(Dr.) Klaus Leipziger

Das Unterforum zur Diskussion um die aus fremden Textpassagen zusammengesetzten Dissertationen Prominenter.
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(Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von musicus » 04.08.2013, 10:56

Martin Heidingsfelder hat in der Arbeit von Klaus Leipziger, heute Chefarzt des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, mindestens eine übernommene Quelle gefunden, die nicht angegeben ist. Hier der Bericht des BR.

Das allein ist natürlich nicht viel, die Stelle ist auch m.W. nirgends öffentlich dokumentiert, allerdings birgt der Fall durchaus eine gewisse Brisanz. Im BKH Bayreuth sitzt seit über sechs Jahren Gustl Mollath ein, der einen Schwarzgeldskandal bei der HypoVereinsbank aufdecken wollte. Einer der Gutachter ist Leipziger, der ihn (ohne Untersuchung) weiter für "gefährlich" hält, während andere Psychiater, die ihn wirklich untersucht haben, Mollath einwandfreie geistige Gesundheit bescheinigen.

In diesem Falle würde es mich wirklich freuen, wenn ein solch gefährlicher, weil machtvoller Mann über ein Plagiat stolpern würde. Ich habe mir seine Arbeit selbst einmal besorgt, mir fehlten dann aber die Kenntnisse, Plagiate darin aufzudecken.

Grundsätzlich handelt es sich um ein 60 Seiten dünnes Heft, das ganz im Stil medizinischer Dissertationen als eine bessere Hausarbeit durchgehen würde. Er hat ein paar Statistiken über die bei ihm inhaftierten Patienten zusammengetragen. Interessant, daß die Arbeit erst 1999 erschien, Leipziger war zu diesem Zeitpunkt 46 und bereits Chefarzt in Bayreuth. Mich würde interessieren, mit welcher Qualifikation. Für weitere Informationen zu Leipziger, siehe das Nürnberg-Wiki.

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flip
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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von flip » 04.08.2013, 11:27

Ich halte das für eine gefährliche Entwicklung. Auch bei den letzten Dissertationen allgemein.

Mag es auch eine typische Medizindiss sein, um es mal sehr diplomatisch auszudrücken, so kann man doch nicht einfach alle beteiligten Personen in die Plags
aufnehmen. Denn dann wird ein Einfluss auf den Fall genommen, der nichts mit der Entscheiding des Gerichts und der Staatsanwaltschaft zu tun hat.
Ich gehe ja auch nicht nei einer rechtlichen Frage in eine Awaltskanzelei, prüfe aber erst die Grade aller Anwesenden.


In diesem Fall müssten vermutlich ca. 95% aller Mediziner der Doktorgrad aberkannt werden.

Frodo
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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von Frodo » 04.08.2013, 21:54

musicus hat geschrieben:In diesem Falle würde es mich wirklich freuen, wenn ein solch gefährlicher, weil machtvoller Mann über ein Plagiat stolpern würde.
Grundsätzlich unterstütze ich es ohne Einwand, wenn Betrügern in der Wissenschaft auf dem Leim gegangen wird. Eröffnet man nun aber unter dem Vorwand eines möglichen (!) Plagiats eine Hetzjagd auf in der Öffentlichkeit stehende Personen, um damit die persönliche Missgunst oder andere Defizite zu verarbeiten, so ist dies in meinen Augen doch sehr fragwürdig und bisweilen beschämend.

Grüsse,
Frodo

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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von DoneXY » 05.08.2013, 09:54

Frodo hat geschrieben: Eröffnet man nun aber unter dem Vorwand eines möglichen (!) Plagiats eine Hetzjagd auf in der Öffentlichkeit stehende Personen, um damit die persönliche Missgunst oder andere Defizite zu verarbeiten, so ist dies in meinen Augen doch sehr fragwürdig und bisweilen beschämend.
Weder das Eingangsposting noch der dort verlinkte Artikel machten auf mich den Eindruck einer Hetzkampagne. Ich finde es daher fragwürdig, musicus und/oder den BR mit einem solch negativ besetzten Begriff abzuwerten. Vor der Gefahr von möglichen (!) Hetzkampagnenen zu warnen, finde ich berechtigt, doch in diesem Fall hätte ein dezenterer Hinweis genügt. Allerdings scheinen wir die Welt mit anderen Augen zu sehen:
Frodo hat geschrieben:Grundsätzlich unterstütze ich es ohne Einwand, wenn Betrügern in der Wissenschaft auf dem Leim gegangen wird.
:wink:

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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von musicus » 05.08.2013, 10:12

Ich erlaube mir, ab einem gewissen Maß von Unrecht, das ich beobachte, auch emotional zu werden. Herr Leipziger ist ja nicht nur für das Wegsperren von Herrn Mollath verantwortlich, in seinem Krankenhaus sitzen mindestens zwei weitere Menschen unschuldig ein.

Seine Dissertation und seine Gutachtertätigkeit hängen doch recht eng miteinander zusammen (zugegeben, ist gibt m.W. auch psychiatrische Chefärzte ohne Doktorgrad). Aber gerade in seinem Fall ist eine genaue öffentliche Diskussion um die Einhaltung wissenschaftlicher Standards doch angebracht. Ob er fähig ist, "korrekte" psychiatrische Gutachten zu verfassen, ist sicher nicht davon abhängig, ob er den ein oder anderen Absatz undokumentiert von anderen übernommen hat.

