Haupt- und Realschulen neue Lehrer gesucht, wobei Lehrkräfte, die Erdkunde, Sozialkunde, Sport, Biologie oder Musik bilingual, also auf Französisch oder Englisch, unterrichten können, besonders gefragt sind.
http://www.biologen.eu/jobs/biologie-le ... ktiven.php

BlueFairy
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Re: Karriereende mit 37?

Beitrag von BlueFairy » 14.12.2012, 14:02

DoneXY hat geschrieben:
BlueFairy hat geschrieben:Ich will ja nicht unken aber mit Biologie ist der Einstieg ins Lehramt nicht so einfach, wie hier viele das glauben.
Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden.
Das ist mir bewusst, mein Partner und viele seiner Kollegen haben sich bundesweit beworben (bewerben "müssen"). Ich will hier auch keine negative Stimmung machen, ich wollte nur aufzeigen, dass der typische MINT-Mangel für Bio in den meisten BL eben nicht zutrifft.

Ansonsten stimme ich deinem Beitrag voll und ganz zu.

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