Aber! Wer Menschen mit seinen Gutachten ihrer Freiheit beraubt, sollte das auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament tun. Und da hapert es ganz generell in der Psychiatrie, die ja immer von der Unterscheidung "normal" - "abnormal" ausgeht und das dann einem Menschen zuschreibt. Was aber bildet die Grundlage, zu sagen das ist "normal"? Es sind die anderen Menschen, also die Umgebung, nicht der "Patient" selbst!

Dieses Problem blendet Leipziger bewußt aus, seine Argumentation: die Schwarzgeldvorwürfe stimmen nicht (woher weiß er das?), deshalb unterliegt Mollath einem Wahn. Weil er sich nicht von ihm deswegen behandeln lassen will (wie?), ist er weiterhin gefährlich und darf nicht entlassen werden. Jetzt steht aber schon fest, daß Mollath recht hatte. Die Basis für Leipzigers Gutachten bildete also nicht die Person Mollath (die er auch gar nicht untersucht), sondern seine eigenen Vorurteile über den Wahrheitsgehalt Mollaths Aussagen. Das ist nicht Wissenschaft, das ist Machtmißbrauch. Und der muß gestoppt werden, egal wie.

Wer zugibt, daß durch Fehlurteile unschuldige und gesunde(!) Menschen in seinem Krankenhaus lebenslang wegsperrt werden können und das auch durchzieht, ist (ich ergänze: aus meiner Sicht, um den Eindruck einer "Hetzkampagne" zu vermeiden) ein Verbrecher! Und wer sagt: ich bestimme, was Realität ist, ist kein Wissenschaftler.

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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von DoneXY » 05.08.2013, 10:59

Jetzt bereue ich mein obiges Posting.

In einem Krankenhaus 'sitzt' kein Mensch, weil er sich eines Oberschenkelhalsbruches oder einer Psychose 'schuldig' gemacht hätte.

Was Dr. Leipziger macht und unterlässt, mag fragwürdig sein, doch die Frage, die musicus über ihn stellt ' (woher weiß er das?), darf - angesichts der ausgebreiteten Detailfreude - getrost an den Fragenden zurückgegeben werden.

So wichtig eine konstruktivistische Position sein kann, dass sie immer angemessen ist, lässt sich bezweifeln. Damit habe ich übrigens nicht geschrieben, dass die Mollath zugeschriebene Diagnose richtig ist, sondern lediglich, dass zugeschriebene Diagnosen auch eine der Situation angemessene Arbeitsgrundlage schaffen können. Wie es sich in dem genannten Fall verhält, kann ich nicht beurteilen.

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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von musicus » 05.08.2013, 14:11

Nur noch ein paar Anmerkungen, dann konzentriere ich mich wieder aufs Thema, nämlich die Disseration.

a) in einer forensischen Psychiatrie sitzt man ein. Alles andere wäre eine Beschönigung. Die FP ist ein Teil des Justizsystems und nennt sich auch Maßregelvollzug.

b) die Grundlage dieser Freiheitsentziehung bilden psychiatrische Gutachten, wie das Erstgutachten von Dr. Leipziger im Fall Mollath. Dieses wurde nach Aktenlage erstellt, d.h. ohne daß Leipziger mit Mollath je ein Wort gesprochen hätte. Woher ich das weiß? Das steht so im Gutachten und in den Gerichtsakten.

c) man darf (nicht nur, wenn man konstruktivistische Positionen vertritt) getrost bezweifeln, daß es zur Diagnose einer komplexen Persönlichkeitsstörung angemessen ist, sich nicht mal mit dem Patienten zu unterhalten. Auch sollte es (Wissenschaft) für andere nachvollziehbar sein, wie man zu dieser Diagnose gekommen ist.

d) zugeschriebene Diagnosen als angemessene Arbeitsgrundlage? Nicht, wenn es um die Existenz von Menschen geht.

PS: Mollath ist wie gesagt nicht der erste und letzte Fall dieser Art. Stichwort: erfolgreiche Steuerfahnder in Hessen. Und das unter dem Deckmantel der vermeintlichen Wissenschaftlichkeit.

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Re: (Dr.) Klaus Leipziger

Beitrag von DoneXY » 05.08.2013, 15:09

Deine Wortwahl legte eine strafrechtliche Verurteilung nahe, da der Ausdruck 'schuldig' ein strafrechtliches Unwerturteil bezeichnet. Das Label 'krank' im forensisch-psychiatrischen Sinne ist jedoch mit 'Schuldunfähigkeit' verbunden.

Wird betont, „in seinem Krankenhaus sitzen mindestens zwei weitere Menschen unschuldig ein,“ dann werden aus den verbleibenden Insassen ‚schuldig’ Einsitzende. Obwohl auch diese im forensisch-psychiatrischen Sinne ’schuldunfähig’ sein sollten.

Es muss doch möglich sein, dass ich einen laxen Umgang mit dem Begriff „Schuld“ kritisiere, ohne dass einem implizit Aussagen ungeschoben werden, die einem fern liegen.

Wieso mein Posting es nötig machen soll, mich darüber belehren zu müssen, dass Diagnosen nachvollziehbar sein müssen, ist mir ein Rätsel.

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